Tischtennis mit Peter Leko

von Hartmut Metz
22.04.2017 – Der einstige Vize-Weltmeister Peter Leko war als Kommentator bei den Grenke Chess Classic. Zwischen zwei Runden ließ er sich gerne zu einem Tischtennis-Match überreden. Auch dort ist er ein Abwehr-As.

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Leko im Tischtennis auch ein Abwehr-Ass

Vizeweltmeister genießt „fantastischen Abend“ beim TTC Muggensturm

Peter Leko hat sich besonders auf die Grenke Chess Classic in Baden-Baden gefreut – nicht etwa, weil er dort täglich die Partien live kommentiert. Noch viel „heißer“ war der Ungar auf die Trainingseinheiten an der Platte und nahm seinen Schläger mit in den Süden Deutschlands: Der sportliche 37-Jährige kickte viel bis zu einer Verletzung anno 2015 und macht einiges zusammen mit den erfolgreichen Profi-Handballern seiner Heimatstadt Szeged – vor allem liebt Leko jedoch inzwischen Tischtennis! „Ich stehe jede Woche drei- bis viermal in der Halle und trainiere meist bis nach Mitternacht“, berichtet der WM-Finalist von 2004, der durch ein 7:7 gegen den Russen Wladimir Kramnik hauchdünn den Titel verpasst hatte. Während der Turnierwoche in Baden-Baden freute sich Leko besonders über „den fantastischen Abend beim TTC Muggensturm“.

Youtube-Kanal des Turniers

Peter Leko spricht über die fünfte Runde. Ab Minute 7:15 geht es um Tischtennis:

Der Tischtennisclub (TTC) ließ sich die Chance nicht entgehen, einen weiteren Prominenten in seine Trainingshalle zu bitten. Der Verein zählt mit rund 200 Mitgliedern zu den größten zwischen Baden-Baden und Karlsruhe – und ungewöhnlich dabei: Mit einer Schach-Mannschaft würde der Bezirksklassen-Club (fünftunterste Liga) wohl deutlich höher als in seiner normalen Domäne spielen! In seinen Reihen hat er gleich drei FIDE-Meister, die auch einmal bei der Rochade Kuppenheim in der Oberliga vereint waren: den ehemaligen DDR-Jugendmeister Mario Hackel, Hans Wiechert und Hartmut Metz (Autor dieser Zeilen). Letzterer ist auch seit 17 Jahren Präsident des TTC und nutzt als Zeitungsredakteur mit den Spezialgebieten Schach und Tischtennis seine Connections in beiden Sportarten.

Illustre Gäste beim TTC Muggensturm

So gastierten vor zwei Jahren beim letzten Weltklasse-Turnier in Baden-Baden der deutsche Nationalspieler Daniel Fridman und sein Sekundant Konstantin Landa an einem Abend in Muggensturm. Diesmal spielten die beiden nur beim täglich doppelrundigen Grenke Chess Open über Ostern mit, so dass keine Zeit blieb, dem Hobby zu frönen. Fridman ließ sich aber von Metz beraten, weil der Kauf eines neuen Schlägers ansteht. Aber nicht nur beim TTC Muggensturm ist die Kombination aus Schach- und Tischtennisspielern am häufigsten vertreten. Auch unter den Großmeistern gehört Pingpong zu den Favoriten – selbst fern von China. Dort sollen der einst jüngste Großmeister aller Zeiten, Bu Xiangzhi, und das jüngste Supertalent Wei Yi die Besten sein, erzählte die Weltranglistenerste Hou Yifan in Baden-Baden. Unter den europäischen Großmeistern gelten dem Vernehmen nach Lekos Landsmann Robert Ruck und Liviu-Dieter Nisipeanu als besonders gut. Der deutsche Schach-Nationalspieler hatte sogar in seiner Heimat Rumänien eine eigene Trainingshalle!

Begrüßung auf Ungarisch

In Muggensturm wurde Leko nach einem langen Kommentatoren-Tag in der Kurstadt besonders begrüßt: auf Ungarisch. FM Wiechert harrte mit einem halben Dutzend Vereinskameraden gerne bis gegen 22.30 Uhr aus, ehe der Weltklasse-Großmeister endlich eintraf. Schließlich parlierte er mit dem einst jüngsten Großmeister der Geschichte (mit 14 Jahren und vier Monaten) in dessen komplizierter Muttersprache. Wiechert beherrscht sie wegen seiner Heirat mit der Ungarin Ildiko. Danach bekam Leko das neue Trikot des Vereins als Geschenk überreicht und ein Heft zum 40-jährigen Vereinsjubiläum. In diesem konnte der Gast nachlesen, dass schon andere Welt- und Vizeweltmeister in Muggensturm an der Platte standen: Rekord-Europameister Timo Boll und der Belgier Jean-Michel Saive, die beide auch Weltranglistenerste waren, die Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner und Jörg Roßkopf (heute Bundestrainer) sowie der Franzose Jacques Secretin mit seiner legendären Tischtennis-Show. Besonders freute es den Ungarn zu hören, dass der ehemalige Top-Ten-Spieler Chen Weixing (Österreich) und die deutsche Weltranglistenachte Han Ying hier wirkten.

Beide sind nämlich Abwehrspieler – und genau diesen Stil pflegt auch Leko. „Alles andere als die Defensive hätte mich sehr gewundert“, ulkte der deutschsprachige Kommentator in Baden-Baden, Klaus Bischoff, hernach und hob auf Lekos Schach-Stil ab. Für sein sicheres Spiel mit nur wenigen Niederlagen war Leko stets bekannt. „Es macht mehr Spaß, den Gegner zu zermürben und die Bälle immer wieder zurückzubringen als draufzuhauen“, verteidigt der ungarische Großmeister seine Mentalität mit dem kleinen Zelluloid. Er habe deshalb auch „Magnus Carlsen umgeschult. Anfangs griff er im Tischtennis wild an – bis ich ihn mit der Abwehr auf den Geschmack brachte“!

Keine Chance gegen Hartmut Metz

In Muggensturm hatte Leko allerdings weniger Erfolg damit. Gegen TTC-Präsident Metz war er chancenlos. „Ich greife immer kompromisslos an und liebe es, wenn der Gegner nichts macht“, hatte der FM schon im Vorfeld dem defensiven Gast angekündigt, dass kaum lange Ballwechsel entstehen. Der Ungar erkundigte sich gleich bei seinem Trainer in Szeged, wie stark denn ein Tischtennis-Rating (TTR) von 1500 im Vergleich zum Schach sei. Vor ein paar Jahren hatten die Tischtennis-Landesverbände das Elo-System äußerst erfolgreich adaptiert und dieses auf die schnellste Rückschlagsportart übertragen. Gegen den „extrem guten Spieler“ habe er keine Chance gehabt, erzählt Leko auf dem Youtube-Kanal der Grenke Chess Classic und schob nach, er habe noch nie „gegen so einen starken Gegner gespielt“. Die 1500 TTR dürften im Schach vielleicht 1900 Elo entsprechen – in einem Satz gegen Dimitrij Ovtcharov, der im Einzel Olympia-Bronze gewann und als einer der sechs Weltbesten ein Rating von 2639 hat, unterlag Metz mit 3:11. Ähnlich erging es nun teilweise Leko. Der Ungar nahm es gelassen: „Ich bin auseinander genommen worden, aber es war ein schönes Gefühl!“

 

Der TTC-Präsident sorgte aber auch mit einem knappen 3:2-Sieg im Doppel über Wiechert und Benjamin Hertweck für ein Erfolgserlebnis des Ungarn. Zudem genoss Leko das Match mit Wiechert, der ebenfalls Abwehrspieler ist. Entsprechend lange dauerten hier die Ballwechsel.

Starkes Doppel

Hartmut Metz, Peter Leko

Der Muggensturmer FM freute sich über die neue Bekanntschaft mit dem Schach-Star aus Szeged: „Ein total netter Kerl, völlig normal!“, pries er den 37-Jährigen. Leko versprach, beim nächsten Bundesliga-Wochenende in Baden-Baden schon freitags mit Pingpong-Equipment anzureisen. Und sollte der Vizeweltmeister auch einmal am Aschermittwoch beim TTC Muggensturm vorbeischauen, kann er doch noch wie Wiechert Weltmeister werden! Der gewann 2015 die Buch-WM – bei diesem alljährlichen Spaß-Wettbewerb treten die Teilnehmer mit einem Schlägerersatz an. Heuer krönte sich Thomas Ockert mit dem Klodeckel zum Champion aller Klassen ...

 

Über die Klodeckel-WM...



Hartmut Metz ist hauptberuflich Redakteur beim Badischen Tagblatt mit Hauptsitz in Baden-Baden. Er schreibt außerdem unter anderem für das Schach-Magazin 64 und Schach-Aktiv (Österreich).
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rgorn rgorn 23.04.2017 06:46
Muggensturm ist doch Diemer, oder?

Der „Prophet aus Muggensturm“ ....
Administratoor Administratoor 22.04.2017 04:15
Für mich als Schach und Tischtennis Spieler ein sehr schöner und unterhaltsamer Beitrag!
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