Ernst Bönsch zum 80sten

19.06.2011 – Im Sudetenland geboren, musste Ernst Bönsch zum Ende des Weltkrieges als 14-Jähriger zwangweise Feldarbeit verrichten, während sein Vater in einem tschechischen Lager interniert war. 1946 wurde die Familie wie andere Deutsche ins "Deutsche Reich" abgeschoben. Im offenen Güterwagen und bei vielen Zwischenstopps brachte ein früherer Schulkamerad ihm das Schachspiel bei. Der Zufall wollte es, dass dieser Zug die Familie nach Sachsen brachte. In seiner neuen Heimatstadt Halle war Bönsch zunächst als Schachspieler erfolgreich, später als Trainer. Als erster Schachspieler wurde er an die Leipziger Hochschule für Körperkultur und Sport delegiert und als diplomierter Schachtrainer ausgebildet. Nach der Wende leitete er die Berliner FIDE-Trainerakademie. Sohn Uwe wurde Großmeister und ist der Bundestrainer des DSB. Heute feiert Ernst Bönsch seinen 80sten Geburtstag. Frank Hoppe sprach mit dem Jubilar. Raymund Stolzes Würdigung beim DSB...Zum Interview...

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Ernst Bönsch zum 80sten
Von Frank Hoppe

Der Name Bönsch ist seit Jahrzehnten im deutschen Schach ein Begriff. Großmeister Uwe Bönsch gehörte zum Nationalkader der DDR und ist seit nunmehr 14 Jahren Bundestrainer. Sein Vater Ernst Bönsch gehörte in der DDR und jetzt im vereinigten Deutschland zu den herausragenden Trainerpersönlichkeiten. Einen Namen machte er sich nicht nur in Fachkreisen mit seinem 1985 erschienenen Werk "Schachlehre". Für die einen war das 447 Seiten dicke Buch ein unerläßlicher Helfer bei der schachlichen Ausbildung, für die anderen die Kapitel über Klassifizierung und Wertungszahlen eine wahre Fundgrube. Heute wird Ernst Bönsch 80 Jahre alt und Frank Hoppe stellte ihm einige kurze Fragen.



Du feierst heute Deinen 80. Geburtstag. Wie fit fühlst Du Dich noch?

Sicher werden das die Mitstreiter der Altersklasse Ü80 persönlich sehr unterschiedlich sehen. Gesundheit, Lebenswille und sportliche Aktivitäten sind dabei eine starke Kraft und sollen Vielen in den unteren Altersklassen Mut machen, gesund zu altern. Aber wenn man an den rüstigen Berliner Vorsitzenden des Vereins SV Berolina Mitte, Werner Windmüller oder den kampfstarken GM Viktor Kortschnoi denkt, so gibt es auch im Schach eine Reihe von Vorbildern des lebenswerten Alterns.
Ich will versuchen, auch weiterhin in der DSB-Lehrkommission meine Kenntnisse und Erfahrungen einzubringen. Das trifft ebenfalls auf das Mitwirken in der "Deutschen Schachstiftung" zu. Körperlich sollen mir Yoga, Tischtennis und Schwimmen über die Runden helfen. Psychisch dürften Blitzpartien auf dem ChessBase-Server die beste Medizin sein!


Dr. Ernst Bönsch und der damalige DSB-Seniorenreferent Dr. Georg Hamm

In diesem Alter blickt man auch gern mal zurück, denn in über 60jähriger Übungsleiter- und Trainertätigkeit liegen oft Freud und Leid dicht beieinander. So erinnere ich mich gern an meine Freundschaften mit Edith Keller-Herrmann und Michael Tal. Edith wurde m.E. deshalb die stärkste deutsche Frau im Schach, weil sie das Schach über alles liebte, mit einem unbändigen Fleiß (möglichst) täglich trainierte und für jeden gutgemeinten Rat von mir als Trainer dankbar war.
In den 80er Jahren hatte ich die Ehre und das Vergnügen, Mischa Tal (und Weltmeister Anatoli Karpow) zehn Tage in Berlin zu betreuen. Dabei gab es eine Menge Empfänge, Pressekonferenzen und auch Fahrten nach Halle, Magdeburg und Ströbeck. Überall wo er als damaliger Ex-Weltmeister auftrat, sammelte er durch seine bescheidene, witzige und warmherzige Art viele Sympathien und Anerkennung für das Schachspiel. Gern denke ich an die gegenseitigen Besuche in Moskau und Halle.


Dr. Gerhard Köhler, Vorstandsvorsitzender der ORWO Net AG, und Dr. Ernst Bönsch

Wie steht es mit Deiner Liebe zum Schach?

Ohne Schach kann ich mir ein Leben nicht vorstellen, zumal sich in meinem Leben alles um Schach drehte. Ich hatte ja das Glück, mein Hobby nach dem Sportstudium zum Beruf machen zu können. So nutzte ich die Möglichkeit, in Sachsen-Anhalt, speziell in Halle/Saale ab 1957 mit dem SC Wissenschaft Halle ein Leistungszentrum für Schach aufzubauen, dem ähnliche Schwerpunkte in Berlin, Dresden und Leipzig folgten.

Vielleicht einige Worte und ein kleiner Exkurs zur früheren Trainertätigkeit. Alles Gute hatte auch seine Schattenseiten. So brachte der hauptamtliche Trainerberuf den Nachteil mit sich, dass man als Trainer selbst nicht mehr aktiv sein durfte, also an keinen Turnieren teilnehmen konnte. Das galt generell für alle Sportarten. Dadurch wurden u.a. gute Spieler abgeschreckt, die Trainerlaufbahn anzustreben. Die in den Clubs tätigen Trainer durften auch nicht als Stammspieler (Sonderliga, Oberliga) aufgestellt werden. Wir nutzten unsere Chance als Ersatzspieler, recht viele offizielle Partien zu spielen und freuten uns auf jede Möglichkeit dazu. Um die Leistungssubstanz zu erhalten, wich ich auf Fernschach aus - spielstarke Computer gab es damals noch nicht. Unter diesen Voraussetzungen erreichte ich eine Wertungszahl von 2280. Mit meiner Mannschaft SC Chemie Halle (1957-1977) wurde ich fünfmal DDR-Mannschaftsmeister.


Dr. Ernst Bönsch, seine Frau Marion und Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Emanuel Lasker Gesellschaft

Was machst Du aktuell in Deinem Verein in Rüdersdorf und in der FIDE-Trainerakademie in Berlin?

Meine Aktivitäten im Landesleistungsstützpunkt Rüdersdorf gab ich zugunsten des Aufbaus der FIDE-Trainerakademie auf. In der ehrenamtlich geführten Einrichtung fanden inzwischen 70 nationale und internationale Veranstaltungen statt, davon zehn internationale Kurse, wobei 90 FIDE-Trainer und FIDE-Schachlehrer/Instructoren aus 25 Ländern ausgebildet wurden.

Inzwischen erwies sich jedoch das Veranstalten von internationalen Trainerkursen als immer problematischer. So entstanden in den letzten Jahren (oder sind im Entstehen) ähnliche Ausbildungsstätten in Singapur (ASEAN Chess Academy), New York (American Chess University), New Jersey (USA), Chennai/Indien (FIDE India Chess Academy), Barcelona/Spanien, Dubai, Moskau, Iran, Trinidad & Tobago, Türkei, Georgien und Libyen. Allein im Irak nahmen beispielsweise 47 nationale Trainer an der finanziell günstig gebotenen Ausbildung teil. Staatliche, städtische und sportorganisatorische Sponsoren unterstützten diese Vorhaben, meist aus den Fonds von Entwicklungsprojekten.


Carsten Schmidt, Präsident des Berliner Schachverbandes, und Dr. Ernst Bönsch

Mehrere Absolventen der FIDE-Trainerakademie Berlin waren inzwischen Initiatoren bzw. Ausbilder in ihren Ländern. Für das Weltschach sicher eine positive Entwicklung. Für die Berliner Trainerakademie entstand zunehmend eine große Konkurrenz, zumal Einreiseprobleme für afrikanische und asiatische Länder nach Deutschland in den letzten Jahren enorm zunahmen und immer mehr interessierte Teilnehmer kein Einreisevisum bekamen. Zum anderen gab es nach der Anschubfinanzierung keinerlei Unterstützung durch die FIDE mehr.
Hinzu kommt noch, dass die FIDE-Trainerkommission den Beschluss fasste, FIDE-Trainer- und Instructorkurse regelmäßig während Schacholympiaden, Welt- und Kontinental-Meisterschaften, Asien-Cup, Jugendweltmeisterschaften, Europäischen Jugendmeisterschaften u.a. durchzuführen. Gewöhnlich sind dann zahlreiche nationale Trainer und Betreuer als auch Kursausbilder anwesend, was Reise- und Aufenthaltskosten einspart.

Für die Trainerakademie in Berlin heißt das, sich auf die neue Situation einzustellen und zukünftig verstärkt Aus- und Weiterbildungslehrgänge für den Deutschen Schachbund, der Deutschen Schachjugend und Veranstaltern aus dem Berliner Raum zu nutzen, die von Guido Feldmann, DSB-Geschäftsstelle, organisiert werden.

Wer außer Dir, Deiner Frau und Uwe spielt in Deiner Familie noch Schach?


Dr. Ernst Bönsch und Marion Bönsch-Kauke

In meiner Familie spielte in jungen Jahren Sohn Ulrich ebenfalls schon ganz passabel Schach. Als kleiner Junge erhielt er sogar mal eine Einladung zu einem Prager Kinderschachfestival, wurde Dritter und gewann einen Füllfederhalter. Später spielte er aktiv Hand- und Volleyball und ist jetzt Volleyballtrainer in Hessen.

Sohn Uwe trainierte zwar mit 15 Jahren schon als Übungsleiter die weiblichen Nationalkader des DSV in Halle, wurde aber nach der Wende Profi bei Bayern München, später Landestrainer von Sachsen-Anhalt und ab 1997 Bundestrainer. Eigentlich eine typische Trainerkarriere.

Links:

75 Jahre Ernst Bönsch (Interview Kohlmeyer)...





 


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