Traumland Thailand

von Manfred Menacher
23.02.2017 – Das Bangkok Open erfreut sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit und gilt als Geheimtipp unter den Eingeweihten, die gar nicht wollen, dass dies groß herum erzählt wird. Manfred Menacher macht dies trotzdem und berichtet als Thailand-Fan von wunderlichen Dingen in einem fantastischen Land.

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Wer Thailand bereist, der hat alle Trümpfe in der Hand Außergewöhnliches und Abenteuerliches zu erleben. Ein nach Thailand ausgewanderter Engländer sagte einmal zu mir: "Thailand ist nicht nur ein anderes Land, es ist ein anderer Planet". Bei meinen Rucksackreisen durch dieses Land musste ich nicht nur einmal an diesen Satz denken und es ist in der Tat vieles anders. Vor allem muss man einiges beachten um die Gefühle der Thailänder nicht zu verletzen. Eine aus der Tasche fallende Münze darf, falls sie ins Rollen gerät, nie mit dem Fuß gestoppt werden, weil darauf das Antlitz des Königs abgebildet ist. Es käme einer Majestätsbeleidigung gleich und die wird mit drastischen Gefängnisstrafen belegt. Der Fuß gilt als unreinster Körperteil. Es gilt als Verachtung, wenn man jemandem gegenübersitzt und ihm bei übereinandergeschlagenen Beinen die Fußsohle entgegenstreckt. Genau das passierte dem deutschen Außenminister Kinkel beim Besuch seines thailändischen Amtskollegen. Ein Affront des unbedarften Klaus Kinkel. Es war Fremdschämen angesagt als ich diese Szene vor ca. 20 Jahren in der Tagesschau sah.

Man muss stets wachsam bleiben, wenn man in Thailand unterwegs ist. Manchmal tut sich auf dem Gehsteig ein 2-Meter tiefes Loch auf, das natürlich ungesichert ist. Beim Überqueren von Straßen muss man ebenfalls aufpassen, denn eine rote Ampel findet nicht die Beachtung wie in Deutschland.

Ein ereignisreicher Tag in Phuket

Bei meiner ersten Reise nach Phuket, der größten Insel Thailands, erlebte ich gleich am ersten Tag im wahrsten Sinne des Wortes bemerkenswerte Dinge. Nach meiner Ankunft war ich sehr müde und bezog als Low-Budget-Reisender ein Hotel für umgerechnet 12 Euro. Ich schlief bis 2:30 nachts und beschloss etwas spazieren zu gehen. Als ich auf die Straße trat hörte ich Geschrei, das offensichtlich aus einem Mikrophon drang. Ich ging dem Lärm entgegen und entdeckte zu meiner völligen Verblüffung einen Lebensmittelmarkt mit Händlern, die ihre Waren lautstark anpriesen. Kinder sprangen umher als ob es Nachmittag wäre. Nach dem Genuss einer säuerlich schmeckenden, unreifen Mango, die übrigens viel besser schmeckt als diejenigen, die zu uns nach Europa kommen, kehrte ich zum Hotel zurück.

Nach dem Frühstück und abermaligem Spazierengehen bedrängte mich ein Motorradtaxifahrer mich 2 Stunden durch Phuket-Town zu fahren um mir Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Der Handel war für 4 Euro geschlossen. 5 Minuten später war ich der kreidebleiche Sozius eines verrückten, nach Abkürzung strebenden Geisterfahrers auf einer vierspurigen Straße. Als ich am Nachmittag in einem Straßencafe saß, schrieb ich vertieft an meinem Reisetagebuch als mir plötzlich ein Elefantenrüssel den Stift aus der Hand nahm. Ein junger Mann führte seinen Elefanten durch die Straßen und verkaufte Futter für sein Tier an Touristen. Am Abend ging ich auf einen großen Markt, in dem sehr viele verschiedene Waren angeboten wurden. Ich bekam Hunger und ging zu einer der vielen Küchen innerhalb des Marktes. Niemand war der englischen Sprache mächtig und so zeigte ich unvorsichtigerweise mit dem Finger auf einen Top mit Suppe aus dem Hühnchenfleisch ragte. Beim Servieren musste ich feststellen, dass das Gericht ausschließlich aus knorpeligen Hühnerhälsen bestand. Als Fatalist nahm ich es hin und kämpfte mit dem Essen. Normaler Reisealltag in einem der faszinierendsten Länder der Welt.

Big Buddha

Thailand hat neben einer wunderbaren Küche vor allem eine einzigartige Natur zu bieten. Ein Muss ist eine Tagestour mit dem Schiff durch die großartige Inselwelt des Ao Phang Nga-Nationalparks, die in der Nähe der Stadt Krabi startet. Beliebtestes Fotomotiv dabei ist der berühmte James Bond-Felsen Khao Ta-Pu. 1974 wurde dort der Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" mit Roger Moore gedreht.

Der Ao Phang Nga-Nationalpark lädt zu Ausflügen ein.

Bangkok, die Megametropole des Lächelns

Wenn man nach Bangkok fliegt, erlebt man zuerst den gigantischen und doch übersichtlich strukturierten Suvarnabhumi (Goldenes Land) Airport, der mit dem Airport Rail Link, einer S-Bahn, eine sehr preisgünstige (ca. 1,20 Euro) und schnelle Anbindung an die Innenstadt bietet. In der Stadt hat man dann eine riesige Auswahl an großartigen und weniger guten Hotels. Empfehlenswert, weil sehr außergewöhnlich, sind das Lebua State Tower Hotel, in dem der bekannte Hollywood-Film "Hangover" gedreht wurde. Auf dem Dach des Hotels ist eine tolle Skybar mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt und auf den Chao Praya River. Tolle Aussichten bietet auch das höchste Hotel Thailands. Das Baiyoke Sky Hotel hat sage und schreibe 85 Stockwerke und ist 304 Meter hoch. Zimmer erhält man dort schon ab ca. 65 Euro.

Suvarnabhumi

Die Lebua Tower-Kuppel

"One Night in Bangkok" heißt der Titelsong des weltbekannten Musicals “Chess”, dessen Musik von den männlichen Mitgliedern der Popgruppe ABBA Benny Andersson und Björn Ulvaeus geschrieben wurde. Meine letzten Urlaubstage vor dem Heimflug nach München verbrachte ich in dieser pulsierenden Metropole. In vielen Großstädten dieser Welt kann man zurecht Angst empfinden wenn man nachts unterwegs ist, doch Bangkok ist eine freundliche Metropole und man hat nie ein mulmiges Gefühl. Wenn der Satz “the city which never sleeps” zutrifft, dann für diese Stadt. Wer hier Verbrecher wird, ist selbst schuld, denn auf legalem Wege ist es viel einfacher und risikoloser einen großen Reibach zu machen. Es genügt Mangos oder Kokosnüsse zu verkaufen und man wird zahlreiche Abnehmer finden. Taxi- und Tuk-Tukfahrer sowie nimmermüde Liebesdamen, die die Gehsteige säumen, begeben sich auf die immerwährende Suche nach dem Geschäft mit dem finanzstarken Farang, was "westlicher Ausländer", aber spöttisch auch "Langnase" bedeutet.

Auch mobile Garküchen kennen keine Nachtruhe oder sind im Schichtbetrieb unterwegs und es existiert eine Vielzahl an 24-Stunden-Restaurants, die sich über mangelnde Kundschaft nicht beschweren können. Der allgegenwärtige kulinarische, kulturelle und kaufsüchtige Lebenshunger scheint hier nie gestillt werden zu können. Seit 24 Jahren bereise ich dieses Land und noch nie habe ich einen aggressiven Thai erlebt, außer im Thaiboxring natürlich. Es würde Gesichtsverlust bedeuten und gilt als Schande, in der Öffentlichkeit Aggression zu zeigen. Das macht das Alltagsleben hier zu einem angenehmen Miteinander. Eine solche Stimmung würde man sich in Europa wünschen. Vor ca. einem Jahr gab es eine große Diskussion wegen zwei einheimischen Jugendlichen, die sich vor den “Augen” einer  Überwachungskamera heftig geküsst hatten.  Zeitungen und TV-Medien behandelten das Thema ausführlichst und der allgemeine Tenor war, dass es sich schlicht nicht gehört eine solche private Emotion vor den Augen anderer Menschen zu zeigen. Für die thailändische Gesellschaft war es eine Respektlosigkeit gegenüber Anderen und einig war man sich zudem darüber, dass Thailand nicht alles übernehmen muss, was in Hollywoodfilmen gezeigt wird. Neben traditioneller Strenge erlebt man jedoch auch beeindruckende Toleranz. So werden die sogenannten Ladyboys, Transsexuelle, in allen gesellschaftlichen Bereichen und Berufen akzeptiert.

Nach den politischen Unruhen 2014 durch die rivalisierenden Rot- und Gelbhemden hat einmal mehr das Militär die Macht übernommen. Die politischen Parteien hatten tagelang die Verkehrsadern Bangkoks belagert - einige hatten auf den Straßen mit Zelten übernachtet und die Stadt lahmgelegt bevor das Militär eingriff. Seit 1933 gab es sage und schreibe 21 Staatsstreiche. Das einfach Volk ist mit der gegenwärtigen Lage und Ordnung zufrieden.
Für den Touristen bleibt das Land ein Magnet und sehr empfehlenswert ist ein Besuch in der "Ocean World" in Bangkok und der etwas außerhalb liegende "Bangkok Safari Park".

Der Bangkok Safari Park bietet große Nähe zur einheimischen Fauna

Der Bangkok Chess Club ist Ausrichter eines bedeutenden und sehr beliebten Opens und 2017 wird es zum 17. Mal ausgerichtet. Sehr erstaunliche, denn die schachlichen Aktivitäten des Clubs starteten erst 1999 durch den Finnen Kai Tuorila, der immer noch Organisationschef des Opens ist.

Panupand Vijjuprabha und Kai Tuorila

Bild Schebler-Darby

Der deutsche Großmeister Jan Gustafsson und die lebende englische Schachlegende Nigel Short sind Stammgäste des Turniers. In diesem Jahr wird das Open im Regent Cha-am Beach Resort ausgetragen. Cha-am ist ein Vorort des bekannten Seebades Hua Hin ist. Jene Region gilt als Hochburg pensionierter Skandinavier und ist etwa 180 Km südlich von Bangkok gelegen.

Rahmenprogramm für die Großmeister, das 16th-BCC-Open-ChessBoxing

Ich nahm Kontakt auf zum Chessclub in Bangkok und Peter Darby, ein umtriebiges Mitglied des Clubs, lud mich zum Vereinsabend im Clubhouse ein. Es war mein vierter Besuch in den letzten 10 Jahren und ich musste feststellen, dass der Club ein weiteres Mal umgezogen war. Auch in Bangkok sind die Lokalitäten manchmal unzufrieden mit dem Getränke- und Speisenkonsum der Schachfreunde. Da gibt es also keinen Unterschied zu Deutschland. Erstaunlich ist aber die wöchentlich wechselnde und sehr internationale Zusammensetzung der Spieler und Besucher des Clubs, was ihn einzigartig macht.

Nach meiner Ankunft im Clubhouse, das man sehr leicht mit dem Skytrain (Station Asoke) und einem kleinen Spaziergang in die Sukhumvit Soi 23 erreicht, waren bereits einige Schachfreunde anwesend.

Skytrain

Das Clubhouse

Der Pensionist Hans aus Dänemark, der Holländer Ron, der Belgier Boris, der in Bangkok für eine Recyclingfirma arbeitet, der 21-jährige zornige Jeff aus den USA, der nach eigener Aussage Martial Arts in Bangkok studiert und seit zwei Jahren in der Metropole lebt, und auch ein Deutscher namens Robert aus Marktoberdorf. Später kam noch ein junger stark spielender Thailänder  mit dem klangvollen Namen Thoetsak Wongsawan hinzu.

Peter Darby, der den Clubchef Kai Tuorila aus Finnland vertrat, begrüßte mich sehr freundlich und gleich überreichte mir der Graphik-Designer das von ihm erstellte beeindruckende 56-seitige Turnierbuch des letztjährigen Turniers. Wir unterhielten uns über die Schachszene in Thailand. In einigen internationalen Schulen wird Schach als Wahlfach angeboten mit zumeist philippinischen Trainern und auch der in Pattaya lebende deutsche Großmeister  Gerhard Schebler ist ein in Schulen aktiver Schachlehrer.

Es hat sich einiges getan. Während es vor ca. 4 Jahren erst ca. 30 in der Fide gelistete Spieler gab, sind es 2017 bereits 100. Nach wie vor sehr verbreitet ist das thailändische Schach mit dem Namen Makruk, das dem internationalen Schach ähnelt. Peter Darby erklärte mir, dass Makruk aufgrund der beschränkten Möglichkeiten der Figuren ohne Dynamik sei und es von Beginn an einem Endspiel gleicht.

Es bedarf noch mehr Werbung, auch in den Medien, um das internationale Schach in Thailand beliebter zu machen und wer weiß, vielleicht entdeckt man eines Tages ein hervorragendes Talent, das wie Anand in Indien, einen Schachboom auslöst.

Während wir uns unterhielten wurde eine Partie der Clubmeisterschaft gestartet. Der ältere Herr John Jackson aus den USA trat gegen den jugendlichen Inder Krishi Pallab Chutia an. Nach einem von Peter Darby organisiertem kleinen Blitzturnier ging ein sehr entspannter und netter Abend zu Ende.

Jackson-Krishi

Darby im Blitzturnier

Beim Abschied betonte Peter Darby, dass sich der BCC auf den Besuch vieler neuer Schachfreunde aus aller Welt freuen würde, sowohl beim Vereinsabend an jedem Freitag als auch beim 17. Bangkok Chess Club Open vom 8.-16. April 2017.


Einladung zum Bangkok Open

Thailand-Experte Manfred Menacher


 



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