Betrug beim Open in Dubai

von Johannes Fischer
12.04.2015 – Beim stark besetzten Open in Dubai wurde der georgische Großmeister Gaioz Nigalidze beim Betrug erwischt. Nigalidze wurde 2013 und 2014 georgischer Meister und gewann 2014 überraschend das Turnier in Al-Ain. In Dubai fiel seinem Gegner in Runde sechs, Tigran Petrosian, auf, dass Nigalidze nach fast jedem Zug zur Toilette rannte. Dort entdeckte der Schiedsrichter ein verstecktes Smartphone. Es gehörte Nigalidze. Mehr...

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Nigalidze leugnete zunächst, dass ihm das Smartphone gehört, doch bei einer Überprüfung des Smartphones entdeckte der Schiedsrichter nicht nur die aktuelle Stellung der Partie Nigalidzes auf dem Schachprogramm des Mini-Rechners, sondern auch einen Social Media Account auf Nigalidzes Namen.

Tigran Petrosian - Gaioz Nigalidze, Stellung nach 22...Tad8

Stellung auf dem Smartphone von Nigalidze

Smartphone und Partieformular (Foto: Turnierseite)

Der Schiedsrichter überprüft Smartphone und Partieformular (Foto: Turnierseite)

Wie Petrosian angab, hatte er schon während des Opens in Al-Ain 2014 den Verdacht gehabt, der Georgier hätte seine Partien mit Computerhilfe gespielt. Doch beweisen konnte Petrosian diesen Verdacht nicht. In Dubai fiel Petrosian dann auf, dass Nigalidze bei seinen häufigen Toilettenbesuchen immer die gleiche Kabine benutzte. Dort hatte er sein Smartphone und ein Headset unter Klopapier versteckt.

Tigran Petrosian beim Open in Al-Ain 2014

Nigalidze wurde umgehend vom Turnier ausgeschlossen.

Nigalidze beim Al-Ain Open 2014

Beim Open in Dubai liegen nach sechs Runden acht Spieler mit je 5 aus 6 gemeinsam in Führung.

Stand nach sechs Runden

Rk. SNo     Name FED Rtg Pts.
1 19
 
GM Solak Dragan TUR 2602 5.0
2 2
 
GM Fedoseev Vladimir RUS 2674 5.0
3 11
 
GM Istratescu Andrei FRA 2630 5.0
4 17
 
GM Grandelius Nils SWE 2613 5.0
5 1
 
GM Howell David W L ENG 2687 5.0
6 35
 
GM Shabalov Alexander USA 2500 5.0
7 27
 
GM Solodovnichenko Yuri UKR 2584 5.0
8 24
 
GM Vocaturo Daniele ITA 2594 5.0
9 3
 
GM Kovalenko Igor LAT 2665 4.5
10 23
 
GM Mchedlishvili Mikheil GEO 2595 4.5
11 18
 
GM Guseinov Gadir AZE 2606 4.5
12 4
 
GM Petrosian Tigran L. ARM 2660 4.5
13 25
 
GM Papp Gabor HUN 2589 4.5
14 10
 
GM Iturrizaga Bonelli Eduardo VEN 2632 4.5
15 8
 
GM Ivanisevic Ivan SRB 2638 4.5
16 26
 
GM Banusz Tamas HUN 2586 4.5
17 39
 
IM Mammadov Zaur AZE 2470 4.5
18 15
 
GM Rakhmanov Aleksandr RUS 2623 4.5
19 9
 
GM Safarli Eltaj AZE 2637 4.5
20 48
 
IM Rathnakaran K. IND 2422 4.5
21 6
 
GM Zhigalko Sergei BLR 2657 4.0
22 16
 
GM Ipatov Alexander TUR 2614 4.0
23 7
 
GM Bartel Mateusz POL 2642 4.0
24 30
 
GM Stojanovic Mihajlo SRB 2558 4.0
25 36
 
GM Idani Pouya IRI 2499 4.0
26 44
 
IM Das Sayantan IND 2439 4.0
27 14
 
GM Fier Alexandr BRA 2624 4.0
28 47
 
IM Petrosyan Manuel ARM 2427 4.0
29 51
 
GM Laxman R.R. IND 2409 4.0
30 29
 
GM Nigalidze Gaioz GEO 2566 4.0

Partien

 

Turnierseite



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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JuanTamariz JuanTamariz 03.05.2015 11:44
Mit Programmen kann man doch einigermaßen gut analysieren, ob jemand "perfekt" spielt oder nicht (Fehlertoleranzschwelle). Wenn dann begründeter Verdacht aufkommt, ruhig untersuchen. Ein Trauerspiel, aber Betrüger wird es immer wieder geben.
flachspieler flachspieler 14.04.2015 08:26
So wie größere Warenhäuser Detektive beschäftigen, um
Ladendiebstähle aufzuklären und zu verhindern, könnten
auch die Ausrichter grosser Schachturniere verdeckt arbeitende
Turnierdetektive einsetzen, die mit gesundem Menschenverstand
und wachem Geist nach Verdächtigen Ausschau halten.
miketsia miketsia 14.04.2015 06:06
Rolee: ich fürchte, den Betrügern geht die Phantasie sicherlich nicht aus! Es werden halt nur diejenigen erwischt, die phantasielos sind, die anderen bleiben noch unentdeckt....Ich will's eigentlich gar nicht so genau wissen...
Rolee Rolee 14.04.2015 01:42
Mich wundert, dass den Betrügern die Phantasie ausgeht und sie keine wirklich neuen Ideen entwickeln. Toilettengänge sollten bei denen doch schon längst tabu sein.
Nach allen bisherigen Vorfällen geben solche plumpen Versuche leider nur ein Armutszeugnis für die Schiedsrichter aus.
flachspieler flachspieler 13.04.2015 01:09
> ... dass Nigalidze bei seinen häufigen Toilettenbesuchen
> immer die gleiche Kabine benutzte. Dort hatte er sein
> Smartphone und ein Headset unter Klopapier versteckt.

Die Geschichte hätte auch gut in das Buch von Althöfer und Voigt gepasst.
miketsia miketsia 13.04.2015 06:46
Jetzt sollte FIDE ein Zeichen setzen: Lebenslange Sperre für diesen Betrüger! Kein Pardon! Er wusste genau was er tat, er ist alt genug, um die Konsequenzen seiner Tat zu erkennen. Es gibt also keine Entschuldigung. Nur mit drakonischen Strafen kann man diese Gauner bekämpfen.
bjs bjs 13.04.2015 03:07
ma77, sollen die Schiedsrichter die Toilette überwachen und eine Strichliste führen? Natürlich fällt es mir selber zuerst auf, wenn der Gegner ständig wegrennt.

Mich würde interessieren, ob da so ein starkes Programm auf dem Smartphone ist oder ob Nigalidze sich von außerhalb hat helfen lassen.
ma77# ma77# 12.04.2015 10:35
Und so was will sich dann noch GM nennen...


Aber wieso muss so etwas erst dem gegnerischen Spieler auffallen?

Das sollten die Veranstalter und Schiedsrichter im Auge haben...
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