Bundeswehr kehrt ohne Knut zurück

von Ulrich Bohn
15.06.2018 – Die Bundeswehr reiste mit Knut im Gepäck zu Nato-Schachmeisteschaft in die USA, kehrte aber ohne Knut zurück. Knut ist die Trophäe für den Mannschaftsmeister. Nach einem starken Zwischenspurt in Runde sechs reichte es immerhin noch für Silber hinter Polen. Der Bundeswehr-Bericht von Ulrich Bohn. | Fotos: Karl Koopmeiners/ Bundeswehr

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Knut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Die 29. NATO Schachmeisterschaft wurde in diesem Jahr erstmalig in den Vereinigten Staaten von Amerika in der Zeit vom 04. bis 08.06.2018 ausgetragen. Natürlich war auch wieder ein deutsches Team am Start. Eine dreiköpfige Vorhut, u.a. der Berichterstatter, war bereits eine Woche zuvor aufgebrochen, um das Land und dessen faszinierende Natur zu erkunden. In Anbetracht der vielen tollen Eindrücke fiel es dann nicht gerade leicht danach wieder in den "Schach-Modus" umzustellen. Der Rest des Teams reiste erst später direkt zum Turnier an, mit im Gepäck dabei auch "Knut", eine bronzene Skulptur des mittelalterlichen Königs aus Dänemark. Diese Wandertrophäe konnte sich das deutsche Team im vergangenen Jahr in Ungarn als Gewinner der Mannschaftswertung sichern.
  
Austragungsort des Turniers war die Technische Universität der Stadt Lubbock (Texas). Für optimale Spielbedingungen sorgte insbesondere das Organisationsteam um Großmeister (GM) Alexander Onischuk, der vor einigen Jahren an der Universität ein Schachprogramm etabliert hat, um junge Studenten aller Spielstärken schachlich auszubilden und zu unterstützen.
  
Wie in jedem Jahr wurde das Turnier als siebenrundiges Einzelturnier mit Mannschaftswertung ausgetragen. Je Nation können bis zu sechs Spieler in der Mannschaft ihrer Nation antreten. Darüber hinaus können weitere Spieler in NATO oder Veteranen Teams zum Einsatz kommen.
  
Wohl in Anbetracht der für die europäischen Teams etwas kostspieligen Anreise nahmen in diesem Jahr 67 Spieler aus nur zehn Nationen teil, darunter jedoch drei Internationale Meister (IM), eine weibliche Internationale Meisterin (WIM) sowie zwei FIDE Meister (FM). Darüber hinaus war die Spielstärke in der Breite in diesem Jahr besonders hoch.
  
In der Mannschaftswertung, bei der die besten vier Spieler eines Teams berücksichtigt werden, galt das deutsche Team auch in diesem Jahr wieder als Favorit. Nach fünf Runden fand man sich aber mit anderthalb Punkten Rückstand auf Polen noch hinter dem griechischen Team auf einem etwas enttäuschenden dritten Platz wieder.

Durch einen fulminanten Zwischenspurt in der vorletzten Runde – 5,5 Punkte aus 6 - kämpfte man sich zwar auf einen halben Zähler wieder an beide Teams heran.

 

Elijah Everett war bester deutscher Spieler 

 

 

In der letzten Runde fehlte jedoch das letzte Quentchen Glück. So siegte Polen letztlich verdient mit einem halben Punkt Vorsprung vor Deutschland und einem weiteren halben Zähler vor Griechenland.

Somit trat Knut die Rückreise über den großen Teich nunmehr im Gepäck des polnischen Teams an. 

Im kommenden Jahr wird er aber auf jeden Fall wieder nach Deutschland zurückkehren. Denn dann findet die 30. NATO Meisterschaft in Berlin statt.

In der Einzelwertung waren in der Setzliste die deutschen Spieler IM Lorenz Drabke und FM Mark Helbig an den Positionen eins und zwei gesetzt. Hier kam es jedoch nach vier Runden zu dem Kuriosum, dass das griechische Geschwisterpaar, WIM Ekaterini Pavlidou und IM Anastasios Pavlidis, mit 100% vor dem Rest des Feldes an der Spitze lag.
Nach seinem Sieg in der fünften Runde gegen Mark Helbig konnte Anastasios Pavlidis mit zwei Remisen in den beiden Schlussrunden den Gesamtsieg in der Einzelwertung mit 6 Punkten sicherstellen.Einen halben Punkt dahinter kam der junge polnische Spieler Damian Graczyk, der ebenso wie Pavlidis ungeschlagen blieb, auf den zweiten Platz
Ein sehr gutes Turnier aus deutscher Sicht spielte der erstmalig im Team vertretene Elijah Everett. Nach seinem Partieverlust in der ersten Runde drehte er mächtig auf und erreichte mit ebenfalls 5,5 Punkten den dritten Platz.
Erwähnenswert auch der fünfte Platz von Oliver Nill, der mit 5 Punkten nach Feinwertung hinter Ekaterini Pavlidou ebenfalls ohne Partieverlust blieb.

Die deutschen Spieler wie auch die polnischen belegten vier der ersten zehn Plätze.

Die Platzierungen der deutschen Spieler im Einzelnen:

Elijah Everett, Schachfreunde Schöneck (5,5 Punkte / 3. Platz)
Oliver Nill, vereinslos (5 / 5.)
FM Mark Helbig, Klub Kölner Schachfreunde 1967 (5 / 6.)
IM Lorenz Drabke, Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden 1922 (5 / 7.)
Ulrich Bohn, Schachverein 03/25 Koblenz (4,5 / 13.),
Hans-Christoph Andersen, Schachfreunde Berlin 1903 (4 / 22.)
Guido Schott, Schachverein Hennef 1927 (4 / 28.)
Marko Sauer, SG Arnstadt-Stadtilm (3 / 41.)
Karl Koopmeiners, 1. Schach-Klub Troisdorf (2,5 / 53.)
 
Das Rahmenprogramm stand in diesem Jahr auch ganz im Zeichen des Schachs. Am „freien“ Mittwoch Nachmittag konnten die Spieler der NATO Meisterschaft am Lubbock Open, einem Schnellschachturnier, teilnehmen.

Am Freitag wurde parallel eine Simultanveranstaltung mit GM Onischuk sowie ein Blitzturnier ausgetragen. Im Blitzturnier bestätigte Elijah Everett seine gute Form. Mit 8,5 Punkten aus zehn Partien siegte er vor dem dänischen FM Finn Pedersen.
 
Alle Informationen zu Paarungen und Platzierungen der 29. NATO Schachmeisterschaft können auf der Internetseite www.natochess.com bzw. den dort verlinkten Seiten eingesehen werden.
 
In 2019 findet das Jubiläumsturnier, die 30. NATO Schachmeisterschaft, in Berlin statt. In Anbetracht der zentralen Lage wird mit einer hohen Spielbeteiligung der NATO Länder gerechnet.

Unterstützt wird dieses Turnier sowie auch bereits die Teilnahmen des deutschen Teams an bishierigen NATO Meisterschaften durch die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V..
 
Teaserbild: Das Bundeswehr Team, v.l.n.r.:  Ulrich Bohn, Marko Sauer, Elijah Everett, Hans-Christoph Andersen, FM Mark Helbig, Karl Koopmeiners, Guido Schott, IM Lorenz Drabke, Oliver Nill
 
  
 

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