Weihnachten in Böblingen

31.12.2003 – Zum Jahresende fand in Böblingen zum 20sten mal ein gut besetztes Open statt, an dem 270 Spieler, darunter zahlreiche Titelträger  teilnahmen. Sieger wurde Vladimir Baklan vor Thomas Luther und Lorenz Drabke. Die Frauen-Großmeisterin Inna Gaponenko (Foto) belegte Platz Vier und zeigte, dass Frauen auch in Kampf betonten Open locker mithalten können. Dass das Turnier auch nach Allwermann internationale Klasse besitzt, merkt man u.a. auch daran, dass ein Spieler wegen Handyklingelns eine Partie verlor, ein Vorgang, der auf Schachturnieren inzwischen zum guten Ton zu gehören scheint. Vorschlag: Als Klingelton die Ansage "J'adoube" wählen. Das müsste doch gehen. Anne Degachova war in Böblingen, hat erfolgreich mitgespielt und zwischendurch auch noch Fotos gemacht. Hier ihr Bericht. Turnierseite...Bericht, Fotos, Partien...

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Weihnachten in Böblingen
Von Anna Dergachova

Partien zum Nachspielen...

Die Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester ist für die meisten Menschen in Deutschland mit viel Essen, faulenzen, Freunde besuchen, Urlaubsreisen (möglichst in die Ski-Gebiete) usw. verbunden. Schachspieler sind da auch nicht anders. Sie verreisen auch sehr gern, doch fast immer muss am Ende ein verlockendes Ziel winken – ein Schachturnier. Und dort trifft man natürlich auch Freunde, das Essen (und manchmal Trinken – wir sind ja auch nur Menschen) fällt nicht aus, nur bleibt nicht sehr viel Zeit fürs faulenzen.

Ich habe mir aus einer Vielfalt an interessanten Schachangeboten das Turnier in Böblingen ausgesucht. Schon seit Jahren versprach ich meiner Freundin Ljudmila Didenko, die zufälligerweise dort wohnt, sie Sylvester zu besuchen, habe es vorher aber nie geschafft.


Ludmilla Didenko

Sylvester ist bei uns in Russland nämlich das weitaus wichtigere Fest als Weihnachten. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die orthodoxe Kirche in der UdSSR sehr lange verboten war, und dieses christliche Fest, das übrigens am 7. Januar gefeiert wird, in Vergessenheit geriet. Also, wie ich es gerne mache: Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – ein Turnier mitspielen und ein schönes Fest bei Freunden feiern.

Eigentlich sind solche doppelrundigen Turniere nie meine Stärke gewesen. 9 Runden in 5 Tagen ist ein ziemlich harter Marathon. Früher habe ich mein Glück oft beim Open in Essen-Borbeck versucht. Und jedes Jahr mit einem für mich ziemlich peinlichen Ergebnis –50  DWZ-Punkte! Das lief oft so: Ich verlor die Partie am Morgen, oder verdarb die gewonnene Stellung zum Remis – und schon war die Partie am Abend sehr gefährdet. Mein Gegner, konnte ein Anfänger sein (was wirklich einmal der Fall war, ich verlor eine Weißpartie gegen einen vereinslosen Spieler mit DWZ 1632), das spielte keine Rolle – ich musste meinen Ärger besiegen. Was sich immer als sehr schwierig erwies. Also hatte ich mir dieses Mal keine hohen Ziele gesetzt, es war eher Schadensbegrenzung angesagt. Im nachhinein bin ich nicht unglücklich – dieses Mal nur Minus 15 ELO–Punkte und ein mit Petra Schuurman geteilter Damenpreis als kleiner Trost.


Petra Schuurmann

Da ich schon in der zweiten Runde eine Partie verloren habe, (aus unerklärlichen Gründen Remis abgelehnt, nachdem ich ein Turmopfer, dass zum Dauerschach führte, übersah), hatte ich bis zur Runde 9 keinen starken Gegner und konnte mich daher gar nicht in das Geschehen um die vordere Plätze einmischen. Dafür hatte ich während der Runden meistens viel Zeit, fremde Partien anzuschauen und hoffentlich etwas dazu zu lernen.

Der Sieger des Turniers Vladimir Baklan, von seiner Gattin begleitet, gewann das Turnier mit 8 aus 9 souverän.


Vladimir Baklan

Einen halben Punkt hinter ihm landeten Thomas Luther und Lorenz Drabke, ein viel versprechender junger deutscher Spieler.


Thomas Luther

Danach gab es 7 Spieler mit 7 Punkten, unter ihnen WGM Inna Gaponenko aus der Ukraine, ein häufiger Gast bei vielen offenen Turnieren, ja fast schon eine Open–Spezialistin, ihr Name steht oft ganz vorne in den verschiedensten Turniertabellen. Und ich muss sagen, sie spielt wirklich stark, und professionell.


Inna Gaponenko

Das Turnier war sehr gut organisiert, im Hotel Novotel gab es genug Platz für die knapp 300 Teilnehmer, die Analysenräume waren groß genug und wurden sehr gut angenommen.

Nicht nur Turnierteilnehmer, sondern auch viele Zuschauer - Schachliebhaber aus Böblingen und Umgebung kamen jeden Tag und spielten zahlreiche Schachpartien gegeneinander. Manche Spieler und Spielerinnen erschienen zur Runde in Begleitung ihrer Kinder (von ganz Kleinen noch im Kinderwagen bis Schulkindern, die sich die Wartezeit mit Buntstiften vertrieben). Sollen sie das königliche Spiel doch früh genug lernen! 

Kleinigkeiten zu Essen gab es auch, die Auslosung kam immer pünktlich. Alles lief also reibungslos – aber nur fast. Leider musste ein Spieler (Konstantin Konson) wegen seines klingelnden Handys genullt werden. Mit 3 Punkten aus 3 Partien war es sicherlich sehr ärgerlich für ihn. Doch selbst Weltmeister Ruslan Ponomariov blieb davon ja nicht verschont... 

Mir passierte es auch, aber Gott sei Dank, war ich in diesem Augenblick nur als Zuschauer im Turniersaal, deshalb zwar ein Paar böse Blicke und eine Verwarnung – aber immerhin keine Null. Ich persönlich empfinde diese Strafe als etwas zu hart, doch wer weiß, was in unserer Zeit so alles passieren kann, wo wirklich jeder ein Mobiltelefon bei sich hat. Bei der Siegerehrung haben die Organisatoren an alle gedacht, es gab sogar einen Preis für eine Quizfrage: Wer im Jahre ??? das Turnier gewonnen hat. Sebastian Siebrecht wusste es und bekam dafür ein Schachbrett und eine Schachuhr.

Das Wetter war die ganze Zeit richtig schön Weihnachtlich, mit Schnee und Sonne. Also spricht einiges dafür, dass man nächstes Jahr erneut nach Böblingen fährt.            


Starke Frauenfraktion: Inna Gaponenko und Tina Mietzner
 


Tina Mietzner holte 5,5 aus 9

 

 

 


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