Schachpartie durch Zeiten und Welten

11.05.2005 – Vergangene Woche wurde im Hamburger Museum für Kunst- und Gewerbe die Ausstellung "Schachpartie durch Zeiten und Welten" (5.Mai bis 28.August) eröffnet. Zu sehen sind 400 Exponate - Spiele, Skulpturen, Gemälde, Bücher, Uhren -, die einen grandiosen Einblick in die Rolle des Schachspiels als wichtiger Bestandteil menschlicher Kultur seit 1500 Jahren vermittelt. Angeregt wurde die Ausstellung von Hans Krieger vom Hamburger Schachklub, um damit der Gründung seines Vereins vor 175 Jahren zu gedenken. Als Kuratoren fungierten Hans und Barbara Holländer, die zuvor bereits die schöne Berliner Ausstellung "Schadows Schachclub" realisiert hatten. Von ihnen stammt auch der Begleitkatalog (Editon Braus, Subskriptionspreis 29,90 Euro), den man sich als Schachfreund nicht entgehen lassen sollte. Wer Gelegenheit hat, nach Hamburg zu reisen, sollte diese einmalige Ausstellung - in dieser Form sicher nicht so bald wieder in Deutschland zu sehen - keinesfalls verpassen. Für alle, die Schach faszinierend finden, aber noch keine Gelegenheit hatten, es zu lernen, bietet der Hamburger Schachklub in der Ausstellung Unterricht an und lädt besonders herzlich Schulklassen dazu ein. Hingehen! Peter Münder hat es gemacht. Hier ist sein Bericht. Museum für Kunst und Gewerbe...Bericht, Bilder, Videos...

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"Gute Schachstrategen ergeben perfekte Banker"
Zur großen Schach-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe
Von Peter Münder
Fotos: André Schulz, Nadja Woisin, Benjamin Bartels
Interviews. André Schulz, Benjamin Bartels (Kamera), Oliver Reeh (Schnitt)

Presseresonanz:

Wissenschaft.de...

Hamburger Abendblatt...
Hamburger Morgenpost...

Interviews:

Dr. Thomas Thomsen (Chess Collectors)...
Franz Josef Lang (Chess Collectors)...
Hans Krieger (Hamburger Schachklub)...
Jörg Brachmann (Westsächsische Hochschule Zwickau)...

Erläuterungen von prof. Hans Holländer zum Bild "Mars spielt gegen Venus Schach" in der Bildergallerie.
 

Als Gymnasiast in Köln habe er das frühreife Schachgenie Robert Hübner bewundert, das in einer Parallelklasse zur exotischen Berühmtheit heranreifte. Später habe er dann von vielen Bankern gehört, dass „gute Schachstrategen perfekte Banker ergeben“, weil das Einfahren hübscher Renditen dem langfristig angelegten strategischen Denken von Schachspielern ähnelte und viele Banker daher ein großes Faible für das Schachspiel entwickelt hätten, erklärte Professor Wilhelm Hornbostel, Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, in seiner Eröffnungsrede der großen Ausstellung „Schachpartie- durch Zeiten und Welten“.



 

Seine ans große Auditorium gerichtete Frage: „Und was passierte am 8. Mai 1830 am Jungfernstieg?“ konnte allerdings niemand auf Anhieb beantworten. ChessBase-User wissen das natürlich: Damals wurde der HSK gegründet- Aus Anlass des 175. Geburtstages präsentiert man ja diese große Schach-Show mit über 400 Objekten, darunter viele seltene Gemälde, Bücher, Karikaturen und wertvolle Schachfiguren.

Wer die Exponate und den Wandel des Schachspiels durch Zeiten und Welten genauer betrachtet , wird bemerken, dass sich neben den eher martialischen Aspekten auch eine Art erotisches Minne-Ritual etablierte und außerdem, wie die Kultursenatorin Professor Karin von Welck in ihrer Rede betonte, die Emanzipation der Frau durchaus auch am erweiterten Bewegungsradius der Dame ablesen lässt: Aus dem anfangs noch mit hilflosen Seitwärts-Schritten agierenden Hilfs-Wesir des Königs wurde im Laufe der Jahrhunderte ja die selbstbewusste, weitläufige Gerade und Diagonalen beherrschende Dame- eigentlich die wichtigste Figur auf dem Brett.

Schach als Allegorie, als ewiges, unberechenbares Rätsel ist natürlich auch ein weites Feld und ein beliebtes Thema. Vladimir Nabokov, nicht nur als Schöpfer der „Lolita“, sondern auch als Verfasser des wunderbaren Schach-Romans „Lushins Verteidigung“ und als Komponist von Schachproblemen bekannt, bezeichnete das Schachfeld als „Abbild des Firmaments“. Diese mysteriösen, oft ins Dämonische oszillierenden Aspekte beschrieben ja auch Autoren wie Stefan Zweig („Schachnovelle“), Paolo Maurensig („Die Lüneburg-Variante“), Fernando Arrabal und Samuel Beckett („Murphy“), deren Bücher hier auch ausgestellt werden. Auch Künstler wie Max Ernst, Marcel Duchamps, Man Ray usw., die zeitlebens vom Schach fasziniert waren, werden in der Ausstellung gewürdigt.

Große Meister wie Rubinstein oder Aljechin sieht man allerdings nur auf einigen Bildern; die gesamte Geschichte des Turnierschachs mit all seinen spannenden, verwirrenden Episoden und faszinierenden Typen bleibt leider unberücksichtigt. Die größten Turniererfolge, die brillantesten Partien von Capablanca, Euwe, Aljechin, Bobby Fischer und Kasparow hätte man jedenfalls gern noch einmal miterlebt. Oder die Biografien dieser Ausnahme-Erscheinungen detailliert vermiitelt bekommen.

Christian Zickelbein, der langjährige, verdiente Vorsitzende des HSK, wies in seiner ironisch eingefärbten Rede darauf hin, dass sich der HSK nun umorientieren wolle: „Königlich in Phantasie und Logik“ wolle man vor allem sein und sich noch mehr um weiblichen Nachwuchs bemühen. Es könne doch nicht angehen, dass es im Boxsport prozentual gesehen mehr weibliche Mitglieder gebe als im Schachsport. Um die Attraktion der Ausstellung für aktive Kämpfer zu steigern, hat man auf Veranlassung des HSK im Museum übrigens einen Raum für Schachspieler zur Verfügung gestellt. HSK-Spieler geben dort regelmäßig Einführungen. So kommt der in den Reden so oft beschworene „Homo Ludens“ hier doch nicht zu kurz!



 

Figuren und Bretter


Figurensatz "Bird", Bath - England von Edward Bird, 1815


Figuren aus Schrauben, Lehrabschlussarbeit beim Eisenwarenhändler Arnoldi


Figuren und Brett aus Porzellan, Meissen, Entwurf
von J. J. Kändler, 1762 (Bayerisches Nationalmuseum)
 


Afrikanisches Spiel


Speil aus Bernstein, Ostpreußen, 16.-17.Jahrhundert


Figurensatz
"Etagère" (Kopenhagen, 19.Jh.)


Russisches Spiel
(Kholmogory), 18.Jh.


Figurensatz "John Company", Berhampur - India, 1800,
Elfenbein


Figuren aus Elfenbein und Walross-Elfenbein, 12.-13.Jh


Figuren, vermutlich aus Spanien, 12.-13.Jh.
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


Figurensatz "Medias", Keramik von Fürstenberg, 1947


Figurensatz "Napoleón gegen Friedrich Wilhelm III", París 1820 (?), Elfenbein


Das kleinste Spiel der Ausstellung, ein "Puupenschachtisch", England, 19.Jh.4,2 cmx 4,2 cm


 

Uhren


 

Gemälde


"Mars spielt gegen Venus Schach" von Alessandro Varotari ("El Padovanino"), 1630/40, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Augusteum, Oldenburg


Ausschnitt aus dem Bild

Erläuterungen zu dem Bild von Hans Holländer (Video)...



"Satan spielt mit dem Menschen um seine Seele, nach Moritz Retzsch, Mitte des 19.Jh.


Hans Lassen, "Vier Offiziere beim Spiel, 1929


Hans Lassen, "Drei junge Herren beim Schach", 1885


Hans Lassen, "Drei Herren (älter geworden) beim Schach", 1900

Bücher


Niederländische Ausgabe von "Liber de moribus hominum ac officiis nobilium super ludo scaccorum", 1300, Illistrierte Handschrift, Brügge 1434, Staats - und Universitätsbibliothek Hamburg.


Miniatur von Shaname, Persien, 1500 (?)

Gegenstände


Schachbuch von Howard Staunton, 1849 "The Chess Player´s Companion"


Kommode mit eingelegtem Schachbrett, Spanien, Ende des 16.Jh.
 

 


Arbeit an der Westsächsischen Hochschule für Design, Zwickau, Studiengang Holzgestaltung

Begleitend zur Ausstellung ist ein 368-Seiten starker Katalog der Edition Braus erschienen, der während der Ausstellung zum Subskriptionspreis von 29,90 Euro erhältlich ist (später 69,90 Euro). Herausgeber sind Hans und Barbara Holländer. 

__________________


Museum für Kunst und Gewerbe

 

Museum für Kunst und Gewerbe


SCHACHPARTIE DURCH ZEITEN UND WELTEN, Museum für Kunst und Gewerbe, 20099 Hamburg. Steintorplatz, Eintritt 8 Euro (ermäßigt 2-5 €) Tel. 040-428 13 10 (www.mkg-hamburg.de) Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr. Bis 28. August
 

EINTRITT (Stand Mai 2005)
für einen einmaligen Besuch des Museums

 

Erwachsene

 

8

Erwachsene dienstags ab 16 Uhr und donnerstags ab 17 Uhr

 

5

Gruppen 3 – 6 Personen,  je Person

Gruppen ab 7 Personen,   je Person

7

6

 

Ermäßigter Eintritt

Schüler über 18 Jahre, Studenten, Auszubildende, Wehrpflichtige, Zivildienstleistende, Erwerbslose und Sozialhilfeempfänger (mit Nachweis)

 keine Ermäßigung für Rentner und Behinderte!

Begleitperson (Ausweis) für Behinderten frei

 

5

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

 

2

Schüler in Begleitung von Lehrkräften je
(Lehrkräfte bis 2 Personen frei)

2

Teilnahme an öffentlichen Führungen

2

 

Familientageskarte (2 Erwachsene mit Kindern unter 18 Jahren)

 

15

Inhaber der „Hamburg-Card“

5

 

Inhaber des „Power Pass“

5

 

Inhaber der „Schauspielhaus Card“

5

 

nur Besuch der Destille

 

2

nur Besuch der Gerd Bucerius Bibliothek

 

2

 

Freien Eintritt erhalten:

·      
Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr
·      
Mitglieder der Presse, des Deutschen Museumsbundes, der A.I.C.A., des ICOM, des BBK
·      
Inhaber des von der zuständigen Behörde ausgestellten Ferienpasses
·      
Teilnehmer an Veranstaltungen des Museumsdienstes unter 18 Jahren
·      
Notwendige Begleitpersonen schwerbehinderter Besucher
·      
Mitglieder von Vereinen oder Verbänden, dessen Ziel die Förderung der Stiftung Museum für Kunst und Gewerbe ist
·      
Inhaber der Metropol-Card

Fotografiererlaubnis für private Zwecke 4 €

 

 

 

 


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