BMI streicht Zuschüsse für Schachbund

von André Schulz
08.05.2014 – Das BMI hat den Schachbund bisher mit 130.000 Euro p.a an Fördergeldern unterstützt. Mit dem Geld wurden die Stellen des Sportdirektors und des Bundestrainers finanziert. Gestern erreichte den Schachbund die Nachricht, dass die Förderung ab sofort komplett gestrichen wird. Dies wird mit der fehlenden "eigenmotorischen Bewegung" beim Schach begründet. Mehr...

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Fördergelder gestrichen

Schon Ende letzten Jahres befürchtete der Schachbund, dass er bei der Neufassung der Förderungssystematik des Deutschen Olympischen Sportbundes als Sport auf der Strecke bleiben würde. Auf der Mitgliederversammlung des DOSB im Dezember erklärte aber die Vorsitzende des Leistungsausschusses, Dr. Christa Thiel, dass Schach ungeachtet der neuen Kriterien vom DOSB weiter als förderungswürdiger Sport angesehen würde. Trotzdem hat das BMI nun den Antrag des Schachbundes auf Förderung abgelehnt, die Förderung nicht nur gekürzt, sondern komplett gestrichen.

Dies ist nicht nur für Schach als Leistungssport ein sehr ungünstiges Signal. Viele Ausbildungsmaßnahmen, Übungsleiter, Vereine, etc. sind durch öffentliche Fördergelder finanziert und sind nun möglicherweise ebenfalls gefährdet, da die örtlichen Entscheidungsträger auf die Entscheidung des BMI verweisen können.

Wie sehen die Schachfreunde diese Entscheidung. Diskutieren Sie mit (s. Kommentarbereich, unten)?

 

Pressemitteilung des Schachbundes:


Seit Monaten wartete der Deutsche Schachbund nach seinen Anträgen vom 31.10.2013 auf die Zusage des Bundesministeriums des Innern (BMI), auch in der Förderperiode 2014 – 2017 den DSB im Bereich des Leistungssports finanziell zu unterstützen. Alle Verantwortlichen des DSB sind davon ausgegangen, dass Kürzungen auch in größerem Ausmaß vorgenommen werden. Was jetzt passiert ist, verletzt unseres Erachtens massiv die Regeln eines fairen Umgangs miteinander!


Das BMI stellt sich willkürlich gegen das Votum des DOSB, der Schach in seiner Mitgliederversammlung am 7.12.2013 in Wiesbaden in Anwesenheit des zuständigen Referatsleiters des BMI einstimmig als förderungswürdigen Sport bestätigt hat, und spricht uns wegen angeblich „beim Denksport nicht vorliegender eigenmotorischer Aktivität“ grundsätzlich die Förderungsfähigkeit ab!

Wenn es uns nicht gelingt, diesen Beschluss zumindest teilweise rückgängig zu machen, müssen wir im Haushalt eine Position in Höhe von 130.000,-- € jährlich ausgleichen!

Im Jahr 2014 ist dies ob der in den vergangenen Jahren aufgebauten Liquiditätsrücklage und angesichts der in diesem Jahr greifenden Beitragserhöhung gerade so noch möglich. Die Rücklage des DSB wird aber abschmelzen und uns damit an die Grenze der notwendigen Liquidität führen. Wir werden die Situation mit den Vertretern unserer Mitglieder in der Sitzung des Hauptausschusses am 31.05. in Frankfurt intensiv erörtern.

Auf keinen Fall wird der Deutsche Schachbund diese willkürliche und in der Sache völlig unbegründete Diskriminierung unseres Sports ohne Widerstand hinnehmen.

Wir werden ab sofort anwaltlichen Beistand in Anspruch nehmen und lassen die Wirksamkeit des Beschlusses des BMI überprüfen.

Michael S. Langer
Vizepräsident Finanzen Deutscher Schachbund e.V.

 

 



 

 

Nachricht beim Schachbund zur Streichung der Fördergelder...

Schach vorerst weiter Sport (12/ 2013)...

Sportdefinition beim DOSB...

 

 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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duderino duderino 12.05.2014 04:57
Austreten aus dem Sportbund. Ein paar Tausender spart man dann wieder für die lächerlichen Dopingproben u.a. bei den Deutschen Meisterschaften.....
Mausibaldinger Mausibaldinger 10.05.2014 09:28
Ich bin zwar ein Österreicher, muss mich aber schon sehr konkret zu dieser Maßnahme äußern: Welche Finanztöpfe mit dieser mehr als linkischen Einsparungsmaßnahme wieder- oder überhaupt angefüllt werden sollen bleibt ein Geheimnis der germanischen Regierung: Die Vorgangsweise verheißt jedenfalls überhaupt nichts Gutes......................!!!!!!!
Detlef Köpke Detlef Köpke 09.05.2014 06:33
Ich habe das Gefühl hier wurde nur ein Vorwand gesucht, um Geld beim BMI zu sparen und um es vielleicht für Motorsport oder Ähnliches zu vergeuden. na ja, im Schach ist kein WM-Titel oder Olympiasieg für Deutschland zu erwarten. Ich habe die Definition "Sport" vom DOSB gelesen. Sie ist sportwissenschaftlich völlig unhaltbar und sollte vom Schachbund angefochten werden. Nur nebenbei, die Schachspieler bewegen spezifisch mit ihren Händen die Figuren, also Motorik. Deshalb hat man das auch per Definitionem extra ausgeschlossen. Und wo ist der motorische Beitrag des Menschen beim Dressurreiten? Klar im Sattel sich bewegen ist das Gleiche wie die Figuren ziehen auf dem Schachbrett oder? Oder gibt es eine Gewichtsbegrenzung für die Schachfiguren, dass es als Sport gilt, wenn sie nur schwer genug sind? Also ich würde Dressurreiten hier auch aus dem Sport streichen. Es ist nicht erst seit heute bekannt unter Sportwissenschaftlern, dass man Sport nicht auf körperliche Betätigung reduzieren darf. Der Sportbegriff muss aus regeltheoretischer Sicht definiert werden. Die hier angewendete Definition darf keinesfalls akzeptiert werden und das sollte man im Deutschen Schachbund auch mit anderen betroffen Verbänden deutlich machen. Hier erfolgt kultureller Kahlschlag zu Gunsten den Intelligenz von Fussballern. Leute wehrt euch!
Krennwurzn Krennwurzn 09.05.2014 12:29
Wir, die Schachgemeinde, sind nicht ganz unschuldig daran: wir sind für die breite Öffentlichkeit einfach "unsichtbar" und beschäftigen uns zu viel mit uns selbst und wir transportieren ein falsches Bild von uns und unserer Sportart: dieses unerträgliche Gequatsche von Talent und Genie schadet uns!

Zuerst einmal erhöht es die Eintrittshürde und wirkt damit abschreckend, dann wirft es die Frage auf, warum brauchen geniale Talente eigentlich Förderung und eigentlich leisten die ja gar nichts, weil Mutter Natur ihnen das sowieso mitgegeben hat.

NEIN - falsch: Spitzenschach ist ein Knochenjob wie jeder andere Spitzensport auch. Es zählt vor allem die ARBEIT und nochmal die ARBEIT - ein geniales Talent wird ohne harte Arbeit nichts, absolut nichts erreichen! Sogar der "geniale" Fischer hat Anfang der 70er schon körperliche Fitness trainiert, die "Dicken" sind aus der Weltspitze schon lange verschwunden!

PS: die Thematik habe ich zB bei http://www.schach-welt.de/BLOG/Blog/GriechischeImpressionen schon mehrmals angesprochen - wir müssen mehr in der Öffentlichkeit sichtbar werden und wir sind nicht wenige!
Martin Rieger Martin Rieger 09.05.2014 10:09
Ganz ehrlich, wen wunderts? Das Volk ist noch nicht dumm genug trotz RTL2 und Dschungelcamp, da muss energisch nachgeholfen werden! Wär ja gelacht wenn da tatsächlich noch ein paar Verrückte einen Denksport ausüben würden! Das werden wir ihnen schon austreiben. Selber denken, tztz...

"Who controls the past now, controls the future, who controls the present now, controls the past."
Parteislogan aus Nineteen Eighty-Four
tcook tcook 09.05.2014 09:40
Schockierend, dreist und selbstherrlich wie hier die Grundlagen der deutschen Schachorganisation untergraben werden.
Ich erwarte, dass die wir uns als eine der größten Schachorganisationen der Welt auf die Hinterbeine stellen und der Schachbund z.B. eine Online Petition initiiert. Ich würde jedenfalls dafür trommeln.
SEAKone SEAKone 08.05.2014 10:44
noch schnell nachgereicht http://www.sgbmi.de/sportarten/schach/
SEAKone SEAKone 08.05.2014 10:42
Der Witz ist doch das das BMI selber Schach als Sport für seine Angestellten anbietet :)
könnte chessbase den entsprechenden Link (violett auf dem unteren Dokument) noch nachreichen?
Ansonsten fehlen mir die Worte!!! Hoffen wir das da noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde...
BronsteinD BronsteinD 08.05.2014 07:59
Die Begründung ist an Banalität kaum zu unterbieten und birgt einen gewissen Zynismus.

Allerdings muss auch die Frage gestellt sein, welche Ergebnisse Schach erzielt, um seinen Nutzen zu begründen. Wie breit ist Schach an Schulen aufgestellt? Wie gut verläuft die Verzahnung von Schule und Verein, oder die Einbettung in schuldidaktische Zusammenhänge? Wie gut kooperieren Schulen und Vereine? Wie viele Großveranstaltungen im Schulschach, die breit wahrgenommen werden, gibt es denn?
Auf den wissenschaftlich belegten Nutzen zu verweisen reicht nicht, oder auf Definitionen des DOSB. Schach braucht Aufmerksamkeit, durch praktische Arbeit erworbene Präsenz, die über Fünfzeiler in regionalen Sonntagszeitungen hinausgeht. Mit sensationellen Mannschaftsergebnissen wie etwa dem EM-Titel hat man dafür kaum gesorgt. Mit mehr Großveranstaltungen im Jugendbereich ließe sich ein besserer Nutzen eher zeigen.

Eine Frage: Wo würde, in dem absehbaren Fall, dass er bei der Streichung bleibt, besagter Betrag, um Sportdirektor und Bundestrainer zu bezahlen, wieder reingeholt?
Hans Rosen2 Hans Rosen2 08.05.2014 05:31
Sehr, sehr traurig... - hab' mich dem Vorschlag angeschlossen und 'unserem' CDU-MdB, der DOSB und das BMI angeschrieben. Ob's was bringt, keine Ahnung, aber wenn 'es' viele machen - vielleicht...

Grüße
Frank alias 'Der Schachfloh'
Pamela An. Pamela An. 08.05.2014 05:01
Der Schachbund soll aus dem deutschen Sportbund austreten!
André Fischer André Fischer 08.05.2014 03:38
Das Verhalten des BMI sollten wir Schachsportler bei den nächsten Wahlen beachten.
Ein Mail habe ich gleich an den CDU - Bundestagsabgeordneten meiner Region gesendet.
André Fischer
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