Der Skandal aus Gibraltar im Pressespiegel

von Marco Baldauf
04.02.2017 – Die amtierende Weltmeisterin Hou Yifan protestierte in Gibraltar auf sehr ungewöhnliche Weise gegen das Paarungssystem und löste ein Echo in der internationalen Presse aus. Wie wurde der Vorfall bewertet und mit welchen anderen Protesten der Schachgeschichte ist der Skandal aus Gibraltar in Verbindung zu bringen? Mehr...

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Der Skandal aus Gibraltar im Pressespiegel

Hou Yifan löste vor wengen Tagen mit ihrer fünfzügigen Partie gegen den indischen GM Lalith Babu einen Skandal aus, Turnierdirektor Stuart Conquest sprach von der größten Krise, die das Turnier in 15 Jahren erlebt hat.

Was war passiert? Hou Yifan kam mit 25 Minuten Verspätung zur Partie und begann diese mit den Anfangszügen 1.g4 und 2.f3, nach drei weiteren beabsichtigt schlechten Zügen gab die amtierende Weltmeisterin in völlig verlorener Stellung auf.

 

Hou Yifan nach Beendigung ihrer Partie. (Foto: John Saunders)

In einem Interview nach der Partie erklärte Hou Yifan auf diese Art und Weise über die Paarungen des gesamten Turniers protestieren zu wollen. Nicht nur die Tatsache, dass sie in zehn Runden gegen sieben Frauen gelost wurde hätte sie sehr verägert, sie wolle damit auch für andere Teilnehmerinnen eintreten, die den unglaublichen Ergebnisses des Paarungssystems zum Opfer fielen.

Interview mit Hou Yifan und Brian Callaghan

 

Der Vorfall sorgte für großes Echo in der internationalen Presse: Die Internetseite der britischen Zeitung The Telegraph berichtete ebenso wie The Guardian, der einen Bezug zum wohl populärsten Protest eines Schachspielers, nämlich dem Fernbleiben Bobby Fischers in der zweiten Partie des Matches gegen Boris Spassky in Reykjavik 1972, herstellt.

Protest eines Schachweltmeisters: Herausforderer Bobby Fischer verweigert die zweite Partie des WM-Matches in Reykjavik. Boris Spassky verweilt eine Stunde am Brett, doch Fischer taucht nicht auf. (Foto:Archiv)

Auf gleiche Art und Weise protestierte Vladimir Kramnik im WM-Match 2006 gegen Veselin Topalov. Nach lauten Betrugsvorwürfen aus dem gegnerischen Lager verweigerte Kramnik zur fünften Partie anzutreten, am Ende gewann er das Match knapp und blieb Weltmeister.

Vladimir Kramnik und Veselin Topalov

Die bisher übliche Form des Protests sah ein Fernbleiben vom Brett à la Fischer vor, Hou Yifans Stil ist sicherlich gewöhnungsbedürftig aber auch energischer.

Die amerikanische Tageszeitung The Washington Post berichtete sehr neutral auf ihrer Internetseite, in den norwegischen Medien schlug der Hous Protest größere Wellen: So sprach Verdens Gang von einer "Skandalpartie".

Kritisch sieht auch Stefan Löffler im Schachblog der FAZden Anlass des des Protests: Zweifelsohne sei die Wahrscheinlichkeit gegen derart viele weibliche Gegnerinnen gelost zu werden sehr gering, dennoch sieht Löffler diesen Vorfall als Anzeichen blankliegender Nerven bei der Weltmeisterin. Gründe dafür seien neben der Tatsache, dass Hou Yifan das Prestigeduell gegen Ju Wenjun (Nr. 2 der Frauenweltrangliste) in Runde Acht nach nervenaufreibender Partie verlor auch ihr neue Tätigkeit als Werbeträgerin der Firma Tradimo.

 



Marco Baldauf, Jahrgang 1990, spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. Zwei Mal wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2015 spielt er für die Schachfreunde Berlin in der Bundesliga. Für Chessbase schreibt er gelegentlich auf der Homepage, kommentiert live oder versucht sich als Autor von Fritztrainern.

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