Wijk, Rd. 13: Carlsen vor Giri

von Marco Baldauf
27.01.2019 – Magnus Carlsen hatte nach etwas verhaltenem Start einen Gang höher geschaltet und sich vor der Schlussrunde einen Vorsprung von einem halben Zähler erkämpft. Sein direkter Konkurrent Anish Giri saß ihm heute also nicht nur im Nacken, sondern auch am Brett gegenüber. Carlsen parierte die Versuche Giris jedoch ohne größere Probleme und darf sich über seinen siebten Titel in Wijk aan Zee freuen | Foto: Alina L'Ami

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Alle Augen auf Giri vs Carlsen

Wijk aan Zee 2018: Magnus Carlsen und Anish Giri führen mit je 8½/12 die Tabelle an. Giri kommt mit Schwarz gegen den jungen, aber gefährlichen Wei Yi; Carlsen muss ebenso mit den schwarzen Steinen gegen hochsoliden und ungeschlagen im Feld liegenden Sergey Karjakin. Bessere Chancen auf den heimischen Turniersieg hatte der Niederländer Giri wohl noch nie! Das Ende der Geschichte ist bekannt: beide spielten in der 13. Runde Remis und Carlsen gewann in überzeugender Weise das Tiebreak.

Anish Giri wird 2020 einen erneuten Anlauf auf den Turniersieg nehmen | Foto: Tata Steel Chess

2019 dann also die nächste Chance für Giri. Seine Ausgangslage ist diesmal noch schwieriger. Nicht nur sitzt ihm mit Carlsen persönlich der schwerstmögliche Gegner gegenüber, nein, auch einzig allein ein Sieg reicht zum Turniersieg. Ein Hoffnungsschimmer für alle Fans des Lokalmatadors: Giri führt in dieser entscheidenden 13. Runde die weißen Steine. Er eröffnet mit 1.e4 und beißt sich wie schon zuvor Van Foreest und Radjabov die Zähne am WM-Kampf-gestählten Sveshnikov Carlsens die Zähne aus. Ein für diese Eröffnung typisches Qualitätsopfer sollte Giri genug weißfeldrige Kompensation für das Remis sichern, jedoch aber nie mehr als das.

 

 Carlsen weiß sich jedoch zu wehren und kommt zu keinem Zeitpunkt in Verlustgefahr. Als Verzweiflungstat bezeichnete der Norweger die Girische Damenflügelinitiative nach der Partie. Abgeklärt und glücklich, den Titel in Wijk aan Zee bereits zum siebten Mal verbuchen zu können, zeigte sich Carlsen hinterher im Interview:

Anish Giri

An den Nebenschauplätzen gab es einige relativ kurze Remis zu verzeichnen. Manche davon waren genau so, wie man sich kurze Remis vorstellt (Nepomniachtchi vs Radjabov oder Duda vs Ding), andere genau das Gegenteil (Mamedyarov vs Fedoseev).

 

Zufrieden mit dem Finish durfte Richard Rapport sein. Seinen Gegner, Tabellenschlusslicht Jorden van Foreest, überrannte er heute bereits zu Beginn des Mittelspiels.

 

Den längsten Kampf des Tages lieferten sich Vladimir Kramnik und Sam Shankland. Kramnik spielte wie zuletzt immer sehr ambitioniert und steckte in komplizierter Stellung einen Bauern ins Geschäft. Langsam erhöhte er den Druck auf Shankland, der kurz vor der Zeitkontrolle eine Figur für weitere Bauern opferte, in der Hoffnung, seine Freibauern würden das Rennen machen. Kramnik hatte an mehreren Stellen die Chance, in ein ausgeglichenes Endspiel zu liquidieren, verzichtete wie zuletzt auch diesmal auf verfrühte Friedensschlüsse. Objektive Gegebenheiten scheinen den Ex-Weltmeister immer weniger zu interessieren.

 

Kramnik platzierte stattdessen seinen Läufer auf a2 und ließ die schwarzen Bauern am Leben. Wenige Züge später hatten die Spieler diese Position erreicht.

 

Der schwarze König marschiert nach d4, danach stoß Shankland seinen Turm auf die 3. Reihe vor und belagerte von f3 aus die Schwäche f2. Weiß konnte die Stellung nicht verteidigen und Kramnik musste nach zwei Siegen am Stück seine sechste Niederlage im Turnier quittieren.

Ergebnisse

Duda, Jan-Krzysztof - Ding Liren ½-½
Anand, Viswanathan - Vidit, Santosh Gujrathi ½-½
 Rapport, Richard - Van Foreest, Jorden 1-0
 Mamedyarov, Shakhriyar - Fedoseev, Vladimir ½-½
Kramnik, Vladimir - Shankland, Samuel 0-1
 Nepomniachtchi, Ian - Radjabov, Teimour ½-½
Giri, Anish - Carlsen, Magnus ½-½

Tabelle

 

Partien 13. Runde

 

Challengers

Vladislav Kovalev ließ sich die Führung heute nicht mehr aus der Hand nehmen und sicherte mit einer schönen Angriffspartie den Turniersieg. Beeindruckende 10/13 zeigen deutlich, dass der Weißrusse für größere Aufgaben bestimmt ist. 2018 überzeugte er ja bereits bei seinem ersten Superturnier in Dortmund, 2019 darf er sich mit Carlsen und Co im A-Turnier in Wijk aan Zee messen.

Vladislav Kovalev | Foto: Tata Steel Chess

Gemischte Gefühle gab es heute bei den deutschen TeilnehmerInnen im Feld. Elisabeth Pähtz ging auf krachende Weise gegen Erwin L'Ami baden und beendet das Turnier auf dem 13. Rang. Vincent Keymer remisiert gegen den amtierenden Jugendweltmeister Parham Maghsoodloo und darf mit 5½/13 wohl recht zufrieden sein.

Elisabeth Pähtz | Foto: Tata Steel Chess

Ergebnisse

 Keymer, Vincent - Maghsoodloo, Parham ½-½
 L'Ami, Erwin - Paehtz, Elisabeth 1-0
 Kovalev, Vladislav - Kuipers, Stefan 1-0
 Bareev, Evgeny - Esipenko, Andrey 1-0
 Saduakassova, Dinara - Praggnanandhaa R ½-½
 Gledura, Benjamin - Chigaev, Maksim 1-0
 Van Foreest, Lucas - Korobov, Anton ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Links




Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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