Power Play 23 und 24

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Treffen der Chess Collectors

02.06.2005 – Am vorletzten Wochenende trafen sich in Hamburg anlässlich der laufenden Schachausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe die Vereinigung der Schachsammler "Chess Collectors International" (CCI). Diese sind als Leihgeber bei fast allen großen Schachausstellungen beteiligt und haben für die Hamburger Ausstellung zahlreiche Gegenstände zur Verfügung gestellt. Zu einem Treffen fanden sich außerdem Vertreter der Lasker-Gesellschaft zusammen, die ab Oktober in Berlin ein Schachzentrum mit einer Dauerausstellung einrichten will. Museum für Kunst und Gewerbe...Mehr...
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Treffen der Chess Collectors im Museum für Kunst und Gewerbe
Von André Schulz

Video mit kurzem Statement von Issak Linder....


Plakat in Hamburg

Die Vereinigung der Chess ist den meisten Schachfreunden wahrscheinlich eher unbekannt. In den CCI haben sich einige der großen Schachsammler organisiert, die ihren Zugang zum Schach vor allem über die Freude am Sammeln von Schachgegenständen gefunden haben.

In der Berichterstattung der Schachmedien steht heute vor allem das Wettkampfschach im Vordergrund. Tatsächlich lebt das hervorragende Ansehen, dass das Schach in der Gesellschaft genießt, aber auch in großem Maße von den vielen Kunstgegenständen, die sich mit dem Schach beschäftigt haben bzw. an der Beschäftigung mit dem Schach entstanden sind. Dazu gehört z.B. die Literatur: Schon in früher Zeit wurden Bücher geschrieben und gedruckt, in denen das Spiele beschrieben wurde und heute ist Schach wohl eines der Themen, zu denen die meisten Bücher veröffentlicht wurden.

Ein anderes großen Feld sind die Schachfiguren. Figuren wurden über viele Jahrhundert in allen Kulturen und mit ganz unterschiedlichen Werkzeugen, aus aus ganz verschiedenen Materialien und mit ganz verschiedenem künstlerischem Zugang angefertigt.


Bauhaus-Schachspiel

Aus der Ausgestaltung der Schachfiguren der verschiedenen Epochen lassen sich Hinweise auf die geschichtlichen Vorgänge jener Zeit ablesen.









Viele unbekannte und bedeutende Künstler haben ihre Kunst am Thema Schach geübt und gemessen.













Einige Künstler waren auch leidenschaftliche Schachspieler. Am bekanntesten ist Marcel Duchamp, der seine Kariere als Künstler sogar zugunsten einer Profikarriere als Schachspieler aufgegeben hat. Auch er hat einen Bezug zu Hamburg, denn 1930 spielte er hier bei der Schacholympiade, die Walter Robinow, Präsident des Hamburger Schachklubs und Präsident des Deutschen Schachbundes, anlässlich der 100 Jahr-Feier des Hamburger Schachklubs in die Hansestadt geholt hatte.

Die Ausstellung "Schachpartie durch Zeiten und Welten", wird nun 75 Jahre später ebenfalls in Hamburg gezeigt. Der Anlass ist das nun 175-jährige Jubiläum des Hamburger Schachclubs. Initiiert wurde die Ausstellung von Hans Krieger, der schon seit einigen Jahren auf diesen Termin hingearbeitet hatte und die Ausstellung anregte. Tatsächlich unterwarf man sich beim Hamburger Schachklub auch der Mühe, sich einen eigenen Raum einzurichten, in dem man neben den "stillen" Gegenständen der Ausstellung "lebendiges Schach" präsentiert. Wer mag, kann hier spielen oder sich unterrichten lassen. Besonders Hamburger Schulklassen möchte man einladen, die Austellung zu besuchen und "en passant" etwas Schachunterricht mitzunehmen (Anfragen an den Vorsitzenden des Hamburger Schachklubs Christian Zickelbein CHZickelbeinHSK@aol.com, bzw. 0171-4567172). An einigen Personen des Hamburger Schachklubs und deren Schicksal lassen sich exemplarisch die Schicksale der Menschen jener Zeit mitverfolgen. Walter Robinow wird, weil er Jude ist, aus seinen Ämtern gedrängt. (Eine Darstellung der Geschichte des Deutschen Schachbundes kann bei Dr. Harald Balló nachgelesen werden.)

Der 21-jährige Klaus Junge, der Aljechin geschlagen hatte und von manchen schon als kommender Weltmeister gehandelt wurde, stirbt in den letzten Kriegstagen in der Nähen von Hamburg.



Die Chess Collectors waren wohl an allen großen Schachaustellungen der Vergangenheit mit Leihgaben beteiligt und haben auch einen großen Teil der Figuren, Bücher und Gemälde bereit gestellt, die in Hamburg gezeigt werden. Die Vereinigung ist international, einer der führenden Sammler ist Dr. Thomas Thomsen (
Interview: Dr. Thomas Thomsen (Chess Collectors)...)
aus Deutschland, der auch der Präsident der CCI ist. Dr. Michael Negele, selber Sammler von Schachbüchern, Schachhistoriker und Kolumnist, meinet, dass die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe nach dem Wert und der Anzahl der gezeigten Ausstellungsstücke die größte Schachausstellung der Geschichte sei. Neben dem besuch der Ausstellung standen beim Treffen der Collectors eine Reihe von kunst- und schachhistorischen Vorträgen auf dem Programm.

Zu den prominentesten Teilnehmern des Treffens gehörten Lothar Schmid, der eine der größten Schachbuchsammlungen der Welt besitzt, sowie der Schachhistoriker Issak Linder (84) und der Großmeister Yuri Averbach (83).


Lothar Schmid


Yuri Averbach


Isaak Lindner (re.) mit Stefan Hansen

Beide sind trotz ihres fortgeschrittenen Alters sehr unternehmungslustig und die Reise von Moskau nach Hamburg, um die Ausstellung zu sehen und sich mit Vertretern der Lasker-Gesellschaft zu treffen war für sie eine Selbstverständlichkeit. Averbach und Linder sind seit langem miteinander befreundet und erzählten, dass sie mit einem weiteren Freund, Vassily Smyslow, schon seit 1935 zusammen Schach spielen. 1935 hielt sich auch Lasker in Moskau auf Isaak Lindner nahm als 14-Jähriger bei einer Simultanveranstaltung teil, in dessen Verlauf Lasker sein Spiel lobte und ihm die Hand schüttelte. Wer also Gelegenheit hat, nun Isaak Lindner die Hand zu schütteln, ist zwar 70 Jahre, aber auch nur eine Hand weit von Lasker entfernt.

Neben den Chess Collectorn waren auch Vertreter der Lasker-Gesellschaft anwesend. Zum Teil überschneiden sich die Mitgliedschaften; beide Organisationen fühlen sich der Schachgeschichte und Schachkultur verpflichtet. Die Lasker-Gesellschaft hat sich 2001 in Potsdam gegründet und gleichzeitig eine Aufsehen erregende mehrtägige Konferenz mit vielen prominenten Gästen, Spielern und Historikern, und Vorträgen über Lasker abgehalten (Laskerkonferenz, Potsdam 2001...).

Mit der Hilfe des tatkräftigen Vorstandsmitglied Stefan Hansen, auch Geschäftsführer der Werbeagnetur Dorland, plant die Laskergesellschaft in Berlin ein Schachzentrum mit einer Schach-Dauerausstellung. Die Eröffnung wird voraussichtlich im Oktober 2005 sein.


Treffen der Lasker-Gesellschaft im Museum für Kunst und Gewerbe


Andreas Saremba


GM Lothar Schmid und Susanna Poldauf


Stefan Hansen (m.) im Gespräch mit Lothar Schmid


Stefan Hansen und Yuri Averbach


Yuri Averbach, der Endspielpapst der Sechziger-Achtziger Jahre

 

 

Links:

Chess Collectors...
Lasker-Gesellschaft...

 



 

 

Ausstellungstext:

Schachpartie – Durch Zeiten und Welten
Text der Ton-Dia-Schau

Das Schach gehört zu den ältesten Brettspielen in Europa und dem Orient. Herkunft und Entstehungszeit des Spiels liegen nach wie vor im Dunkeln. Vermutlich entstand es im 6. Jahrhundert in Indien und wurde bald auch im benachbarten Persien gespielt. Auf jeden Fall existierte es bevor die Araber in der Mitte des 7. Jahrhunderts das persische Reich eroberten, dort das Schachspiel kennen lernten und damit dessen Verbreitung in den Westen einleiteten. Mit dem Vorstoß des Islam durch Nordafrika auf die iberische Halbinsel, dürfte das Schach im 8. Jahrhundert nach Europa gelangt sein.

Die vermittelnde Rolle Persiens bei der Verbreitung des Schachspiels ist bis heute an seinem Namen ablesbar, der sich in vielen europäischen Sprachen aus einem persischen Wortstamm herleitet: schah, der König.

So unterschiedlich sich die Regeln des Schachspiels und das Aussehen der Spielsteine in Morgen- und Abendland entwickelt haben, die Aufteilung der Spielfläche ist in beiden Erdteilen identisch. Sie besteht aus 64 quadratischen, meist durch zwei Farben im Wechsel hervorgehobenen Feldern. Die Anzahl von 16 Schachfiguren für die beiden spielenden Parteien ist ebenfalls die selbe. Gemeinsam ist der europäischen und der orientalischen Ausprägung des Spiels auch, dass jede Partei über sechs Figuren verfügt, die sich in ihrer Bewegungsfähigkeit auf dem Spielfeld unterscheiden und auch in Aussehen und Bezeichnung verschieden voneinander sind. Hier beginnen die Unterschiede zwischen den Traditionen der islamischen und der westlichen Welt. So ist beispielsweise dem König, der im Mittelpunkt stehenden Spielfigur, in Persien und den arabischen Staaten ein männlicher Begleiter an die Seite gestellt. Aus diesem Minister oder Wesir wurde im Westen seit dem 11. Jahrhundert eine weibliche Begleiterin, die in fast ganz Europa als Königin, im Deutschen jedoch als Dame bezeichnet wird. Der Verwandlung folgte eine Aufwertung der Figur. Während sich der Wesir ursprünglich nur diagonal auf das nächste Feld bewegen durfte, erlangte die Dame immer größere Bewegungsfreiheit, bis sie am Ende des 15. Jahrhunderts die Fähigkeit erhielt ohne Einschränkungen, in alle Richtungen über das Feld zu ziehen.

Der augenfälligste Unterschied zwischen orientalischem und europäischem Schach liegt im Erscheinungsbild der Spielfiguren. In den islamischen Regionen des Orients und Asiens wird das Aussehen der Spielsteine durch den Koran geprägt, der im kultischen Bereich einen Verzicht jeglicher figürlicher Darstellungen gebietet. Die Kunst des Islam ist daher traditionell ungegenständlich mit einer starken Betonung des Ornaments. So sind es abstrakte Formen, immer neue Materialien, kostbare Verarbeitung, Farbe und Dekoration, durch die islamische Spielsteine in erster Linie gekennzeichnet werden. Es haben sich Exemplare aus Elfenbein, Bergkristall, glasiertem Ton, unterschiedlichsten Steinen, wie Achat oder Türkis, Millefioriglas und anderen Werkstoffen erhalten. Mit phantasievollen Einlegearbeiten, z.B. aus Blei oder Elfenbein, schmückte man die Spielsteine ebenso, wie mit leuchtenden Glasuren oder Bemalungen. Die Formen erscheinen durch den hohen Grad ihrer Abstraktion fast modern. Bisweilen ist aber trotz Gebot und Tradition eine Andeutung des Figürlichen erkennbar, wie etwa bei dem Spielstein eines Springers, der im 9. oder 10. Jahrhundert in Ägypten entstanden ist. Die aus Holz geschnitzte und mit Elfenbeineinlagen verzierte Figur besitzt an ihrem oberen Ende einen Auswuchs, der zusammen mit den Kreisornamenten an einen Kopf, vielleicht den eines Pferdes oder anderen Reittieres denken lässt.

Mit dem Schachspiel selbst gelangten auch die abstrakten islamischen Spielsteine nach Europa. Dort wurden sie zu Sammlungsgegenständen, die man nicht nur als Schachfiguren schätzte, sondern auch aufgrund ihrer kostbaren Materialien oder fremdländischen Erscheinung. Spielsteine aus Bergkristall sind offenbar besonders begehrt gewesen. Das im Mittelalter äußerst wertvolle Material verarbeitete man mit Vorliebe zu Geräten, die in den Kirchen und Klöstern auf den Altären eingesetzt wurden. Arabische Spielsteine aus Bergkristall sind gelegentlich zur Verzierung solcher Gegenstände verwendet worden.

Angeregt durch den Import und die Verbreitung islamischer Spielsteine ahmte man im Westen zunächst deren abstraktes Aussehen nach. Schon bald jedoch wurden auch figürliche Spielsteine entwickelt, die sich schließlich durchsetzten und in Europa bis in das 18. Jahrhundert vorherrschend bleiben sollten. 

Für die europäischen Schachfiguren des Mittelalters ist ein Reichtum an erzählerischen Details charakteristisch. Diese sind von der Spielfunktion der Figur unabhängig stehen aber im Zusammenhang mit der Deutung des Schachspiels als Sinnbild des Krieges und als Abbild der feudalen Gesellschaft. Ein um 1400 in Norwegen oder Dänemark aus Walrosszahn geschnitzter König beispielsweise ist um die Gestalt eines Knappen erweitert worden, der seinem Herrn die Sporen anlegt (Kat. 42). Eine reitende Dame aus dem selben Material und aus der gleichen Zeit erhielt eine Leibgarde aus Lanzenträgern (Kat. 43). Die Figur des Springers wird in den meisten europäischen Sprachen, aber auch im Persischen, als Reiter bzw. als Pferd bezeichnet. Tatsächlich wurde der Springer zumeist als Ritter zu Pferd dargestellt und spiegelte damit die Bedeutung des Rittertums wider. Der vollständige Spielsatz entspricht dem gesellschaftlichen Gefüge des mittelalterlichen Europa. Im Zentrum stehen König und Königin, flankiert von zwei Läufern, die oft in der Gestalt von Hofleuten oder dem hohen Klerus erscheinen. Neben den beiden Läufern stehen die zwei Springer und ganz außen folgt jeweils der Turm, der im Mittelalter bevorzugt als Wachsoldat dargestellt wurde.

Solchen Bezügen entspricht auch die kulturelle Bedeutung des Schachspiels im Mittelalter. Es zählte zu den geachteten Beschäftigungen des Adels und wurde trotz gelegentlicher theologischer Einwände auch vom Klerus und vermutlich auch von Bürgern und Handwerkern gespielt. Sowohl im christlichen Europa als auch im Orient galt das Schachspiel als Kunstfertigkeit, die ein Regent beherrschen sollte. Dichter, Fürsten und Gelehrte lobten das Schach als das königliche, das edelste der Spiele. An den Höfen versammelte man sich in geselligen Runden, um Schach zu spielen und die Züge der Gegner zu erörtern. Bereits im Mittelalter haben Wettkämpfe stattgefunden, frühe Schachturniere, deren Sieger von den Fürsten ausgezeichnet und reich belohnt wurden. Anlass zu Gesprächen boten vor allem die verschiedenen symbolischen Bedeutungen des Schachspiels. Man glaubte bis in das 17. Jahrhundert, das es eine Erfindung der alten Griechen gewesen sei. Palamedes, ein Gegenspieler des Odysseus, habe es vor dem belagerten Troja erdacht, um die strategischen Fähigkeiten der Achäer zu schulen (Abb.1= Kat. 52; Giulio Benso, „Schach vor Troja“). Das Spiel, so legt die Legende nahe, ist eine Episode des homerischen Epos und quasi aus dem Krieg selbst geboren. Der Krieg aber ist nicht durch rohe Gewalt, sondern allein durch den Einsatz des Verstandes zu gewinnen. Denn es ist die List des Trojanischen Pferdes, die Illion zu Fall bringt. Folglich ist das Schachspiel als Sinnbild der Klugheit gedeutet worden. Bis hin zu Stefan Zweig, der in seiner 1941 erschienenen Schachnovelle einen Schritt weiter geht und das Spiel als Metapher eines tragischen Wahnsinns einsetzt.

In Mittelalter und Renaissance dienten Darstellungen schachspielender Paare als Anspielung auf die Liebe, auf das Verhältnis von Mann und Frau zueinander und damit auch als Allegorie des Kampfes zwischen den Geschlechtern. Ein Gemälde des Alessandro Valotari von 1630-40 zeigt den römischen Kriegsgott Mars und seine Geliebte, die Göttin Venus beim Schachspiel. Die beiden Gottheiten stehen für die gegensätzlichen Prinzipien „Krieg“ und „Liebe“. Venus bedient sich der „Trunkenheit“, verkörpert durch den weintrinkenden Gott Silen, und der „Wollust“, die von dem kleinen Äffchen im Vordergrund dargestellt wird, um den Kriegsgott schachmatt zu setzen. Während die Göttin mit ihrer rechten Hand den entscheidenden Zug tätigt, entwindet sie ihrem Gegner mit der anderen Hand seinen schützenden Helm. Der kleine Liebesgott Amor lagert zwischen den Beinen der Mutter. Sein angewinkeltes Ärmchen ruht in phallischer Anzüglichkeit auf dem Schoß der Venus. In dieser Aneignung des männlichen Machtsymbols offenbart sich der Triumph der schönen Frau über den verliebten Mann. Dem Kriegsgott bleibt nicht einmal der Glanz vergangenen Ruhms: rittlings sitzt er auf der Trompete, die den Ruhm symbolisiert, hier aber zur obszönen Entäußerung ohnmächtigen Gebläses verkommt. Das Gemälde ist ein Beispiel der sogenannten „Weibermacht“, eines im Barock beliebten Bildthemas, bei dem die konventionellen Rollen der Geschlechter spielerisch getauscht werden.

Die Kultur des Schachspiels und dessen allegorische Darstellungen in den bildenden Künsten waren zu Beginn der Neuzeit hochentwickelt. Anteil daran hatte die stetig wachsende Schachliteratur. Als Verfasser betätigten sich Gelehrte und Aristokraten aber auch schachspielende Fürsten selbst. Bereits im Hochmittelalter hatte der kastillische König Alfons X. sein „Buch der Spiele“ niedergeschrieben, in dem er sich ausführlich mit dem Schach befasst. Das Werk des Alfons gilt als die älteste schachtheoretische Schrift Europas. Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte der italienische Dominikanermönch Jacobus de Cessolis ein Schachbuch, das aus seinen zahlreichen Predigten hervorgegangen war. Diese weitverbreitete Schrift blieb über Jahrhunderte das wichtigste Werk zur gesellschaftlichen Deutbarkeit des Schachspiels und hat wesentlich dazu beigetragen die Schachbegeisterung auch in den bürgerlichen Schichten der aufstrebenden Städte zu verbreiten. Unter den zahlreichen gebildeten und schachspielenden Fürsten der Renaissance und des Barock tritt der Herzog August von Braunschweig-Lüneburg als Autor hervor. 1616 erschien sein Buch „Das Schach oder König-Spiel“ unter dem Pseudonym Gustavus Selenus.

Die Spielfiguren des 16. und 17. Jahrhunderts sind oft miniaturhafte Kunstwerke von eigenem Rang. Es ist die Blütezeit der Kunstkammern, in denen die Fürsten und Gelehrten umfangreiche Sammlungen kurioser, wissenschaftlicher und künstlerischer Gegenstände zusammentrugen. Angeregt durch die Entdeckung Amerikas und die Wunder anderer ferner Regionen, versuchen die Kunstkammern eine neue Systhematisierung der Welt. In solchen Sammlungen spielte die Kleinplastik aus kostbaren oder exotischen Materialien eine wichtige Rolle. Deren Einfluss auf das Erscheinungsbild der Schachspiele ist unverkennbar. Nicht nur bei der prächtigen Gestaltung der Spielfiguren, sondern vor allem auch in den opulenten Spielbrettern. Sie kombinieren die Spielflächen für Trick Track, Mühle und Schach und dienen zugleich als Behältnis für die Figuren. Geschmückt sind sie mit Intarsien aus edlen Materialien, geschnitzten Reliefs oder Malereien. Spielsätze, in denen Europäer und Exoten einander als Parteien gegenüberstehen, zeugen von der veränderten Wahrnehmung der Welt.

Im 18. Jahrhundert erfolgt die endgültige Emanzipation des Schachs aus der Welt der Fürsten und des Adels. Bühne für die Schachpartien sind zunehmend die bürgerlichen Salons der Aufklärungszeit und vor allem die Kaffeehäuser, die in ganz Europa wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die Schachenthusiasten aus dem Bürgertum begreifen das Spiel nicht mehr als Abbild der feudalen Gesellschaft, sondern als Ausdruck bürgerlicher Vernunft. Während der Französischen Revolution erscheint gar eine Schrift, in der Vorschläge für eine „De-royalisierung“ des einstigen Königsspiels vorgetragen werden. Neben die abbildlichen Spielfiguren treten am Ende des 18. und im 19. Jahrhundert vermehrt wieder abstrahierte Figuren. Unterbrochen von einer Phase historisierender und romantischer Rückbesinnung werden sich die weitgehend abstrakten Figuren durchsetzen und bis in die Gegenwart das Feld behaupten. Mitte des 19. Jahrhunderts wird ein Figurentyp entwickelt, der nach dem englischen Schachmeister Howard Staunton benannt wurde und den Kanon der Schachfigur festgeschrieben hat.

Besonders die Künstler und Entwerfer der Zwanziger und Dreißiger Jahre haben das Schachspiel als gestalterische Herausforderung wiederentdeckt. Der Versuch in der abstrakten und radikal reduzierten Form zugleich den Charakter des figürlichen Urbildes anklingen zu lassen, ist in vielen Figurensätzen der Zeit erkennbar. 1920 schuf der amerikanische Künstler Man Ray ein Schachspiel, bei dem diese Aspekte in der Stilisierung von König und Dame deutlich werden. Für die männliche Figur wählte Man Ray die maskulin-kantige Gestalt einer steilen Pyramide, die auch als archaisches Symbol des Königtums gedeutet werden kann. Die Dame ist als Kegel gestaltet und damit als weichere, wesensverwandte und zugleich eigenständige Form. Ebenso kennzeichnend für die zwanziger Jahre ist die Experimentierfreude mit neuen und alten, vor allem aber kombinierten Materialien. Mit seinem 1924 in Hamburg entworfenen Schachtisch zitiert Richard Luksch einen durchaus traditionellen Einrichtungsgegenstand. Die lakonische Funktionalität des Möbels und die eigenwillige Materialkombination von Porzellan, Kupfer, Messing und Holz ist jedoch wohl eher als ironischer Epilog auf bürgerliche Gediegenheit zu verstehen.

Das Schachspiel ist nicht nur in solchen gestalterischen Details ein Kulturphänomen zwischen Tradition und Erfindungsgeist, zwischen Orient und Okzident oder zwischen Figürlichkeit und Abstraktion. Es ist ein uraltes und zugleich lebendiges Spiel. Heute sind es neben den unzähligen Schachspielern weltweit, die nationalen Schachklubs, durch die das Schachspiel und dessen Geschichte gepflegt und vermittelt werden. Einem der ältesten dieser Vereine, dem Hamburger Schachklub von 1830, ist anlässlich von dessen 175. Geburtstag die Ausstellung „Schachpartie durch Zeiten und Welten“ gewidmet.

 

 

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