Schachtradition am Gardasee

von Gerhard Bertagnolli
30.10.2018 – Wann spricht man bei einem Schachturnier von einer Tradition? Die Geister scheiden sich, doch eines ist klar: bei einer 40. Auflage kann dieses Wort getrost in den Mund genommen werden. Die geschehen beim zuletzt beendeten Turnier "Città di Arco" im Norden des Gardasees. Dass am Ende der 9 Runden drei Spieler aus Ungarn unter den ersten vier landeten, war zwar vorab nicht so zu erwarten, aber nicht unverdient. Ein Bericht...

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Ungarische Festspiele in Arco

Die Schachtradition im Norden des Gardasees lebt weiter! Bereits zum 40. Mal wurde das Schachfestival "Città di Arco" ausgetragen.

Pünktlich zu dieser Traditionsauflage hat die Organisatorin Cristina Pernici Rigo ein Festbüchlein herausgebracht, welches nicht nur Auflistung der Sieger umfasste, sondern ganze Tabellen-Ausschnitte und zahlreiche Fotos. Zu den Teilnehmern des Turniers zählte über die Jahre unter anderem Alexander Khalifman, Simen Agdestein und ein damals noch sehr junger FM namens Fabiano Caruana. In all den Jahren waren Spieler aus bereits 106 Nationen in der Kleinstadt. Zu erwähnen sei zudem, dass bereits zwei Mal (2001 und 2009) die Senioren-WM in Arco ausgetragen wurde.

Auf den Fotos in der Festschrift finden sich zahlreiche Spieler aus dem deutschsprachigen Raum wieder, welche teilweise bereits seit zwei Jahrzehnten eine Woche im Oktober das Turnier mit dem "besonders familiären Charakter" besuchten. Dr. Michael Trauth, FM Peter Dittmar, Frank Wagner (alle Deutschland) wurden ebenso abgebildet wie z.B. Fritz Maurer oder der inzwischen leider verstorbene und unvergessliche Werner Ziltener (beide Schweiz).

Die 40. Auflage fand vom 13. bis zum 21. Oktober statt: 9 Tage bei spätsommerlichen Außentemperaturen von bis zu fast unglaublichen 28 Grad und hitzigen Gefechten am Schachbrett im Ballsaal des "Casinò" aus der Habsburger Zeit.

Die Rekordbeteiligung von 174 Spielern in den zwei Turnieren (Open A offen für alle, Open B mit einer Runde weniger und für Rating unter 1700) zeigt den Organisatoren, dass vieles richtig gemacht wird:

ein festlich mit Blumen und Flaggen jedes Teilnehmerlandes ausgestatteter Festsaal, dreisprachige Anreden (italienisch, englisch, deutsch) vor jeder Runde, Holzfiguren und -bretter für fast alle Teilnehmer, gute Lichtverhältnisse und relativ viel Platz im Saal, 18 Live-Bretter und Erfassung von etwa 70% der gespielten Partien, eingeladene Titelträger, viele Sonderpreise

Der gefüllte Turniersaal im Habsburger Stil

Die Favoriten auf den Turniersieg

Die Favoriten des 141 Spieler umfassenden Hauptturniers waren wie üblich die Elo-stärksten Spieler:

GM Nikita Petrov (Russland) – die Nummer eins der Setzliste und gleichzeitig Sieger 2016 und 2017

Untertitel: GM Jaime Santos Latasa (Spanien) – 2572 Elo schwer

GM Csaba Horvath (Ungarn) – immer wieder für einen Spitzenplatz gut

Der Turnierverlauf

In der ersten Runde waren die Unterschiede zwischen den jeweiligen Favoriten und den Herausforderern einfach zu groß. Lediglich in wenigen Fällen musste der Favorit Federn lassen: auf Brett 9 musste FM Edoardo Di Benedetto (Italien) dem Deutschen Markus Hahmann einem Remis zustimmen. In Runde zwei gab es schon auf Brett 5 die erste Überraschung: GM Oleg Romanishin (Ukraine) kam gegen den Italiener Paolo Tocco über eine Punkteteilung nicht hinaus.

Während Runde drei weitestgehend ohne Favoritensturz über die Bühne ging, so gab es in Runde vier die ersten Duelle von Titelträgern: auf Brett 1 stoppte GM Igor Naumkin (Russland) mit Weiß seinen Landsmann und Vorjahressieger GM Nikita Petrov in eine Punkteteilung. Auch auf den Brettern 2 und 3 gab es in Begegnungen GM Santos Latasa (Spanien) - IM Zeller (Deutschland) und Favaloro (Italien) - GM Horvath (Ungarn) eine Punkteteilung, während auf Brett 4 der IM Peter Lizak (Ungarn) erneut siegte und somit als einziger Spieler mit 4 aus 4 einen Top-Start hinlegte.

Mit zwei Remis in den Runden 5 und 6 gegen GM Petrov und GM Horvath festigte IM Lizak seine Leader-Position, allerdings lag er nach der 6. Runde punktegleich mit 5 Punkten gemeinsam mit GM Petrov, GM Horvath, GM Santos Latasa und FM De Santis gleichauf, zumal diese mit Siegen aufholten.

Jetzt schaltete IM Lizak allerdings den Turbo ein: zunächst besiegte er GM Romanishin, danach FM Di Benedetto, um das Turnier mit einem schnellen Remis und damit verbunden dem sicheren Turniersieg gegen seinen Landsmann IM Bela Molnar abzuschließen.

Mit diesen Riesenschritten konnte keiner mithalten. Auf Platz zwei des Turniers folgte mit einem halben Punkt Rückstand GM Santos Latasa, welcher gegenüber IM Molnar die bessere Zweitwertung aufwies.

Der eindrucksvolle Kurzsieg mit Matt-Angriff von IM Molnar gegen GM Naumkin aus Runde 7 wurde zur tollsten Partie des Turniers gekürt und gewann somit den "Stuart Wagman Preis", einen mit 200 Euro dotierten Sonderpreis des Turniers, welcher in Anlehnung an den inzwischen verstorbenen US-Gentleman jährlich vergeben wird, welcher während des zweiten Weltkriegs nach Italien kam, dort bis zu seinem Lebensende beheimatet war und bei zahlreichen Turnieren von Arco teilnahm.

 

Der Italiener Andrea Favaloro erzielte mit seinen 6,5 Punkten eine IM-Norm.

Bester Spieler aus Deutschland wurde IM Frank Zeller mit ebenfalls 6,5 Punkten und Rang 6.

Untertitel: IM Peter Lizak (Ungarn) – Sieger des Jubiläumsturniers in Arco

Untertitel: IM Bela Molnar (Ungarn) gewann den Sonderpreis für die tollste Partie

Der Italiener Andrea Favaloro erzielte eine IM-Norm

IM Frank Zeller – bester Spieler aus Deutschland

Die Sieger – von links nach rechts: Bürgermeister von Arco Alessandro Betta, Zweitplatzierter GM Jaime Santos Latasa (Spanien), Sieger IM Peter Lizak (Ungarn), Drittplatzierter IM Bela Molnar (Ungarn), Organisatorin IO Cristina Pernici Rigo, Co-Organisator IA Gerhard Bertagnolli (beide Italien)

 

Endstand

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Lizak Peter 7,5 47,5
2 Santos Latasa Jaime 7,0 49,0
3 Molnar Bela 7,0 48,5
4 Horvath Csaba 6,5 50,5
5 Sarkar Justin 6,5 48,5
6 Zeller Frank 6,5 48,5
7 Csiki Endre 6,5 48,0
8 Romanishin Oleg M 6,5 48,0
9 Petrov Nikita 6,5 47,0
10 Favaloro Andrea 6,5 47,0
11 Naumkin Igor 6,5 46,0
12 Di Benedetto Edoardo 6,5 45,5
13 Vezzosi Paolo 6,5 45,0
14 Bifulco Michel 6,5 43,0
15 Zucchelli Massimo 6,5 42,0
16 Luciani Carlo 6,0 45,5
17 Massironi Marco 6,0 43,0
18 Voelker Sebastian 6,0 41,0
19 Ruecker Benjamin 6,0 41,0
20 Verrascina Roberto 6,0 40,5
21 Fehr Axel Dr. 6,0 39,0

141 Spieler

Partien

 

Zum Rahmenprogramm des Turniers gehörten als Abendveranstaltung auch ein kleines, aber feines Blitzturnier und ein typisches Trentiner Abendessen im nahe gelegenen Tenno. Zudem spielte GM Oleg Romanishin an einem Abend Simultan gegen 12 Gegner und – wie könnte es anders sein – die Grappa-Verkostung war auch von vielen Teilnehmern eine gern gesehene Abwechslung.

Die Grappa-Verkostung mit vorzüglichen Schnäpsen

Links 

Turnierseite...

Ergebnisse A-Turnier...

Fotogallery...

 

Die nächste Schachaktivität in Arco lässt nicht lange auf sich warten: vom 26. bis 30. Dezember findet im Hotel "Palace Hotel Città" ein sieberundiges Weihnachtsturnier statt! 

Kontakt über Frau Cristina Pernici Rigo: info@arcoworldchess.com, Tel. +39 389 9721516

Hotelinformationen... 

 

 



Themen: Arco Open

Gerhard Bertagnolli, Jahrgang 1976, Internationaler Schiedsrichter aus Südtirol/Italien mit Einsätzen südlich und nördlich der Alpen, steht gerne auch für deutschsprachige Schachfreunde für Fragen zu Turnieren in Italien zur Verfügung.
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