Topalov schlägt Kramnik

von André Schulz
09.06.2014 – Vier Partien endeten beim Norway Chess-Turnier remis, eine wurde entschieden. Seit dem von Skandalen begleiteten Wiedervereinigungsmatch von 2006 pflegen Kramnik und Topalov ein eisiges Verhältnis. An Kramnik scheint das nicht spurlos vorüber zu gehen. Nach seinem drastischen Verlust beim Kandidatenturnier in Khanty-Mansiysk unterlag er Topalov heute erneut. Mehr...

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In der gestrigen fünften Runde des Norway Chess Turniers durfte Magnus Carlsen endlich seinen ersten Sieg feiern, musste dafür allerdings lange arbeiten und hatte zuvor auch einige Zeit in der Defensive verbracht. Sechseinhalb Stunden hatte die Partie gegen Aronian gedauert - dann konnte der Weltmeister seinen ersten ganzen Punkt einstreichen.

In der Tabelle rückte Carlsen damit auf den mit Caruana geteilten Platz zwei vor, hinter Kramnik, der den von ihm besiegten Caruana als Tabellenführer abgelöst hat. Nach der Partie gegen Aronian war Carlsen ziemlich müde, was auch daran lag, dass der notorische Spätaufsteher vor dieser Partie erst gegen 10 Uhr morgens den Weg ins Bett gefunden hatte, wie er auf der Pressekonferenz freimütig zugab. Viel Zeit für Schlaf blieb da nicht bis zum Beginn der Partie.

In seiner heutigen Partie gegen Sergey Karjakin musste Carlsen zu seinem Glück nicht besonders ausgeschlafen sein. Die von Ihm gewählte Berliner Verteidigung kann der Norweger vermutlich im Schlaf runter spielen - Sergey Karjakin, der sie ebenfalls mit beiden Farben spielt, aber vermutlich auch. Bis zum 18.Zug folgten die Spieler der Partie Dominguez-Navara, 2013 in der spanischen Liga gespielt, in einer Variante, in der Weiß eine Figur für zwei verbundene Freibauern erhält. Schwarz gab die Figur bald zurück und das danach entstandene Turmendspiel war interessant, endete aber schließlich remis.

Auch die Begegnung zwischen Alexander Grischuk und Peter Svidler endete mit der Punkteteilung. Grischuk hatte keine Lust auf Svidlers Lieblings-Eröffnung, die Grünfeld-Verteidigung, und wählte einen Anti-Grünfeld-Weg in der Englischen Eröffnung. Nach dem selten gespielten 7.d3 erinnerte die Position bald an die beschleunigte Sveshnikov- Verteidigung mit vertauschen Farben und bot beiden Seiten viel Raum für Idee. Am Ende stand jedoch ein Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern und ein Remis durch Stellungswiederholung.

In der Partie zwischen Levon Aronian und Anish Giri stand zunächst ebenfalls eine englische Anti-Grünfeld-Variante auf dem Brett. Aronian wählte allerdings einen anderen Weg und leitete die Partie in eine Isolani-Position über, zu der man auch aus verschiedenen anderen Eröffnungen gelangen kann. Viel erreichte Aronian nicht und verlor beim Übergang ins Endspiel sogar einen Bauern. Zum Sieg reichte es für Giri allerdings gegen einen sich aufmerksam verteidigenden Aronian nicht.

Simen Agdestein, der - allerdings nur nominell - schwächste Spieler im Feld, hatte bislang keine Mühe, mit den ganz Großen der Zunft auf Augenhöhe mitzuspielen. Nach fünf Runden hat Agdestein fünf Remis geholt und belegt einen soliden Mittelfeldplatz. Heute spielte er mit den weißen Steinen gegen Caruna. Der Italiener, sonst auch ein Fan der Grünfeld-Verteidigung, zeigte mit seinem Zug 1...d6 an, dass er dies heute ganz bestimmt nicht im Sinn hat. Im 7.Zug bot Agdestein nach einem schwarzen Damenausflug einen Bauern an, was Caruana aber dankend ablehnte. Nach dem Damentausch übernahm Schwarz nach und nach die Initiative und erlangte nach einem Qualitätsopfer mit mit einem zentralen Freibauern einigen Druck. Doch mehr als einen halben Punkt gab Agdestein auch heute nicht ab.

Eine ganz besondere Partie ist bei jedem Turnier, an dem diese beiden Spieler teilnehmen, die Begegnung zwischen Vladimir Kramnik und Veselin Topalov. Seit den Vorfällen beim "Wiedervereinigs-Match" 2006 in Elista - unter dem Titel "Toiletgate" in die Schachgeschichte eingegangen - hassen sich die Beiden. Vor der Partie vermeiden Kramnik und Topalov voneinander Kenntnis zu nehmen und sind sich nur darin einig, auf einen Handschlag zu verzichten. Von Kramnik hat man zudem den Eindruck, dass er gegen Topalov zuletzt stets gehemmt spielte, wie zum Bespiel beim letzten Kandidatenturnier in Khanty-Mansiysk, als er schon nach wenigen Zügen auf Verlust stand. Heute nahm die Geschichte ihre Fortsetzung.

In einer zuletzt selten gespielten Variante der Nimzoindischen Verteidigung erzeugte Kramnik mit Schwarz mit einem positionellen Qualitätsopfer für das er einen Bauern erhielt, ein Ungleichgewicht. Topalov zeigte sich jedoch wenig beeindruckt und um den 35. Zug herum glitt Kramnik die Partie mehr und mehr aus den Händen. Mit dem Kraftzug 27. Ld5 übernahm der Bulgare endgültig die Führung und entschied die Partie dann mit einem kraftvollen Königsangriff für sich. Zwischendurch verpasste Kramnik jedoch eine giftige Chance (31...Sh3 - statt 31...Kh7 -, gefolgt von 32...Le2 mit der Idee Le2-f3).

Daniel King zeigt die Partie Topalov gegen Kramnik

 

Levon Aronian - Anish Giri ½-½
Sergey Karjakin - Magnus Carlsen ½-½
Alexander Grischuk - Peter Svidler ½-½
Veselin Topalov - Vladimir Kramnik 1-0
Simen Agdestein - Fabiano Caruana ½-½

 

 

 

 

 

 

Spielplan:

Alle Runden beginnen um 15.30 Uhr, die letzte Runde beginnt um 14.30 Uhr

Runde 1, Dienstag, Juni 3
Hotel Scandic Stavanger Forus

Peter Svidler - Vladimir Kramnk ½-½
Levon Aronian - Simen Agdestein ½-½
Sergey Karjakin - Veselin Topalov ½-½
Alexander Grischuk - Fabiano Caruana 0-1
Magnus Carlsen - Anish Giri ½-½

Runde 2, Mittwoch, Juni 4
Hotel Scandic Stavanger Forus

Levon Aronian - Sergey Karjakin 1-0
Vladimir Kramnik - Magnus Carlsen ½-½
Fabiano Caruana - Peter Svidler 1-0
Veselin Topalov - Alexander Grischuk 0-1
Simen Agdestein - Anish Giri ½-½

Runde 3, Donnerstag, Juni 5
Hotel Scandic Stavanger Forus

Sergey Karjakin - Simen Agdestein ½-½
Alexander Grischuk - Levon Aronian 1-0
Peter Svidler - Veselin Topalov ½-½
Magnus Carlsen - Fabiano Caruana ½-½
Anish Giri - Vladimir Kramnik 0-1

Runde 4, Samstag, Juni 7
Vågen VGS, Sandnes

Levon Aronian - Peter Svidler ½-½
Sergey Karjakin - Alexander Grischuk 1-0
Fabiano Caruana - Anish Giri ½-½
Veselin Topalov - Magnus Carlsen ½-½
Simen Agdestein - Vladimir Kramnik ½-½

Runde 5, Sonntag, Juni 8
Hotel Scandic Stavanger Forus

Alexander Grischuk - Simen Agdestein ½-½
Peter Svidler - Sergey Karjakin ½-½
Magnus Carlsen - Levon Aronian 1-0
Anish Giri - Veselin Topalov 1-0
Vladimir Kramnik - Fabiano Caruana 1-0

Runde 6, Montag, Juni 9
Aarbakke fabrikkhall, Bryne

Levon Aronian - Anish Giri ½-½
Sergey Karjakin - Magnus Carlsen ½-½
Alexander Grischuk - Peter Svidler ½-½
Veselin Topalov - Vladimir Kramnik 1-0
Simen Agdestein - Fabiano Caruana ½-½

Runde 7, Dienstag, Juni 10
Hotel Scandic Stavanger Forus

Peter Svidler - Simen Agdestein
Magnus Carlsen - Alexander Grischuk
Anish Giri - Sergey Karjakin
Vladimir Kramnik - Levon Aronian
Fabiano Caruana - Veselin Topalov

Runde 8, Donnerstag, Juni 12
Hotel Scandic Stavanger Forus

Levon Aronian - Fabiano Caruana
Sergey Karjakin - Vladimir Kramnik
Alexander Grischuk - Anish Giri
Peter Svidler - Magnus Carlsen
Simen Agdestein - Veselin Topalov

Runde 9, Friday, Juni 13
Hotel Scandic Stavanger Forus

Magnus Carlsen - Simen Agdestein
Anish Giri - Peter Svidler
Vladimir Kramnik - Alexander Grischuk
Fabiano Caruana - Sergey Karjakin
Veselin Topalov - Levon Aronian

 

Live-Kommentare auf Schach.de

Alle Runden werden live auf dem Fritzserver in zwei Sprachen in bewährter Weise von unserem Kommentatorenteam analysiert und kommentiert. Die deutsche Kommentierung besorgt größtenteils Klaus Bischoff. Oliver Reeh wird zusammen mit Merijn van Delft bzw. Karsten Müller jeweils einmal aus dem "Studio Hamburg" übernehmen.

Klaus Bischoff,  der "Anchorman" der deutschen Schachkommentierung

Oliver Reeh, genant "Taktik-Reeh", ist allen deutsche Schachfreunden nicht nur durch seine wöchentliche TV-ChessBase-Sendung bestens bekannt.

Karsten Müller wurde mit seinen herausragenden Endspiel-DVDs zum neuen "Endspielpapst". Sogar Magnus Carlsen hat mit seiner Hilfe Endspiele gelernt

Merijn van Delft stammt aus der Apeldoorner Schachlehrer-Dynastie der van Delfts und lebt wechselweise in den Niederlanden und in Hamburg.

Oder mögen Sie lieber englische Kommentare: Dann haben Sie die Möglichkeit  auf dem "Zweiten TV-ChessBase Programm" den Ausführungen von Daniel King und Yasser Seirawan zu lauschen. Simon Williams und Chris Ward übernehmen ebenfalls insgesamt drei Runden.

 

Daniel King ist als TV-Schachmoderator in England so bekannt, dass ihn einst Audi für einen Werbespot verpflichtet hat

Yasser Seirawan war in seiner aktiven Zeit eine der besten Spieler der Welt und beherrscht in seinen Kommentaren die Kunst der Entschleunigung wie kein Zweiter

Simon Williams, englischer Großmeister, hat mit seinen beiden tollen Königs-Gambit-DVDs gerade bei ChessBase eine Lücke gefüllt

Chris Ward, Drachenexperte und Schachkommentator

 

 

 

 

Rundenbeginn ist jeweils 15.30 Uhr, mit Ausnahme der letzten Runde, die um 14.30 Uhr beginnt. Die Live-Kommentare sind alle Premium-Mitgliedern des Fritz-Servers kostenlos zugänglich.

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Fotos: Turnierseite Norway Chess

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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