Sieben Gründe, warum Schachspieler gute Arbeit leisten

von Leonidas Liaskos
11.07.2019 – Sind Schachspieler tatsächlich so weltfremd, wie es Klischee und Vorurteil gerne behaupten? Leonidas Liaskos, Schachspieler mit einem Universitätsabschluss in BWL und Chemieingenieurswesen, ist anderer Meinung. Er glaubt, dass Schachspieler ein Gewinn für Unternehmen darstellen können. Aus 7+1 Gründen. | Fotos: Micael Sáez, Unsplash.com

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Fähigkeiten, die das Unternehmen fördern

Laut TARGET-jobs, einer der profilitiertesten Arbeitsvermittlungsagenturen von Hochschulabsolventen in Großbritannien, gehören problemlösendes Denken, Organisationsfähigkeit und die Fähigkeit, unter Druck arbeiten zu können, zu den 10 wichtigsten Softskills, über die ein Hochschulabsolvent verfügen sollte. Ich würde noch strategisches Denken und Leidenschaft hinzufügen. Schachspieler verfügen von Natur aus über all diese und noch ein paar andere Fähigkeiten und üben sie regelmäßig.

Ausbildung und Arbeitserfahrung sind für junge Hochschulabsolventen wichtig, aber sie sind nicht das, womit man sich im Lebenslauf von anderen positiv unterscheidet. Verantwortlich für Persönlichkeit und Fähigkeiten eines Einzelnen sind vielmehr die Energie, die wir in etwas stecken und die Entscheidungen, die wir im Laufe der Zeit treffen (Hamel & Prahalad, 1994). Sie sind es, die einen Angestellten zu einem wertvollen Mitarbeiter machen. Im Folgenden sind nun 7 (+1) Gründe aufgezählt, warum Schachspieler gute Arbeit leisten.

1. Schachspieler sind Problemlöser

Selbst ein junger Amateur löst etwa 20 Probleme pro Woche; und jemand, der semi-professionell Schach spielt, löst vielleicht sogar 20 Probleme pro Tag. Dadurch entwickelt man nicht nur analytische und problemlösende Fähigkeiten, (Burgoyne, et al., 2016), sondern schult auch die Ausdauer bei der Suche nach der richtigen Lösung. So gesehen sind Schachspieler aus sich heraus motivierte Problemlöser, die bereit sind, jede Herausforderung anzugehen.

2. Schachspieler haben Erfahrung mit Zeiteinteilung

Obwohl Schach als sehr langsames Spiel angesehen wird, wissen wir alle durch eigene Erfahrung, dass dies nicht stimmt. In einer Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit haben beide Spieler etwa zwei Stunden Zeit, um 40 Züge zu machen; das entspricht etwa drei Minuten pro Zug. Wenn sie nicht in Zeitnot geraten wollen, müssen Schachspieler ihre Zeit deshalb effektiv einteilen. 

3. Schachspieler arbeiten ständig unter Zeitdruck

Selbst wenn man sich seine Zeit perfekt einteilen kann, so gibt es doch immer wieder Situationen, in denen man einfach nicht genug Zeit hat. Dann müssen Schachspieler in weniger als einer Minute eine Entscheidung treffen, was in der Praxis bedeutet, dass Schachspieler lernen, unter Druck Leistung zu bringen (Unterrainer, et al., 2011). Zu üben, Entscheidungen zu treffen und unter Zeitdruck zu üben, kann dabei helfen, Termine einzuhalten und Aufgaben zu bewältigen, bei denen eine begrenzte Menge an Ressourcen zur Verfügung steht.

4.Schachspieler verfügen über Fähigkeiten zur Organisation

Ein Schachspieler weiß, wie man Informationen strukturiert und Prioritäten setzt. Auf Linien, Diagonalen und Reihen zu operieren, kann einem Schachspieler dabei helfen, Ordnung in die Dinge zu bringen und effizient und produktiv zu arbeiten, um eine Aufgabe erfolgreich zum Abschluss zu bringen. In einer wechselhaften, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Welt ist es wichtig, klare Vorgehensweisen zu haben (Bennett & Lemoine, 2014), um eine solche Umgebung zu organisieren.

5. Schachspieler haben Leidenschaft

Titel zu gewinnen und Meister zu werden, kann für jeden ein Ziel sein. Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss ein Schachspieler viele Opfer bringen. Die Bereitschaft, der Beste werden zu wollen, verlangt schon in jungen Jahren Opfer im Privat- und im Gesellschaftsleben, ohne dass man den Ruhm oder Anerkennung erhält, die Fußball- oder Basketballspieler bekommen. Diese Leidenschaft und diese intrinsische Motivation für ein verwirrend komplexes Spiel ist das, was Schachspieler von anderen Sportlern unterscheidet (Unterrainer, et al., 2011). So kann ein Schachspieler die gleiche Leidenschaft und Motivation aufbringen, wie jemand, der eine Arbeit macht, die inspiriert und ihn voranbringt.

6. Schachspieler sind geduldig und denken langfristig

Beim Schach geht es nicht um schnelle und leichte Siege; entscheidend sind beim Schach langfristige Ziele, harte Arbeit und Geduld. Fortschritte, die jemand beim Training macht, sind nicht immer leicht zu erkennen, denn anders als in anderen Sportarten sieht man nicht, wie sich der Körper verändert und stärker oder schneller wird. Auch während der Partie sind Geduld und langfristige Planung von entscheidender Bedeutung. Wie oben erwähnt, dauert eine Partie leicht 40 Züge oder mehr, und diese Züge müssen präzise geplant und berechnet werden, da schon ein kleiner Fehler zu einer Niederlage führen kann. Geduld und langfristiges Denken können dazu führen, dass man im Unternehmen das große Ganze sieht und keine schnellen und einfachen Lösungen anstrebt, sondern den Problemen auf den Grund geht.

7. Schachspieler denken kreativ

Micael Sáez, UnsplashSchach ist schon als langweiliges Spiel dargestellt worden, das reiner Mathematik ähnelt, und bei dem alles auf Berechnung ankommt. Aber um das Spiel gut zu spielen, muss man auch ein ungeheuer kreativer Denker sein (Waters, et al., 2002). Beim Schach geht es darum, vorausschauend zu denken und sich Dinge vorzustellen, denn wenn man alle Möglichkeiten durchrechnen will, die sich ergeben können, wenn man drei Züge vorausdenkt, dann muss man durchschnittlich beinahe vier Milliarden Stellungen berechnen (Rice, 2008) — und das kann nur eine Maschine. Die Fähigkeit zum kreativen Denken kann helfen, mit weniger Rechnerei überraschende Züge und Strategien zu finden. Im wahren Leben können diese kreativen Fähigkeiten zusammen mit abstraktem Denken und Mustererkennung helfen, innovative Lösungen ganz unterschiedlicher Probleme zu finden.

BONUS: Schachspieler üben strategisches Denken

Gut Schach zu spielen steht synonym für gutes strategisches Denken. Kurz gesagt bedeutet Strategie, einen Plan zu haben und ihn auszuführen; Schachspieler machen genau das. Sie verbinden ihr problemlösendes Denken und ihre kreativen Fähigkeiten, wobei sie jedoch Widerstände berücksichtigen, um einen Plan zu entwickeln und umzusetzen. Dieser Prozess verlangt bis zum letzten Moment Geduld und Präzision. Aber auch eine Niederlage kann Teil einer Erfahrung sein, durch die man etwas lernt. Aus Fehlern zu lernen ist wertwoll. So kann ein Schachspieler auch bei der Arbeit ein großer Stratege sein, der die Strategie einer Organisation sowohl benennen als auch ausarbeiten kann, wobei er es dabei vermeidet, zu sehr vom zielführenden Prozess abzuweichen (Mintzberg, et al., 2009).


Literaturhinweise

Bennett, N. & Lemoine, G. J., 2014. What VUCA Really Means for You. Harvard Business Review, January-February.

Burgoyne, A. P. et al., 2016. The relationship between cognitive ability and chess skill: A comprehensive meta-analysis. Intelligence, Volume 59, pp. 72-83.

Hamel, G. & Prahalad, C., 1994. Competing for thr Future. Boston: Harvard Business School Press.

Hecht, H., 2018. SwimSwam. [Accessed 30 05 2019].

Mintzberg, H., Ahlstrand, B. & Lampel, J., 2009. Strategy Safari: The complete guide through the wilds of strategic management. 2nd ed. Harlow: Pearson Education Limited.

Rice, B., 2008. Three Moves Ahead: What Chess can teach you about Business (even if you've never played). 1st ed. San Francisco: Jossey-Bass.

Unterrainer, J., Kaller, C., Leonhart, R. & Rahm, B., 2011. Revising superior planning performance in chess players : The impact of time restriction and motivation aspects. American Journal of Psychology, Volume 124, p. 213–225.

Waters, A. J., Gobet, F. & Leyden, G., 2002. Visuo-spatial abilities in chess players. British Journal of Psychology, Volume 30, pp. 303-311.




Leonidas Liaskos stammt aus Griechenland und war früher halbprofessioneller Schachspieler, der in Griechenland auch als Trainer gearbeitet hat. Er hat einen Universitätsabschluss in Chemieingenieurswesen und studiert zur Zeit als Post-Graduate an der University of Warwick in England Betriebswirtschaft.
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Krennwurzn Krennwurzn 06.09.2019 10:41
Nüchtern betrachtet gilt das für fast alle anderen Sportarten auch … reflektiertes Nachdenken über das eigene Tun!!
RiederJ RiederJ 01.08.2019 06:50
[für ersten Kommentar siehe unten]

Stelle 5:
"Beim Schach geht es darum, vorausschauend zu denken und sich Dinge vorzustellen, denn wenn man alle Möglichkeiten durchrechnen will, die sich ergeben können, wenn man drei Züge vorausdenkt, dann muss man durchschnittlich beinahe vier Milliarden Stellungen berechnen (Rice, 2008)"
Falsch! abgesehen davon, dass das "durchschnittlich" hier nichts zu suchen hat: Es sind nicht 4 Millarden, sondern über 9 Millarden. Liese sich auch ganz einfach in einer 20-sekündigen Google-Recherche überprüfen.


Wenn man noch etwas weiter sucht, findet man sicher mehr als diese 5 ganz offensichtlichen Fehler. Ich hoffe stark, dass der Autor dieses Textes sich die Quellen mal ansieht, bevor er sie zitiert. Ich hatte echt Hoffnungen in den Artikel, da er auf den ersten Blick professionell aussieht und gut für PR-Zwecke für das Schach genutzt werden könnte. Mit diesen Fehlern ist das aber nicht möglich!
RiederJ RiederJ 01.08.2019 06:44
[erster Kommentar darunter aufgrund Zeichenlimit]

Dritte Stelle:
"Aber um das Spiel gut zu spielen, muss man auch ein ungeheuer kreativer Denker sein (Waters, et al., 2002)."
Erst ein handelt die Studie gar nicht von Voraussetzungen des Schachspiels und hat auch nicht untersucht wie gut die Versuchsgruppe von 30 Schachspielern war und ob bessere Schachspieler kreativer waren etc. Aber das beste kommt noch, die Studie sagt buchstäblich das Gegenteil von dem aus, was hier im Text steht!!!! Ich zitiere mal den Original-Wortlaut:
"However, we found no evidence for a correlation between chess skill and visual memory ability in a group of adult chess players (N = 36, age = 28.4 years). This finding, together with other data in the literature, suggests that there is surprisingly little evidence that chess skill and visuospatial ability are associated in adults."

Das ist buchstäblich das Gegenteil von dem was der Autor hier schreibt!! Wenn man Quellen angibt, sollte man diese auch gelesen haben. Unfassbar.


Stelle 4:
"So kann ein Schachspieler auch bei der Arbeit ein großer Stratege sein, der die Strategie einer Organisation sowohl benennen als auch ausarbeiten kann, wobei er es dabei vermeidet, zu sehr vom zielführenden Prozess abzuweichen (Mintzberg, et al., 2009)."
Falsch! Wenn man sich anschaut, was die Quelle dazu schreibt, ist Schach nur ein Beispiel in einem Kapitel, das gar nichts mit der hier getroffenen Aussage zu tun hat. Abgesehen davon handelt es sich hier um ein BWL-Fachbuch, also ist das nicht ein mal empirisch belegt.
RiederJ RiederJ 01.08.2019 06:39
Leider wurde hier sehr unsauber recherchiert, die Quellen wurden fast ausschließlich falsch interpretiert oder gleich ganz Aussagen raus gezogen, welche überhaupt nicht untersucht wurden.

Erste Stelle:
"Dadurch entwickelt man nicht nur analytische und problemlösende Fähigkeiten, (Burgoyne, et al., 2016)"
--> Falsch! Burgoyne hat Leute untersucht, welche Schachspieler sind und konnte nachweisen, dass Schachspieler im Schnitt bessere problemlösende Fähigkeiten haben. Eine Korrelation liegt also vor, ABER eine Aussage, ob diese Fähigkeiten durch das Schachspiel erworben wurden lässt sich nicht daraus schließen. Es ist genau so gut möglich (und sehr wahrscheinlich), dass Menschen, die bessere problemlösende Fähigkeiten besitzen sich lieber mit dem Schachspiel beschäftigen und eher aktive Schachspieler bleiben.

Zweite Stelle:
"Diese Leidenschaft und diese intrinsische Motivation für ein verwirrend komplexes Spiel ist das, was Schachspieler von anderen Sportlern unterscheidet (Unterrainer, et al., 2011)"
--> Falsch! In der Arbeit von Unterrainer handelt überhaupt nicht vom Schach, wo dieser Schluss herkommt ist mir nicht ersichtlich. Vermutlich eine falsche Quelle copy+pasted

Aufgrund des Zeichenlimits der Rest im nächsten Kommentar
Jitterbug Jitterbug 31.07.2019 03:50
Hi Anton46! Meinst du mit deinem letzten Post das Hetero-Männer degenerieren wenn Frauen im Spiel sind?
Anton46 Anton46 13.07.2019 03:34
Das Motto "Schach macht schlau" trifft meiner Ansicht zu 80 Prozent zu. Im Beruf hab ich leider gegenteilige bei diesen Leuten Erfahrungen gesammelt, besonders wenn Frauen im Spiel waren, wen wundert es :)
Das wirkt auch heute bei mir noch nach ..
WolfgangR WolfgangR 13.07.2019 07:17
M. E. wird das Schachspiel hier viel zu sehr überhöht.
Auch wenn es „strategisches Denken“ fördert und übt, werden verkehrte Schlüsse gezogen. Die gerne verbreitete Mär von der Förderung des logischen Denkens wurde ja inzwischen begraben, da die Denklogik beim Schach nur für das Schachspiel brauchbar ist.

Auch Nichtschachspieler (NSS) können strategisch und „logisch“ denken.

Auch NSS können mit Zeitdruck umgehen, sind kreativ, sind geduldig, denken langfristig, sich und Kolleginnen organisieren, ihre Zeit einteilen und Probleme lösen. Da wird vieles völlig unzulässig in einen Topf geworfen.
Zunächst erfordert das Schachspiel sehr spezielle Fähigkeiten von seinen Spielern. Die genannten Fähigkeiten sind sowohl beim Schachspiel als auch im Job gefragt, unterscheiden sich aber völlig in den denkerischen Ansätzen.

Akademiker erwerben im Laufe ihrer Ausbildung häufig sehr spezielle Fähigkeiten, die nicht einmal in Ansätzen etwas mit Schach zu tun haben. Aber auch Akademiker können aus verschiedensten Bereichen Verknüpfen und Umdenken, wenn es erforderlich.

Obwohl das Schachspiel für mich eine wirklich schöne Beschäftigung ist, habe ich vor Jahren auch mal das Go-Spiel kennengelernt. Bei diesem Spiel benötigt man ebenfalls die oben genannten Schachspieler-Befähigungen. Allerdings wirken sie sich gänzlich anders aus. Trotz der vordergründigen Statik (gelegte Steine bleiben liegen) entwickelt sich beim Denken plötzlich eine Art von Unruhe, weil man ja überlegt, wohin der Gegner den nächsten Stein legen könnte. Daraus erfolgt dann eine gedankliche Dynamik, die nach meiner Erfahrung wohl nur dem Go-Spiel eigen ist. Die Erfahrung lohnt sich also durchaus; dem Schachspiel bin ich trotzdem treu geblieben.
Anton46 Anton46 12.07.2019 11:19
Wäre schön wenn der Autor Recht hätte. Naxh meiner Erfahrung werden Schachspieler von Nichtschachspielern
im Beruft oft verhöhnt, weil diese keinerlei Ahnung davon haben und Schachspieler wohl nicht dieser Spaßgesellschaft entsprechen.
Chessiszen Chessiszen 12.07.2019 09:16
Nur weil jemand jahrelang Schach spielt ist das noch keine Garantie erfolgreich im Beruf zu sein.
Auch der Zusammenhang Schach-Mathematik finde ich seltsam.

Ich hatte in der Schulzeit abwechselnd die Schulnoten 5 und 6 auf meinen Zeugnissen und trotzdem
wurde ich mit der Zeit besser im Schach. Meiner Meinung hat Schach mit Mathe nur sehr wenig zu tun.
RevTiberius RevTiberius 12.07.2019 01:10
Ich bin auch eher der Meinung, dass Schach von nicht-schachspielenden Menschen zuviel Respekt entgegengebracht wird. Fuer viele andere Spiele und Sportarten gelten die dem Schach zugeschriebenen positiven Effekte meiner Meinung nach genau so.
Man sollte Schach spielen, weil es einem Spass macht, und nicht, weil man glaubt dass es einen zu einem "besseren", oder "erfolgreicheren" Menschen macht.
Anderseits ist es schon bemerkenswert, dass viele der Leute, mit denen ich in meiner Jugendzeit Schach gespielt habe, heute beruflich recht erfolgreich sind - ich auch. Es gibt viele, die inzwischen gut verdienen, und z.B. bei Unternehmensberatungen oder grossen Anwaltskanzleien als Partner arbeiten. Man sollte allerdings "Correlation" nicht mit "Causation" verwechseln. Wer aus nach traditionellem Verstaendnis aus "gutem Hause" kommt und daher (zufaellig ?) Schach spielt, sollte vorsichtig sein, ob seiner ganzen Vorteile im Leben seinen beruflichen Erfolg dem Schachspiel zuzuschreiben.
desperate pawn desperate pawn 12.07.2019 12:01
Da werden wir uns heute nicht mehr einig :) Das tolle ist doch, dass Schach sehr einfach zu erlernen ist und dann für einen Menschen unerschöpflich ist. Noch ein Zitat aus dem Indischen: "Das Schachspiel ist wie ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann". Ein Spiel, in dem jeder nach kürzester Zeit mit jedem mithalten kann, ist doch banal, wenn es vielleicht kurz Spaß macht. Und ist nicht gerade Ihre Aussage, dass der, der viel übt große Vorteile hat, praktisch auf das Berufsleben gemünzt? Und- ist das nicht auch, äääh, gerechtfertigt? Manche Manöver wiederholen sich, da gebe ich Ihnen recht- aber das schult doch auch wieder das Denken in Schemata und das Erkennen, wann ein Schema anwendbar ist und wann nicht. Und trotzdem gibt es doch immer noch Neues. Jetzt lernt der Mensch von der KI, Magnus Carlsen hat sich nicht zuletzt dadurch in letzter Zeit stark verbessert, weil er die Partien von Alpha Zero studiert und davon lernt. Ist das nicht faszinierend? Und ich denke auch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Computer in praktisch allen Bereichen besser sein werden als der Mensch.
DoktorM DoktorM 11.07.2019 11:13
Das sehe ich nicht so. Schach ist ein Spiel, bei dem derjenige, der viel übt, sehr viel übt, große Vorteile hat. Das schreckt viele ab. Es gibt Spiele, da kann man innerhalb einer Stunde mit den besten mithalten. Und dabei hat jeder Spaß.
Schach ist gerade nicht unerschöpflich. Die Manöver wiederholen sich. Um es kurz zu machen. Die besten Schachspieler sind Computer. Finden Sie einen anderen Bereich, der immer wieder mit Wissen, Kreativität, Intelligenz verknüpft wird, in dem Computer besser sind als Menschen. Ich kenne keines. Schach scheint doch nicht so schwierig zu sein.
desperate pawn desperate pawn 11.07.2019 10:29
Gibt es einen der sieben Punkte aus dem Artikel, der im Berufsleben nicht nützlich wäre? Als da wären: eine generelle Affinität zum Lösen von Problemen, Arbeiten unter Zeitdruck, organisatorische Fähigkeiten zu entwickeln (während der Partie und im Training), strategisches Denken usw., usw. In dem Artikel wird doch nicht behauptet, dass jemanden spezielle Schachfähigkeiten für das Berufsleben befähigen, sondern eben Charaktereigenschaften und Strategien, die auch für das Schachspielen nötig sind. Wenn Ihr neuer Mitarbeiten die mitbringt, ist das doch nützlich! Abgesehen davon glaube ich persönlich wirklich, dass auch das spezielle Schachwissen viel bringt (was nebenbei der Autor des Artikels gar nicht in den Vordergrund stellt)- Beispiel Jura als "Schach mit Worten, wo man sich Motive wie Doppelangriffe, Fesselungen, Pattstellungen und Zugzwang sehr gut vorstellen kann. Hier kann man auch "Kreativität auf andere Bereiche übertragen", nebenbei eine der großen Stärken des unerschöpflichen Schachspiels, ständig Erlerntes auf neue Bereiche / Situationen anzuwenden. Und ich finde auch nicht, dass man beim Schach logisches Denken "in einem engen Bereich" lernt. Das ist ein weites Universum. Last but not least ist es fast schon ein Frevel, das Schachspiel mit irgend einem beliebigen "anderen Spiel" in einen Topf zu werfen. "Das Schachspiel übertrifft alle anderen Spiele so weit wie der Chimborasso einen Misthaufen" (Arthur Schopenhauer).
DoktorM DoktorM 11.07.2019 09:51
Ich habe nicht behauptet, dass die Probleme die gleichen sind. Ich habe behauptet, dass einem die speziellen Schachfähigkeiten außerhalb von Schach (fast) nichts bringen. Es wird zwar immer wieder das Gegenteil behauptet, doch sind die Belege dafür nicht überzeugend. Durch Schach lernt man nicht logisches Denken, man lernt das logische Denken in einem engen Bereich mit ganz speziellen Regeln. Sobald sich der Bereich und die Regeln ändern, sind viele Denkweisen und Methoden aus dem Schach nutzlos, vielleicht sogar schädlich. Auch ist die Kreativität aus dem Schach nicht übertragbar auf andere Bereiche. Daher sehe ich keinen Vorteil darin, einen Mitarbeiter einzustellen, der Schach spielen kann. Außer, man möchte im Firmenschach antreten (aber dafür gibt es Gastspieler). Mir ist es lieber, der neue Mitarbeiter beherrscht sein Gebiet. Der gleiche Bericht mit einem anderen Spiel als Schach wäre genauso "sinnvoll".
desperate pawn desperate pawn 11.07.2019 09:29
@DoktorM: In dem Artikel wird doch auch gar nicht behauptet, dass die Art der Probleme außerhalb des Schachbrettes die gleichen seien wie auf dem Brett. Es wird lediglich und m. E. auch sehr überzeugend dargestellt, dass man für die Lösung beider Probleme die gleichen Fähigkeiten trainiert. Juristische Streitfälle beispielsweise kann man sehr wohl als "Schach mit Worten" beschreiben, auch wenn dort keine Türme oder Springer ziehen. Abgesehen davon muss auch eine Figur in einem Schachspiel manchmal ausruhen- zugegeben, die "temporären Bedingungen" mögen in der Realität schon komplexer sein. Aber auch Ihr Beispiel von dem mathematisch minderbemittelten Schachkönner, den es ja schon vielleicht vereinzelt "geben mag", spiegelt doch wohl eher einen Sonderfall wider. Mich jedenfalls hat Ihre Argumentation vom genauen Gegenteil Ihrer Meinung überzeugt.
DoktorM DoktorM 11.07.2019 06:49
Die Fähigkeiten, die jemand auf den 64 Feldern hat, haben nichts damit zu tun, was jemand außerhalb der 64 Felder leisten kann. Beim Schach löst man sehr spezielle Probleme, die es außerhalb von Schach in dieser Form nicht gibt. Ein simples Beispiel: Beim Schach kann eine Figur beliebig oft ziehen. In der Realität muss sich manche "Figur" auch einmal "ausruhen". Es gibt also zusätzlich temporäre Bedingungen. Die Übertragbarkeit von Schachwissen auf die Realität ist sehr begrenzt, oftmals einfach nicht vorhanden. Es soll sogar sehr gute Schachspieler geben, die selbst die elementare Mathematik nicht so ganz verstehen. Dabei muss man dazu nur ein wenig logisch denken können.
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