17. Deutscher Schulschachkongress in Knechtsteden ein voller Erfolg

von Jörg Schulz
12.11.2025 – Im malerischen Knechtsteden trafen sich am vergangenen Wochenende Lehrkräfte, Schachtrainer und Bildungsexperten zum Deutschen Schulschachkongress – einem inspirierenden Treffpunkt rund um Schach und Lernen. In Workshops, Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, wie vielfältig Schach heute im Unterricht eingesetzt werden kann: als Motor für Konzentration, Fairness und kreatives Denken. Der Kongress zeigte eindrucksvoll, dass Schulschach längst mehr ist als ein Spiel – es ist gelebte Bildungskultur. | Fotos: Laura Schalkhäuser (Titelbild v.l.n.r.: Jörg Schulz, Marco Bode, Rainer Woisin, Artur Jussupov), Herbert Eppninga, Walter Rädler, eigene

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Am Norbert-Gymnasium Knechtsteden (NGK) drehte sich am Wochenende vom 7. bis 9. November 2025 drei Tage lang alles um das Schulschach. Die Veranstaltung begann am Freitag mit einem verkürzten Schulschachpatent mit Walter Rädler und rund 20 Teilnehmenden.

Das Gymnasium ist eingebettet in die Klosteranlage Knechtsteden, die am Freitagnachmittag besucht werden konnte. | Foto: Laura Schalkhäuser

Podiumsdiskussion „Schach als Bildungsangebot“

Am Freitagabend war zur Podiumsdiskussion eingeladen mit dem Titel „Schach als Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche“. Über 100 Teilnehmer:innen nahmen die Chance wahr, sich mit Marco Bode, der Fußballlegende vom SV Werder Bremen, Rainer Woisin, dem Geschäftsführer von ChessBase, und GM Artur Jussupov über das Thema Schach als Teil der Schulbildung auszutauschen. 

Zuerst stellte sich Marco Bode dem Thema im lockeren Talk mit Jörg Schulz, dem Vorsitzender der Deutschen Schulschachstiftung e.V. Er stellte die Bremer Schulschachinitiative „Schach macht schlau“ vor. Marco Bode ist seit Schülertagen, als er keinen Platz in der Fußball-AG seiner Schule fand und in der Schach-AG landete, ein begeisterter Schachspieler mit beachtlicher Spielstärke. Er engagiert sich in verschiedenen sozialen Initiativen und Schülerinnen und Schüler liegen ihm besonders am Herzen. Marco Bode gründete die Initiative „Das erste Buch“. Diese fördert die Schreib- und Lesefähigkeiten von Grundschülern.

2018 entstand aus diesem Projekt heraus die Idee, mithilfe des Schachspiels die Entwicklung von Kindern weiter zu fördern. Unter dem Motto „Schach macht schlau“ wurde Schach als Schulfach in Bremen und Bremerhaven an Grundschulen etabliert. Seitdem haben Kinder jede Woche die Möglichkeit, eine Stunde Schach im regulären Unterricht zu bekommen, komplett ausgestattet mit Arbeitsheften, Schachspielen und Lernsoftware.

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Die Methodik und Didaktik für den Schachunterricht bringt das Hamburger Unternehmen ChessBase mit ihrer Fritz&Fertig-Familie ein, die von dem Pädagogen Björn Lengwenus entwickelt wurde. Mit den Lehrer:innenheften werden die Grundschullehrerinnen und -lehrer geschult, die Schüler:innen erhalten die Schüler:innenhefte von Fritz&Fertig.

Rainer Woisin und Marco Bode berichteten von ihren Aktivitäten, das Bremer Projekt auf andere Bundesländer zu übertragen. Zusammen mit der „Allianz für Schule plus“, eine große Bildungsinitiative des deutschen Stifterverbandes, bereisen sie nach und nach die Bildungsministerien der Bundesländer und stellen das Bremer Projekt vor. Derzeit sieht es so aus, dass das Projekt in einem Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern übernommen wird und auch Schleswig-Holstein zeigt sich sehr interessiert.

Zum Abschluss sprach sich GM Artur Jussupov für Schach an Schulen aus. „Durch Schach lernt man, wie man lernt, gerade während der Kindheit. Schach ist ein Modell für das Lernen“, so Artur Jussupov. „Ich würde mir wünschen, dass Schach Teil des schulischen Bildungssystems wird, wie in Bremen.“

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Vor der Podiumsdiskussion hatten Schulleiter Johannes Gillrath, Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld und die stellvertretende Landrätin Angela Stein-Ulrich die Teilnehmer:innen begrüßt.

Umrahmt wurde der informative Abend mit musikalischen Topleistungen von Schülerinnen und Schülern des Norbert-Gymnasiums. David Teng spielte den 1. Satz der Sonate C-Dur von W.A. Mozart, Yuchen Wang die Polonaise cis-moll von F. Chopin und den 1. Satz f-moll von L. Beethoven. Am eigentlichen Kongresstag, dem Sonnabend, begeisterte auf der Eröffnungsveranstaltung Duc-Thien Huynh mit F. Chopin (Fantasie-Impromptu cis-moll). Viele der Anwesenden waren überzeugt, einen späteren Klaviervirtuosen gehört zu haben.

Schulschachkongress mit 21 Workshops

Zum Kongress reisten rund 130 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Schweiz, Finnland und den Niederlanden an.  Sie konnten am Sonnabend und Sonntag aus 21 Workshops ihr jeweils eigenes Bildungsprogramm zusammenstellen.

Das Angebot deckte viele Bereiche des Schulschachs ab. Wie geht man mit schwierigen Kindern, Jugendlichen um (Lothar Handrich), wie baut man eine Mädchengruppe auf (Dr. Michael Scharfenberg), wie macht man Schüler:innen zu Multiplikatoren, um selbst in Grundschulen Schach zu unterrichten (Detlef Schalow), wie sieht ein Schachangebot für Erstklässler aus (Laura Schalkhäuser), wie arbeitet man mit der Fritz&Fertig-Didaktik und -Methodik (Rainer Woisin), wie kann man Lichess im Schachunterricht einsetzen (Uwe Brehm), wie wächst man an Herausforderungen (Harald Schneider-Zinner), wie kann man Denkschulungen am Schachbrett mit Kindern durchführen (Manfred Grömping), welche Rolle spielt die mentale Stärke beim Schach, in der Schule (Jürgen Walter), wie wurde das Arena-System des Brackeler Schachlehrganges weiterentwickelt (Christian Goldschmidt, was kann das Schachlernprogramm Chessity aus den Niederlanden (Janton van Apeldoorn), was findet man alles in Walters Schatzkiste (Walter Rädler), wie bietet man Schach an Förder- und Sonderschulen an (Harald Niesch), um nur einige der Themen zu nennen.

Die durch die Referent:innen kompetent geleiteten Workshops sind das Kernstück des Kongresses und bieten den Lehrerinnen und Lehrern, ob aus Grundschulen oder weiterführenden Schulen, viele neue Anregungen für ihre Schacharbeit an den Schulen. | Foto: Herbert Eppninga

Schüler:innentraining mit Artur Jussupov

Aufgrund der guten Möglichkeiten im Norbert-Gymnasium kam man auf die Idee, den Kongress um ein Training mit Schülerinnen und Schülern aus dem Rhein-Kreis-Neuss zu erweitern. Die Grundschulen und weiterführenden Schulen konnten jeweils fünf Kinder und Jugendliche für ein Anfängertraining oder ein Training für Fortgeschrittene entsenden. Das Angebot wurde von zehn Schulen des Kreises wahrgenommen. Höhepunkt für die Schülerinnen und Schüler war dabei, dass sie jeweils eine Trainingseinheit von GM Artur Jussupov, einem der weltweit profiliertesten Trainer, erhielten. Ein einmaliges Erlebnis für Alle!

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Tolle Organisation durch das Norbert-Gymnasium

Der Kongress wurde organisatorisch umsorgt von verschiedenen Schüler:innenteams, die sich um die Technik, um die Verpflegung, um das Rahmenprogramm kümmerten. Begleitet von Kolleginnen und Kollegen des Schach-AG Leiters Dr. Michael Scharfenberg, der im Norbert-Gymnasium die Organisation verantwortete. Das war für alle eine imponierende Leistung.

Am Freitagnachmittag veranstaltete das Norbert-Gymnasium zudem ein Schüler:innenturnier und im Rahmen der Siegerehrung verlieh Helge Frowein, Schulschachreferent der DSJ, das Qualitätssiegel Deutsche Schachschule in Silber an die Schule.

Auszeichnung Deutsche Schachlehrer des Jahres

Im Rahmen der schachpädagogischen Nacht wurde Thomas Kranich (links, Foto: Walter Rädler) die Auszeichnung „Schachlehrer des Jahres“ übergeben. Thomas Kranich war 2015 schon bayerischer Schachlehrer. Er war einer der ersten Lehrer, der in Bayern Schach im regulären Unterricht etablierte. Seit Jahren nahm seine Schule, die Hans-Böckler-Schule in Fürth, an den Deutschen Meisterschaften WK Haupt- und Realschule teil. Er unterrichtet Schach in Klasse 5 und 6 sowie im Rahmen eines Wahlfaches und gibt jede Woche sechs Stunden Schachunterricht.

Schach und Literatur beim Deutschen Schulschachkongress

Joyce van der Meijden aus den Niederlanden hat mit „Simon der Schachspieler – der gemeine Arnold“ ein sehr schönes Schachlesebuch herausgebracht, was für Kinder sehr, sehr gut geeignet ist. In Niederländisch sind schon drei sehr erfolgreiche Bände erschienen, jetzt ist der erste Band ins Deutsche übersetzt worden.

Joyce van der Meijden

Das deutsch-österreichische Autorengespann Laura Schalkhäuser und Harald Schneider-Zinner hat ebenfalls ein sehr lesenswertes Kinderschachbuch herausgebracht: „Mein Schachabenteuer“.

Beide Bücher wurden auf dem Kongress präsentiert und von den Autorinnen signiert.

Deutsche Lehrkräftemeisterschaft

Die drei Schachtage des Schulschachkongresses endeten mit der Deutschen Lehrkräftemeisterschaft. Über 30 Lehrerinnen und Lehrer, AG-Leiterinnen und AG-Leiter stellten sich in den Gruppen „Meister“ und „Hobby“ trotz des anstrengenden vorherigen Programms den fünf zu spielenden Runden. Der Deutsche Meister 2025 wurde Lukas Schimnatkowski von den Schachfreunden Essen-Katernberg.

Das Turnier fand unter der Leitung von Michael Nagel in sehr freundschaftlicher Atmosphäre statt.

Die Pokalgewinner:innen in den verschiedenen Kategorien (unter anderem Grundschule, Gymnasium, Berufsschule, Förderschulen etc.). Vorne im grauen Pullover der Deutsche Meister. | Foto: Veranstalter

Schulschachkongress 2026

In den Kalendern der Teilnehmenden steht das Wochenende vom 27. bis 29. November 2026 als Termin für den nächsten Schulschachkongress. Er findet in der Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg statt. Die Schulleitung der Stadtteilschule wird gebildet von Björn Lengwenus und Jan Pohl. Das verspricht viel. Wir sind gespannt!


Jörg Schulz war über viele Jahre Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend.