OIBM Tegernsee: Fast ein Favoritensturz

von Marco Baldauf
31.10.2017 – Eduardo Iturrizaga Bonelli reiste mit einer Elo von 2665 als nomineller Favorit an den Tegernsee. Nach einem lockeren Sieg zum Auftakt kam er in der zweiten Runde jedoch böse unter die Räder und musste am Ende heilfroh über ein Remis sein. Desweiteren ist am Tegernsee geboten: eine Grünfeld-Lehrstunde vom Weltmeister, ein ägyptischer Turm auf e6 sowie eine famos aufspielende Jugend. Bericht, Analysen und Fotos | Foto: Turnierseite

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Starke Jugend und harte Kämpfe am Tegernsee

Zur 2. Runde sind nun alle angemeldeten Großmeister mit von der Partie - die Nachzügler Niclas Huschenbeth, Alexander Zubov, Rinat Jamabyaev und Alexander Fier müssen sich nach ihren gestrichenen Flügen und dem Verpassen der Auftaktrunde allerdings indas Turnier hineinarbeiten. Mit null Punkten heißt es erst einmal, sich mit Tischnummern 73 oder Ähnlichem anzufreunden. Doch man kann sich sicher sein, dass die Jungs bald an den Livebrettern auftauchen werden - immerhin konnten alle vier einen Auftaktsieg verbuchen - auch wenn drei Partien sehr hart umkämpft waren.

Bis Samstag noch auf Korsika, zur 2. Runde mit von der Partie: Rinat Jumabayev aus Kasachstan | Foto: Turnierseite

Miniaturen und umkämpfte Partien an den Spitzenbrettern

An den Spitzenbrettern sind die meisten Partien zäh umkämpft. Starke Spielerinnen und Spieler mit einer Elo um die 2200 machen den Großmeistern das Leben teilweise extrem schwer. Ausnahmen gibt es freilich hier und da. Über eine Miniatur darf sich Ahmed Adly freuen. Der Ägypter spielte vergangene Woche noch ein Turnier in Sambia, gewann dieses mit 8.5/9 souverän und traf nach 32-stündiger Reise am Tegernsee ein.

 

Einige bange Momente muss hingegen der Topfavorit Eduarda Iturrizaga Bonelli überstehen – gegen einen famos aufspielen André Fischer (2259 Elo) aus Biberach muss sich der Venezuelaner lange eine schlechtere Stellung navigieren. Am Ende holt er immerhin noch ein Remis.

 

Geriet heute mächtig unter Druck: dem Topfavoriten Eduarda Iturrizaga Bonelli stehts förmlich ins Gesicht geschrieben | Foto: Turnierseite

Einen starken Auftritt legt weiterhin U-16 Weltmeister Andrey Episenko hin. Im Grünfeldinder zeigt er gute Theoriekenntnisse und entschlossenes Spiel.

 

Die ersten beiden Runden wurden nach dem beschleunigten Schweizer System ausgelost was defintiv seinen Teil zur Spannung an den vorderen Brettern beitrug. Zur Runde 3 wurde das Feld nun zusammengemischt: 30 Spielerinnen und Spieler aus der zweiten Setzlistenhälfte hatten ihre ersten beiden Partien gewonnen und wurden nun in einen Topf mit 35 Spielerinnen und Spielern aus der ersten Hälfte gemischt. Dies sorgte für eine große Reihe an ungleichen Duellen, der heftigste Elounterschied war wohl an Brett 33 zu sehen. Dort traf Eduarda Iturrizaga Bonelli (2665 Elo) auf Jannik Danninger (1605 Elo).

Starke Jugend mischt das Feld auf

Zwei Bretter von meinem Brett ereignet sich bereits in der ersten halben Stunde ein Kuriosum: der Spieler mit Weiß bietet nach 16 Zügen Remis, Schwarz nimmt an. An sich eigentlich nichts besonderes, doch der Elounterschied betrug schlappe 500 Elo! Werfen wir einen Blick darauf, was sich bis dahin auf dem Schachbrett ereignet hat.

 

Schade, dass die Partie so früh Remis gegeben wurde. Es wäre interessant gewesen, wie sich ein starker Großmeister in einer solchen Stellung gegen den jugendlichen Elan zur Wehr setzt. Ein frühes Remis kann dem jungen Schweizer Talent Yasin Chennaoui nicht passieren. Sein Trainer Niko Lubbe hat ihm nämlich ein Remisverbot auferlegt. Wenn man seine Partien bis zum Ende auskämpft, wird man ein besserer Spieler. Ich kann mich an U-12 Zeiten erinnern und weiß dass Niko als Kind von seinem Trainer ebenso erzogen wurde. Nun gibt er diese Einstellung weiter.

Yasin Chennaoui – das Remisverbot hat sich heute bezahlt gemacht | Foto: Turnierseite

 

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Königsindische Verteidigung - Ein modernes Repertoire

In 19 Videoclips erläutert Martin Breutigam ein komplettes Königsindisch-Repertoire gegen alle gängigen Varianten, in denen Weiß frühzeitig d2-d4 und c2-c4 gezogen hat.

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Die anschließende Analyse mit dem zufriedenen Trainer und meiner Wenigkeit

Beste Frau im Feld ist nach drei Runden Melanie Lubbe. Heute gewann sie relativ problemlos gegen Mario Walter. „Durchgezogen hat sie es“, meint ihr Ehemann. Morgen wartet mit dem chinesischen Großmeister Yinglun Xu eine echte Nagelprobe auf Melanie.

WGM Melanie Lubbe als einzige Frau im Feld noch mit weißer Weste | Foto: Turnierseite

Insgesamt befinden sich 22 Frauen im Feld. Selbst bei geringer Frauenquote in unserem Sport ist das nicht viel. Mit dabei ist aber immerhin die amtierende Deutsche Meisterin Jana Schneider. Nach zwei Remisen zum Auftakt gelang ihr heute der erste Sieg.

Nach drei Runden liegen 31 Spieler bei voller Punktzahl. Die morgige 4. Runde verspricht Spannung, so kommt es erstmals zu Duellen zwischen Titelträgern.

Paarungen der 4. Runde (Brett 1-20)

                                                                                   
Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Korobov Anton 3   3 Morawietz Dieter
Henderson De La Fuente Lance 3   3 Romanov Evgeny
Adly Ahmed 3   3 Seyb Alexander
Zajogin Alexander 3   3 Gopal G.N.
Kulaots Kaido 3   3 Zysk Robert
Schuster Karsten 3   3 Sandipan Chanda
Kaufeld Jürgen 3   3 Peralta Fernando
Esipenko Andrey 3   3 Pirrot Dieter
Tonndorf Matthias 3   3 Kveinys Aloyzas
Ruck Robert 3   3 Chu Wei Chao
Hess Max 3   3 Antal Gergely
Xu Yinglun 3   3 Lubbe Melanie
Mons Leon 3   3 Dehlinger Alexander
Baldauf Marco 3   3 Hedke Fred
Li Di 3   3 Rücker Benjamin
Bente Björn   Iturrizaga Bonelli Eduardo
Cordts Ingo   Postny Evgeny
Heberla Bartlomiej   Fischer André
Lubbe Nikolas   Raahul V S
Oberhofer Cédric   Dann Matthias

... 239 Begegnungen

Alle Partien:

 

OIBM Tegernsee, Rd. 1

Turnierseite

Ergebnisse bei chess-results

 



Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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Schunk Schunk 31.10.2017 03:38
In der Partie Fischer gegen Iturrizaga Bonelli muss der letzte Zug von Schwarz wohl 65..Ke6 gewesen sein, da nach dem obigen Zug 65...Ke5 Weiß die Partie mit 66.Kc5 hätte gewinnen können.
hockeyplayer hockeyplayer 31.10.2017 01:30
Es freut mich für Melanie Lubbe, dass sie wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt ist. Vielleicht reicht es für eine Performance von 2350 bis 2400.
Lowlam Lowlam 31.10.2017 08:08
Toller Bericht! Ich freue mich auf die nächsten Runden!
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