Master Class Garry Kasparov

Heute auf schach.de

ChessBase TV Austria: Hebelspiele bei der Olympiade

– Der ÖSB sendet heute um 17 Uhr die nächste Ausgabe von Chessbase TV Austria auf Schach.de. Moderation: IM Harald Schneider-Zinner. Zu Gast: Kineke Mulder. Thema: Thema: Hebelspiele bei der Olympiade. Mehr Infos!

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Schachboom in Indien

15.05.2003 – Obwohl aus Indien stammend erreichte das Spiel in seinem Heimatland niemals die Bedeutung, die es verdiente. Erst durch die Briten erlangte das Spiel im 19.Jahrhundert größere Popularität in seinem Ursprungsland. Heute ist Anand der große Star und viele talentierte Nachwuchsspieler sorgen für einen Schachboom in Indien. Das Presse Informations-Büro der indischen Regierung gibt auf seiner Webseite einen Überblick über die Entwicklung im indischen Schach. Doch schon lange vor Anand gab es einen großen indischen Megastar im Schach: Sultan Khan. Er erschien 1929 urplötzlich auf der internationalen Schachbühne und verschwand nur vier Jahre später spurlos. "Big Boom in Brain Game" (PIB-India)...Mehr über Sultan Khan...
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Einer der mysteriösesten Spieler der Schachgeschichte ist der aus dem heute zu Pakistan gehörenden Teil von Punjab stammende Inder Mir Sultan Khan. Im Jahr 1929 kam er im Gefolge von Sir Umar Hayat Khan nach England. Sultan Khan war Angestellter von Sir Umar Hayat Khan, möglicherweise auch dessen Leibeigner. Reuben Fine berichtete, dass es Sultan Khans Aufgabe war, als Kellner das Essen während der Mahlzeiten zum Tisch zu bringen.

Obwohl er keinerlei Ausbildung genossen hatte, war er einer der stärksten Schachspieler seiner Zeit. Er gewann die britischen Meisterschaften 1929, 1932 und 1933 und spielte auf drei Schacholympiaden am ersten Brett für England. In einem Wettkampf schlug er 1931 in Semmering Dr. Saviely Tartakovar mit 6,5:5,5. Im Turnier zu Hastings 1930/31 hatte er u.a. gegen Capablanca gewonnen. Gemäß Chessmetrics war Sultan Khan 1932 die Nummer 11 der Weltrangliste (Elo 2592*). Offenbar war Sultan Khan bevor er nach England kam schon ein sehr versierter Spieler einer indischen Version des Schachs, die sich aber nur wenig vom westlichen Schach unterschied.


Worcester, 1931, sitzend: Mir Sultan Khan (1905-1966), Theodore H. Tylor (1900-1968). Stehend: Sir George Thomas (links außen) (1881-1972) (far left), Arthur J Mackenzie (1871-1949) (rechts außen).
Foto: British Chess Magazine

Als sein Arbeitgeber (Herr) England nach vier Jahren wieder verließ, nahm er auch Sultan Khan mit sich. Von da an verliert sich die Spur eines der besten Schachspieler jener Zeit völlig. Später wurden noch einige Gerüchte kolportiert. So soll er angeblich als Opernsänger im südafrikanischen Durban gesehen worden sein.

In "Chess" wurde 1966 ein Leserbrief veröffentlicht, in dem Mohammed Yusuf aus Lahore, West Pakistan schreibt: "Ich kenne Sultan Khan seit 1918. Er lebt als kleiner Grundbesitzer im Sargodha District im alten Punjab. Der Grund für sein Verschwinden aus der Schachwelt liegt darin, dass sein Patron, der Malik Sir Umar Hayat Kham Tiwana 1941 gestorben ist. Seitdem gab es keine große Möglichkeit, die überall im Land verstreut lebenden Spieler zu treffen. Außerdem ist es allgemein bekannt, dass die Englisch-Kenntnisse von Sultan Khan seine Fähigkeiten ein Notationsformular zu lesen kaum übertrafen. Der Sekretär des verstorbenen Sir Umar half ihm gewöhnlich dabei, Partieaufzeichnunegn zu lesen. Heute hat er niemanden, der ihm dabei helfen könnte, sich mit Schach zu beschäftigen. Aber dennoch ist er sicher immer noch der beste Spieler Pakistans, wahrscheinlich auch Indiens. Er ist ein Genie."

André Schulz/15.Mai  2003



Auf der CD "100 Jahre Schach" wurde folgende Biografie von Sultan Khan veröffentlicht:

Eine legendäre Gestalt der Schachgeschichte ist der in Punjab, Indien (heute Pakistan), geborene Sultan Khan. Im Jahre 1929 kam er das erste Mal nach Europa, wurde in Ramsgate auf Anhieb britischer Meister, zeigte sich aber den englischen Spitzenkräften Winter und Yates noch nicht gewachsen. Als er im Mai 1930 erneut in Europa erschien, war er schon stark genug, in Scarborough hinter Colle, Maroczy und Rubinstein den vierten Platz und in Liege hinter Tartakower, aber vor Nimzowitsch, Rubinstein und Marshall den zweiten Platz zu erringen. Ende 1933 kehrte er (inzwischen dreifacher englischer Meister), ohne sich je wieder auf der internationalen Schachszene sehen zu lassen, in sein Dorf nahe seines Geburtsortes Mittha Tawana zurück, wo er, wie ein Besucher im Jahre 1958 zu berichten wusste, 'im Schatten eines Baumes seine "hookah" rauchte, mit den Nachbarn ein Schwätzchen hielt, während die Frauen die Arbeit verrichteten.'

Der Reiz des Außergewöhnlichen, den diese fremdartige, turbantragende Gestalt ausübte, wurde ähnlich wie bei Morphy und Fischer durch das plötzliche Ende der Karriere ausgelöst, das beim Publikum das Gefühl hinterließ, auf Grund tragischer Umstände um die letzte Sensation, auf die es so sehr gehofft hatte, betrogen worden zu sein. Günstig für Sultan Khans Image wirkte sich auch sein Sprachmangel aus; denn da er keiner europäischen Sprache mächtig war, sie weder lesen noch schreiben konnte, wurde der Eindruck des natürlichen Genies nicht verdeckt durch das Bild eines Mannes, der durch schnöden Fleiß seine Erfolge vorbereitet hatte. Gerade das imponierte einem Manne wie Capablanca, der unseren Helden mit dem Adelstitel 'Genie' schmückte, obwohl der große Kubaner es doch gewöhnlich vorzog, lieber sich selbst als seine Konkurrenten zu loben - oder sah er in Sultan Khan gar keinen ernsthaften Konkurrenten? Die einzige Turnierpartie zwischen beiden Spielern, die am Sylvesterabend 1930 in Hastings gespielt wurde, führte zur 25. von insgesamt 36 Niederlagen, die Capablanca in seiner gesamten Karriere erlitt.

 

 

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