Schachbundesliga, Rd. 10: Wie gewonnen, so zerronnen

von Marco Baldauf
19.03.2017 – Mit einem fulminanten Sieg über Titelverteidiger Solingen konnte Hockenheim gestern ein dickes Ausrufezeichen setzen. Heute hingegen die Ernüchternung bei einer harschen Niederlage gegen schwach aufgestellte Mühlheimer. Baden Baden landet den zehnten Saisonsieg, auch wenn der Hamburger SK heute frech mitspielte und gar in Führung ging. Solingen legt unterdessen ein furioses Comeback hin.

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Spielort Hamburg

Ein perfektes Wochenende für Baden Baden: gegen die gefährlichen Bremer gab sich der Titelfavorit gestern keine Blöße, heute konnte die Tabellenführung mit einem Sieg über Hamburg stabilisiert werden. Das junge Team vom Hamburger SK wehrte sich tapfer, bereitete einen langen Kampf und ging sogar durch einen Sieg im polnisch-polnischen Duell am Spitzenbrett in Führung. Begegnungen mit seinen Kollegen aus dem Nationalteam scheinen Duda in der Bundesliga zu liegen: Vergangene Saison wurde Dudas Sieg über Gajewski zur besten Partie der Saison gewählt, nun setzte er gegen Wojteaszek ein weiteres Ausrufezeichen.

Jan-Krzystof Duda (Foto: Schachbundesliga)

Die Führung der Hansestädter hielt bis nach der Zeitkontrolle, ehe Adams, Gustafsson und Meier Siege für Baden Baden einfahren konnten.

Michael Adams sorgt für den Ausgleich. (Foto: André Schulz)

OSG Baden Baden           5 - 3 Hamburger SK             
 6 Wojtaszek,Radoslaw     0 : 1 Duda,Jan-Krzysztof      1
 7 Adams,Michael          1 : 0 Miton,Kamil             5
 8 Vallejo Pons,Francisco ½ : ½ Svane,Rasmus            6
10 Bacrot,Etienne         ½ : ½ Huschenbeth,Niclas      7
12 Naiditsch,Arkadij      ½ : ½ Ftacnik,Lubomir        10
13 Movsesian,Sergei       ½ : ½ Lampert,Jonas          11
14 Meier,Georg            1 : 0 Rogozenco,Dorian       12
16 Gustafsson,Jan         1 : 0 Kollars,Dmitrij        13

Im zweiten Duell wehrt sich Speyer-Schwegenheim ebenso tapfer und hätte mit etwas mehr Selbstvertrauen den großen Favoriten Bremen sogar ärgern können: doch der Bulgare Bratanov (2409 Elo) sucht in aussichtsreicher Angriffsstellung gegen Werle (2551 Elo) ebenso das Dauerschach wie Starostits (2449 Elo) gegen Efimenko (2661 Elo).

 

 

 

Jeder Schachspieler kennt wohl diese Situation: ein Remis gegen einen nominell so deutlich stärkeren Gegner mitzunehmen führt einen immer in große Versuchung.

Matthias Bluebaum punktet für Bremen, ebenso zu vollen Zählern kommen David Smerdon und Romain Edouard.

Bremen erfüllt also die Pflichtaufgabe und rückt auf den siebten Platz vor - eine großartige Saison wird es nach dem grausamen Saisonstart (2-6 Punkte) für die Hanseaten nicht mehr werden, doch Platz Fünf scheint noch fest im Blick zu sein. In drei Wochen kann im Kampf gegen das Pärchen Schwäbisch Hall und Dresden ein großer Schritt getan werden. Speyer hält sich mit fünf Punkten weiterhin knapp auf einem Nicht-Abstiegsplatz, beim Heimspiel gegen die Berliner Mannschaften geht es um extrem wichtige Zähler im Abstiegskampf.

Speyer-Schwegenheim       3 - 5 SV Werder Bremen         
 2 Feller,Sebastien       ½ : ½ Fressinet,Laurent       1
 3 Kantans,Toms           1 : 0 McShane,Luke J          3
 4 Meskovs,Nikita         0 : 1 Bluebaum,Matthias       4
 9 Starostits,Ilmars      ½ : ½ Efimenko,Zahar          5
10 Shytaj,Luca,Dr.        0 : 1 Edouard,Romain          6
11 Bratanov,Zsivko        ½ : ½ Werle,Jan              10
13 Commercon,Simon        0 : 1 Smerdon,David          11
14 Kraemer,Enrico         ½ : ½ Markgraf,Rolf-Alexande 12

 

Spielort Berlin

Wer hat diese Saison noch etwas mit dem Abstieg zu tun, welche Teams können bereits nach zwei gespielten Dritteln durchatmen - diese Frage wurde am Spielort in Tegel geklärt. Aufsteiger Aachen setzte auf volle Kraft und bot seine Stars aus Südamerika an den Spitzenbrettern auf - Iturrizaga kam gar direkt vom HD Bank Open in Vietnam eingeflogen, wo er Freitags noch die Schlussrunde spielte. Die Taktik zahlte sich allerdings vollständig aus: Nach dem Sieg gegen die SF Berlin in Runde Neun setzte Aachen mit einem ungefährdeten Sieg über Berlin Tegel konzentriert fort und kann mit neun Punkten wohl bereits beginnen für die kommende Bundesliga Saison zu planen.

Bonelli Iturrizaga (Foto: www.escacsandorra.com)

DJK Aachen                5 - 3 SK König Tegel           
 1 Granda Zuniga,Julio Er 1 : 0 Stern,Rene              1
 2 Iturrizaga Bonelli,Edu ½ : ½ Rabiega,Robert          2
 3 van Foreest,Jorden     ½ : ½ Moreno Tejera,Emilio    4
10 Hoffmann,Michael       ½ : ½ Muse,Mladen             5
11 Zaragatski,Ilja        ½ : ½ Bruedigam,Martin        6
12 Braga,Fernando         0 : 1 Fruebing,Stefan         7
13 Braun,Christian        1 : 0 Muse,Drazen             9
14 van Foreest,Lucas      1 : 0 Von Herman,Ulf         10

Reisepartner Trier schien sich auch das Wochenende in Berlin zum Punkten ausgesucht zu haben und bot mit acht Ausländern eine sehr starke Mannschaft auf. Für die SF Berlin gab es dementsprechend wenig zu holen. Agopov, der tragische Held der spannenden neunten Runde gegen Aachen muss heute frustriert feststellen, dass sein schön herausgespielter Sieg über Galyas nichts wert ist und Mannschaftsführer Thiede hat die wenig erfreulich Aufgabe, an seinem Geburtstag ein Endspiel mit Minusfigur verwalten zu dürfen. Melkumyan ist sich nach fast dreimonatiger Schachpause hingegen noch etwas eingerostet und verpatzt seine Stellung in horrender Zeitnot - aus Perspektive der SF Berlin, also auch meiner, insgesamt ein bitteres Wochenende.

SG Trier                 5 - 3 Schachfreunde Berlin     
 2 Erdos,Viktor           1 : 0 Melkumyan,Hrant         2
 3 Lupulescu,Constantin   ½ : ½ Piorun,Kacper           3
 4 Parligras,Mircea-Emili ½ : ½ Jakubowski,Krzysztof    9
 7 Bobras,Piotr           1 : 0 Schreiner,Peter        10
10 Cyborowski,Lukasz      ½ : ½ Lauber,Arnd            12
12 Gonda,Laszlo           ½ : ½ Baldauf,Marco          13
13 Galyas,Miklos          0 : 1 Agopov,Mikael          14
16 Cioara,Andrei-Nestor   1 : 0 Thiede,Lars            15

Mit nur acht Punkten in der Tabelle ist klar, dass das starke Ergebnis des Vorjahres für die Schachfreunde nicht mehr zu wiederholen sein wird - im nächsten Kampf gegen Speyer sollten die notwendigen letzten Punkte unter Dach und Fach gebracht werden, damit beim großen Heimspiel Ende April keine Unruhe reinkomm

Spielort Solingen

Das Projekt Titelverteidigung scheint nach der gestrige Niederlage für Solingen gelaufen zu sein - die Klingenstädter zeigten sich davon allerdings unbeeindruckt und schlachteten Griesheim regelrecht ab: 8-0, und das ohne mit der Wimper zu zucken. Van Kampen gewinnt in 21 Zügen, Nikolic braucht nur zwei Züge mehr, fast ebenso schnell gewinnen Ragger (24 Züge), Smeets (25 Züge) und Predojevic (25 Züge). Rapports Sieg im Abtauschfranzosen wirkt da mit 32 Zügen bereits lang wie eine Seeschlange.

Nach der gestrigen Niederlage gegen Jobava schlägt Robin Van Kampen (l.) heute spektakulär zurück. (Foto: Guido Giotta)

 

Van Kampen-Jarmula

 
SV Griesheim              0 - 8 SG Solingen              
 3 Krassowizkij,Jaroslaw  0 : 1 Rapport,Richard         3
 4 Grabarczyk,Miroslaw    0 : 1 Ragger,Markus           4
 6 Jarmula,Lukasz         0 : 1 Van Kampen,Robin        5
 7 Walter,Stefan          0 : 1 Predojevic,Borki        6
 8 Baskin,Robert          0 : 1 Smeets,Jan              7
10 Koehler,Ronald         0 : 1 L'Ami,Erwin             8
17 Spitzl,Vinzent         0 : 1 Nikolic,Predrag        10
18 Nothnagel,Marian Can   0 : 1 Andersen,Mads          14

 

Mühlheim sorgt hingegen mit einem Sieg über Hockenheim für eine große Überraschung. Navara besiegt Tomashevski, die kleinen Sensationen gelingen Zelbel mit seinem Sieg gegen Buhmann und Beerdsen, der Wagner bezwigen kann. Auf Seiten der Hockenheimer punkten lediglich Saric und Balogh voll, Vitiugov beißt sich am zähen Verteidigungsspiel Fridmans die Zähne aus und muss nach fast 100 Zügen ins Remis einwilligen.

Buhmann-Zelbel

 

Patrick Zelbel (Foto: Guido Giotta)

SV Hockenheim             3½-4½ SV Mülheim Nord          
 2 Tomashevsky,Evgeny     0 : 1 Navara,David            1
 3 Vitiugov,Nikita        ½ : ½ Fridman,Daniel          4
 4 Jobava,Baadur          ½ : ½ Feygin,Michael          8
 6 Buhmann,Rainer         0 : 1 Zelbel,Patrick          9
 7 Saric,Ivan             1 : 0 Hausrath,Daniel        10
 8 Balogh,Csaba           1 : 0 Dinstuhl,Volkmar,Dr.   12
 9 Wagner,Dennis          0 : 1 Beerdsen,Thomas        13
11 Banusz,Tamas           ½ : ½ Warmerdam,Max          14

Wie gewonnen, so zerronnen - so ließe sich Hockenheims Wochenende wohl treffend zusammenfassen. Für die Spannung im Titelkampf freilich schade, mit einem Sieg hätten die Rennstädter Platz Zwei und damit Tuchfühlung zu Baden Baden halten können.

 

Spielort Schwäbisch Hall

Baden Badens Verfolger Nr. Eins heißt nach diesem Wochenende Schwäbisch Hall. Ein deutlicher Sieg über Schlusslicht Zugzwang München beschert den Hallern den zweiten Tabellenplatz. In drei Wochen geht es gegen das starke Pärchen Bremen/Hamburg, ehe in den Schlussrunden in Berlin noch der direkte Konkurrent Hockenheim wartet.

MSA Zugzwang              2½-5½ SK Schwäbisch Hall       
 2 Kindermann,Stefan      0 : 1 Gharamian,Tigran        7
 3 Mons,Leon              0 : 1 Postny,Evgeny           8
 4 Hertneck,Gerald        ½ : ½ Cornette,Matthieu       9
 5 Schramm,Christian      0 : 1 Le Roux,Jean-Pierre    10
 6 Zysk,Robert            0 : 1 Wirig,Anthony          12
 7 Gerigk,Erasmus         ½ : ½ Womacka,Mathias        13
 8 Dr. Hoffmeyer,Falk     1 : 0 Zeller,Frank           14
10 Lammers,Markus         ½ : ½ Zpevak,Pavel           16
FC Bayern München         2½-5½ USV Dresden              
 2 Bischoff,Klaus         0 : 1 Eljanov,Pavel           1
 3 Fedorovsky,Michael     0 : 1 Nisipeanu,Liviu-Dieter  3
 5 Dragnev,Valentin       0 : 1 Bartel,Mateusz          4
 6 Johansson,Linus        ½ : ½ Socko,Bartosz           6
 7 Lindgren,Philip        0 : 1 Paehtz,Elisabeth        7
 8 Schenk,Andreas         1 : 0 Vogel,Roven             9
 9 Belezky,Alexander      ½ : ½ Moehn,Hans             11
16 Unzicker,Ferdinand,Dr. ½ : ½ Loxine,Jakov           15

Reisepartner Dresden gibt sich gegen den FC Bayern ebenso keine Blöße und rückt auf den sechsten Tabellenplatz vor.

Für die Münchner Vereine wird die Luft hingegen immer dünner - Zugzwang steht bei zwei, Bayern München bei drei Punkten. Nächsten Spieltag geht es gegen Griesheim um extrem wichtige Zähler.

Partien der Runden 9+10:

 

 

Alle Partien der Saison:

 

 

Tabelle nach zehn Runden:

  Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16   Sp MP BP
1. OSG Baden Baden  +  6   5   5 5 5 6     6   7   10 20 59
2. SK Schwäbisch Hall 2  +    6       4 5 5 7     10 17 50
3. SG Solingen    +    6 5       8 6 6   10 16 54½
4. SV Hockenheim 3    +    6 6 4 5     6     10 15 49
5. SV Mülheim Nord   2    +  2       7 5   10 14 43
6. USV Dresden 3   2    +      4 4 3   7   10 12 46
7. SV Werder Bremen 3   3 2    +    5   5     10 12 45½
8. Hamburger SK 3   6      +    5 5   4   10 11 42½
9. SG Trier 2 4     4  +    5 5 5   6     10 10 40½
10. DJK Aachen 3   2   3    +  4   5     10 9 36½
11. Schachfreunde Berlin   3 4 4     3  +    5 6   6   10 8 40½
12. Speyer-Schwegenheim   1   3   5 3 3 4    +  3     10 5 31½
13. SV Griesheim ½   0   1   3 3 3  +    5     10 4 25
14. FC Bayern München 2 2   3 3     2 5    +  4     10 3 27½
15. SK König Tegel   2 2     2 3     3 4  +  4   10 2 25½
16. MSA Zugzwang 1   1 4     2     4  +    10 2 23½

Website der Schachbundesliga



Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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