"In diesem Team ist Schach am schönsten!"

von Andreas Albers
02.11.2018 – Mit Sarah Hoolt, Judith Fuchs und Filiz Osmanodja spielt die halbe Frauen-Nationalmannschaft beim Hamburger SK. Besonders Sarah Hoolt hat viel Energie mitgebracht: "In diesem Team ist Schach am schönsten," freute sie sich auf die neue Saison, die für den HSK nicht besser beginnen konnte. | Fotos: Andreas Albers

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Hamburger SK stürmt die Tabellenspitze

„Mit neuer Energie in die Saison – NEXT Kraftwerke sponsort die HSK Frauenbundesliga

Mit dem Start in die Spielzeit 2018/2019 freut sich die Frauenschach-Abteilung des Hamburger Schachklubs über einen neuen Hauptsponsor. Als junges, dynamisches Unternehmen handelt NEXT Kraftwerke seit 2008 auf dem europäischen Energiemarkt als „virtuelles Kraftwerk“.

Das erfolgreichste Team im Hamburger Frauenschach bekommt also einen zukunftsorientierten, strategisch denkenden Partner an die Seite, der dabei hilft, die Philosophie des Vereins weiter zu tragen.

Mit Sarah Hoolt, Judith Fuchs und Filiz Osmanodja bildet die halbe deutsche Nationalmannschaft das Rückgrat der Mannschaft, neben einigen internationalen Spitzenspielerinnen wird aber vor allem auch den besten Hamburger Spielerinnen die Möglichkeit geboten in Deutschlands stärkster Liga auf Punktejagd zu gehen. „Nach Platz 4 und 5 in den letzten beiden Jahren ist ein Podestplatz das ambitionierte Ziel in diesem Jahr. Schwer zu erreichen angesichts von starker Konkurrenz und vor allem 3 Profi-Teams in der Liga, aber wir werden, auch dank der Unterstützung von NEXT Kraftwerke, alles geben“ gibt der Teamchef Andreas Albers die Marschroute vor. Ein Gradmesser ist bereits der erste Spieltag bei dem die Hamburgerinnen auf den deutschen Vizemeister aus Schwäbisch Hall treffen und zum ersten Mal die Trikots des neuen Sponsors präsentieren. Mit der ehemaligen U14 Weltmeisterin Rout Padmini konnte eine der stärksten Spielerinnen Indiens ins Team geholt werden, die vor allem an den vorderen Brettern für die nötige Stabilität sorgen wird.

„Endlich geht die Liga wieder los, in diesem Team ist Schach am schönsten!“ freut sich Großmeisterin Sarah Hoolt auf den Saisonauftakt.“

Soweit die Pressemitteilung des Hamburger Schachklubs und die Vorfreude auf die neue Spielzeit war auch sogleich am Brett zu spüren und im Ergebnis zu sehen.

Im beschaulichen Deizisau bzw. im benachbarten Plochingen im Hotel „Princess“, (wie sollte es anders sein) untergebracht wurde bereits am Freitag klar, dass wir uns wie zuhause fühlen würden. Diana Baciu entdeckte in unmittelbarer Nachbarschaft folgendes:

Falls es mit dem Schach mal nicht mehr weitergeht. Das große Backen...

Eine gute Umgebung, um sich auf Schach zu konzentrieren, Plochingen Down town

Gleich zu Beginn gegen einen Titelfavoriten ran zu dürfen ist nun mal Fluch und Segen zugleich. Eine Standort-Bestimmung auf jeden Fall, aber man weiß immer erst nach dem Match ob man seinen Standort wirklich kennen wollte... In diesem Jahr war es mit Sicherheit vor allem ein Vorteil für uns; Vor allem Schwäbisch Hall, aber auch unser folgender Gegner SF Deizisau und an anderen Standorten auch die beiden anderen Topteam Baden Baden und Bad Königshofen hatten erhebliche Personalprobleme und mussten auf so manche Spitzenkraft verzichten. Bei uns betraf diese lediglich Monika Socko, die in der polnischen Liga aktiv war.

Gut gerüstet, mit neuer Spielkleidung und praktisch „voller Kapelle“ konnte es also an die Bretter gehen.

Den ersten Aufreger gleich zu Beginn: Die Hallerin WGM Petra Papp hatte einen verspäteten Flieger erwischt und erreichte exakt 28 Minuten nach Rundenbeginn den Spielsaal, dank der Karenzzeit von einer halben Stunde war es also sprichwörtlich eine Punktlandung für die junge Mutter, die gegen WIM Diana Baciu sofort russischen Beton anrührte und keinerlei Spannung aufkommen ließ, Remis nach 16 Zügen und dann erst mal ins Hotel und Kraft sammeln für den Sonntag.

An allen anderen Brettern ging es allerdings voll zur Sache und auch, wenn die Schwäbisch Haller personell auf „der letzten Rille“ liefen, war die Favoritenrolle immer noch auf Ihrer Seite.

Sehr merkwürdig verlief die Partie an Brett 2 zwischen IM Sophie Milliet und WGM Sarah Hoolt, die Thomas Marschner in seinem Bericht bereits kurz kommentiert. „Ich hatte das alles mal für Weiß vorbereitet, deswegen kannte ich die Verteidigungszüge und verbrauchte kaum Zeit, aber plötzlich stand ich auf Verlust, wenn Sie Dg3 findet ist es wohl schon ziemlich aus, ein Glück, dass Sie bis dahin soviel Zeit verbrauchen musste, die Ihr im entscheidenden Moment fehlte!“ war Sarah nach Ihrem so wichtigen Schwarzsieg mehr als erleichtert. Nach schwerer Olympiade umso wichtiger fürs Selbstvertrauen und für das Team ein Zeichen, dass diesmal was gehen könnte.

Zumindest das Selbstvertrauen war wieder da, WGM Sarah Hoolt bringt Hamburg in Führung.

Oft genug waren wir in den letzten 5 Jahren dran gegen Schwäbisch Hall zu punkten, immer wieder setzte sich am Ende der Favorit durch und feierte seine Erfolge, klassischer „Angstgegner“ eben. Aber spätestens als Alina Zahn am 6. Brett ihre schwierige Stellung gegen Jana Zpekova in ein Endspiel mit Mehrbauern umwandeln konnte schien die Sonne durch den grauen Herbsthimmel zu scheinen. Die Zeitnot brachte dann die endgültige Entscheidung in Form von WIM Filiz Osmanodja:

„F like forward“ oder wie die Hamburger sagen: „F wie FILIZ-Attack!“

 

 

 

Zeitnotgefecht zwischen Osmanodja und Amburtsamova)

2,5 – 0,5 bei zwei komplett risikolosen Stellungen von Alina Zahn und der dritten deutschen Nationalspielern WGM Judith Fuchs ließen uns selbst am Spitzenbrett einigermaßen durchatmen. Unser Neuzugang IM Rout Padmini aus Indien hat Familie in Erlangen und auch deswegen Interesse in der Frauenbundesliga zu spielen. Da „HSK-Nachwuchs“ Teodora Rogozenco ein Auslandsjahr einlegt war ein Platz im Kader frei und wir freuten uns über ein spielstarkes, sehr sympathisches neues Gesicht in unseren Reihen.

Herzlich willkommen in der FBL und im „Team Hamburg“: IM Rout Padmini

Nach IM Tania Sachdev die zwei Inderin überhaupt in der Frauenbundesliga ist nach erfolgreichem Studium elomäßig ein wenig abgesackt, will es nun aber noch mal richtig wissen, der „Männer“-Großmeistertitel ist das Ziel und ein Jugendweltmeister- (2008 in der Altersklasse U14), sowie vier indische Landesmeisterinnen-Titel beweisen das große Potenzial. „Ich war sehr aufgeregt vor der ersten Partie für das neue Team, aber alle waren sehr nett, das hat es mir leichter gemacht. Ich war einmal unaufmerksam und musste dann ein schlechteres Endspiel verteidigen, aber das ist mir gut gelungen. Remis gegen eine Gegnerin mit Elo 24++ ist im Team immer in Ordnung!“ zog Padmini ein erleichtertes Fazit nach dem IM Sabrina Vega Gutierrez Ihr besseres Endspiel vergeblich versuchte zu gewinnen und somit wenigstens den Ehrenpunkt zu setzen.

In der Zwischenzeit hatten Alina Zahn (sicherer Endspielsieg) und Judith Fuchs (Remis) das Match auch faktisch entschieden und mit einem vorher nie für möglich gehaltenen 4,5 – 1,5 Sieg ging es zum gemeinsamen Abendessen.

Holt mit sauberer Endspieltechnik den Matchpoint im Spitzenduell, WFM Alina Zahn

Der Teamchef gab als „Belohnung“ für die kommende Nacht eine Stunde extra-Schlaf (Zeitumstellung) und um 9 Uhr galt es dann, die Konzentration hoch zu halten und nicht etwa in der Euphorie des gestrigen Sieges den Gegner nicht mehr Ernst zu nehmen. Sehr wichtig dabei immer: der richtige Soundtrack und so sorgte „DJ Osmanodja“ auf der Fahrt mit einer Gesangseinlage zu „Burning Heart“ von Survivor für die nötige Angriffsstimmung!

Doch die Gastgeber der SF Deizisau sind natürlich eh viel zu stark, um unterschätzt zu werden.

Geschlossener Teamgeist: Die SF Deizisau

Zwar fielen die Spitzenbretter Elisabeth Pähtz (Isle of Man) und Yulia Naiditsch (chinesische Liga) aus, dennoch ist das Team natürlich sehr erfahrenen und mit Schleinig, Klek und Koepke drei erste Bretter, die sich potenziell auch im Kreis der deutschen Nationalmannschaft bewegen.

Ähnlich wie am Samstag gelang den Hanseatinen auch in Runde 2 eine relativ schnelle Führung, diesmal war es WIM Diana Baciu, die gegen WIM Mara Jelica schnell auf die Siegerstraße abbog:

1,5/2 und beide Male die erste beendete Partie: Die Nummer 1 Moldawiens, aber schon seit Jahren in Hamburg beheimatet, WIM Diana Baciu

Und da die Strategie ja bereits bewährt war, einigte sich WGM Sarah Hoolt mit WGM Hanna Marie Klek auf Remis, „Ich dachte ich stehe leicht schlechter und war ganz froh nicht mehr weiter spielen zu müssen“ kommentierten beide (!) Ihre jeweilige Situation

Was tun, wenn vermeintlich beide schlecht stehen? Gemeinsam analysieren!

Keine wirklich Spannung kam auch deswegen nicht auf, weil WFM Alina Zahn ein Sahne-Wochenende erwischte und auch die dritte Französisch-Partie an diesem Wochenende für Hamburg gewann, im Gegensatz zu Hoolt und Baciu allerdings diesmal mit den weißen Steinen.

2,5- 0,5 das hatten wir ja schon mal vor knapp 24 Stunden und diesmal war es WGM Judih Fuchs überlassen mit einem Endspiel-Sieg gegen WGM Vesna Misanovic frühzeitig das Match zu entscheiden.

Aus dem Hamburger Team nicht mehr wegzudenken, Judith Fuchs

„4 Punkte ist das Ziel“ hatte der Teamchef reichlich optimistisch die Team-interne Whatsapp-Gruppe genannt und seine Spielerinnen folgten der Ansage perfekt. Ein weiteres grundsolides Schwarz-Remis von Rout Padmini gegen Zoya Schleinig erhöhte auf 4-1 und nun kam noch mal der große Auftritt von Elena Köpke und Filiz Osmanodja:

Zwei Zeitnot-Spezialisten unter sich, komplettes Chaos

 

Wow, was für ein Abschluss! Zwei mal 4,5 zum Auftakt, da ging fast ein wenig unter, dass unsere Reisepartner aus Harksheide gegen Schwäbisch Hall einen heldinnenhaften Kampf boten, zwei Partien gewannen (Natalie Wächter mit 2/2 und das mit großem Angriffsschach gegen schier übermächtig Gegnerinnen!) und sogar mal kurzzeitig an der Sensation schnupperten. Hier wächst unter den Fittichen von Eberhard Schabel ein starkes Team heran, das gute Chancen haben wird, die Klasse zu halten.

Auf der Rückfahrt galt das gesamte Daumendrücken noch den Frauen des SK Lehrte, die die notwendigen Brettpunkte gegen Rodewisch holten, um uns die Tabellenführung zu ermöglichen!

Wir begrüßen also am 17./18. November als Spitzenreiter die Gäste vom SV Hofheim und das nächste Weltklassen-Team aus Bad Königshofen, die mit Ihrem 3 – 3 gegen Rekordmeister Baden Baden die Liga noch spannender gemacht haben.

FBL im HSK: https://hsk1830.de/pages/sponsoring/next-kraftwerke.htm

Neue Energie beim Hamburger SK

Ergebnisdienst: http://nsv-online.de/ligen/fbl-1819/?staffel=1394&r=2

Schachbund-Seite: https://www.schachbund.de/SchachBL/bedh.php?liga=fb1

 




Schachspieler, Trainer, Organisator ... manchmal auch einfach "Mädchen für alles".
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