Eröffnungslexikon 2016

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Schachspieler regieren

19.10.2005 – Die deutschen Schachfreunde dürfen sich freuen: Mit Peer Steinbrück und Wolfgang Schäuble gehören gleich zwei Politiker in der neuen Regierung an, die eine enge Beziehung zum Schachspiel pflegen. In den vergangenen Jahren hat Otto Schily als Innenminister das Schach in Deutschland unablässig gefördert und sich für dessen Belange nachhaltig eingesetzt. Wolfgang Schäuble, sein Nachfolger im Amt, ist ebenfalls ein großer Schachfreund und wird hoffentlich auch hier die Politik seines Vorgängers weiter führen. Mit Peer Steinbrück wird ein weiterer Schachliebhaber Bundesfinanzminister. Im Sommer ließ der damalige NRW-Ministerpräsident nicht nur die Schachgemeinde aufhorchen, als er in einem Schaukampf in der Bonner Bundeskunsthalle Weltmeister Wladimir Kramnik lange Zeit Paroli bot. Als Finanzminister muss Steinbrück nun eine schwierige Partie zu retten versuchen, für dessen Eröffnung er nicht selber verantwortlich ist. Berliner Morgenspot: Steinbrück am Zug...Politiker und Schach...
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Politiker und Schach
Von André Schulz

Die Frage, ob die Strategien in Schach und Politik vergleichbar sind, wird je nach Standpunkt nachhaltig bejaht oder auch heftig bestritten. Unstrittig ist aber, dass es unter den Politikern eine Reihe von zum Teil sehr guten Schachspielern gibt und dass es eine Verbindung zwischen den beiden Disziplinen gibt. 

Schach wird gerne das königlich Spiel genannt, weil es früher vor allem an den Königshöfen zu Hause war. Der Sage nach ist es als Kriegsersatz im Auftrag eines indischen Königs entstanden, der der vielen richtigen Kriege müde wurde. Stattdessen sollten die Streitigkeiten nun in Miniatur ausgefochten werden. Von Indien gelangte das Spiel nach Persien und über die Araber nach Europa. Auch hier war es das Spiel der Könige. Da die Könige nichts anderes als die mächtigsten Politiker ihrer Zeit waren, ist die Verbindung von Schach und Politik von Anfang an verbürgt, mehr noch: Schach ist eigentlich nichts anderes als ein Politikspiel und das Schachvokabular mit seinen Begriffen wie "Bauernopfern", "Zeitnot", "Patt", usw. hat deshalb auf ganz selbstverständliche Weise Einzug in das Vokabular der Politik gehalten.

Eine sehr enge Verbindung zwischen Schach und Politik gab es im Vorfeld der französischen Revolution. In Paris traf sich die intellektuelle Schickeria, darunter Vordenker wie Voltaire, Jean-Jaques Rousseau oder Diderot im Café de la Régence:
"Wenn es gar zu kalt oder regnicht ist, flüchte ich mich in den Café de la Régence und sehe zu meiner Unterhaltung den Schachspielern zu. Paris ist der Ort in der Welt, und der Café de la Régence der Ort in Paris, wo man das Spiel am besten spielt. Da, bei Rey, versuchen sich gegeneinander der profunde Légal, der subtile Philidor, der gründliche Mayot. Da sieht man die bedeutendsten Züge, da hört man die gemeinsten Reden. Denn, kann man schon ein geistreicher Mann und großer Schachspieler zugleich sein, wie Légal, so kann man auch ein großer Schachspieler und albern zugleich sein, wie Foubert und Mayot." (Diderot, Rameaus Neffe).

Hier waren aber auch Benjamin Franklin, der spätere amerikanische Präsident und Napoleon zu finden. Franklin weilte in Paris als offizieller Gesandter der kürzlich gegründeten USA und war Mitunterzeichner des Pariser Unabhängigkeitsvertrages, im Übrigen begeisterter Anhänger des Schachspiels. 1779 hatte er in London sein "The Morals of Chess" geschrieben. 1791 wurde in St.Petersburg eine aus dem Französischen ins Russische übersetzte Version gedruckt. Diese war zugleich das erste Schachbuch in russischer Sprache.

Napoleon trat später, 1809 in Wien, gegen den berühmten Schachtürken an, den er vielleicht schon von dessen Tournee aus Paris kannte. Einige Einzelheiten wurden vom Diener Napoleons in seinen Memoiren 1830 überliefert. Danach soll Napoleon den Automaten durch regelwidrige Züge geprüft haben. Es ist ungesichert, ob danach eine richtige Partie gespielt wurde, immerhin ist eine Notation vorhanden. Napoleon starb 1821 und mit ihm der bedeutendste Politiker jener Zeit, wenn auch inzwischen "abgewählt", wie man heute sagen würde.

Wir müssen einen kleinen Zeitsprung mache, um zum nächsten bedeutenden Schach spielenden Politiker zu gelangen. Dieser lebte in der Züricher Spiegelgasse 14, unweit des Eckhause Spiegelgasse 1, das einen Weltkrieg später das Dada-Theater Cabaret Voltaire beherbigen wird. Vladímir Iljítsch Uljánov, später Lenin genannt, gehört zu einer Gruppe von russischen Exilanten, die die Theorien und Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sehr aufmerksam studiert hatten.

1917 fährt Lenin mit Erlaubnis der Deutschen Reichregierung ins brodelnde Moskau, um bei der Machtübernahme der Bolschewiken zu helfen. Unter den bolschewistischen Aktivisten befand sich auch Nikolai Krylenko, der zunächst zum Militärkommissar ernannt wird. Er ist es, der Deutschland das Angebot eines Waffenstillstandes macht.


Gorki, Bogdanow, Lenin (Capri 1908)

Der Schachboom, der in den nächsten Jahren in der UdSSR ausgelöst wird, geht auf Krylenko zurück: Dieser ist inzwischen Justizkommissar. Von ihm stammt der Ausspruch: "Es reicht nicht, wenn man die Schuldigen erschießt. Erst wenn man einige Unschuldige hinrichtet, sind die Leute beeindruckt." Krylenko machte Schach nicht nur in der Sowjetunion zum Arbeitersport. Auch in anderen Ländern, zum Beispiel Deutschland, werden in den Zwanziger Jahren unter dem Einfluss der sowjetischen Arbeiterbewegung viele Arbeiterschachvereine gegründet. 1938 ließ Stalin, der wahrscheinlich die feinsinnigen Unterschiede Krylenkos zwischen schuldig und unschuldig schon gar nicht mehr kannte, diesen von der politischen Bühne entfernen, sprich: hinrichten.

Stalin, obwohl aus dem Schach begeisterten Georgien stammend, hat sich als Schachspieler nicht hervor getan. Ebenso wenig wie Hitler oder Mao. Diese waren vermutlich zu sehr mit den anderen Dingen beschäftigt, die sie in der Geschichte bekannt gemacht haben. Lenin hinzugezählt, könnten Statistiker anhand dieser Stichprobe dennoch erschließen, dass jeder vierte Massenmörder Schachspieler war. Wahrscheinlich muss man sogar noch Napoleon hinzu zählen.  

Otto Schily erschrak jedenfalls furchtbar, als er einmal in einem Interview als Schach spielender Politiker in eine Reihe mit Weizsäcker, Schmidt (was ihm gefiel) und dann Lenin gewürdigt wurde.

Doch zurück zu den harmloseren Schachspielern unter den politisch aktiven Zeitgenossen. Zu den bekannten kommunistischen Politikern mit Schachambitionen gehören Tito und Che Guevara. Besonders Che Guevara hat das Schach in Kuba gefördert und holte als Industrieminister 1966 die Schacholympiade nach Havanna.

 

Als Kortschnoj in Havanna gegen Prominente simultan spielte, saß auch Che Guevara am Tisch. Man riet Kortschnoj, aus diplomatischen Gründen remis zu spielen, aber Viktor machte auch mit dem Industrieminister kurzen Prozess: "Er hat keine Ahnung von Katalanisch", lautete die sicher für jeden leicht nachvollziehbare Begründung des späteren Vizeweltmeisters. Ob er mit Krylenko genauso verfahren wäre?

Nach dem Zusammenfall der UdSSR im ausgehenden 20 Jh. sind viele russische Juden nach Israel emigriert. Einer der führenden Vertreter dieser Gruppe ist Nathan Scharansky. Scharansky hatte als "Refusnik" in der Sowjetunion am eigenen Leib das erlebt, was in Zweigs "Schachnovelle" beschrieben wurde: In Einzelhaft spielte er Tausende Partien gegen sich selber. Geboren wurde er 1948 als Anatolij Scharansky und war u.a. als Übersetzer für Andrej Sacharow aktiv. 1978 schickte man ihn als angeblichen US-Spion für acht Jahre in einen Gulag, bis er 1986 frei kam und nach Israel auswanderte. Er ging in die Politik und wurde in der Partei für russische Einwanderer aktiv. Unter Nethanjahu war er Industrieminister.


Scharansky (li.) und Nethanjahu

Im Wahlkampf von 1999 warben die israelischen Politiker um die Stimmen der russischen Einwanderer, die dem Schach zumeist sehr zugetan sind. So geriet Schach plötzlich mitten in den Wahlkampf. Scharansky und Nethanjahu zeigten sich beim Schachturnier.

Ein starker Schachspieler ist auch der litauische Politiker, ehemalige Parlamentspräsident und jetzige EVP-Abgeordnete im Europaparlament Vytautas Landsbergis. Als 1999 die Hauptstadt Litauens Wilna sich in Berlin vorstellte, kam es zum Wettkampf über zwei Blitzpartien zwischen Landsbergis und dem deutschen Innenminister Otto Schily im Schlosspark von Schloss Charlottenburg, den der Litauer mit 2:0 für sich entschied.

Unter den deutschen Politikern gibt es eine ganze Reihe, die sich im Schachspiel geübt haben. An erster Stelle ist der frühere Kanzler Helmut Schmidt zu nennen, der meistens gegen seine Frau Loki spielt. Wer den Aber auch Peter Struck und viele andere wurden von Schmidt in der Vergangenheit im Schach geprüft. Heute ist Helmut Schmidt fast Neunzig Jahre alt und geistig immer noch topfit. Vielleicht hat ihm dabei auch das Schach geholfen.

Schach spielte auch beim früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, nur zwei Jahre jünger als Schmidt, eine große Rolle. Als Berliner Regierender Bürgermeister regte er seinerzeit das Politikerschachturnier an, dass heute noch alljährlich ausgespielt wird. Sein Sohn Robert brachte es sogar zum Bundesligaspieler und vor Kurzem zum Großmeister im Fernschach.

"Schach fördert die Fähigkeiten wie Konzentration, eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, Kombinationsvermögen und Ausdauer. Fähigkeiten, die im Leben von Nutzen sind," so Richard von Weizsäcker.

Ganz besondere Verdienste um das Schach hat sich Otto Schily als Innenminister erworben. In seiner Amtszeit hat unermüdlich für das Schach in Deutschland stark gemacht. 1998 nutzte er die Gelegenheit und spielte auf der CeBit in Hannover gegen Garry Kasparov und sah dabei nicht schlecht aus.

Er war häufiger Ehrengast Gast bei großen offiziellen Schachveranstaltungen und nahm regelmäßig beim Politikerschachturnier in Berlin teil. Auf seiner Ansprache bei der 175-Jahr-Feier des Deutschen Schachbundes betonte er den positiven Einfluss des Schachs auf die Entwicklung Heranwachsender. Schach wirke hier ähnlich wie eine musische Ausbildung.

Als sich Dresden für die Schacholympiade 2008 bewarb, unterstützte Otto Schily diese Bewerbung. Aber auch im Kleinen war Schily aktiv. Nicht zuletzt mit Hilfe seiner Unterstützung konnte die in Hamburg bestehende älteste Schulschachgruppe Deutschlands vor der Auflösung bewahrt werden.

Zu den Schachliebhabern gehört auch der nun abgelöste Bundestagspräsident  Wolfgang Thierse.

Wie Schily war regelmäßiger Gast beim Politikerschachturnier. Nicht unerwähnt bleiben darf Hans-Jürgen Beerfeltz, Bundesgeschäftsführer der FDP, der den Berliner Schachfreunden und Vereinen ebenfalls schon häufiger hilfreich zur Seite stand.

Amtsnachfolger von Otto Schily als Innenminister ist Wolfgang Schäuble. Auch er ist ein guter Schachspieler und hat beim Politikerturnier seine Fähigkeiten als gefährlicher Angriffsspieler unter Beweis gestellt. Von ihm erhoffen sich die Schachspieler eine Weiterführung der Politik seines Vorgängers.

Ein großer Förderer des Schachs ist Jens Beutel. Wahrscheinlich ist er der spielstärkste Oberbürgermeister Deutschlands.

Die Chess Classic, eines das bedeutendsten Schnellschachturnier der Welt hat er von Frankfurt nach Mainz geholt und unterstützt diese Veranstaltung nun nach Kräften. Früher hat Jens Beutel mit beachtlicher Spielstärke auf dem Niveau eines starken Klubspielers an Turnieren und Mannschaftskämpfen teilgenommen. Heute reicht die Zeit immerhin noch zur Teilnahme am Open der Chess Classic.

Zur Riege der Schach spielenden Ministerpräsidenten gehörten der Saarländer Peter Müller und der ehemalige NRW-Landesvater Peer Steinbrück, ebenso dessen früherer Vize Michael Vesper.


Fußballtrainer Rapolder gegen Michael Vesper

Peer Steinbrück ist inzwischen zum Bundesfinanzminister aufgestiegen. Im letzten Jahr war er Ehrengast der WDR-Schachsendung, im vergangenen Sommer zog er sich in der Bundeskunsthalle gegen Vladimir Kramnik beachtlich aus der Affäre.



Noch vor Amtsantritt dachte er vor einigen Tagen schon laut darüber nach, ob man zur Rettung des Staatshaushalts nicht das deutsche Autobahnnetz verkaufen könne. Für Schachspieler klingt das allerdings wie die verzweifelten Suche nach einem studienartigen Remis durch Damenopfer in einem völlig verlorenen Endspiel. Steinbrück hat hier eine Partie übernommen, die seine Vorgänger schon vor langer Zeit in den Sand gesetzt haben. Findet ein Schachspieler nun den richtigen Ausweg?

 

 

 

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