Schach für positive Veränderungen
von Rasika Ratnaparkhi
Vor Kurzem las ich von der FIDE Global Conference on Chess in Society and Education. Das Programm soll Expert*innen diverser Felder aus der Gesellschaft und dem Bildungsbereich zusammenbringen, um über Schach als Mittel für positive soziale Veränderungen zu diskutieren. Fide-Präsident Arkady Dvorkovich sagte dazu:
Schach hat die einzigartige Eigenschaft, Bildung, soziale Programme und öffentliche Einrichtungen zusammenzubringen. Wenn es ordentlich organisiert wird und von engagierten Partnern unterstützt wird, können Menschen global erreicht werden und echte Möglichkeiten zum Lernen und zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geschaffen werden. Diese Konferenz ist dafür da, sich darüber auszutauschen, was funktioniert. Die Konferenz soll die Möglichkeit bieten, voneinander zu lernen und langfristige Kooperationen aufzubauen, so dass Schach eine bedeutende Rolle in der Bildung und bei sozialen Projekten auf der ganzen Welt einnehmen kann.
Ich habe einige Artikel darüber geschrieben, wie Schach Leben verändern kann. Sandip Upadhyay in Gujarat unterrichtet Schach kostenfrei an Schulen, Ephrame und Marlet versuchen in Tamil Nadu Leute vom Glücksspiel wegzuholen und dafür von Schach zu begeistern. Jede einzelne Person von ihnen arbeitet demselben Ziel entgegen: Sie wollen die Welt ein bisschen besser machen. Was mich bei diesen Geschichten jedes Mal fasziniert, ist, dass diese Geschichten nie durch einen großen Plan starten. Sie beginnen mit einer Person, die eine kleine Sache tut. Diese "kleine Sache" wird zu einer Gewohnheit und diese Gewohnheit führt zu positiver Veränderung.
Über diese Konferenz der FIDE zu lesen, erinnerte mich an diese Geschichten, die ins aus allen Himmelsrichtungen erreichen. Und es fühlte sich wie der richtige Moment an, eine weitere solche Geschichte mit euch zu teilen!
Ein Projekt, das von 11-jährigen Kindern gestartet wurde!
In diesem Kurs lernen wir, wie wir passiv Figuren in jeder Situation erkennen und wie wir Sie verbessern können, indem wir sie in aktive Felder bringen.
2023 wurden zwei 11-jährigen Schülern in Mumbai klar, dass Schach ihnen so viel gegeben hatte. Aaditya und Nehan spielten Schach seitdem sie klein waren. Es brachte ihnen Komfort und einen Weg, Freundschaften zu schließen. Sie überlegten, wie sie diese Erfahrungen mit Personen teilen könnten, die noch nie ein Schachbrett angefasst hatten. Mit der Unterstützung ihrer Mütter kontaktierten sie die AngelXpress Foundation, die mit Kindern von benachteiligten Communities in Mumbai arbeitet. Die Jungs begannen, Schach in Sewri zu unterrichten. Die Reaktionen überraschten sie! Kinder, die noch nie Schach gespielt hatten, lernten die Regeln un Windeseile. Sie waren neugierig und wollten lernen. Dies war die Geburtsstunde der Initiative Chess4Change.

Diese Kinder starteten etwas viel größeres, als sie sich hätten vorstellen können! | Foto: Chess4Change
Aaditya und Nehan hatten sich mit zwei anderen Jungen angefreundet, Krish und Vivaan. Zuerst waren sie Kontrahenten, dann freundeten sie sich miteinander an. Als Krish und Vivaan von Chess4Change hörten, wollten sie unbedingt mitmachen. Heute händeln die vier Schüler Schulaufgaben wie die meisten anderen Teenager, kümmern sich aber auch um Workshops, Spenden, Tutorials und reisen für ihre Projekte. Damit es funktioniert, teilen sie ihre Aufgaben untereinander auf, so dass sich Schach für sie weiterhin als Spaß und nicht als Verpflichtung anfühlt.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man durch Schach Freundschaften bilden und gemeinsam etwas bewirken kann! V.l.n.r.: Nehan, Krish, Vivaan und Aaditya | Foto: Mid-day

Mit den interessierten Kindern bei der AngelXpress Foundation | Foto: Chess4Change
Was mit ein paar Trainingseinheiten in Präsenz in Sewri startete, wurde schnell in weitere Bereiche getragen. AngelXpress gab ihnen den Startpunkt. Danach ging es weiter. Sie experimentierten mit Online-Training, Präsenzunterricht und verteilten gedrucktes Lernmaterial für Kinder, die nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Ressourcen hatten.
Als die FIDE 2025 zum "Year of Social Chess" erklärte, wuchs die Initiative. Ein Beispiel für eine mit dem Year of Social Chess verbundene Aktion: Zum Internationalen Tag des Schachs lud die FIDE die Welt ein, an besonderen Orten Schach zu spielen, wofür die Initiative diesen Post gestaltete. Später kooperierte Chess4Change mit Animedh Charitable Trust (ACT), eine NGO in Mumbai, die Frauen und Kinder in prekären Lebenssituationen unterstützt. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit stellten Näherinnen Kleidung und Stoffbeutel mit Schachmotiven her und bekamen für diese Arbeit Löhne, die über dem Marktpreis lagen. Das ACT-Team half auch dabei über die globale Gift of Chess Initiative aus New York, Schachsets an zwölf Schulen in Dadra Nagar Haveli (nördlich von Mumbai) zu verteilen. Hierbei handelte es sich um Schulen für Kinder aus Scheduled Tribes, dies sind staatlich besonders geschützte indigene Volksgruppen in Indien. Ein Programm führte zum anderen und so wurden weitere Schachsets an The Right Pitch (einer Organisation, die Schüler*innen Lebensskills in Verbidung mit Cricket vermittelt), Our Children (eine NGO in Mumbai, die Waisenkinder und Kinder mit schwierigem Elternhaus unterstützt) und staatliche Schulen in Bhilwara verteilt.

Wenn Schach auf Kunsthandwerk trifft! | Foto: Chess4Change

Handgemachte Stoffbeutel! | Foto: Chess4Change
Besonders im Gedächtnis sind die Momente von einem Workshop in Sewri geblieben. Dort gaben die Schüler von Chess4Change drei Kindern Trainingseinheiten beim Sewri BMC Garden. Aus drei Kindern wurden letztendlich beinahe zwanzig Kinder, die unbedingt Schach lernen wollten! Sie gaben auch einen Workshop in einem Gesundheitszentrum für krebskranke Kinder, dem AcessLife. Das Schachspiel gab den Kindern eine Ablenkung von den starken Medikamenten und den Sorgen vor den unvorhersehbaren Krankheitsverläufen. Eines der Kinder dort überraschte sie. Ein Junge spielte bereits selbstbewusst. Auf die Nachfrage, wie er Schach gelernt hatte, erzählte er, dass er online gespielt hatte bevor er krank geworden war. Dass er so ans Brett zurückkehren konnte, bedeutete ihm viel.
Das dynamische Spiel, basierend auf einem starken strategischen Fundament, hat mich von jeher fasziniert, und ich habe auf diesen DVDs die Varianten vorgeschlagen, die ich auch persönlich in der Praxis bevorzuge.

Diese Jungen geben seit zweieinhalb Jahren Schachtraining beim BMC Community Garden in Sewri | Foto: Chess4Change

Selbst in schwierigen Zeiten kann Schach Neugier wecken und für Spaß sorgen! Dieser Workshop beim Gesundheitszentrum für krebskranke Kinder in Chembur brachte den Kindern ein Lächeln ins Gesicht | Foto: Chess4Change
Stolz erzählen die Schüler von Veer, einem Jungen aus Sewri. Er ist seit zweieinhalb Jahren dabei und lernt trainiert fleißig bei Chess4Change. Er begann ohne Vorwissen und nimmt heute schon an Turnieren teil und hat bereits Partien gewonnen. Zu beobachten, wie Veers Selbstbewusstsein wächst, erinnert daran, weshalb diese Arbeit so wichtig ist.
Während des Frauen-Schachmonats wollte die Initiative etwas Besonderes machen. So entstand Queens of the Board, einer Reihe, die Frauen auf unterschiedlichen Wegen unterstützte: Neben dem Verkauf von Schach-Merchandise, den Näherinnen herstellten und dessen Erlös an Projekte zum Empowerment von Frauen ging, organisierten sie auch Workshops für 35 Mädchen, die in der Nähe von Slumsiedlungen lebten. Es gab auch eine digitale Serie, in der indische Schach-Pionierinnen wie Ambika K Kutty, Preeti Deshmukh und Jayashree Dangche vorgestellt wurden. Diese Spielerinnen setzten sich dafür ein, dass sich mehr Mädchen und Frauen dem Schachspiel, einem sonst sehr männlich-dominiertem Bereich, widmeten.

Schach-Workshop im Gemeinschaftszentrum Byculla | Foto: Chess4Change

Alle sind gespannt und wollen fleißig dazulernen! | Foto: Chess4Change

Die positive Aufregung - das erste Mal am Schachbrett! | Foto: Chess4Change
Unterstützt werden die Schüler von Chess4Change von Mentoren wie Praful Zaveri und individuellen Trainern wie Ketan Sir, Harsh Sir, Rajesh Sir, Sahil Sir and Prathamesh Sir. Die Trainer helfen den Schülern selbst besser zu werden, aber bringen ihnen auch bei, wie man andere trainiert. Die Mütter der Schüler helfen tatkräftig mit, von der Hilfe beim Transport bis zur Unterstützung, wenn spontan ein Problem auftaucht.
Chess4Change ist eine junge Initiative, so wie die Gründer. Sie versuchen nicht jedes Problem zu lösen. Ihr Ziel: Schach zu Menschen zu bringen, die sonst nicht damit in Berührung kommen. Langfristig wollen sie, dass Schach beim Lernen, beim über sich Hinauswachsen und bei Inklusion hilft - ein Lächeln wie bei Veer, mehr Frauen an den Brettern. Schach kann nicht alles lösen, aber es kann Türen öffnen.
DIE SCHACH-HORIZONT-ERWEITERUNG
In ChessBase gibt es immer wieder Ansätze, die typischen Pläne einer Eröffnungsvariante zu zeigen. Zwar ist Schach im Zeitalter der Engines viel konkreter als früher gedacht. Doch gerade Amateure lieben Eröffnungen mit klaren Plänen, siehe Londoner System. In ChessBase ’26 beschäftigen sich gleich drei Funktionen mit der Darstellung von Plänen. Im neuen Eröffnungsreport wird für jede wichtige Variante untersucht, welche Figurenzüge oder Bauernvorstöße darin wichtig sind. In der Referenzsuche sieht man jetzt auf dem Brett, wo die Figuren üblicherweise hingehen. Und startet man die neue Monte-Carlo-Analyse, zeigt auch hier das Brett die häufigsten Figurenpfade.

Früher waren sie junge Spieler, die für Trophäen spielten. Heute sind sie Mentoren, die Leben verändern! Das erste Foto stammt von den Nationals in Aurangabad (2019) und das zweite stammt von ihrer Arbeit für Chess4Change. | Foto: Chess4Change
Wird nicht jede Schachpartie durch Fehler entschieden? Absolut. Aber die meisten Spieler begreifen nie wirklich, dass sie immer wieder die gleichen Fehler machen.