Angreifen mit dem Wolgagambit (Rezension)

von Dr. Thorsten Heedt
24.01.2018 – Der aus Costa Rica stammende Großmeister Alejandro Ramirez vereint zwei Talente. Er versteht als Großmeister sehr viel vom Schach und er kann seine Erkenntnisse vor der Kamera auf lehrreiche Weise präsentieren. Dr. Thorsten Heedt hat sich Ramirez' DVD zum Wolga-Gam,bit angeschaut.

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Angreifen mit dem Wolgagambit von Alejandro Ramirez

Alejandro Ramirez (*1988), ein Großmeister aus Costa Rica, der seit 2010 für die USA spielt, war früher nach Karjakin der zweitjüngste Großmeister der Welt, sein größter Erfolg war wohl der Gewinn des Zonenturniers in San José 2004, womit er sich seinerzeit zur FIDE-Weltmeisterschaft qualifizierte, dabei aber schon in der ersten Runde gegen Rustam Kasimdzhanov ausschied. Von ihm sind bei ChessBase auch noch ein Teil 2 über das Wolgagambit sowie DVDs über die Reti- Eröffnung, eine Sizilianische Variante (Taimanov-Scheveningen) sowie die Ragosin-Verteidigung erschienen.

 

Die DVD behandelt verschiedenerlei Varianten, die nach 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 b5 entstehen, ist in englischer Sprache und hat eine Videospielzeit von 3 h 44 min. Im Vergleich zu manch anderer DVD erscheint sie zunächst fast kurz, aber dafür überzeugt die DVD durch gedankliche Klarheit und gute Struktur, die Abspieldauer erscheint letztlich für den Preis angemessen. In der vorliegenden DVD zeigt GM Ramirez, dass Schwarz in den allermeisten Fällen hervorragende Aussichten auf aktives (Gegen-)Spiel bekommt für den geopferten Bauern, oft ist Weiß sogar derjenige, der eine ziemlich passive, perspektivlose Stellung bekommt, wenn er sich nicht gut auskennt.

In gewohnt eloquentem, präzisen und pointierten Stil, unterhaltsam, kenntnisreich, sachlich, verständlich, wie schon von seinen anderen DVDs bekannt, gibt der (mittel)amerikanische Großmeister eine schöne Übersicht über das System und Anhaltspunkte insbesondere für das schwarze Spiel. Zunächst gibt er hilfreiche Hinweise zu den typischen Bauernstrukturen, die entstehen können. Das Fianchettosystem mit g3 stellt er ausführlich dar und zeigt anhand der Partie Reigadas-Vallejo, wie man rasch unter die Räder geraten kann, wenn man sich als Weißer nicht auskennt. Mitunter bekommt man hier als Anziehender eine recht passive Stellung, sie ist mehr für geduldige Spieler wie Kramnik geeignet, dessen besondere Fähigkeiten er anhand der Partie Kramnik-Topalov demonstriert. In der Hauptvariante zeigt er zahlreiche lehrreiche Beispielpartien und arbeitet feinste Nuancen der Zugfolgen heraus. Desweiteren analysiert er in extenso Partien, in denen Weiß künstlich rochiert unter Verwendung der Züge g3 oder h3. Die Variante mit b6, wo Weiß nicht wie üblich in den ersten Zügen auf a6 nimmt, schließt er mit dem Fazit ab: „Black is ok“.

 

Die f3-Variante demonstriert er anhand einer Glanzleistung von Nakamura, es wird deutlich, dass sie für Schwarz oft gefährlich sein kann, wenn man nicht gut vorbereitet ist. Dies gilt auch für die „Ruhige Variante“ mit e3, die nicht ohne Gift ist. Auch die Sf3-Variante ist ernst zu nehmen, hier gibt er eine wunderbare Übersicht über die „little tricks“, die eigentlich überall lauern. Die Varianten mit anfänglich Sd2 und Dc2 handelt er auch ab, vor ihnen muss man aber keine Angst haben. Dies gilt auch für 5.Sc3, einen schwächeren Zug, den er nur der Vollständigkeit halber analysiert. Es folgen noch 5 Übungsbeispiele, die sehr lehrreich sind. Zum Abschluß analysiert er noch eine Partie Bareev-Kasparov, ein echtes Feuerwerk Kasparov‘scher Spielkunst; von dieser Musterpartie zeigt sich Ramirez besonders begeistert und widmet ihr sogar zwei Videos. Sie enthält jede Menge funkensprühender Varianten.

Insgesamt – wie alle Ramirez-DVDs – ist diese DVD erneut sehr lehrreich und eignet sich sogar fürs mehrfache Ansehen.

Angreifen mit dem Wolga-Gambit

Machen Sie 1.d4-Spielern das Leben schwer. Opfern Sie mit 3.b5 einen Bauern für dauerhafte Initiative. GM Ramirez zeigt Ihnen für alle Varianten glasklare Spielideen.

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Tip für Wolgaspieler:

In ChessBase Magazin 166 hat sich Karsten Müller mit typischen Wolga-Endspielen beschäftigt:

ChessBase Magazin 166

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Dr. med. Thorsten Heedt, MHBA, spielt bei der SG Porz, ist Psychiater und Psychotherapeut, Leitender Oberarzt der Klinik Königshof, Krefeld und war zweimal deutscher Ärztemeister im Schach (2007, 2014).
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