Deutsch-Russische Schachfreundschaft

von Carsten Schmidt
01.06.2017 – Auf dem Feld der Politik waren die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland auch schon mal besser. Im Schach sind sie so gut wie eh und je. Am Montag besuchte eine Delegation der russischen Duma den Bundestag. Je sechs Abgeordnete spielten einen Wettkampf. Die Initiative ging von Anatoly Karpov aus, der bei dieser Gelegenheit ein kleines Simultan (5,5:0,5) spielte.

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Duma-Degation im Bundestag

Am Montag besuchte Anatoly Karpov als Delegationsleiter mit einer Gruppe Abgeordneter des russischen Parlaments Duma den Deutschen Bundestag, um sich dort mit Politikern unseres Landes im Schach zu messen. Begonnen wurde nach freundlichen Begrüßungsworten mit einer Simultanvorstellung des ehemaligen Weltmeisters, in dem die Bundestagsabgeordnete Katrin Werner von den Linken ein Remis erreichte. Im darauf folgenden Blitzschach-Wettkampf (allerdings ohne Karpow) wurde die deutsche Mannschaft durch den zwei Tage zuvor gewählten Präsidenten des DSB Ullrich Krause und den Präsidenten des Berliner Schachverbandes Carsten Schmidt verstärkt, da zwei Bundestagspolitiker noch weitere wichtige Termine hatten. Gegen die sechs Politiker aus der Duma wurde am Ende ein Unentschieden erreicht.

Simultan mit Anatoly Karpov

Aus nahezu allen Parteien des Deutschen Bundestages fanden sich Abgeordnete an den sechs vom Internationalen Schiedsrichter Horst Metzing vorbereiteten Brettern ein. Zunächst begrüßte der gastgebende stellvertretender Vorsitzende der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe, Wolfgang Gehrcke die russischen Gäste und die Zuschauer zu der Veranstaltung. Als Delegationsleiter der Mannschaft aus der russischen Duma bedankte sich danach der 12. Schachweltmeister Anatoly Karpov, der vor knapp einer Woche sechsundsechzig Jahre alt wurde, für die nette Einladung aus Berlin. Als Präsident des Berliner Schachverbandes begrüßte Carsten Schmidt letztlich alle Spieler, Politiker und die weiteren Gäste, erläuterte den Ablauf der Schachwettkämpfe und wünschte allen einen spannenden Schachabend.

Begrüßung der russischen Gäste durch Dietmar Bartsch

Begonnen wurde mit einer Simultanvorstellung der Schachlegende Anatoly Karpov, in der er gegen sechs Bundestagsabgeordnete spielte. Einige der Spieler waren uns Berlinern aus früheren Politikerturnieren sehr gut bekannt. Nach langen Jahren sah man wieder einmal Dr. Dietmar Bartsch am Schachbrett, den Fraktionsvorsitzenden der Linken. Ebenso konnte man den stets mit viel Freude und Kampfgeist agierenden Hans-Christian Ströbele beobachten, der trotz seiner siebenundsiebzig Jahre beim Simultan und in den Blitzpartien locker durchhielt. Der ehemalige Turnweltmeister am Reck, Eberhard Gienger, forderte beim Simultan den ehemaligen Schachweltmeister. Das hat man nicht oft. Als Schachspielerin war Katrin Werner 1991 bei der ersten Deutschen Jugendmeisterschaft nach der Wiedervereinigung in Magdeburg in der Altersklasse u20w dabei, hat sich später dann für den Weg in die Politik entschieden und ist aber an und an noch am Schachbrett anzutreffen. Als Mitglied im Sportausschuss des Bundestages setzte sich mit Özcan Mutlu ein sport- und schachbegeisterter Politiker ans Brett, der trotz vieler Termine am Abend für das Aufeinandertreffen mit Karpow ein wenig Zeit freigeschaufelt hat. Sechster Mann an Bord war Dr. Diether Dehm, nicht nur Politiker im Bundestag, sondern dem Einen oder Anderen sicher auch als Liedermacher bekannt und nach dem Abend auch als begeisterter Schachspieler.

Den knappen Zeitplan konnte Anatoly Karpov mit schnellem und erfolgreichem Spiel bedienen. Als Erster gaben sich Diether Dehm und Özcan Mutlu geschlagen. Nachdem auch Eberhard Gienger und Dietmar Bartsch die Gegenwehr aufgaben, kämpften nur noch Christian Ströbele und Katrin Werner. Nach der Aufgabe von Ströbele erreichte die einzige weibliche Gegnerin des Abends, Katrin Werner, eine nahezu ausgeglichene Stellung, was der Ex-Weltmeister mit einem Remis honorierte.

Katrin Werner

Ergebnisse

Anatoly Karpov 1:0 Özcan Mutlu
Anatoly Karpov 1:0 Dr. Diether Dehm
Anatoly Karpov 1:0 Hans-Christian Ströbele
Anatoly Karpov ½:½ Katrin Werner
Anatoly Karpov 1:0 Eberhard Gienger
Anatoly Karpov 1:0 Dr. Dietmar Bartsch

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Bundestag gegen Staatsduma

Nach einer kurzen Umbau-Pause mussten Dr. Dietmar Bartsch und Özcan Mutlu aus zeitlichen Gründen ersetzt werden. Das übernahmen gewissermaßen die Schachpolitiker: der zwei Tage zuvor neu gewählte DSB-Präsident Ullrich Krause, den sein erster Einsatz als Präsident nach Berlin brachte, um tagsüber die DSB-Geschäftsstelle zu besuchen und am Abend Gast beim Parlamentarier-Schach zu sein, und der Präsident des Berliner Schachverbandes, Carsten Schmidt, der die Verantwortlichen der Linken in der Organisation unterstützte. Beide waren für die Mannschaft des Deutschen Bundestags eine willkommene Verstärkung und holten insgesamt 11 von 12 möglichen Punkten (Krause 6/6, Schmidt 5/6).

Auf der russischen Seite kamen zum Einsatz: Alexander Schukow (Erster stellvertretender Vorsitzender der Duma und Präsident des russischen NOK, Einiges Russland), Pawel Savalny (Vorsitzender der Russisch-Deutschen Freundschaftsgruppe in der Staatsduma, Einiges Russland), Andrej Siwow (Verteidigungsattaché der russischen Botschaft in Berlin), Wladimir Kononow (Einiges Russland), Juri Afonin (Fraktion KPRF) und Alexej Burnaschow (Einiges Russland). Anatoly Karpov war in der Rolle des Team-Captains allerdings nicht tatenlos, sondern gab viele Interviews und seinen Mannschaftskameraden nach den Partien des öfteren ein paar kostenfreie Lehrminuten.

Schukov gegen Ströbele

Ein Name kam einigen möglicherweise bekannt vor: Alexander Schukow war lange Zeit Präsident des Russischen Schachverbandes und sorgt nun für Ordnung in dem durch die Dopingvorwürfe der letzten Jahre durcheinandergerüttelten Nationalen Olympischen Kommitees Russlands. Er setzte sich in dieser Aufgabe schon mehrfach für Schach als olympische Disziplin ein und war auch mit 5/6 der erfolgreichste russische Spieler in dem Blitzturnier.

Nachdem die ersten vier Runden jeweils 3:3 endeten, mussten leider zwei weitere deutsche Politiker zu anderen Abendterminen und wurden ersetzt durch Brigitte Große-Honebrink, die Vorsitzende des SC Kreuzberg, und durch Michael Dombrowsky, der 2013 mit seinem Buch "Berliner Schach-Legenden" das Berliner Schach des letzten Jahrhunderts würdigte.

Da durch die Verstärkung weiterer erfahrener Schachspieler das Ergebnis eher verfälscht würde, hat Schiedsrichter Horst Metzing die Tabelle eingefroren und am Ende das Ergebnis 12:12 verkündet.

Am Ende des Schachabends wurde durch den einladenden Dr. André Hahn, Mitglied der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe die Siegerehrung vorgenommen. In diesem Rahmen dankten Anatoly Karpov und Alexander Schukow den deutschen Gastgebern und luden zum Gegenbesuch nach Moskau ein. Schiedsrichter Horst Metzing gab die Ergebnisse bekannt. Hier erhielten die Deutschen Spieler eine Ehrenurkunde durch die russische Mannschaft sowie alle Teilnehmer ein Gruppenbild, das anfangs des Abends aufgenommen wurde. Damit die deutschen Politiker noch ein wenig üben können, wurde ihnen dank ChessBase als Präsent das Schachprogramm Fritz 15 überreicht. Allerdings haben auch die russischen Gäste ebenfalls das Programm erhalten. Beim abschließenden Empfang mit ein paar Snacks und Getränken wurden einige Gespräche geführt, Erinnerungen ausgetauscht und Planungen für weitere Zusammenkünfte gemacht. Wir danken nochmals, Teil einer wunderbaren und freundlichen Veranstaltung gewesen sein zu dürfen und sind gerne wieder dabei, um im Sinne des Schachs Events dieser Qualität zu unterstützen.

Fotos: Frank Hoppe

Bericht beim Berliner Schachverband...

Bericht beim Schachbund...

 

 

 



Carsten Schmidt ist Präsident des Berliner Schachverbandes.
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