Deutsche Glanzlichter beim Europapokal

von Marco Baldauf
15.11.2016 – Mit den SF Berlin und dem SV Werder Bremen reisten vergangene Woche zwei Bundesligamannschaften zum Europäischen Vereinspokal nach Novi Sad (Serbien). Dass die Titelfrage von anderen Teams geklärt werde würde, war bei einem flüchtigen Blick auf die Startrangliste bereits klar. Doch vereinzelte Ausrufezeichen konnten von deutschen Teilnehmern gesetzt werden. Mehr...

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Deutsche Glanzlichter beim Europäischen Vereinspokal

Fotos: Lennart Ootes

Von 5. bis 13. November wurde in Novi Sad (Serbien) der Europäische Vereinspokal ausgetragen. Weltklassespieler wie Vladimir Kramnik, Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave waren mit von der Partie, insgesamt traten 62 Mannschaften im Open und 14 im Frauenturnier in sieben Runden gegeneinander an. Aus der Schachbundesliga waren mit Werder Bremen und den Schachfreunden Berlin zwei Teams vertreten. Für beide Vereine bei weitem nicht die erste Teilnahmme an diesem Wettbewerb, der seit 2001 im Schweizer System ausgetragen wird; vor dieser Umstellung wurde mit Vor- und Endrunde gespielt, was die Veranstaltung für Amateurmannschaften weniger attraktiv machte. Seit 2001 allerdings ist die Möglichkeit mit den stärksten Spielern der Welt in einem Turniersaal zu spielen gegeben - eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Für die SF Berlin begann der Europapokal auch gleich mit einem Traumlos, Auftakt an Tisch Zwei, gegen den späteren Sieger Alkaloid aus Mazedonien. Mit 1-5 schlugen wir uns wacker, die Differenz von drei- bis vierhundert Elo pro Brett war dann doch gewaltig.

"Traumgegner" Alkaloid als Auftakt für die Berliner Amateurtruppe in Novi Sad -auf dem Foto deren Bretter Vier und Fünf - Yu Yangyi und Yuriy Kryvoruchko.

Für eine faustdicke Überraschung hätte am Ende fast der Autor dieser Zeilen sorgen können:

Stellung nach 27...Kf7 in Baldauf-Andreikin, 32nd ECC (SF Berlin-Alkaloid)

Andreikin hatte mich in einer für ihn wohl recht langweiligen Partie standesgemäß überspielt, ich hatte mich aber mittels einen Springeropfers zumindest wieder ins Spiel gebracht und setzte hier mit 28.Sb5? zu lasch fort.

 

Tröstend war für mich der Gedanke, dass in der nachfolgenden Besprechung Andreikin ebenfall in keiner Sekunde an diesen Vorstoß gedacht hatte...

 

Insgesamt konnten die SF Berlin mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, nach zwei Niederlagen in den abschließenden Runden stand letztlich nur der enttäuschende 47. Platz zu Buche.

Der SV Werder Bremen war sicherlich mit größeren Ambitionen nach Novi Sad gereist, denn immerhin fanden sich drei Großmeister in ihrer Aufstellung wider. Brett Eins verwaltete der Nationalspieler Matthias Blübaum, der mit 4.0/7 ein gutes Resultat erzielte. Zwei Schwarzniederlagen gegen die Weltklasseleute Svidler und Harikrishna sollten verkraftbar sein.

Werder Bremen gegen den späteren Vizemeister aus St. Petersburg (1.5-4.5).

Ein Ausrufezeichen setzte der junge Spartak Grigorian, der an Brett Fünf eine IM-Norm übererfüllte.

Im Vereinspullover zur IM-Norm: Spartak Grigorian mit 5.0/7 und einer Elo-Performance von 2526.

Ein weiteres deutsches Glanzlicht konnte Jan Michael Sprenger setzen, der für seinen niederländischen Verein LSG IntelliMagic antrat. Nach Beendigung der sechsten Runde frohlockte der in Tillburg lebende IM bereits, er brauche nur noch einen Gegner mit über 2650 Elo um die zweite GM-Norm unter Dach zu bringen. Mit Loek van Wely (2685 Elo) bekam er dann sein Traumlos, die Schlussrundenniederlage schmerzte also wenig.

 

Insgesamt waren im Open 33 deutsche Teilnehmer, sie spielten meist wie Sprenger für ihre Clubs in Belgien, den Niederlanden oder Luxemburg.

Jan-Christian Schröder kam direkt von der OIBM Bad Wiessee nach Novi Sad und präsentierte sich gut warmgespielt. Für den luxemburgischen Verein mit dem klangvollen Namen The Smahing Pawns Bieles holte er 4.0/6 am Spitzenbrett und führte das Team bis auf den 26. Platz.

Jan-Christian Schröder

Seinem deutschen Vereinskollegen Simon Commercon gelang wohl das glücklichste Remis des Turniers:

Stellung nach 75.Txh3 aus Rozentalis-Commercon, 32nd ECC (Gent-The Smashing Pawns Bieles)

Bekanntermaßen ist dieses Endspiel Remis, doch Rozentalis schaffte es in der Folge, seinen Gegner so arg in Bedrägnis zu bringen, dass dieser kurz vor dem Verlust der Partie stand, jedoch nur kurz davor:

Stellung nach 125.Sb3+ aus Rozentalis-Commercon, 32nd ECC (Gent-The Smashing Pawns Bieles) - Schwarz ist im nächsten Zug Matt auf b2, reklamierte jedoch aufgrund der 50-Züge-Regel korrekterweise auf Remis.

Sein Gegner Rozentalis nahm es mit Humor und meinte am Tag darauf, dies sei eben nicht sein glücklichstes Turnier - er hatte sich am ersten Tag bei einem Sturz die Schulter ausgekugelt.

Ebenso ein sehr starkes Turnier spielte Andreas Heimann für den Schweizer Verein SG Riehen, eine Elo-Performance von über 2700 katapultiert ihn knapp an die 2600 Elo-Grenze.

Enstand nach sieben Runden:

Rg. Team  Wtg1 
1 Alkaloid 12
2 Mednyi Vsadnik 11
3 SHSM Legacy Square Moscow 11
4 Ashdod 11
5 Odlar Yurdu 11
6 Syberia 11
7 Zhiguli 10
8 AVE Novy Bor 10
9 VSK Sveti Nikolaj Srpski 10
10 Schachgesellschaft Zurich 10
11 Ladya Kazan 10
12 OR Padova 9
13 AEM Luxten Timisoara 9
14 SV Werder Bremen 9
15 SK Dunajska Streda 9
16 LugPokerChess 9
17 Crvena Zvezda 9
18 Beer Sheva Chess Club 8
19 LSG IntelliMagic 8
20 Schachgesellschaft Riehen 8

...

62 Teams

Partien:

 

Einzige deutschen Frau unter den Teilnehmerinnen war die Nationalspielerin Elisabeth Pähtz. Sie trat für den italienischen Verein SS Lazio Scacchi an, sie erreichten allerdings nur den elften Platz.

Elisabeth Pähtz hatte mit 2.0/6 ein Turnier zum vergessen...

... ließ sich aber offensichtlich die Laune nicht verderben.

Entstand nach sieben Runden:

Rg. Snr Team Anz   +    =    -   Wtg1   Wtg2 
1 1 Cercle d'Echecs Monte-Carlo 7 7 0 0 14 152,0
2 2 NONA Batumi 7 5 1 1 11 127,5
3 3 Ugra Chess Club 7 5 0 2 10 126,5
4 10 ASD C.S.R. Fischer Chieti 7 3 2 2 8 78,0
5 5 Odlar Yurdu 7 3 2 2 8 75,5
6 9 Ladya Kazan 7 4 0 3 8 62,0
7 6 Chigorin Chess Club St Petersburg 7 3 1 3 7 89,0
8 7 Jelica PEP - Goracici 7 3 1 3 7 65,0
9 4 SHSM Legacy Square Moscow 7 3 0 4 6 86,0
10 11 Midland Monarchs 7 1 3 3 5 61,0
11 8 SS Lazio Scacchi 7 2 0 5 4 65,5
12 13 ASVOE Pamhagen 7 2 0 5 4 27,0
13 12 Rishon Le Zion 7 1 1 5 3 41,5
14 14 Kaunas CC Margiris 7 1 1 5 3 39,0

Partien Frauen:

 

Für einen Bericht über die Teams in den Medaillenrängen, Ivanchuks Abschneiden und Giris Endspieltechnik, hier klicken.

 

Homepage des SV Werder Bremen

Homepage der Schachfreunde Berlin

Turnierseite

Ergebnisse bei chess-results



Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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