Van Foreest gewinnt niederländische Meisterschaften

von Marco Baldauf
30.08.2016 – Vergangenen Sonntag endeten die niederländischen Meisterschaften mit einem Paukenschlag: der 17-jährige Jorden van Foreest gewann souverän und verdient den Titel. Nach 114 Jahren Unterbrechung geht dieser Pokal also wieder in Hause van Foreests, denn bereis sein Ur-Urgroßvater Arnold konnte dreimal Landesmeister werden. Chessbase hat mit dem überglücklichen Gewinner gesprochen. Mehr...

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Die niederländischen Meisterschaften wurden von 21. bis 28. August in Amsterdam ausgetragen. Im Format eines siebenrundigen Rundenturniers kämpften acht Großmeister um den Titel. Von den Niederländischen Top-Spielern fehlten lediglich der vierfache Champion und Titelverteidiger Anish Giri und Robin Van Kampen (Nr. 3 der Eloliste). Als nomineller Favorit ging der siebenfache Champion Loek Van Wely (2657 Elo) ins Rennen, doch auch mit Erwin L'Ami (2606 Elo) und den beiden Nachwuchsspielern, Jorden van Foreest (2601) und Benjamin Bok (2599) war zu rechnen.

Loek van Wely ging als nomineller Favorit in die Meisterschaft.

Doch bereits nach drei Runden deutete sich an, dass hier ein Spieler mit sehr großen Ambitionen nach Amsterdam gekommen war: Jorden van Foreest legte einen grandiosen Start hin, besiegte in den ersten drei Runden L'Ami, Van den Doel und Bok und setzte sich mit 3.0/3 an die Tabellenspitze, einen ganzen Zähler vor Van Wely und Werle.

Der 17-jährige Überraschungssieger Jorden van Foreest: "Ich erwartete keineswegs in der Lage zu sein, gar den Titel gewinnen zu können."

Zu seinen Erwartungen bei seiner ersten Teilnahme bei der Landesmeisterschaft und seiner Vorbereitung äußerte sich Jorden van Foreest:

"Ich habe bei den Niederländischen Meisterschaften noch nie zuvor mitgespielt und ursprünglich war ich gar nicht zu dieser Veranstaltung eingeladen und musste ein Qualifikationsturnier spielen um überhaupt teilnehmen zu können. Dann entschied sich mein Trainer Tiviakov jedoch plötzlich, seine Teilnahme bei den Meisterschaften abzusagen und ich bekam den freien Platz, ohne das Qualifikationsturnier überhaupt spielen zu müssen."

Sergey Tiviakov, Chessbase-Autor zahlreicher DVDs und Jorden Von Foreests Trainer.

"Da ich mit Ausnahme meines ziemlich schlechten Turniers in Vlissingen kurz vor dem Turnier generell recht gutes Schach gespielt hatte war ich bezüglich meiner Chancen recht zuversichtlich. Jedoch erwartete ich keineswegs in der Lage zu sein gar den Titel zu gewinnen. Ich wollte einfach probieren mein bestes Schach zu zeigen und wäre mit einem Ergebnis über 50% zufrieden gewesen. Zur Vorbereitung arbeitete ich hauptsächlich an meinen Eröffnungen, trainierte aber auch ein paar Endspiele mit meinem Trainer Tiviakov."

Jorden van Foreest legte mit 3.0/3 einen Blitzstart hin.

In der vierten Runde kam für den jüngten Teilnehmer im Feld jedoch etwas Sand ins Getriebe, als eine komplizerte Partie gegen Reinderman verloren ging. Der frischgebackene Meister hat die Partie für Chessbase mit Anmerkungen versehen:

 

Auftakt zu einer spannenden Partie: "Reinderman gelang es, mich in der Eröffnung zu überraschen und spielte dann einfach besser als ich."

Van Foreest ließ sich von dieser Niederlage jedoch keineswegs beeindrucken und spielte am darauffolgenden Tag eine starke Partie gegen Sipke Ernst:

"Dieses Jahr hatte ich bereits dreimal gegen Sipke Ernst verloren, der für lange Zeit mein Trainer war. Jedoch fühlte ich mich vor der sehr zuversichtlich, da nach der gestrigen Niederlage gegen Reinderman zu meiner völligen Überraschung meine Freundin Sonja Bluhm nach Amsterdam gekommen war. Auch mein langjähriger Sponsor Kees Eldering schrieb mir einige sehr aufbauende Nachrichten und das gab mir viel Selbstvertrauen, sodass die Partie gegen Reinderman völlig vergessen war."

Ein erneutes Qualitätsopfer van Foreests gegen seinen langjährigen Trainer Sipke Ernst, der in der Schachbundesliga für den Hamburger SK spielt.

 

Chessbase fragte van Foreest, ob er denn ein Student Petrosians sei, denn der 9. Weltmeister gilt als Meister des Qualitätsopfers:

"Zufälligerweise hatte ich einige von Petrosians Partien vor diesem Turnier studiert, aber nicht speziell seine Qualitätsopfer. An sich habe ich nicht wirklich ein schachliches Idol, jedoch mochte ich schon immer Kasparovs Partien."

Tigran Petrosian: der neunte Weltmeister ist immer eine gute Quelle der Inspiration. (Foto: Archiv)

Nach fünf Runden führte van Foreest nun mit 4.0/5 und einem halben Punkt vor Van Wely, das direkte Aufeinandertreffen in Runde 6 endete Remis.

Van Foreest grübelt über der Stellung, Van Wely steht im Hintergrund. Letztlich endet diese turnierentscheidende Partie nach langem Kampf Remis.

In die letzte Runde ging van Foreest also mit einem halben Punkt Vorsprung, doch nachdem Van Wely seine Partie gegen van den Doel relativ gewinnen konnte, war klar, dass nur ein Sieg über Werle die Führung über die Ziellinie bringen würde, im Falle eines Remis würde ein Stichkampf gespielt werden.

Auftakt zur wichtigen Letztrundenbegegnung zwischen Jan Werle und Jorden van Foreest.

Van Foreest kommt in einem Königsinder sehr gut aus der Eröffnung, schnappt sich das Läuferpaar in offener Stellung und kann schon bald einen Bauern am Damenflügel gewinnen. In der technischen Phase behält er die Nerven und wird verdient niederländischer Meister 2016.

Über diesen Erfolg äußerte sich der junge Champion euphorisch:

"Es ist ein großartiges Gefühl und ich bin sehr glücklich nun in einer Reihe mit großen Champions wie Euwe und Timman zu stehen.".

Jorden entstammt einer Familie mit langer Schach-Tradition: Bereits sein Ur-Urgroßvater Arnold van Foreest (1863-1954) gewann dreimal die Niederländischen Meisterschaften, zuletzt vor geschlagenen 114 Jahren. Es bleibt abzuwarten, wann Jorden seinen Vorfahren in der Titelanzahl überholen wird. Denn in Bezug auf seine Zukunft äußert sich Jorden optimistisch:

"Ich möchte ein professioneller Schachspieler werden, aber ich beende auch meine Schule, da ich es für eine gute Idee halte, auch die Möglichkeit zu haben, etwas außer Schach zu machen falls ich es nicht bis ganz an die Spitze schaffe und irgendwo stecken bleibe."

Der glücklich Gewinner plant eine Karriere als Schachprofi und möchte es ganz an die Spitze schaffen.

"Im Moment trainiere ich hauptsächlich mit Tiviakov, aber von Zeit zu Zeit gehe ich zu jemand anderem in ein Trainingslager. Dieses Jahr hatte ich zum Beispiel eine zehntägiges Training mit dem russischen Großmeister Alexey Dreev."

Kommende Saison dürfen sich Fans der Schachbundesliga auf sein Engagement bei der DJK Aufwärts Aachen freuen. Aachen ist vergangene Saison aus der 2. Liga West aufgestiegen und tritt mit einer sehr starken in der Bundesliga an. Van Foreest äußert sich über die Aussichten auf die anstehende Spielzeit mit einer Kampfansage an die arrivierten Vereine der Schachbundesliga:

"Ich bin sehr aufgeregt, für Aachen zu spielen. Wir haben ein relativ junges Team, was uns helfen wird, da wir so eine Menge Energie und Kampfgeist in unserem Team haben. Ich denke, dass wir sehr weit oben in der Tabelle landen können und ich werde natürlich versuchen meinen Teil beizutragen."

 

Endstand nach sieben Runden:

Loek Van Wely, siebenmaliger Niederländischer Meister, wird Zweiter ...

... vor Erwin L'Ami (hier in seiner Viertrundenbegegnung mit Van Wely), der mit 3.5/7 nach Wertung Dritter wird.

Partien:

 

 

Frauenmeisterschaft:

Endstand nach 7 Runden:

Während van Foreest bei den Männern seine Führung nie aus der Hand gibt und souverän gewinnt, ist die Tabellenlage bei den Frauen deutlich unübersichtlicher. Nach sechs gespielten Runden liegen mit Lisa Hortensius, Anne Haast und Iozefina Pualet gar drei Spielerinnen punktgleich an der Tabellenspitze, nach der siebten Runde muss ein Stichkampf zwischen Haast und Paulet über die Siegerin entscheiden.

Stichkampf um den ersten Platz:

Anne Haast (l.): Niederländische Meisterin 2016.

Knapp dahinter: Iozefina Paulet (r.)

Partien Frauenmeisterschaft:

 

 

Turnierseite

Homepage Jorden van Foreest

Fotos: Turnierseite / Harrie Gielen



Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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