Schmerzhafter Fingerfehler

14.08.2003 – Viktor Bologan ist im doppelten Sinne der Gewinner von Dortmund. Er gewann das Turnier und vorher hatte man nicht mit ihm gerechnet. Auch Kramnik, Anand und Radjabov müssen sich über ihr Ergebnis nicht grämen. Selbst Arkadij Naiditsch darf mit seiner Leistung beim ersten ganz großen internationalen Auftritt zufrieden sein. Nur Peter Leko hat sich ganz sicher mehr erhofft. Nach einer erfolgreichen Turnierserie konnte er diesmal keine einzige Partie gewinnen. Vielleicht hat es etwas mit dem Fingerfehler zu tun, der ihm ausgerechnet zu dem Zeitpunkt unterlief, als in unmittelbarer Nähe eine Kreissäge ihre Arbeit verrichtete. Anna Dergachova weiß mehr...

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Viorel Bologan: Der Gewinner von Dortmund
Von Anna Dergachova


Siegerehrung: Bologan, Anand, Radjabov, Leko, Naiditsch

Das Dortmunder Chessmeeting ist nun zu Ende. Die letzten Runden auf der Bühne des Dortmunder Theaters verliefen doch ziemlich friedlich. GM Vishy Anand konnte nach schlechtem Start (-2) noch drei Partien in Folge gewinnen und war anscheint mit seinem Endergebnis (+1) sehr zufrieden und willigte schon nach 13 Zügen mit Schwarz gegen GM Teimour Radjabov ins Remis ein.


Anand neben Bologan zufrieden


Hindu-Korrespndent Arvind Aaaron und Aruna Anand


Dirk Jan ten Geuzendam (New in Chess) mit Anand

Die nächste Partie ging dann auch relativ zügig zu Ende. GM Arkadij Naiditsch schaffte ein Unentschieden gegen GM Peter Leko. Für Arkadij war das ein erster gelungener Auftritt in der Elite der Schachwelt. Mit seinem Resultat von –3 war er noch ganz zufrieden.


Der Nachwuchs: Naiditsch und Radjabov

Peter Leko dagegen war sehr froh, dass das Turnier endlich vorbei war. Noch während des Turniers habe ich mehrmals seinen Schwiegervater und Trainer Arshak Petrosian angesprochen, was mit Peter los sei, und er antwortete mir: „zwei Jahre hat der Mensch nur gut gespielt, es kann auch einmal eine Ausfall haben. Besonderes bei dieser unerträglichen Hitze.“


Radjabov und Leko, rechts Anand, links Arshak Petrosian

Peter Leko erzählte mir in einem Interview, dass es für ihn wirklich alles schief gelaufen ist, was nur schief laufen konnte. Nachdem er hier letztes Jahr das Kandidatenturnier sehr überzeugend gewann, hat er natürlich gehofft, seinen Erfolg wiederholen zu können. Doch eine Woche vor dem Turnier hat er sein Finger mit einer Kreissäge verletzt, die Wunde war ziemlich groß, so dass sogar ein Gips angelegt werden musste, doch damals dachte er nur, es sei nicht weiter schlimm, er könne immer noch Schach spielen. Und es sah eigentlich in fast jeder seiner Partie zu Beginn sehr gut aus, seine Stellungen waren viel versprechend. Doch irgendwie wollten die Punkte nicht kommen.


Natasha Kiselova und Sofia Leko

Die Partie gegen GM Viorel Bologan war die Ausschlaggebende für ihn. „Ich konnte mehrmals einzügig gewinnen, ja, ich glaube sogar, dass jeder der Zuschauer diese Partie gewonnen hätte, doch ich war irgendwie verdammt! Nachdem ich die Partie verloren habe, lief gar nichts mehr“, das waren seine Worte. Doch ein Schachprofi muss auch mit Niederlagen fertig werden, und besonders wenn auf ihn, wie im Falle von Peter, schon wieder eine neue Aufgabe in Mainz in einem Match gegen Peter Svidler wartet.

Die Partie Kramnik gegen Bologan war dann natürlich die spannendste. Die Zuschauer wollten Blut sehen. Es war klar, dass Vladimir mit weißen Steinen versuchen würde sie zu gewinnen, um so noch den ersten Platz teilen zu können.


Klaus Bischoff und Ingrid Lauterbach im Presseraum

Die Experten im Presseraum und im Internet schlossen schon Wetten ab. Eine vorteilhafte Stellung, mehr Zeit, alle diese Anzeichen deuteten auf einen Sieg von Kramnik. Doch auch Weltmeister sind nicht fehlerfrei. Der positionelle Vorteil verflüchtete sich nach und nach und  nach 4 Stunden einigten sich die Kontrahenten auf Remis.

Damit stand der überglückliche Turniersieger von Dortmund fest. Es war GM Viorel Bologan, mit einem ganzen Punkt Vorsprung vor Vladimir Kramnik, der zwar keine Partie verlor, aber auch nur eine gewann und Vishy Anand. Das war einfach „sein“ Turnier, dem stimmten alle Teilnehmer zu. Natürlich hat Viorel sehr stark gespielt, aber um solch ein Turnier zu gewinnen gehört wie immer auch eine Portion Glück dazu. Und das war in diesem Jahr eindeutig auf seiner Seite.


Viktor Bologan mit Gattin

Es ist besonders interessant, dass diesmal ein Schachspieler Dortmund gewonnen hat, der sich in einem hartem Kampf qualifizieren musste. Schon letztes Jahr spielten unzählige Großmeister im Aeroflot-Open. Nun bin ich gespannt, ob diese Superwerbung noch einige weitere starke Schachspieler aus aller Welt nach Moskau bringt.

 

Die längste Partie (fast 6 Stunden) war dann die letzte Matchpartie vom GM Belikov gegen Baramidze. Nachdem auch sie zu Ende war, konnten die Organisatoren dem Gewinner des Matches Belikov gratulieren.


Belikov und Baramidze

Er ist ein langjährige Sekundant und Freund von Vladimir Kramnik und natürlich auch ein erfahrene Schachtrainer. Seine Eindrucke vom Match: „David ist ein sehr talentierter Spieler, dass steht außer Frage. Gegen ihn zu spielen war überhaupt nicht einfach.


GM Belikov

Ich glaube, dass er spätestens in 3 Jahren  2600 erreichen wird. Er hat viele interessante Ideen im Angriff, auch in der Verteidigung erweist er sich als sehr einfallsreicher Spieler, sehr zäh, was man selten in diesem zartem Alter (14 Jahre) erlebt. Oft agieren die wenig erfahrenen jungen Spieler ganz anders, in schwierigen Stellungen verlieren sie die Lust und lassen sich abmachen. Ganz anderes – David. Er hatte immer eine Überraschung parat. Ich glaube, dieser Junge hat eine große Zukunft.“  - Du hast eine Partie verloren. Wie kam es? – "Es war am meinem Geburtstag, am 2 August. Ich wollte eigentlich ein schnelles Remis mit Schwarz machen und wählte die Berliner Verteidigung. Doch David kannte die Theorie sehr gut und spielte das Endspiel hervorragend, also kein Geschenk an meinem Geburtstag."


 



 

 

 

 


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