Senioren-Mannschafts-WM in Radebeul: Favorit USA

von Alex Yermolinsky
09.07.2018 – Am Wochenende starteten in Radebeul die Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaften 50+ und 65+. In der Gruppe 50+ ist das US-Team erstmals dabei und in starker Aufstellung schon Favorit. Alex Yermolinsky berichtet vom Auftakt des Turniers aus der Sicht des Debütanten. |Fotos: US-Team (wenn nicht anders angegeben), Teaser-Foto: Karsten Wieland

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Dieser Bericht ist eine Art neuer Eintrag in "Yermos Reiseberichte", aber dieses Mal ist es ein Team-Turnier, und es führt mich nach Europa, wo die Mehrheit meiner Leser lebt und der Rest besucht werden sollte. Ich denke, ich sollte mich nicht lange mit geografischen Betrachtungen aufhalten und gleich zur Sache kommen.

Herbert Bastian, Dirk Jordan bei der Eröffnungsfeier | Foto: Karsten Wieland

Viel Licht, viel Luft

Das ist hier schon die sechste Auflage der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft, aber für eine US-Mannschaft ist es ein Debüt. Vor anderthalb Jahren habe ich zum ersten Mal gehört, dass es diese Meisterschaft gibt. und ich dachte sofort, dass wäre eine großartige Gelegenheit, die alte Gang wieder zusammen zu bringen. Die Finanzierung konnte damals jedoch nicht so kurzfristig gesichert werden und wir mussten bis 2018 warten.

Es ist über 20 Jahre her, dass meine Generation amerikanischer Spieler unser Land bei Schacholympiaden und Weltmeisterschaften vertreten hat, und diese Zeit gehört zu meinen schönsten Erinnerungen als Schachspieler.

Das US-Team, dessen Kern aus etwa acht oder neun Spielern bestand, hatte sich meist außergewöhnlich gut geschlagen und kämpfte regelmäßig um die Spitzenplätze. Wir haben 1993 die Mannschaftsweltmeisterschaft gewonnen und bei der Olympiade 1996 in Eriwan Bronze geholt. Es gab einen bitteren Beigeschmack beim Gewinn der Silbermedaillen im Jahr 1997 bei der Mannschafts-WM und 1998 bei der Schacholympiade, denn beide Male waren wir nah dran, Gold zu gewinnen.

Ich machte also eine Runde Telefonate und E-Mails, um die Toten zu erwecken. Die meisten antworteten mit Enthusiasmus, aber andere konnten nicht zusagen, weil das Leben die unangenehme Angewohnheit hat, dem Schach (und dem Spaß dabei) in die Quere zu kommen.

Yasser Seirawan ist so stark in seine Arbeit als Kommentator des Saint Louis Chess Clubs involviert, dass er in den letzten sechs Jahren vergessen hat Turniere zu spielen. Die USCF entfernte Yasser wegen Inaktivität sogar aus der Rangliste und lud ihn deshalb nicht ein. Auch wenn ich in der Schachpolitik nicht zuhause bin, finde ich diese Entscheidung reichlich bizarr. Yasser ist Yasser, egal wie rostig er auch sein mag. Bei uns Senioren geht es um die früheren Leistungen und "am Leben zu sein" sollte die einzige Anforderung sein.

Nick De Firmian ist frisch verheiratet, und er baut ein Haus in Oakland, also musste er verzichten. Larry Christiansen hat einige familiäre Probleme zu bewältigen. Gregory Kaidanov unterrichtet während des Sommers non-stop in Schachcamps und Boris .... Ich denke Boris Gulko wird von der USCF auch als nicht aktiv betrachtet.

Die Einladungen zur Senioren-Mannschafts-Weltmeisterschaft gingen auf der Liste deshalb so weit hinunter, um auch meinen Namen zu erreichen. Und ich nahm es gerne an. Es spielte für mich auch keine Rolle, an welchem Brett ich spiele. Es geht nur um die Mannschaft. Das Wichtigste ist, dass wir diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen wollen.

Alex Yermolinsky und Thomas Luther

Alex Shabalov und ich trafen uns am Frankfurter Flughafen, holten unser Teamauto ab und fuhren zu unserem Freund Thomas Luther nach Erfurt. Von dort führte der Weg nach Prag, um dort Jaan Ehlvest abzuholen. Dann ging es zurück nach Deutschland. Wir kamen gerade rechtzeitig wieder an, um zu sehen, wie Belgien bei der Fußball-WM Brasilien eliminierte.


Das Aufgebot der USA in Radebeul 2018 lautet: Shabalov (Team Captain), Benjamin, Ehlvest, Yermolinsky, Kudrin. Damit stehen wir auf Platz 1 der Meldeliste und werden von vielen als handverlesene Favoriten angesehen. Aber es gibt noch einige andere ziemlich starke Teams da draußen. Ein Selbstgänger wird es nicht.

Joel Benjamin

Im Hintergrund sind einige bekannte Gesichter zu sehen: Balashov und Rashkovsky aus Russland 65+. Wir werden sie diesmal nicht treffen.

Vor der Runde hatten wir einen ganz besonderen Besucher. Manche Karl May-Fans wissen vielleicht nicht, dass der Autor niemals die Vereinigten Staaten besucht hat.



Wir werden morgen das Karl-May-Museum besuchen. Versprochen.

Nach einer fehlerfreien ersten Runde gegen England 3 gab es in Runde zwei heute ein paar Probleme auf unseren Schwarz-Brettern gegen das unangekündigte Team der Schachfreunde Leipzig II (# 19 in der Rangliste).
 

 

Die folgenden zwei Partien sorgten für den Sieg.

 

The Sicilian Tajmanov-Scheveningen

Die Paulsen-Variante ist sicherer und positioneller als ihre große Schwester, die Najdorf-Variante. Aber sie ist nicht weniger ambitioniert! Ramirez hat für Sie ein brandaktuelles Repertoire erstellt - die meistern Partien stammen vom World Cup 2013!

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Teamgeist ist ein wesentliches Element. Nach den Runden fuhren wir nach Dresden, um im Ballhaus Watzke die deutsche Gastfreundschaft zu genießen.
 

Deutsche Gastfreundschaft im Ballhaus Watzke

Machen Sie sich keine Sorgen um unseren estnisch-amerikanischen Kollegen Jaan Ehlvest, auch wenn Sie ihn nicht auf den Fotos finden. Er ist guter Dinge, genießt seinen freien Tag und übernimmt die Pflichten eines Fotografen. Jaan ist bereit sein, sich dem Line-Up anzuschließen, wenn wir morgen Österreich spielen.

Übersetzung aus dem Englischen: André Schulz

Partien 50+

 

Partien 65+

 


 

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Alex Yermolinsky ist Großmeister und Autor zahlreicher populärer Bücher. Er wurde am 11. April 1958 in Leningrad geboren und emigrierte 1990 in die USA, wo er heute noch lebt.
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Androidwizzard Androidwizzard 10.07.2018 09:52
Karl May war wohl in den Vereinigten Staaten, und zwar 1908 aber das hat nichts mit Schach zu tun, dennoch wert zu wissen.
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