09.08.2015 – Der Ölboom in Angola hat in der Hauptstadt Luanda zu rasantem Wachstum und Wandel geführt. So entspricht das Luanda Open so gar nicht gängigen Klischees über Afrika. Unter anderem sind die Preise in Luanda so hoch wie nur an wenigen Orten der Welt. Doch auch das Preisgeld des Turniers war üppig. Alina l'Ami berichtet aus einer Stadt im Übergang. Mehr...
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Ich glaube, die meisten Teilnehmer sind meiner Meinung, wenn ich sage, dass die Organisatoren uns eine unvergessliche Woche beschert haben: die Gäste von außerhalb lernten das neue Angola kennen und die einheimischen Spieler hatten die Chance, Normen zu machen und gegen starke Gegner zu spielen. Unterstützt wurde das Turnier von Hauptsponsor Cuca (das Bier, das Cuca herstellt, schmeckt übrigens sehr lecker).
WFM Lorita Mwango aus Sambia wurde Dritte im Frauenturnier
Von dieser Dame werden Sie noch mehr hören! WIM Tshepiso Lopang aus Botswana
mangelt es nie an Ideen, wenn es darum geht, wie man Schach beliebter machen kann,
wie man es vermarktet, wie Schachspieler reich werden können... Tshepiso, mögen deine
Pläne Erfolg haben, wir drücken dir die Daumen.
WFM aus Angola, Sonia Rosalina
IM Anna Zozulia
Wie in einem guten Buch sorgte auch die Story dieses Turniers für jede Menge Überraschungen - wobei ich durch meine Erfahrungen aus dem Vorjahr bereits "geimpft" war. Wo sonst in der Welt kostet eine Flasche "normaler" Wein 800 USD? Oder ein Zimmer in einem Zwei-Sterne-Hotel (ohne Frühstück) 200 USD pro Nacht? Die Ziffern und Nullen tanzten vor meinen Augen als wäre ich hypnotisiert, aber das war beim Preisgeld nicht anders. So erhielt der Sieger des Herrenturniers 5.000 USD und für den ersten Platz im Frauenturnier gab es 3.500 USD. Nun ja, müsste man dieses Preisgeld in Angola ausgeben, wäre es ziemlich schnell weg...
Ein gelungener Familienausflug! Annas Mann, Vadim Malakhatko, landete im Männerturnier mit 7,5 aus 9 auf dem geteilten ersten Platz.
Immer elegant: Fatima Reis aus Angola
Fatima bekommt während der Partie Unterstützung - von ihrem Sohn
Caixita Esperança aus Angola
Trotz eines straffen Spielplans und einiger kleiner Umstellungen im Verlauf des Turniers achteten die Organisatoren auf ein ordentliches Tourismusprogramm. Dabei gab es nur einmal ein Problem: als wir nach nach Miradouro da Lua fahren wollte, eine Landschaft von ganz eigenem Reiz in der Nähe von Luanda sind wir wohl doch vom rechten Weg abgekommen und haben dann irgendwann beschlossen, uns auf den Rückweg zu machen, um rechtzeitig zu Rundenbeginn wieder in Luanda zu sein... Zum Glück war ich vor fünf Jahren schon einmal da und habe dort Bilder gemacht.
Ich muss immer noch lachen, wenn ich an unseren Fahrer und seinen tanzenden Bus denke. Die Musik Angolas, Kizomba, brachte uns in seinem Mini-Van alle zum Tanzen und der Wagen, gut gelenkt vom Fahrer, tanzte mit uns.
Tanzend im Van - Tshepiso, daran bist nur du Schuld!
Unser Fahrer, der nicht nur sehr clever und immer guter Stimmung war, schien mir ein typischer Vertreter Angolas zu sein: er schien sich keine Sorgen zu machen, sondern den Tag zu genießen, der ihm gegeben wurde: der heutige Tag.
Fatima Reis und Tshepiso Lopang
Luzia Pires aus Angola
Rodwell Makoto aus Simbabwe war an vier gesetzt und landete am Ende auch auf dem vierten Platz.
Wie ging die Variante noch einmal?!
Das Leben in Luanda ist allerdings nicht immer leicht, und das war auch der Grund dafür, warum ich manchmal Probleme hatte, die Stadt mit meiner Kamera zu verewigen: manchmal aus Respekt, weil die Leute schüchtern waren, manchmal, weil ich auf Weg und Richtung achten musste, manchmal auch aus anderen Gründen, aber eins steht fest: Angolas ist voller pulsierender Energie und befindet sich angetrieben vom Öl, das es gibt, immer in Bewegung und im Wandel. Überall schießen Wolkenkratzer in die Höhe, die alten baufälligen Häuser werden durch neue ersetzt, die Straßen werden verbreitert, während gleichzeitig neue entstehen und wahrscheinlich erkenne ich die Stadt nächstes Jahr schon nicht mehr wieder.
Die drei Erstplatzierten im Frauenturnier
Die drei Erstplatzierten im Männerturnier
Die Spieler aus Angola werden ebenfalls immer besser und man kann sehen, wie engagiert sie sind. Immer wieder haben mich Journalisten gefragt, was ich über das Schach in Angola denke, worauf ich stets geantwortet habe, dass das Land und die Schachspieler jetzt ihre eigene Geschichte schreiben und eine neue Schachtradition entstehen lassen, die bald ein Markenzeichen Angolas sein und trotz des raschen täglichen Wandels Bestand haben wird. Und so sehe ich mich "gezwungen" das zu sagen, was ich schon zwei Mal bei diesem Turnier in Angola gesagt habe: Ich freue mich bereits auf das Turnier im nächsten Jahr!
In Angola transportien die Frauen die unterschiedlichsten Dinge lässig auf dem Kopf
Bei ihnen sieht das so leicht aus
Ob Gegenstände aller Art oder Essen...
... und meistens sind auch noch ihre Kinder dabei.
Kein gutes Buch ohne überraschendes Ende - das gilt auch für dieses Turnier. Am letzten Tag meines Aufenthalts in Luanda wurde ich nach Madagaskar eingeladen - also flog ich nach Amsterdam zurück, gönnte mir einen Tag Ruhe und bin jetzt wieder unterwegs nach Afrika... So seltsam es auch klingt, diese Möglichkeit war leichter, als direkt von Angola nach Madagaskar zu fliegen. Aber darüber mehr im nächsten Bericht.
Alina L'AmiAlina L'Ami ist Schachprofi, WGM, und bringt allem, was sie macht, großen Enthusiasmus entgegen. Sie liebt es, in die entlegensten Winkel der Erde zu reisen, um dort Schach zu spielen und darüber hier bei ChessBase zu berichten.
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