Sinquefield Cup, Rd.3: "Der Sturm gewinnt Spiele..."

von Marco Baldauf
05.08.2017 – "...doch die Abwehr Meisterschaften" ist eine der großen Fussballweisheiten der Trainerlegende Jupp Heynckes. Ob dieses Prinzip auch im Schach gilt kann debattiert werden. In der gestrigen dritten Runde des Sinquefield Cups stand die Abwehr jedenfalls im Fokus - es gab starke Verteidigungsleistungen von Vishy Anand, Hikaru Nakamura und Peter Svidler zu bestaunen. Am Ende standen deshalb fünf Remis zu Buche.

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Sinquefield Cup, Rd.3: "Der Sturm gewinnt Spiele doch die Abwehr Meisterschaften"

Vachier-Lagrave 1/2 Svidler

Maxime Vachier-Lagrave startete mit einem schönen Sieg über Wesley So in das Turnier, kam daraufhin mit Schwarz zu einem problemlosen Remis gegen Hikaru Nakamura und durfte heute als einer der Tabellenführer mit den weißen Steinen gegen Peter Svidler antreten. Die Möglichkeit für den Franzosen, den Score auf 2.5/3 auszubauen?

 

Maxime Vachier-Lagrave lässt eine große Chance liegen

Anand 1/2 Carlsen

Ebenso bei +1 lag vor der Runde Magnus Carlsen. Gegen Vishy Anand griff er heute auf jene Variante zurück, die ihm vergangenen November um ein Haar den Weltmeistertitel gekostet hätte. Wir erinnern uns: Nach sieben Remis verlor Carlsen durch zu überschwängliches Angriffsspiel die achte Runde und fand sich - entgegen der Erwartungen aller Schachfans und -kommentatoren - plötzlich im Hintertreffen. In der neunten Runde musste der Weltmeister mit Schwarz antreten und variierte innerhalb der spanischen Eröffnung: weg vom bisher so felsenfest stehenden, aber etwas remislichen Marshall-Angriff, hin zur sog. Archangelsk-Variante, einem Abspiel, das auf Topniveau nur noch selten anzutreffen ist. Carlsen hatte eine sehr schwere Partie und Karjakin hätte fast auf +2 erhöht...

Carlsen packt trotz schlechter Erfahrungen vom WM-Match in New York seine Geheimwaffe ...Lc5 aus.

Vishy Anand und sein langjähriger Sekundant Grzegorz Gajewski: von Team Carlsen überrascht!

 

So 1/2 Nakamura

Als ebenso zäher Verteidiger wie Anand und Svidler erwies sich Hikaru Nakamura. Gegen Wesley So kam er in einer italienischen Partie in eine leicht schlechtere Stellung und musste in einem Endspiel harte Arbeit leisten.

 

Interessante Einblicke das Endspiel "4 vs 3" gab Nakamura im Interview mit Maurice Ashley. So seien die Leichtfigurenendspiele, ebenso wie Endspiele mit Damen und den beiden Leichtfiguren wohl verloren. Springer vs Springer ist gewonnen, Läufer vs Läufer nur Remis, da der Läufer die falsche Farbe hat, d.h. das Umwandlungsfeld des h-Bauern nicht kontrolliert. Deshalb muss Nakamura unbedingt aktiv spielen und so das Endspiel 3 vs 2 forcieren.

Endspiellehrstunde mit Hikaru Nakamura:

 

 

 

 

 

 

 

Hikaru Nakamura erklärt Endspiele

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Karjakin 1/2 Aronian

Wenig Spannung kam in der Partie zwischen Sergey Karjakin und Levon Aronian auf. Beide schienen von ihrer Niederlage in der vorhergehenden Runde etwas gebeutelt und keiner sah einen zwingenden Grund, einer frühen Zugwiederholung auszuweichen.

Aronian war mit seiner Stellung nicht vollauf zufrieden und akzeptierte die frühe Punkteteilung

Caruana 1/2 Nepomniachtchi

Einen sehr unglücklichen Start ins Turnier erlebte der Newcomer Ian Nepomniachtchi. Vergessene Vorbereitung in Runde 1, sowie ein fast peinliches Übersehen in Runde 2 (17.f4? - Lxc3) sorgten für wenig Freude bei den Fans des Moskauers. Die heutige Partie gegen Fabiano Caruana war ein ebenso ein heißer Ritt, am Ende konnte der furchtlose aufspielende Nepo allerdings einen ersten halben Punkt ergattern.

 

Ein erstes Erfolgserlebnis für Ian Nepomniachtchi

Tabelle nach 3 Runden

 

 

Alle Partien

 

 

Fotos: Lennart Ootes (Grand Chess Tour)

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Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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