Shredder gewinnt in Leiden
Von Stefan Meyer-Kahlen
Fotos: Eric van Reem

Stefan Myer-Kahlen bei der Computerschachlektüre

Organisator Theo van der Storm
Das Computerschachturnier in
Leiden ist immer eine Reise wert. Die Atmosphäre ist entspannt, das Wetter meist
schon sehr gut und der Spielort ist nur wenige Kilometer vom Strand entfernt.
Wie in den letzten beiden Jahren auch, habe ich mich entschlossen, mit Shredder
mitzuspielen. Diesmal wollte ich jedoch näher am Strand schlafen und deshalb
nicht direkt in Leiden wohnen, sondern mir ein Hotel direkt am Strand in den
Nachbarorten Nordwijk oder Katwijk suchen. Nicht, dass ich zwischen den Runden
immer so viel Zeit habe, aber trotzdem wollte ich die Chance nutzen, wenn es mit
den Partien mal schneller gehen sollte.
Kurz vor der Abreise machte ich
mich auf die Suche nach einem passenden Hotel. Leider war das nicht so einfach,
da alle von mir ausgewählten Hotels ausgebucht waren. Etwas merkwürdig fand ich
das schon, da es in der Vergangenheit immer kein Problem war, auch kurzfristig
noch einen Platz in dem Hotel der Wahl zu bekommen. Ich verbrachte also einen
halben Tag mit der Hotelsuche, wurde zum Glück in Katwijk fündig. Ein kleines
Hotel direkt am Strand zu bezahlbaren Preisen. Dass das Hotel mitten in der
Fußgängerzone von Katwijk lag, das Einchecken mit viel Gepäck somit sehr
anstrengend ist, und dass im Erdgeschoss eine Disco mit extrem lauter Musik bis
zum frühen Morgen war, konnte ich aber noch nicht ahnen.
Da ich es leid bin, immer einen
riesigen Computer nebst Monitor zu Schachturnieren um die ganze Welt zu
schleppen, habe ich diesmal beschlossen, „remote“ zu spielen. Theoretisch geht
das ganz einfach: Der Rechner bleibt zu Hause und die heimische Firewall wird
umkonfiguriert, so dass Zugriffe auf den Rechner von außen möglich sind. Man
muss dann nur ein kleines Notebook mitnehmen und kann sich dann per Internet auf
dem Turnierrechner zu Hause einloggen. Das war’s, alles ohne Geschleppe. Ich
habe dann kurz vor dem Turnier einen neuen Computer gekauft, den ich als
Turnierrechner verwenden wollte. Einen AMD Athlon 3400+ mit neuer
64-Bit-Technologie. Sehr schöner Prozessor, doch leider gab es
Lieferschwierigkeiten, so dass ich den Rechner erst ca. 12 Stunden vor meiner
geplanten Abreise nach Leiden am nächsten Morgen bekam. Das war dann doch ein
wenig knapp und so lief dann wieder alles „klassisch“ ab. Also Rechner, Monitor
und Zubehör einpacken, ins Auto schleppen, nach Leiden karren, dort wieder alles
schleppen, auspacken und zusammenbauen.
In den letzten Monaten war ich
hauptsächlich mit meiner neuen Webseite
www.shredderchess.de beschäftigt, so dass ich
nicht viel an der Schachengine von Shredder arbeiten konnte. Ich konnte mich
nicht sehr intensiv auf Leiden vorbereiten, lediglich mein Buchautor Sandro
Necchi hatte wieder ein paar neue Sachen ausgekocht und so war wenigsten mein
Eröffnungbuch bestens präpariert. Alles in allem war es ein beschwerlicher Start
nach Leiden, doch ließ ich mich nicht davon entmutigen.
In Leiden angekommen ging es
direkt richtig los. Es wurden jeweils drei Runden an drei Tagen gespielt.

Turniersaal

Team Nexus
Das Turnier war sehr stark
besetzt, so dass mein Ziel war, unter die ersten drei zu kommen. Dann gab es
nämlich einen schönen „Pokal“ in Form eines goldenen Schiffes sowie ein nettes
Preisgeld, beides gestiftet von der Firma Palgames aus Abu Dhabi.
Shredder spielte ein sehr gutes
Turnier und lag immer in der Spitzengruppe. In der sechsten Runde kam es dann zu
der entscheidenden Begegnung im Turnier. Shredder hatte Weiß gegen Hydra, ein
gemischte Hard/Softwarekombination die auf 16 Prozessoren gleichzeitig lief und
unter der Fahne der Arabischen Emirate antritt, die das Projekt sponsern.

Chrilly Donninger jetzt unter der Fahne der Vereinigten
Arabischen Emirate
Der Programmautor ist jedoch
der alte bekannte Chrilly Donninger aus Österreich. Hydra spielte in der Partie
jedoch eine fragwürdige Eröffnung, so dass die Sache nach 15 Minuten schon
wieder vorbei war. Shredder hatte damit die alleinige Führung im Turnier und ich
konnte meine geplante Zeit am Strand verbringen. Perfektes Timing.

Erdogan Günes für Hydra, Stefan Meyer-Kahlen für Shredder
Shredder ließ sich in den
verbleibenden Runden nicht mehr die Butter vom Brot nehmen und gewann
schließlich das Turnier mit 8/9 und 1,5 Punkten Vorsprung vor Hydra, Ruffian und
Diep. Sehr schön war dabei die Partie gegen Ruffian, in der Shredder einen
Springer opferte, um den gegnerischen König nur mit Dame und Turm über das Brett
zu jagen. Aber auch mit der Qualität der anderen Partien von Shredder war ich
sehr zufrieden.


Ich bekam nun mein goldenes
Schiff, das Preisgeld, meine Stunden am Strand in der Sonne und natürlich einen
weiteren Turniersieg. Kurz, Leiden war auch diesmal wieder eine Reise wert.
Endstand:
Die Partien zum Nachspielen...
CSVN 2004 Abschlusstabelle
1 2 3 4 5 6 7 8 9
1 Comp Shredder +1 -1 -0 +1 -1 +1 -1 -1 +1 8.0/9
13 7 4 10 6 2 3 5 11
2 Comp Hydra Orthus 1.05C +½ -1 +1 -1 +1 -0 +½ -½ +1 6.5/9
8 3 10 7 4 1 5 6 12
3 Comp Ruffian -1 +0 -1 -1 +1 -1 +0 -0 +1 6.0/9
11 2 9 5 8 4 1 7 10
4 Comp Diep -1 -1 +1 +½ -0 +0 -1 +1 -½ 6.0/9
14 5 1 6 2 3 10 8 7
5 Comp The King -1 +0 -1 +0 +1 -1 -½ +0 -1 5.5/9
15 4 11 3 9 6 2 1 14
6 Comp Chess Tiger +1 -½ +1 -½ +0 +0 -1 +½ -1 5.5/9
12 10 8 4 1 5 9 2 13
7 Comp Nexus -1 +0 -1 +0 -½ +0 -1 +1 +½ 5.0/9
9 1 15 2 11 10 16 3 4
8 Comp IsiChess -½ +1 -0 +1 -0 +½ +1 -0 +1 5.0/9
2 14 6 12 3 11 15 4 16
9 Comp Tao +0 -1 +0 +1 -0 -1 +0 -1 -1 5.0/9
7 16 3 14 5 12 6 13 15
10 Comp Deep Sjeng -1 +½ -0 -0 +1 -1 +0 +1 -0 4.5/9
16 6 2 1 13 7 4 14 3
11 Comp The Baron +0 -1 +0 -1 +½ -½ +½ -1 -0 4.5/9
3 12 5 15 7 8 13 16 1
12 Comp Zzzzzz -0 +0 +1 -0 -1 +0 -0 +1 -0 3.0/9
6 11 13 8 16 9 14 15 2
13 Comp Ant -0 +0 -0 +1 -0 +1 -½ +0 +0 2.5/9
1 15 12 16 10 14 11 9 6
14 Comp Neurosis +0 -0 +1 -0 +½ -0 +1 -0 +0 2.5/9
4 8 16 9 15 13 12 10 5
15 Comp Goldbar +0 -1 +0 +0 -½ +1 -0 -0 +0 2.5/9
5 13 7 11 14 16 8 12 9
16 Comp Praetorian +0 +0 -0 -0 +0 -0 +0 +0 -0 0.0/9
10 9 14 13 12 15 7 11 8