Schachfilm: "Zug um Zug"

von André Schulz
26.01.2016 – Unter dem Titel "Zug um Zug" erscheint diesen Freitag die deutschsprachige Version des französischen Schachfilms "Le Tournoi" auf DVD oder BlueRay. Der Film handelt von einem jungen etwas selbstgefälligen Schachgroßmeister, dem plötzlich in einem 11-jährigen Schachwunderkind ein ernsthafter Konkurrent erwächst. In der vorgezogenen TV-ChessBase-Sendung am Donnerstag verlosen wir zwei DVDs oder BlueRays. Trailer, Interviews, etc....

 

Cal Fournier (Michelangelo Passaniti) ist französischer Meister im Schach. Sein Erfolg macht ihn zum haushohen Favorit beim diesjährigen internationalen Schachturnier in Budapest. Das 22-jährige Genie scheint als Gewinner schon festzustehen. Völlig abgehoben ist er nur auf Sieg programmiert und bezwingt seine Gegner schon fast im Halbschlaf und mit verbundenen Augen. Doch sein Höhenflug findet ein jähes Ende, als ausgerechnet ein Kind zur ernsthaften Konkurrenz wird. Das elf Jahre alte Ausnahmetalent aus Ungarn stellt das ganze Turnier auf den Kopf und droht Cal zu übertrumpfen. Dessen überhebliche Siegessicherheit gerät ins Wanken, doch er gibt sich nicht so leicht geschlagen. Für ihn beginnt eine Obsession, Zug um Zug.

Ein sehr junger Herausforderer

Cal mit seinen Kumpeln

Freundin Lou

 

Trailer

 

Spaß im Budapester Bad

 

Interview mit den beiden Hauptdarstellern (Französisch)

 

 

Die Regisseurin des Films Elodie Namer, 36, arbeitete acht Jahre lang als Journalistin und begann dann Drehbücher für TV-Serien zu schreiben. "Zug um Zug", im Original "Le Tournoi" ist ihr erster Spielfilm. Die Idee zu dem Film bekam sie, als sie mit einigen Schachspielern zusammenkam und mit diesen die Schachszene kennenlernte. Sie war zum Beispiel fasziniert davon, wie die Spieler sich über Stunden auf Turnieren gegenseitig bekämpften und danach als beste Freunde zusammen auf Partys gingen.

Zur Vorbereitung auf den Film verfolgte Namer nun intensiv die Turnierszene und nahm sogar selber an Turnieren teil. Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren tauchte sie völlig in die Schachszene ab und nahm unzählige Eindrücke auf. Auch die Schauspieler bereiteten sich intensiv vor. Michelangelo Passaniti nahm Schachunterricht und spielte Partien gegen Großmeister. Am Ende war das ganze Team vom Schach begeistert und traf sich sogar regelmäßig zu Schachabenden. Unter den Schauspielern befindet sich auch ein "richtiger" Schachspieler, Fabien Libiszewski. Er spielt einen von Cals Freunden und entpuppte sich als Naturbegabung mit großem schauspielerischem Talent. Außerdem ist für Schachfans ein weiteres bekanntes Gesicht zu sehen. Am Anfang des Films taucht nämlich Maxime Vachier-Lagrave auf, als einer der Spieler im Schachturnier. Für die Szenen in den Schachturnieren hat die Regisseurin ausschließlich echte Turnierspieler, allerdings mit unterschiedlicher Spielstärke, eingesetzt, um den Szenen die nötige Authentizität zu vermitteln. Und noch ein recht bekannter Schachspieler war dabei: Joachim Iglesias übernahm die Aufgabe als Schachberater.

Der Film "Zug um Zug" spielt während eines Sieben-Tage-Turniers in Budapest. Hauptperson ist Cal (Michelangelo Passaniti), 22, französischer Meister und ein großes Schachtalent, gewohnt zu gewinnen. Von der Welt entrückt und nur auf Sieg programmiert, bezwingt er seine Gegner auch im Halbschlaf oder mit verbundenen Augen. Doch als plötzlich ausgerechnet ein Kind Cal zu übertrumpfen droht, gerät seine arrogante Siegessicherheit ins Wanken.

Produzentin des Films ist Lola Gans, die auch einige der Geldgeber erst davon überzeugen musste, dass man um das Schachspiel und ein Schachturnier herum einen Spielfilm drehen kann. Da Regisseurin Elodie Namer schon einige konkrete Ideen für den Film entwickelt hatte, wurden die notwendigen finanziellen Mittel dann relativ schnell besorgt. Innerhalb von sechs Monaten stand die Finanzierung. Sonst werden für einen Spielfilm 3 bis 4 Jahre benötigt.

Das französische Original "Le Tournoi" erschien am 29. April 2015 in den französischen Kinos. Er wurde auf einigen Festivals gezeigt und wurde bei den Französischen Filmtagen in Tübingen ausgezeichnet. 

Am 29. Januar erscheint die deutschsprachige Version auf Video/Blue Ray.

 

Buchstäblich eingeschlafen

Blindsimultan

Romantik!

 

Interview mit Fabien Libizewski

Fabien Libiszewski wird vorbereitet
 

Wie kam der Kontakt zur Regisseurin Elodie Namer zustande?

Ich war bei der französischen Jugendeinzelmeisterschaft 2011 als Trainer. Elodie ist zu diesem Turnier gekommen, um sich ein Bild vom Geschehen zu machen und um zu sehen wie so ein Turnier organisiert wird. Wir wurden einander vorgestellt, haben uns gut verstanden und später über Facebook Kontakt gehalten. Als Elodie dann Fragen zu ihrem Schachfilmprojekt hatte, fragte Sie mich nach meiner Meinung. So kam der Kontakt zustande, wurde über die Zeit enger.

War es schwierig eine Filmrolle zu übernehmen, Schachspieler sind ja meist etwas introvertiert… ?

Ich kann das nicht verallgemeinern, aber für mich war das jetzt nicht schwer. Ich habe mich von Anfang an im Studio und auch bei den Außendrehs wohl gefühlt, vor allem weil die Filmcrew sehr nett war. Wir haben uns alle super verstanden, egal ob‘s die Schauspieler oder Techniker waren. Alle haben mir Vertrauen geschenkt.

Ist die Geschichte des Films, im Vergleich zur wirklichen Schachwelt realistisch, oder gibt es doch sehr viel künstlerische Freiheit?

Von beidem etwas. Elodie hat sich die Mühe gemacht bei vielen Turnieren anwesend zu sein und die Spieler kennenzulernen. Daher gibt es durchaus eine sehr realistische Seite des Films. Schachspieler sind oft Menschen, die es lieben zu spielen, sei es Karten, Kasino oder auch Wetten. Sie lieben ihre Freiheit und leben in ihrer eigenen Welt. Auf der anderen Seite spiegelt die Filmgeschichte nicht alle Schachspieler wieder. Es handelt sich um eine Gruppe junger Schachspieler (18-20 Jahre), die es liebt sich zu amüsieren und die glücklich sind sich auf Turnieren wiederzufinden. Im Film sieht man zahlreiche Feiern, was auch von Mal zu Mal passieren kann aber sobald man Profischachspieler wird, kann man das natürlich nicht ständig und durchweg machen.

Gab es schon Anschlussangebote für weitere Filmrollen? Werden Sie vielleicht ganz ins Schauspielfach wechseln?

Nein, ich habe noch keine weitere Rolle bzw. Angebot erhalten. Um Schauspieler zu werden, muss man Vollzeit arbeiten, einen Agenten haben, Kurse und Castings besuchen. Es war eine Erfahrung, die mir sehr gefallen hat. Wenn sich in Zukunft die Chance ergibt, wäre ich nicht abgeneigt, aber das würde mich doch sehr wundern. Ich hatte sehr viel Glück eine Rolle für diesen Film zu bekommen.

Den Filmstars laufen die Mädchen ja nur so nach. Hat sich die Filmrolle auch auf ihr Privatleben positiv ausgewirkt?

Bei mir hat sich nicht viel verändert. Ich bin keineswegs ein Kinostar geworden, auf der Straße werde ich auch nicht erkannt. Und das ist auch gut so!

Wie wird man als Schachprofi in Frankreich angesehen, ähnlich exotisch wie in Deutschland?

Es kein wirklich anerkannter Beruf und viele sind überrascht wenn ich Ihnen sage, dass ich ein Profischachspieler bin. Ich habe oft als Antwort hören müssen „Aber was ist denn dein wirklicher Beruf?“. Leider wird Schach für die Meisten immer noch als sehr kompliziertes Spiel angesehen und nur wenige interessieren sich wirklich dafür. Ich mag deswegen wirklich was sich gerade in Norwegen hierzu entwickelt. Shows zu den Schachturnieren live im Fernsehen bei denen Carlsen spielt. Wenn das eines Tages in Frankreich passieren würde, hätte das einen großen Einfluss auf die Entwicklung des hiesigen Schachs. Es vor allem wichtig ein gutes Ansehen in der breiteren Bevölkerung zu haben, damit sich Schach entwickeln kann.

Warum gibt es in Frankreich im Vergleich zu Deutschland so viel mehr absolute Spitzenspieler? Was machen wir hier falsch?

Ich bin der Meinung, dass es auch starke Spieler in Deutschland gibt. Natürlich hat Frankreich mit Maxime Vachier-Lagrave einen Spieler in der Weltspitze und mit Laurent Fressinet und Etienne Bacrot zwei Spieler, die in den 2700er Club gehören und weitere starke Spieler über 2600 ELO. Vor allem ist der Weggang von Naiditsch ein Nachteil im Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit bei großen Turnieren, nichtsdestotrotz hat Deutschland eine sehr solide Mannschaft mit Potential und guten jungen Spielern.

Danach kommen Spieler der zweiten Reihe (wie ich zum Beispiel) und da finde ich hat Deutschland viel mehr Spieler. Ich bin von der Anzahl deutscher Spieler die mehr als 2400 ELO haben beeindruckt. Viele von Ihnen haben einen Beruf und können sich nicht total auf Schach konzentrieren und haben dennoch ein sehr gutes Niveau. Meiner Meinung nach ist das große Problem das Fehlen von Anerkennung. Profischachspieler zu werden ist ein Risiko und es scheint vernünftiger zu sein zu studieren, einen Beruf auszuüben und nebenbei zum Vergnügen einige Turniere im Jahr zu spielen. Ich denke, wenn es mehr Geld im Schach gäbe, hätten mehr Spieler das Risiko auf sich genommen.

 

Die Frage stellte André Schulz, Übersetzung Pascal Simon


 

Interview mit Elodie Namer

Foto: Elodie Namer

 

Wie kommt man als angesehene Drehbuchautorin darauf, den ersten eigenen Spielfilm ausgerechnet über solch eine exotische Welt wie die Schachszene zu drehen?

Ich habe zufällig Schachspieler getroffen und war gleichermaßen von ihrer Intelligenz, die bisweilen magisch auf Nichtschachspieler wirken kann, fasziniert, sei es beim Blitzen oder auch beim Blindschach. All das ist visuell schon sehr beeindruckend. Auch ihre Lebensart hat mich fasziniert: die ganze Zeit von Land zu Land zu reisen, jederzeit zu spielen, sich zu amüsieren. Ich habe mich sehr schnell sehr nah zu dieser Gruppe gefühlt und habe gleichzeitig ein noch nicht ausgeforschtes Kinothema darin gesehen.


Kennen Sie privat Schachspieler, oder wie ist die Idee zu diesem Film entstanden?

Als ich mich entschieden habe den Film über dieses Thema zu machen, wollte ich wissen, über was ich spreche. Ich habe mich 6 Monate zu Hause eingeschlossen, um das Schachspielen übers Internet zu lernen. Danach habe ich mit Kursen in Schachklubs weitergemacht und angefangen Turniere zu spielen. Dort lernte ich dann das erste Mal Großmeister kennen, die mich an ihre Seite nahmen und mich an ihrem Leben ein Jahr lang teilhaben ließen. Ich kenne nun viel von dieser Schachwelt und einige, unter andere Fabien Libiszewski, sind heute Teil meines engeren Freundeskreises.

Wie kam der Kontakt zu Fabien Libiszewski zustande, der als Großmeister im Film eine Rolle übernommen hat?

Ich habe Fabien auf der französischen Jugendeinzelmeisterschaft, wo er Jugendliche trainierte, über Anthony Wirig kennen gelernt. Ich habe Anthony nach dem verrücktesten Spieler gefragt und er hat mir Fabien vorgestellt. Wir haben uns getroffen, diskutiert und am gleichen Abend hat er mich zum Black Jack spielen ins Kasino mitgenommen. Seitdem sind wir ständig in Kontakt.

War es nicht sehr mutig, einem Schachspieler eine Rolle anzuvertrauen?

Es war sicherlich ein Risiko, aber ich hatte Vertrauen, da wir ihm vor dem Film einige Proben drehen ließen und diese sich als sehr überzeugend herausstellten. Mit den anderen Schauspielern haben wir viel wiederholt. Schlussendlich war er unglaublich: er ist geborener Schauspieler!

Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?

Für mich mussten alle Schauspieler Schachspieler werden damit selbst Großmeister glauben könnten, dass die Schauspieler starke Spieler sind, die das auch in ihrer Gestik und Haltung zeigen. Also haben Fabien Libiszewski, Joachim Iglesias, Anthony Wirig und andere Spieler sehr viel Zeit mit den Schauspielern verbracht um mit Ihnen zu spielen, sie zu trainieren und zu beraten. Das geschah vor aber auch während des Films, da die Schachspieler auch bei den Drehs dabei waren.

Welche Turniere haben Sie besucht?

Ich habe ein Dutzend besucht und alle Schauspieler haben mindestens eins selber gespielt. Das war wichtig, damit Sie in ihre Rolle und die Atmosphäre bei Schachturnieren eintauchen konnten.



Die Frage stellte André Schulz, Übersetzung Pascal Simon

 

Als DVD oder BluRay erhältlich

 

 

 

 

Cast (in credits order)

Michelangelo Passaniti ... Cal

Lou de Laâge ... Lou

Magne-Håvard Brekke ... Viktor

Viktoria Kozlova ... Andrea

Adam Corbier ... Max

Fabien Libiszewski ... Aurélien

Aliocha Schneider ... Anthony

Thomas Solivéres ... Mathieu

Péter Horkay ... Le directeur du tournoi

Declan Hannigan ... Scott MacLaghan

László Konter ... L'arbitre

Ana Neborac ... Natacha

Magdalena Korpas ... Irina

Victoire Gonin-Labat ... Eleanor

...

Maxime Vachier-Lagrave ... Un joueur d'échecs

Gergely Boronyak ... Un joueur d'échecs

Eric Banse ... Un joueur d'échecs
 

 

Fotos: Capelight Pictures

 

Die deutsche Version wird von Capelight Pictures vertrieben:

 

Zug-um-Zug bei Capelight...

Le Tournoi bei Facebook...

Informationen bei IMDB...

Film bei Amazon...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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