Die Kunst der Berechnung ist das Rückgrat jeder erfolgreichen Schachpartie. Sie erlaubt es, tief in Varianten einzutauchen, taktische Schläge präzise zu finden und strategische Entscheidungen mit konkreten Berechnungen abzusichern. Doch so faszinierend das Rechnen im Schach auch ist, so anspruchsvoll kann es sein: Ein kleiner Fehler in einer langen Berechnung kann ein Meisterwerk in eine Katastrophe verwandeln. Großmeister Surya Shekhar Ganguly – langjähriger Sekundant von Weltmeister Viswanathan Anand und erfahrener Großmeister mit einer Höchst-Elo von 2676 – nimmt sich in diesem Kurs der anspruchsvollen Disziplin des Kalkulierens an.
Im Verlauf des Kurses behandelt Ganguly fünf verschiedene Themenbereiche, die entscheidend sind, um erfolgreich zu rechnen. Jeder dieser Themenbereiche wird ausführlich erklärt und mit Beispielen gefüttert.
Diese Themenbereiche sind:
Der Kurs ist zum Mitarbeiten gedacht und es werden immer wieder anspruchsvolle Aufgaben gestellt, die volle Konzentration erfordern.
Das folgende Beispiel stammt aus dem Kapitel Short Calculation:

Weiß ist am Zug und seine Stellung ist, wenn keine Taktik vorliegt, etwas angenehmer, doch mit dem Zug 1.Txg4!! und dem nach 1…Dxg4 folgenden 2.Dxa6!! kann man zuerst die Dame nach g4 locken und den Verteidiger des Feldes f6 entfernen.

Nachdem man diese Züge sieht, ist es sehr verlockend, die Berechnung zu beenden und 1.Txg4 auszuführen. Allerdings ist es extrem wichtig nach möglichen Verteidigungsideen des Gegners zu suchen und in diesem Fall verfügt Schwarz über den Konterschlag 2…Dxe4!

Nun hängen sowohl der Te1, als auch die Da6. Auf 3.Txe4 würde 3…bxa6 folgen und ein ausgeglichenes Endspiel erreicht werden. Weiß besitzt aber eine Möglichkeit, die den Turm deckt und die Dame rettet: 3.Da5!

Der Ball liegt nun wieder im schwarzen Spielfeld, da die Dame und der Turm angegriffen sind.
Schwarz kann in dieser Stellung noch zwei Fragen stellen: 3…b6?! startet einen Gegenangriff, welcher allerdings mit 4.Dg5+ leicht pariert werden kann. 3…Dd5 zieht die Dame aus dem Angriff heraus und deckt den Td8, doch Weiß hat noch eine letzte Ressource!

4.Te8!
Auf 4…Txe8 folgt 5.Dxd5 und auf 4…Kg7 folgt 5.Dxd8 wonach Schwarz einen Turm weniger hat.
Diese Berechnung geht zwar insgesamt nur vier Züge tief, doch erfordert sie zum einen Selbstkontrolle, um nicht, nachdem man die Taktik gesehen hat, direkt Txg4 zu spielen, sondern danach noch konsequent nach Verteidigungen zu suchen. Zum anderen erfordert die Aufgabe auch viel Kreativität, da die nötigen Ressourcen oft scheinbar unmögliche Züge involvieren.
Die Videos enthalten oft auch Tipps die sich auf Rechen- und Trainingsmethoden beziehen wie zum Beispiel das folgende Video zum Thema Elimination.
In seinem Kurs „Calculation 1“ beschäftigt sich Surya Shekhar Ganguly mit fünf essenziellen Bereichen der Variantenberechnung. Er stellt dabei anspruchsvolle Aufgaben, die zwar viel Hingabe zur Berechnung erfordern, aber dafür einen umso größeren Trainingseffekt hervorrufen. Neben schachlichen Erklärungen liefert er gelegentlich auch interessante Anekdoten und allgemeine Trainingstipps, welche einen auch noch nach dem durcharbeiten des Kurses begleiten. Ganguly lehrt der Zuschauer viel Disziplin beim Training und zeigt ihm die eigenen Schwächen auf. Ich kann diesen Kurs jedem Spieler empfehlen, der mit voller Motivation sein Schachspiel verbessern möchte.
Surya Shekhar Ganguly ist einer der am meisten ausgezeichneten Großmeister, die Indien hervorgebracht hat. Zu seinen größten Erfolgen zählen der Gewinn der Nationalen Meisterschaft, die er von 2003 bis 2008 sechs Mal in Folge gewann, die Asiatische Kontinentalmeisterschaft im Jahr 2009 und so bedeutende offene Turniere wie das Fujairah International Open im Jahr 2012 und das Belt and Road Open im Jahr 2019. Er vertrat Indien auch bei sechs Olympiaden und holte zweimal Einzelgold bei der Mannschaftsweltmeisterschaft, 2010 und 2019. Außerdem gehörte er zu dem Team von Sekundanten, das Vishy Anand in drei Weltmeisterschaftskämpfen zum Sieg verhalf, und zwar gegen Kramnik, Topalov und Gelfand in den Jahren 2008, 2010 und 2012.