Schachland Luxemburg

von Mietek Bakalarz
17.02.2017 – Luxemburg, das sich in den letzten Jahren eines großen wirtschaftlichen Aufschwungs erfreut, besitzt eine kleine, aber sehr vitale Schachgemeinde. Es gibt eine Liga, die ihre Mannschaftskämpfe nach besonderen Regeln spielt und eine intensive Nachwuchsarbeit: Bei allen internationalen Einzelturnieren sind Luxemburger Kinder dabei. Mitek Bakalarz stellt das Schach in Luxemburg vor. Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Schach in Luxembourg

Luxemburg hat schon lange und schöne Schachtraditionen. Ein Schachbrett aus dem Jahr 1844, aufbewahrt in der Silberkammer der großherzoglichen Familie, gehört zu schönsten und am besten erhaltenen in Welt. Wahrscheinlich diente das Schachspiel König-Großherzog Wilhelm und Wilhelm III zum Spielen.

Der erste Bericht über einen Schachclub in Luxemburg erschien in der Luxemburger Bürger-Zeitung am 15. Januar 1914. Demnach existierte in Esch an der Alzette bereits 1913 ein Schach- und Billard-Club mit Sitz im Hotel Tholen. Die Luxemburgische Schachföderation FLDE wurde 1931 gegründet.

In letzten Jahren ist Luxemburg für seine große und schnelle wirtschaftliche Entwicklung bekannt. Am Anfang des Jahres 2016 zählte Luxemburg 576.249 Einwohner. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf hat sich seit 1995 etwa verdoppelt und war 2015 mit 89.900 € die höchste in der EU (in Deutschland:37.100 €). Nimmt man die 172.500 Grenzpendler hinzu, die im vierten Quartal 2015 in Luxemburg gearbeitet haben, so ergibt sich ein Schnitt von 69.600 Euro. Anfang 2016 lebten in Luxemburg 41% mehr Menschen als 1995 und 22,8% mehr Einwohner als 2006.

Nun, wie sieht es mit einer Schachentwicklung in Luxemburg aus? Seit 1995 bin ich in verschiedenen Bereichen in der Schachszene von Luxemburg tätig und hiermit versuche ich Ihnen einen Überblick für die Zeit 1995 bis 2016 zusammenstellen.

Infrastruktur und Finanzierung sind vorbildlich und bedeuten eine große Stärke für den Schachsport:

a) Die FLDE ist absolut eigenständig und bekommt volle Unterstützung des Staates.

b) Sport Ministerium finanziert alle wichtige Maßnahmen wie z.B. Ausgaben für Trainer, Kadertraining, Teilnahme an wichtigen Internationalen Meisterschaften. Damit ist eine Suche nach Sponsoren nicht notwendig.

c) Es gibt viele schöne Einrichtungen. Die FLDE und Vereine können diese zumeist kostenlos nutzen.

d) Nationales olympisches Komitee COSL unterstützt sehr gut die FLDE

Mitglieder

Bei der FLDE gibt es 3 Arten von Lizenzen:

a) LUX – für Spieler, die lange genug in Luxemburg wohnen und bereit sind für die FLDE spielen,

b) ETR – Ausländer, die noch nicht genug lange hier wohnen oder im Ausland wohnen, bzw. nicht für die FLDE antreten möchten, aber in Luxemburg in der Liga spielen.

c) PRO – Ausländer, die nicht in Luxemburg wohnen und in anderen Ländern in der Liga spielen.

Um ein sauberes Bild zu erhalten habe ich nur die tatsächliche LUX Spieler zusammengefasst, weil nur diese für die FLDE offiziell spielen dürfen.

Statistische Daten

Schach Luxemburg 1995 2016
Anzahl von Vereinen 24 17
Mitglieder mit Luxlizenz 520 460
Bevölkerung (Mio.) 408.625 576.249
Anteil Schachspieler 0,127% 0,08%
Top 10 ELO Wertung 07.1995 Ø 2301 01.02.17 Ø 2318
Olympiade ELO Team 1996 Ø 2355 2016 Ø 2299
Olympiade Platz 62 96

Quellen: FLDE Agenda 1995/96, Agenda 2016/17, FIDE, Luxemburgisches Statistikamt.

Bemerkungen:

a) ein Zuwachs bei den Top 10 in der ELO Wertung ist leicht zu erklären. Im Jahre 1995 wurde bei der Durchschnitts-Elo von 2301 nur einheimische Spieler berücksichtigt. Danach kamen Spieler aus Ausland hinzu: IM Michael Wiedenkeller aus Schweden ELO 2473, IM Mietek Bakalarz aus Polen 2321, WGM Elvira Berend aus Kasachstan ELO 2290, WGM Anna Wagener aus Moldawien ELO 2298, die Wertung erhöht haben. Ohne diese Personen wäre die Durchschnittswertung der Top Ten Spieler auf 2258 gefallen.

b) Die gegenüber der Erwartung schlechteren Platzierungen bei den Olympiade sind dadurch zu erklären, dass fast nie die tatsächlich besten Spieler und Spielerinnen antraten.

c) Nationaltrainer waren: in Jahren 1993-2012 Großmeister Vlastimil Jansa, danach GM Alberto David.

Die Mannschaftsmeisterschaften sind in 6 Divisionen unterteilt und werden von Ende September bis Anfang April an den Sonntagen ausgetragen.

Es werden spezielle Regeln angewendet:

Gewonnene Partie 3-1
Unentschieden 2-2
Kampfloser Sieg 3-0

Wettkampf gewonnen 2-0
Unentschieden 1-1

Die höchste Liga (Nationale Division) besteht aus 8 Mannschaften mit jeweils 8 Spielern. Diese spielen zunächst jeder gegen jeden. Dann spielen die vier besten Mannschaften noch einmal gegeneinander um den Titel und die vier anderen gegen den Abstieg. Die Punkte der Vorrunde zählen dabei mit. Zusammen sind es also zehn Wettkämpfe.

Es gibt wie in vielen anderen Länder Beschränkungen für den Einsatz von Ausländern: pro Mannschaft darf man maximal zwei PRO-Spieler und maximal zwei ETR-Spieler aufstellen. Es gewinnen stets die Teams mit starken PRO- bzw. ETR-Spielern. Das Liga-System ist sehr beliebt.

Amtierender Ligameister: Schachklub De Sprenger Echternach. Mit Pokal: Der Präsident des Schachklubs: Serge Brittner
Quelle: http://www.desprenger-echternach.lu/index.php/de/

Zurzeit nach 7 Runden in Führung befindet sich: Gambit Bonnevoie (Bonneweg). Alle Ergebnisse auf: http://www.flde.lu/resultats/

Landes Einzelmeisterschaften

Teilnahmeberechtigt sind alle FLDE-lizenzierten Spieler.

Jugend

a) Die Jugendmeisterschaften werden im Januar an zwei Wochenenden samstags und sonntags in Gruppen von U8 bis U20 ausgetragen. Es gibt keine Extra-Meisterschaft für Mädchen.

Die letzten Jugend-Einzellandesmeisterschaft waren in Esch-Sur-Alzette, 21.01.-22.01. und 28.01.-29.01.2017

Aktuelle Meister

U8 Bekkari Amine (La Tour) ELO FIDE 1119
U10 Gérard François (Le Cavalier Differdange) ohne ELO
U12 Winkin Jos (Les Pions Ardennais Perlé) ELO FIDE 1301
U14 Biryukov Sasha (Le Cavalier Differdange ELO 1351
U16 Blond Hanten Elsa (Le Cavalier Differdange) ELO FIDE 1839
U18 Mouthuy Jacky-Long (Esch-Rochade-Reine) ELO FIDE 1658
U20 Maltezeanu Stefan (Gambit Bonnevoie) ELO FIDE 1788

Ergebnisse: http://www.lecavalier.lu/CH-J-individ-2017.htm

 


Jugend-Einzel-Landesmeisterschaften 2017, Quelle: : http://www.lecavalier.lu/CH-J-individ-2017.htm

b) Landes Einzelmeisterschaften ABC in 3 Gruppen A>ELO 2000, B 1700-1999, C 1200-1699

Die Landesmeisterschaften werden immer zu Ostern ausgetragen. Um in die Nationalkader zu kommen, muss man einmal innerhalb von zwei Jahren teilnehmen. Nur Spieler mit Lux-Lizenz dürfen Landesmeister (auch bei Jugendlichen) sein.

Aktuelle Meister:

A-Meisterschaft Elvira Berend
B-Meisterschaft Ivan Lopez Popov
C-Meisterschaft Loris Wilwert

Ergebnisse: http://www.lecavalier.lu/ABC2016.htm

 

Die ABC Landesmeisterschaft 2016 rechts Landesmeister Elwira Berend, Quelle: http://www.lecavalier.lu/ABC2016.htm

Seit mehreren Jahren gibt es keine eigene Damenmeisterschaften, aber die Frauen spielen dennoch erfolgreich. Elvira Berend erreichte bei der Frauen-WM +50 in Marienbad 2016 den ausgezeichneten zweiten Platz. Das Frauenteam schaffte bei der Schacholympiade in Baku 2016 Platz 57 bei Startnummer 67.

Frauen Team Luxemburg in Baku 2016. Von links nach rechts: WIM Fiona Steil Antoni, WFM Grazyna Bakalarz, Trainer FM Cedric Paci, WCM Elsa Blond Hanten, Nadine Kremer. Quelle: http://www.lecavalier.lu/Olympiad-Baku-2016.htm

Im Jugendschach leistet der Verein le Cavalier Differdange seit Jahren die beste Nachwuchsarbeit.  Mit Unterstützung der Gemeinde bieten dort Paul Goerens, der lizenzierte Trainer Grazyna und Mietek Bakalarz ein Training an.

Nikolaus- Turniere Niederkorn Klublokal Le Cavalier Differdange 04.12.2016 . Stehend 5.v.l Mietek Bakalarz, vor ihm Ehefrau Grazyna Bakalarz, ganz rechts Paul Gorens. Quelle: http://www.lecavalier.lu/Santa-Clause-tournaments-20161204.htm

Schachtrainer gibt es in Luxembourg nur wenige. Eine Trainerausbildung wird nicht oder eine Trainerschein der FLDE wird nicht verlangt. Positiv ist, dass Kinder und Jugendliche zu Internationalen Jugend-Einzelmeisterschaften (auf Mannschaftsmeisterschaften verzichtet man) wie EU, EM und WM geschickt werden. In letzten Jahren engagierte die FLDE dafür stets einen Trainer aus dem Ausland. Im Vordergrund steht der Teamgeist. Unabhängig davon, wie viele Kinder teilnehmen, wird daher immer nur ein Trainer abgestellt. Seit 2013 ist es nicht mehr erlaubt, einen privaten eigenen Trainer (auch auf eigene Kosten) mitzunehmen.

Nationaltrainer für Jugend ist seit 2013 WGM Elvira Berend.

Internationale Turniere

International bekannte Turniere waren vor allem: das sehr gut organisierte Turnier von Le Cavalier Differdange Kaupthing Opens 2007 und 2008, die Europa Meisterschaft der Kleinen Föderationen 2016, wo der beste luxemburgische Spieler IM Michael Wiedenkeller den ausgezeichneten dritten Platz erreicht hat. Ergebnisse http://www.lecavalier.lu/EuropSmallNationsICC2016.htm

European Small Nations Individual Championship Luxemburg City 02.04.-10.04.2017 Links: IM Michael Wiedenkeller, Nr. 1 in Luxemburg, hat Platz 3 erreicht. Quelle: http://www.lecavalier.lu/EuropSmallNationsICC2016.htm

Sehr populär sind auch einige Schnellschach-Turniere. Über diese schreibt regelmäßig der ChessBase-Autor Gerd Densing.

 


Themen Luxembourg

Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren