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Siegen 1970

28.08.2005 – Als die vor 35 Jahren im September 1970 in Siegen die letzte Schacholympiade auf deutschem Boden ausgetragen wurde, war dies eines der großen Medienereignisse. Wenn auch die Zeitungsberichte nicht immer vor Schachkenntnis strotzten - "Hochmut kommt vor dem Fall", betitelte etwa die Bildzeitung eine Niederlage Lothar Schmids nach vorheriger Ablehnung eines Remisangebots -, so zogen sie doch ein großes Publikum an. Etwa 4300 Zuschauer waren anwesend, als die beiden besten Spieler der Welt, Spasski und Fischer, gegeneinander antraten. Diese zeigten dann auch keines jener anämischen "Großmeisteremisen", sondern spielten eine aufregende Partie. Auf der Schacholympiade in Siegen warf der WM-Kampf von 1972 seinen Schatten bereits voraus. Dieser und der Aufstieg Robert Hübners in die Weltspitze lösten dann in Deutschland endgültig einen Schachboom aus, der bis heute anhält. Johannes Fischer lässt die Ereignisse Revue passieren. Siegen 1970...
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Perfekte Organisation, Medienereignis und Auftakt zum WM-Kampf Spassky – Fischer:
Die Schacholympiade Siegen, 5. bis 29. September 1970
Von Johannes Fischer

Schacholympiade Siegen: Download Partien...

Denkt man an die Schacholympiade Siegen 1970, denkt man an Spassky gegen Fischer. Die Begegnung der beiden war die Partie der Olympiade. Spassky war zwar Weltmeister, aber viele hielten Fischer für den stärksten Spieler der Welt – obwohl der Amerikaner in den direkten Begegnungen mit Spassky immer schlecht ausgesehen hatte. Zwei Mal hatte er verloren, zwei Partien endeten Remis.

Aber dass Fischer in Siegen überhaupt antrat, war bereits eine kleine Sensation. Bekanntlich hatte der Amerikaner das Interzonenturnier in Sousse 1967 vorzeitig abgebrochen, obwohl er deutlich in Führung lag und war danach von der Schachszene verschwunden. Aber zu Beginn des Jahres 1970 kehrte er wieder zurück und schlug Tigran Petrosian beim Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt in Belgrad klar mit 3:1. So galt Fischer beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca, das zwei Monate nach der Olympiade stattfinden sollte, wie überhaupt für den gesamten WM-Qualifikationszyklus, als klarer Favorit.


Tigran Petrosjan

Aber auch wenn Fischer wieder an Turnieren teilnahm, so war es keine Selbstverständlichkeit, dass er für die amerikanische Mannschaft spielte. An der Olympiade in Tel Aviv 1964 hatte er nicht teilgenommen, weil der Verband sich weigerte, das von Fischer geforderte Honorar zu zahlen und 1968 in Lugano reiste Fischer an, besichtigte das Spiellokal, empfand die Spielbedingungen als zu dürftig und reiste wieder ab. Aber in Siegen söhnte er sich sogar mit seinem alten Rivalen Reshevsky aus und spielte für die USA.

Am 19. September, einem Sonntag, kam es so endlich zum lang ersehnten Duell Spassky gegen Fischer, und der Publikumsandrang bei dieser Partie brach alle Rekorde. 4.500 Zuschauer strömten in die Siegerlandhalle, von denen, so Theo Schuster, "viele ohnmächtig wurden und weggebracht werden mussten" (Deutsche Schachblätter, 10/1970, S.228). Auch "das Fernsehen etablierte sich aufdringlich von allen Seiten, selbst Reshevsky wurde von einem Kameramann unsanft beiseite geschoben!" (Deutsche Schachblätter, 11/1970, S.253). Und die Zuschauer kamen auf ihre Kosten: Spassky und Fischer spielten beide kämpferisch und lieferten sich einen packenden Schlagabtausch, bei dem Spassky schließlich die Oberhand behielt. Obwohl Fischer nach der Eröffnung gut gestanden hatte, verlor er im Mittelspiel den Faden und gab schließlich im 39. Zug auf.

Spassky gegen Fischer...

Dieser Sieg im Prestigeduell verhalf der Sowjetunion zu einem wichtigen 2,5:1,5 Sieg gegen die USA, der allerdings glücklich zustande kam, denn es fehlte nicht viel und die Sowjets hätten diesen Kampf verloren. Nachdem Petrosian und Reshevsky schnell Remis vereinbarten, standen sowohl Polugayevsky gegen Evans und Geller gegen Lombardy sehr bedenklich, und zwischenzeitlich sogar auf Verlust, konnten sich aber beide zum Schluss ins Remis retten.

Spassky kam durch diesen Sieg außerdem zu einem Maßanzug als Preis für das beste Ergebnis an Brett 1. Eigentlich hatte man diesen Preis auf Fischer zugeschnitten, dessen Vorliebe für elegante Anzüge bekannt war, aber nach Niederlage des Amerikaners mussten die Schneider rasch beim Russen Maß nehmen und den Anzug entsprechend ändern.


Die Organisation

Das große Publikumsinteresse und Medienecho rechtfertigte alle Anstrengungen, die Olympiade nach Siegen zu holen. Die Idee dazu entstand 1967 bei einem Treffen zwischen dem Hamburger Konsul, Funktionär und Organisator Emil Dähne und Hermann Schmidt, Landrat des Kreises Siegen, Schachfan und Mitglied des Deutschen Bundestages. Neben Willi Fohl, dem Turnierleiter des Deutschen Schachbundes, war Ludwig Schneider, der Präsident des Deutschen Schachbundes, eine treibende Kraft bei der Organisation.


Ludwig Schneider

Schneider wusste, worauf es ankam, denn 1958 hatte er als Präsident des Bayerischen Schachbundes bereits die Schacholympiade nach München geholt. Vor Ort und unterstützt von 200 ehrenamtlichen Helfern leitete dann Klaus Hülsmann, Vize-Präsident des DSB, die Geschicke der Olympiade. Neben großer finanzieller Unterstützung aus der Politik schufen zahlreiche Sponsoren aus der freien Wirtschaft die Grundlage für einen reibungslosen technischen Ablauf:

"So gab es im Demonstrationssaal erstmals die projezierten (sic) Wandbretter von Demolux (die Züge wurden auf eine Riesenleinwand projiziert). Die Firma Philips stellte einen Computer samt Bedienung für die Dauer der Olympiade zur Verfügung, die Xerox-Rank lieferte das modernste Fotokopiergerät und Rotaprint stellte die Druckmaschine und andere Geräte zur Verfügung, die zur Herstellung der täglichen Rundenberichte gehörten. Das Volkswagenwerk bot 16 Busse für den Transport auf, die REWE-Genossenschaft versorgte alle Mannschaften und ihre Betreuer täglich mit einem Sortiment Nervennahrung und eine Teppichfirma stattete den Spielsaal mit schalldämpfenden Teppichen aus. Und das alles gratis! (Deutsche Schachblätter, 10/1970, S.226)".


Nöttger, Hülsmann, Schneider

Zu viele Teilnehmer

Nach Hamburg 1930, München 1958 und Leipzig 1960 war Siegen 1970 die vierte offizielle Schacholympiade, die in Deutschland ausgetragen wurde. Ungewöhnlich bei der Vergabe der Olympiade an Siegen war allerdings, dass erstmals ein relativ kleiner Ort als Ausrichter fungierte. Dies brachte trotz der exzellenten Organisation auch Nachteile mit sich. Das Spiellokal platzte aus allen Nähten und die Mannschaften konnten nicht alle zentral untergebracht werden, sondern wurden auf umliegende Quartiere verteilt und jeden Tag mit Shuttle-Bussen in die Siegerlandhalle zum Spielen gebracht. Dadurch, so empfanden es viele Spieler, fehlte das olympische Flair. Dabei war die Zahl der teilnehmenden Mannschaften im Vergleich zu heutigen Olympiaden vergleichsweise gering. Während bei der Schacholympiade in Calviá 2004 129 Herrenmannschaften und 87 Damenmannschaften teilnahmen, gingen in Siegen nur 60 Herrenteams und keine Frauenmannschaft an den Start. Denn obwohl die erste Frauenolympiade bereits 1957 in Emmen stattfand, wurden die Frauenolympiaden erst ab 1972 parallel zu den Herrenolympiaden ausgetragen. Insgesamt waren in Siegen 360 Spieler am Start, darunter 35 Großmeister und 66 Internationale Meister. Tatsächlich waren sogar mehr als 60 Mannschaften nach Siegen gekommen, um an der Olympiade teilzunehmen. Aber da man kein Platz mehr hatte, wurden die Mannschaften von Argentinien, Ekuador, Venezuela und Frankreich mit der Begründung, sie hätten sich nicht rechtzeitig angemeldet, nicht zum Turnier zugelassen und wieder nach Hause geschickt.

Modus

In der Tat hätten vier zusätzliche Mannschaften nicht nur Platzprobleme verursacht, sondern auch den Modus gefährdet. Denn anders als heute, wo die Olympiaden nach Schweizer System ausgetragen werden, teilte man die 60 Mannschaften in Siegen in sechs Vorgruppen á zehn Mannschaften ein, von denen die beiden besten sich für das A-Finale qualifizierten. Die Mannschaften auf den Plätzen drei und vier qualifizierten sich für das B-Finale, fünf und sechs für das C-Finale usw. Punkte, die in den Vorrunden erzielt wurden, nahm man in die Endrunde mit. Die Bedenkzeit betrug 2,5 Stunden für 40 Züge, Hängepartien wurden am nächsten Morgen gespielt.

Klarer Favorit war die Sowjetunion. Seitdem die Sowjets in Helsinki 1952 erstmals an der Schacholympiade teilgenommen hatten, waren sie immer Erster gewesen, und auch in Siegen schickte die führende Schachnation der Welt eine beeindruckend starke Mannschaft ins Rennen. Mit Spassky, Petrosian, Kortschnoi, Polugayevsky, Smyslov und Geller spielte genau die Auswahl, die zwei Jahre zuvor bei der Olympiade in Lugano mit 8,5 Punkten Vorsprung gewonnen hatte. Die besten Außenseiterchancen räumte man neben den USA, die mit Fischer und Reshevsky antraten, noch den traditionell starken Ungarn ein.

Knapper Sieg der Favoriten

Aber in Siegen lief die sowjetische Schachmaschinerie nicht so reibungslos wie sonst. Die mit drei Weltmeistern und drei Spitzengroßmeistern besetzte Mannschaft leistete sich in der Finalrunde nicht weniger als vier Unentschieden und gewann keinen einzigen Kampf 4:0. Am Ende lagen sie dennoch vorn, hatten jedoch nur einen mageren Mannschaftspunkt Vorsprung vor den Ungarn. Dieses vergleichsweise schlechte Ergebnis führte nach der Rückkehr der Mannschaft in die Sowjetunion zu massiver Kritik und veranlasste Spassky zu folgendem Kommentar: "Our team played very badly. Fantastically ... patzers. ... It is like impotence. Patzers. ... Two-two, two and a half-one and a half, two-two ... it is awful (sic)." ("Interview with Boris Spassky", Keene, Levy, Siegen Chess Olympiad, S.22) Verantwortlich für das schlechte Spiel könnte die Rivalität der Sowjets untereinander gewesen sein. Schließlich wussten Polugayevsky, Smyslov, Geller und Mark Taimanow, der Trainer der Mannschaft, dass sie nur zwei Monate später beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca Konkurrenten im Rennen um den WM-Titel sein würden.

Ein Indiz für die schlechte Stimmung im Lager der Sowjets war Kortschnois kampfloser Verlust gegen die Spanier. Kortschnoi, der am Vormittag noch eine Hängepartie absolvieren musste, war zu Beginn der Partie noch nicht aus seinem Mittagsschlaf erwacht, und da es niemand aus der sowjetischen Delegation für nötig hielt, ihn anzurufen oder nach ihm zu schicken, verlor er kampflos.

Silbermedaillengewinner waren die Ungarn, bei denen vor allem Portisch am ersten (11/16), sowie Forintos am vierten (11,5/16) und I. Csom am fünften Brett (10,5/14) überzeugten. Portisch hätte mit ein wenig Glück sogar noch mehr Punkte erzielen können. Fischer hatte er am Rand einer Niederlage und gegen Gligoric übersah er in Gewinnstellung einen einfachen taktischen Trick und verlor einzügig.


Portisch gegen Fischer Siegen 1970...

Bronze ging an die Jugoslawen, die durch eine starke Mittelachse gestützt wurden. Während Gligoric am ersten Brett mit 7,5 aus 13 etwas enttäuschte, gewann Ivkov am zweiten Brett mit 10/13 den Brettpreis, genau wie Matanovic an vier (10/12). Auch Matulovic an drei überzeugte mit einem Ergebnis von 13/17.

Die westdeutsche Mannschaft wurde Sechster, obwohl, wie Hans-Joachim Hecht es ausdrückte, sie schachlich "wirklich keine Bäume" bei dieser Olympiade ausrissen. Sämtliche Kämpfe gegen die fünf vor ihnen liegenden Mannschaften gingen 1,5:2,5 verloren. Der erfolgreichste Spieler war Lothar Schmid, der das zweitbeste Ergebnis an Brett zwei erzielte und für seine Partie gegen Anton Kinzel aus Österreich den Schönheitspreis gewann. Die Ergebnisse im Einzelnen: W. Unzicker, 10,5/18, L. Schmid, 9/12, K. Darga, 8,5/12, H.-J. Hecht, 8/14, D. Mohrlok, 8,5:12, K. Klundt, 5/8.


Die Mannschaft der DDR belegte den 9. Platz. Während Uhlmann mit 10/16 am ersten Brett ein solides Ergebnis erzielte, ragte aus dem Rest der Mannschaft kein Spieler wirklich heraus. Prozentual am besten schnitten noch Arthur Hennings (10,5/15 und der spätere Fernschachweltmeister Fritz Baumbach (4,5/6) ab. Die restlichen Einzelergebnisse: B. Malich an 2, 9,5/17, H. Liebert an 3, 7,5/13, L. Zinn an 5, 5/9.

Die im Vergleich zur Olympiade in Lugano 1968 weiter gestiegene Zahl von teilnehmenden Nationen (von 53 in Lugano auf 60 in Siegen) spiegelte die weltweit zunehmende Popularität des Schachspiels wieder. Mannschaften aus allen fünf Kontinenten gingen in Siegen an den Start, wobei Afrika allerdings unterrepräsentiert war, da außer Südafrika nur noch Marokko und Tunesien spielten. Dafür waren Neuseeland und Australien, aber auch Singapur, Japan und Hongkong am Start. China, die heute stärkste Schachnation aus Fernost, feierte ihr olympisches Debüt allerdings erst 1978, zwei Jahre nach dem Tod Maos. Aber seitdem wurden die Chinesen immer stärker. Betrug der Elo-Schnitt des Herrenteams 1978 noch 2273 Punkte, so wiesen die Chinesen in Calviá bereits einen Schnitt von 2612 auf.

Politik und Kurioses

Trotz aller politischen und kulturellen Unterschiede der teilnehmenden Mannschaften gab es anders als z.B. bei den Olympiaden in Haifa 1976 und Dubai 1986, die von Boykottaufrufen überschattet waren, kaum politisch bedingte Reibereien. Lediglich Albanien weigerte sich in der Vorrunde gegen Südafrika anzutreten, um so gegen die Apartheidpolitik Südafrikas zu demonstrieren. Ironischerweise verhalf der daraus resultierende 4:0 Sieg Südafrika zu einem Platz in Finalgruppe D, genau die Gruppe, in die Albanien durch diese Niederlage kam. Aber da die Ergebnisse der Vorrunden in die Endrunden übernommen wurden, blieb Albanien eine zweite kampflose 0:4 Niederlage erspart.

Ein weiterer Kampf, der für Unruhe sorgte, war das Aufeinandertreffen zwischen Griechenland und Polen aus der Schlussrunde der Vorgruppe. Um sich einen Platz in der Finalgruppe C zu sichern, mussten die Griechen mindestens 2,5:1,5 gegen Polen gewinnen – wobei die Polen allerdings das deutlich stärkere Team bildeten. Doch die Griechen hatten "Glück" und gewannen tatsächlich 2,5:1,5. Wie der Zufall es wollte, überschritten bei den Polen sowohl Bednarski – gegen Kazilaris – als auch Doda – gegen Siaperas – in besserer Stellung die Zeit, übrigens die beiden einzigen Partien, die Bednarski und Doda nach Zeit verloren.

Kurios verlief auch die Partie des Schweizers Erno Gereben gegen den Indonesier Ardiansyah, in der Schwarz sich durch einen entschlossenen Bluff in ein Remis rettete. In einem Damenendspiel mit zwei Minusbauern opferte der Indonesier unvermutet seine Dame, was Gereben so schockierte, dass er nicht mehr klar denken konnte: "Ich starrte wie hypnotisiert auf die Szene. Mein Gegner schlug mit meinem König seine Dame auf g6, rief dabei triumphierend 'Patt', reichte mir zur Besiegelung des Remis die Hand, in die ich vor den verdutzten Zuschauern wie gelähmt einschlug. Dann entfernte sich der Indonesier vom Brett" (Deutsche Schachblätter, 11/1970, S. 253-254). Als Gereben merkte, dass Schwarz sich keinesfalls hatte Patt setzen lassen, sondern noch ziehen konnte, war es bereits zu spät – mit dem Handschlag hatte er das Remis akzeptiert.


Gereben: Patt

Resümee

Trotz solcher Vorfälle war die Olympiade in Siegen ein Erfolg und Alfred Diel schwärmte: "Die 19. Schach-Olympiade in Siegen wird als Mannschaftsweltmeisterschaft der Superlative in die Annalen der Schachgeschichte eingehen: Nie zuvor waren so viele Nationen an den Start gegangen, hatten sich Meister aller Kategorien derart spannende Kämpfe geliefert, war es dem sieggewohnten sowjetischen Team so schwergefallen, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen, und nie zuvor hatte man eine solche mustergültige Organisation gesehen!" (Deutsche Schachblätter, 11/1970, S.249).


Abschlussveranstaltung mit Gustav Heinemann

Mittlerweile sind die Schacholympiaden mindestens doppelt so groß und auch die Sowjetunion existiert nicht mehr, aber allein die Partie Spassky – Fischer sichert Siegen einen festen Platz in der Schachgeschichte. Denn diese Partie bildete den dramatischen Auftakt zum fast genau zwei Jahre später stattfindenden "Wettkampf des Jahrhunderts" zwischen Spassky und Fischer in Reykjavik und sie machte die Olympiade in Siegen zu einem Medienereignis. Dadurch bereitete Siegen 1970 den Boden für den zwei Jahre später einsetzenden Rummel um Fischer und Spassky, der zusammen mit den großen Erfolgen Robert Hübners Anfang der siebziger Jahre für einen ungeahnten Schachboom in Deutschland sorgte.

Quellen und Materialien:

Christian M. Bijl, (Hrsg), Die gesammelten Partien von Robert J. Fischer, Schachverlag Ijmuiden 1976.

Deutsche Schachblätter
R.D. Keene, D.N.L. Levy, Siegen Chess Olympiad, Chess Ltd., Sutton Coldfield 1970.
Viktor Kortschnoi, Mein Leben für das Schach, Edition Olms, Zürich 2004.
www.olimpbase.org.
Präsidium der XIX. Schach-Olympiade, XIX. Schach-Olympiade, Siegen 1970.
Raj Tischbierek, Sternstunden des Schachs. 30x Olympia. London 1927 – Manila 1992, Sportverlag Berlin 1993.


Erinnerungen an Schacholympia:
Ein Interview mit Hans-Joachim Hecht über Siegen 1970 und andere Olympiaden

Hans-Joachim Hecht, Sie haben mehrfach für die Bundesrepublik an Schacholympiaden teilgenommen. Wie war die Olympiade in Siegen 1970?

Ich muss zugeben, dass ich an die Olympiade in Siegen kaum tiefer gehende Erinnerungen habe. Siegen war meine 3. Olympiade, aber ich erinnere mich viel besser an meine erste Olympiade in Varna 1962, denn ein solches Debüt prägt sich einfach besser ein. Bei der Olympiade in Tel Aviv 1964 befand ich mich in der Ausbildung und bekam keine Genehmigung zu spielen und 1966 in Havanna nahm die Bundesrepublik aus politischen Gründen nicht teil. 1968 in Lugano konnte ich wieder spielen, aber um in das Olympiateam für Siegen aufgenommen zu werden, musste ich mich erst über die Deutsche Einzelmeisterschaft in Völklingen qualifizieren. Nachdem ich dort in der sechsten Runde verloren und nur 3,5 aus 6 hatte, nahm mich der Turnierleiter Willi Fohl beiseite und sagte zu mir: "Sie wissen doch, worum es hier geht?" Am Ende gewann ich doch noch, wurde Deutscher Meister und durfte zur Olympiade. Allerdings fand ich diese Qualifikation über die Deutsche etwas merkwürdig, denn viele starke Spieler haben damals schon gar nicht mehr an der Deutschen teilgenommen.

Ich weiß nicht, warum Hübner 1970 in Siegen nicht gespielt hat. In Lugano 1968 war er bereits dabei und 1969 hatte er eine Reihe guter Turniererfolge erzielt und sich auch beim Zonenturnier in Athen für das Interzonenturnier in Palma de Mallorca qualifiziert, das kurz nach der Olympiade stattfand. In Skopje 1972 war Hübner dann wieder dabei und erzielte mit 15 Punkten aus 18 Partien am ersten Brett ein hervorragendes Ergebnis.

Die Olympiade in Leipzig 1960 habe ich noch als Zuschauer verfolgt. Das war kein Problem, denn damals war ich noch DDR-Bürger. Ich lebte in Rangsdorf, ging aber in West-Berlin zur Schule, die einfach besser war. Über Schule und Polizei bekam ich einen West-Berliner Ausweis und konnte so nach Westdeutschland fahren (1958 wurde ich westdeutscher Jugendmeister) und auch bei der Schacholympiade in Leipzig kannten mich die ostdeutschen Schachspieler als West-Berliner bzw. Deutscher Jugendmeister. Sie luden mich sogar zu einem Turnier in Zittau ein und boten mir an, ein Visum für mich zu beantragen. Aber mir wurde das allmählich zu heiß, denn natürlich wurden in der DDR schwarze Listen mit den Namen missliebiger Grenzgänger geführt.

Endgültig in den Westen bin ich eine Woche vor Mauerbau gegangen. Natürlich wusste ich nicht, dass die Mauer gebaut werden sollte, aber in der Zeit vor dem Mauerbau entwickelten die DDR-Behörden eine beachtliche Aktivität und bestellten u.a. alle Grenzgänger ein. Ich zeigte mich bei diesem Gespräch sehr kooperativ, erklärte mich mit allen Auflagen einverstanden, vereinbarte sogar einen Termin für ein weiteres Gespräch und ging danach sofort in den Westen.

Noch einmal zurück zur Olympiade in Siegen. Warum, glauben Sie, sind Ihre Erinnerungen an Siegen so wenig ausgeprägt?

Eigentlich war es eine ganz normale Olympiade. Die Stimmung in der Mannschaft war gut, aber meine Erinnerungen an Siegen sind vielleicht deshalb so unscharf, weil mein Schach auf dieser Olympiade spielerisch keine Offenbarung war. Allerdings hat die ganze Mannschaft bei dieser Olympiade wirklich keine Bäume ausgerissen. Wir wurden zwar Sechster, aber gegen alle starken Mannschaften haben wir verloren und zwar immer 1,5:2,5. Immer drei Remis und ein Verlust.

Da habe ich an andere Olympiaden bessere Erinnerungen, z.B. an Buenos Aires 1978, obwohl die Spielbedingungen da schrecklich waren. Wir spielten in einem großen Fußballstadion und zu Fuß war man von dem Quartier der deutschen Mannschaft bis dorthin zwei Stunden unterwegs, weshalb man immer mit dem Bus fahren musste. Aber ich habe die Olympiade in gter Erinnerung, weilu wir uns nach schlechtem Start noch steigerten. Die Wende kam beim Kampf gegen Wales. Klaus Darga sagte, dass wir hier die Chance hätten, das Ruder herumzureißen, wenn wir 4:0 gewinnen würden. Beim Essen sagte er dann, er würde noch einmal hinüber gehen und sich die Waliser Mannschaft anschauen. Als er zurückkam, erklärte er, die Mannschaft sehe tatsächlich so aus, als ob sie 4:0 geschlagen werden könnte. Tatsächlich haben wir 4:0 gewonnen und von da an lief alles wie geschmiert. Wir haben gegen alle guten Mannschaften gespielt und nur gegen die USA verloren, aber dafür 2,5:1,5 gegen die Sowjetunion gewonnen.

 

Auch in Siegen wohnten wir weit vom Spiellokal entfernt, in Freudenberg, außerhalb von Siegen. Das Hotel war gut, eine gute Unterkunft mit gutem Frühstück und es gab einen Shuttle-Service zum Spiellokal, aber ich schätze bei den Olympiaden den Kontakt, die Möglichkeit, sich mit anderen Mannschaften auszutauschen.

Ich erinnere auch noch, dass es in Siegen eng war, wirklich eng. Im Spiellokal war es so eng, dass man auch als Spieler wenig von dem mitbekam, was passierte. Die einzelnen Vor- und Finalgruppen spielten in abgetrennten Bereichen und als Zuschauer hätte ich dort nur gestört. So habe ich auch von der Partie Spassky gegen Fischer sehr wenig mitbekommen, denn auch als Spieler konnte man nicht einfach so zuschauen. Ich gehörte auch nicht zu dem Spielerkreis der Spieler an Brett 1. Wolfgang Unzicker war da viel näher dran, schließlich hat er gegen beide, Spassky und Fischer, gespielt. Unzicker hat am ersten Brett nie gekniffen, und ist gegen alle starken Spieler angetreten. Er war sehr ehrgeizig und hat sich stets gut vorbereitet.

In Siegen spielte sowohl eine westdeutsche als auch eine ostdeutsche Mannschaft. Wie war das Verhältnis der beiden deutschen Mannschaften zueinander?

Bestens. Zwar gab es von seiten der DDR-Politik die Richtlinie, den Kontakt zu den Westdeutschen zu meiden, aber in der Praxis wurde das unterlaufen. Auch beim Zonenturnier in Raach 1969, wo Wolfgang Uhlmann und Lutz Espig für die DDR spielten, war das Verhältnis gut und herzlich. Hans Platz war als Trainer dabei und er war kein Polit-Apparatschik, sondern selber Schachspieler. Er sagte mir aber, dass wir keinesfalls über den Kontakt zu den DDR-Spielern schreiben dürften, das musste unter uns bleiben.

Die DDR-Spieler hatten zwar die offizielle Auflage, den Klassenfeind zu schlagen, aber wie gut das Verhältnis war, sah man z.B. bei der Olympiade 1962 in Varna. Die beiden deutschen Mannschaften spielten in der gleichen Vorgruppe und trafen drei Runden vor Schluss aufeinander. Und bereits da zeigte sich, dass bei einem 2:2 beide Mannschaften sicher für die Endrunde qualifiziert wären. Also einigten wir uns auf 2:2 und alle vier Partien wurden Remis. In der Endrunde kam es dann zum eigentlichen Kampf, aber auch der verlief ohne Vorbehalte. Warum auch nicht? Schließlich kannten sich viele der Spieler gut, Reinhart Fuchs und Klaus Darga waren z.B. sogar miteinander befreundet.

Wie war denn das Medienecho auf die Olympiade?

Da die Olympiade in Deutschland stattfand, war die Aufmerksamkeit der Medien besonders hoch. Was allerdings nicht immer schön war. So titelte die Bildzeitung nach dem Kampf gegen Jugoslawien, in dem Lothar Schmid in besserer Stellung ein Remisangebot von Ivkov abgelehnt hatte, um am Ende doch noch zu verlieren: "Hochmut kommt vor dem Fall." Schmid war schwer getroffen, denn natürlich hatte er Recht, in besserer Stellung weiterzuspielen. Er hat dann wohl versucht, etwas dagegen zu unternehmen, vermutlich ohne Erfolg.

Und wie groß war die Wirkung der Schacholympiade auf das deutsche Schach?

Das lässt sich schwer sagen, denn 1972 gab es schließlich den Wettkampf Spassky – Fischer und außerdem begann Robert Hübner seinen Aufstieg in die Weltspitze. Das hat die Leute beeindruckt und in Deutschland ein großes Medienecho hervorgerufen, das dem deutschen Schach gut getan hat.

 

 

 

 

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