World Cup: Ivanchuk und Fedoseev legen vor

13.09.2017 – Zwei Entscheidungen und sechs Remis lautet die Bilanz des gestrigen ersten Umgangs der vierten Runde des World Cups in Tiflis. Vassily Ivanchuk besiegte Anish Giri und Vladimir Fedoseev bezwang Maxim Rodshtein. Alle anderen Entscheidungen wurden auf heute oder morgen verschoben.

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Spannende Partien, zwei Entscheidungen

Die Reihen haben sich gelichtet beim Worldcup, sechzehn Spieler sind noch dabei, viele der Favoriten sind bereits ausgeschieden. Auch Magnus Carlsens ursprünglische Begeisterung für das K.o.-Format sollte sich inzwischen etwas gelegt haben. Auch der stärkste Spieler der Welt hat gelegentlich mal einen schlechten Tag und wenn der Gegner dann so spiel- und risikofreudig ist, wie Bu es gegen Carlsen in der ersten Partie der Runde drei war, dann liegt auch der Weltmeister hinten und kann den Rückstand unter Umständen nicht mehr aufholen. 

Das World Cup-Format, früher sogar mal für die FIDE-Weltmeisterschaften genutzt, ist schon etwas seltsam und lässt sich nur schwer mit Wettbewerben in anderen Sportarten vergleichen. Wir machen mal einen Versuch. Stellen Sie sich ein Fußballspiel vor, das nach zwei Toren beendet wird. Schießt der Gegner ein Tor, dann muss man ausgleichen, um ein Wiederholungsspiel mit kürzerer Spielzeit zu erzwingen.

Außer Carlsen hat es in der letzten Runde ja noch einige andere Favoriten erwischt, Kramnik, Caruana und Nakamura zum Beispiel. Aronian konnte sich mit Glück und Können in der 3. Stichkampfrunde qualifizieren.

Einige andere gute Spieler sind aber auch noch dabei. Peter Svidler hat bereits große Word Cup-Erfahrung und offenbar die richtigen Nerven, um in diesem Format meist weit nach vorne zu kommen. Er trifft in der 4. Runde auf den Carlsen-Bezwinger Bu.

Bu und Svidler

Es ist übrigens ein typisches World Cup-Schicksal, dass ein Spieler in einer Runde eine Glanztat vollbringt, einen ganz Großen besiegt, und in der nächsten Runde sang-und klanglos ausscheidet. Manchmal sogar wegen einer falschen Hose. Die erste Partie zwischen Bu und Svidler endete aber remis. Bu führte die schwarzen Steine und hatte wenig Mühe. Nichts ist entscheiden.

Zu den Favoriten, die noch dabei sind, gehört sicher Wesley So. Der US-Großmeister hat mit Baadur Jobava einen gefährlichen Taktiker zum Gegner. In der ersten Partie lieferten sich die beiden eine sehr vorsichtiges Duel auf russischem Terrain, das einigermaßen ereignislos remis endet.

Zwei weitere Chinesen sind auch noch im Rennen, Wang Hao und Ding Liren. Allerdings spielen sie in dieser Runde gegeneinander. Auch hier endete die erste Partie remis.

Zu den Helden der dritten Runde gehört auch Evgeny Najer. Der russische GM hat Fabiano Caruana aus dem Turnier geworfen. Sein Gegner in der 4. Runde ist Richard Rapport, auch ein gefährlicher und ideenreicher Taktiker. Rapport begann mit Weiß in der Slawischen Abtauschvariante ruhig, wurde erst im späteren Verlauf der Partie bissig, kam dann aber nur knapp mit einem remis davon.

 

Eine wilde Partie lieferten sich Maxime Vachier-Lagrave und Alexander Grischuk. Grischuk war am Damebflügel in Vorteil gekommen und so setzte der Franzose auf Angriff am Königsflügel. Er gab einen ganzen Turm und erhielt dafür eine Menge Kompensation. 

 

Levon Aronian hat gestern sicher eine Menge Energie gelassen, ist aber noch im Rennen.

Dubov und Aronian

Er trifft nun auf den jungen Daniil Dubov, der schon in Runde zwei Sergey Karjakin rausgeworfen hat. In der Katalanischen Partie gewann Aronian mit Schwarz eine Qualität und stand schließlich auf Gewinn. Doch dann spielte er die Gewinnzüge in der falschen Reihenfolge:

 

Zwei Partien wurden entschieden. Vladimir Fedoseev gewann gegen Maxim Rodshtein und Vassily Ivanchuk punktete gegen Anish Giri in einer allerdings merkwürdigen Partie. Erst war Ivanchuk etwas im Vorteil, dann war Giri am Drücker und schließlich ließ der Niederländer in Remisstellung den Übergang in ein verlorenes Endspiel zu.

 

 

 

 

Ergebnisse

Name G1 G2  R1  R2  r3  r4  B1  B2  SD Tot
      Round 4 Match 01
 Svidler Peter (RUS) ½                 0.5
 Bu Xiangzhi (CHN) ½                 0.5
      Round 4 Match 02
 So Wesley (USA) ½                 0.5
 Jobava Baadur (GEO) ½                 0.5
      Round 4 Match 03
 Rapport Richard (HUN) ½                 0.5
 Najer Evgeniy (RUS) ½                 0.5
      Round 4 Match 04
 Ivanchuk Vassily (UKR) 1                 1.0
 Giri Anish (NED) 0                 0
      Round 4 Match 05
 Dubov Daniil (RUS) ½                 0.5
 Aronian Levon (ARM) ½                 0.5
      Round 4 Match 06
 Wang Hao (CHN) ½                 0.5
 Ding Liren (CHN) ½                 0.5
      Round 4 Match 07
 Rodshtein Maxim (ISR) 0                 0.0
 Fedoseev Vladimir (RUS) 1                 1
      Round 4 Match 08
 Vachier-Lagrave Maxime (FRA) ½                 0.5
 Grischuk Alexander (RUS) ½                 0.5

Alle Partien bisher:

 

Fotos: Anastasiya Karlovich

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svkfox svkfox 13.09.2017 02:47
Ich finde die Kritik an dem Turniermodus völlig unverständlich. Schachspieler sind immer der Meinung es müsste die letzte Gerechtigkeit erreicht werden. Möglichst nur Wettkämpfe über 100 Partien. Gib dem Glück keine Chance.
Der Vergleich mit Fußball ist genau richtig. Ein Fußballweltmeister wird ab dem Achtelfinale im K:O. System gesucht. In einem Spiel.
Mit allem Glück und Pech, dass ein Spiel so mit sich bringt. Niemand käme auf die Idee ein Wettkampf über zehn Spiele anzusetzen, damit sich auch sicher der Bessere durchsetzt. Und ja, wenn jemand beim Fußball ausgleicht wird mit kürzerer "Bedenkzeit" weitergespielt. Man nennt es Verlängerung. Sollte nach dieser Verlängerung kein Sieger gefunden werden, wird einfach aus Elf Metern solange aufs Tor geschossen bis ein Sieger gefunden ist. Niemand beklagt sich und würde den Modus in Frage stellen.
Warum kann man im Schach nicht aktzeptieren, dass nicht zwingend der Beste auch der Sieger ist. Wie in nahezu allen anderen Sportarten auch.
MARIO1962 MARIO1962 13.09.2017 10:31
svkvox hat Recht, wenn Schach wirklich SPORT wäre und nicht nur ein , zugegeben , sehr schönes, wenn nicht sogar das beste Brettspiel.
Aber halt ein BRETTSPIEL.
Und es ist sowieso fraglich , ob der " Weltmeister " der Beste ist.
Auch ihm hat der Modus mit kürzerer Wettkampfdauer nicht geschadet.
Anton46 Anton46 14.09.2017 02:00
Jan Gustafsson hatte Recht was er heute in seinem World Cup Live Kommentar sagte:
Es gibt keinen härteren Sport als diese Ausscheidungskämpfe im Schach ausser einer anderen Sportart (ich weiss nicht mehr genau welche er meinte).
Man denke nur an die Partie von Aronian in Rd.3, diese enorme nervliche und körperliche Anspannung in höchster Konzentration über viele, viele Stunden.
Ein Vergleich mit harmloser Fussball kickerei scheint mir unangebracht---
Paolo Maldini Paolo Maldini 14.09.2017 11:50
Jan Gustafsson kann ja mal Novak Đoković fragen, ob er seinen Sieg gegen Rafael Nadal bei den Australian Open 2012 physisch und psychisch anstrengender als ein Schachspiel findet. Schach ist nunmal kein Sport und wird es auch nie werden. Zudem sollten sich die meisten Spieler langsam mal an das Tragen von Kleidung gewöhnen, die auch salonfähig ist. Gerne wird Schach immer als hochkulturell dargestellt, aber die Spieler laufen (insbesondere bei Dorf-Open) wie die letzten Penner durch die Gegend.
Anton46 Anton46 14.09.2017 04:39
Er hat Onkel Toni gefragt weil Nadal allein es nicht schaffte bei diesem Druck--
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