Giuoco Pianissimo – Rezension

In diesem Kurs beschäftigt sich der erfahrene österreichische Trainer und Internationale Meister Harald Schneider-Zinner mit der Italienischen Eröffnung, auch Giuoco Pianissimo genannt. Das Giuoco Pianissimo ist eine der solidesten und strategisch reichhaltigsten Eröffnungen im Repertoire von Weiß gegen 1...e5. Ich selbst spiele die Eröffnung schon seit ich mit Schach angefangen habe und schätze an ihr, dass man selten in Theoriegefechten landet und stattdessen in frischen Stellungen mit Verständnis punkten kann. Deswegen ist es umso wichtiger, die typischen Pläne, Bauernstrukturen und taktischen Motive zu kennen.
Schneider-Zinner behandelt in diesem Kurs die charakteristischen strategischen Ideen des Giuoco Pianissimo und erklärt ihre wichtigsten Merkmale. Zu jedem Thema zeigt er mehrere Beispielpartien, in denen er die Pläne für beide Seiten erläutert und aufzeigt, welche Manöver zum Erfolg führen und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Die Videos konzentrieren sich auf die entscheidenden Phasen der gezeigten Partien und sind dadurch kompakt gehalten. Das hat den Vorteil, dass Schneider-Zinner seine Lektionen an vielen praktischen Beispielen demonstrieren kann.
Im Verlauf des Kurses werden insgesamt zehn verschiedene Themen behandelt, von denen manche umfangreicher sind als andere und dementsprechend auch tiefer untersucht werden. Diese Themen sind teils strategischer und teils taktischer Natur, und alle davon werden einem als Italienisch-Spieler häufiger in der Praxis begegnen.
Kostenloses Beispielvideo „Einführung“
Figurenopfer auf g5
Das folgende Beispiel stammt aus dem eher taktischen Kapitel, welches sich mit dem Figurenopfer auf g5 auseinandersetzt.
In dieser Stellung aus der bekannten Partie Giri – Liren, Bukarest 2023, spielte Ding den Vorstoß g7-g5 und stellte Giri vor die Frage, ob 11.Sxg5 funktioniert oder nicht.

Giri entschied sich für 11.Sxg5 und verschärfte die Partie damit dramatisch.
11...hxg5 12.Lxg5 Kg7 Schwarz deckt den Springer prophylaktisch. 13.Df3 Erhöht den Druck auf f6. 13...Le6
An dieser Stelle muss Weiß beweisen, dass er die Figur nicht umsonst geopfert hat, und es gibt einen sehr starken Weg, dies zu tun:

14.Sf1! Giri holt eine weitere Figur in den Angriff. Der Springer kann entweder über e3 nach f5/g4 oder über g3 nach h5 eingreifen.
14...Th8 15.Se3! Das war das richtige Feld. Giri hat seinen Angriff anschließend mit 0-0-0 und d4 fortgesetzt und konnte sich den ganzen Punkt sichern.
Interessant und instruktiv ist allerdings, warum 15.Sg3!? nicht so gut funktioniert. Weiß möchte Lxf6 gefolgt von Sh5 oder h4-h5 spielen.

Hier kann Schwarz mit 15…Kg6! Antworten, was den Lg5 angreift und Sh5 ausweicht.
Weiß deckt mit 16.h4?? und nun kann Schwarz gewinnen:

16...Lg4 17.Lxf6 Dd7!! Und die Df3 ist gefangen! Dieses Motiv kommt in verschiedenen Varianten sehr häufig in Stellungen mit dem Figurenopfer auf g5 vor, und somit ist es sehr praktisch, es gut zu kennen.
Der italienische Springer
Das kostenlose Beispielvideo „Italienischer Springer“ ist positioneller Natur und beschäftigt sich mit diesem besonders wichtigen Springer. Dieser ist ein unheimlich starker Angreifer, sobald er auf f4/f5 landet, wie hier leicht zu erkennen ist:
Schwarz am Zug gewinnt

1...Sxg2! Schwarz nutzt den Sf4, um den gegnerischen König zu schwächen.
2.Kxg2 Sf4+ 3.Kg1 Dxh3, und nun kann das Matt nicht mehr verhindert werden!
Harald Schneider-Zinners Kurs bietet eine fundierte Einführung in die strategischen und taktischen Feinheiten des Giuoco Pianissimo. Die zahlreichen Beispielpartien vermitteln ein tiefes Verständnis für die typischen Pläne und Motive dieser Eröffnung. Besonders gelungen ist auch die klare Strukturierung der Videos, die es ermöglicht, die Kernideen schnell zu erfassen. Da die behandelten Themen in der Praxis regelmäßig auf dem Brett erscheinen, kann man mit diesem Wissen konkrete Vorteile in eigenen Partien erzielen. Der Kurs richtet sich an Spieler aller Stärken und ist sowohl für Einsteiger ins Giuoco Pianissimo als auch für erfahrene Italienisch-Spieler empfehlenswert!
Der internationale Meister Harald Schneider-Zinner schöpft aus seiner 20-jährigen Praxis, die ihm zu einem der erfolgreichsten Trainer Österreichs gemacht hat. Aus seiner „Strategieschule“ gingen die Großmeister und Stützen des Nationalteams Felix Blohberger und Valentin Dragnev hervor. Als Trainer des Frauen-Nationalteams erzielte er mit seinen Spielerinnen die größten Erfolge. Seit 2010 leitet er die Trainerausbildung in Österreich.