Wijk, Runde 12: Magnus Carlsen übernimmt Führung

von Georgios Souleidis
26.01.2019 – Mit einem überzeugenden Sieg gegen Jan-Krzysztof Duda übernahm Magnus Carlsen vor der letzten Runde die Führung beim Tata Steel Festival. In der letzten Runde kommt es zu einem Endspiel gegen Anish Giri, der gegen Teimour Radjabov aus höchster Not einen halben Punkt rettete. Neben Carlsen konnten Vladimir Kramnik und Samuel Shankland ihre Partien gewinnen, jeweils gegen Gegner, die einfach zu viel wollten. Die restlichen Partien endeten remis, darunter auch der taktisch sehr sehenswerte Schlagabtausch zwischen Ding Liren und Viswanathan Anand. | Foto: Alina l'Ami

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Tata Steel Chess 2019 - Runde 12

Masters

Über sechs Stunden dauerte die zwölfte Runde des Masters. Magnus Carlsen brauchte diese Zeit, um Jan-Krzysztof Duda niederzuringen und die Führung in der Tabelle zu übernehmen. Damit ist er der Favorit auf den alleinigen Turniersieg. Allerdings muss er in der letzten Runde mit Schwarz gegen Anish Giri antreten, der einen halben Punkt hinter ihm liegt. Beide Spieler haben es somit in eigener Hand das Traditionsturnier in Wijk aan Zee für sich zu entscheiden.

M. Carlsen 1-0 J. K. Duda

Magnus Carlsen zeigte am Samstag, warum er der Weltmeister ist. In einer scharfen Stellung der Wiener Variante des Damengambits verbesserte er eine Vorgängerpartie und setzte seinen Gegner am Königsflügel durch ein feines Turmmanöver unter Druck. Duda spielte sofort ungenau und das nutzte Carlsen rigoros mit einem temporären Figurenopfer wunderschön aus. Er erspielte sich eine technische Gewinnstellung und siegte völlig verdient.

Wie er sich zur Partie äußerte, können Sie im folgenden Video sehen:

 

D. Liren ½-½ V. Anand

Ding Liren und Viswanathan Anand lieferten sich in einer Italienischen Partie einen sehenswerten Schlagabtausch mit zahlreichen taktischen Finessen von höchster Güte. Ein Großteil der Partie dürfte im heimischen Labor erforscht worden sein, aber auch so war es für die Zuschauer ein Leckerbissen, der letztendlich remis endete.

 

S Vidit ½-½  R. Rapport

Über Zugumstellung landeten Vidit und Rapport in einer Variante der Tschigorin-Verteidigung. Rapport opferte im Mittelspiel einen Bauern. Das erwies sich als inkorrekt und Vidit stand lange auf Gewinn, bis er in Zeitnot durch zwei Fehler seinen Gegner ins Remis entwischen ließ. Dementsprechend zeigte er sich im Anschluss enttäuscht über sein Abschneiden.

 

J. van Foreest ½-½ S. Mamedyarov

Die Partie zwischen van Foreest und Mamedyarov, der als einziger Spieler im Turnier keinen Sieg errungen hat, verlief eher ereignisarm. In einer Pirc-Struktur hatte Weiß den üblichen Raumvorteil, bis Schwarz zum befreienden Zentrumsvorstoß ...d5 kam. Nach einigen taktischen Scharmützeln endete die Partie durch Dauerschach.

 

V. Fedoseev 0-1 V. Kramnik

Vladimir Kramnik taut zum Abschluss des Turniers auf. Nach dem zweiten Sieg in Folge teilt er sich das Tabellenende mit drei weiteren Spielern. Gegen Vladimir Fedossev profitierte der Ex-Weltmeister vom Drang seines Kontrahenten durchweg nach Sieghancen zu suchen. Dabei stellte Fedoseev seine Figuren aber höchst unharmonisch auf und muste am Ende Tribut zollen.

Im folgenden Interview zeigte sich Kramnik erleichtert und erläuterte die Partie aus seiner Sicht.

 

S. Shankland 1-0 I. Nepomniachtchi

Ian Nepomniachtchi ging gegen Sam Shankland mit Schwarz volles Risiko, um seine letzte Chance im Rennen um den Turniersieg zu wahren. Schon nach sechs Zügen stand in einer Pirc-Struktur eine neue Stellung auf dem Brett. Der russische Großmeister vernachlässigte sträflich seine Entwicklung und Shankland hatte letztendlich erstaunlich leichtes Spiel. Im Anschluss sprach er von einem Comeback nach dem schwersten Moment in seiner Karriere, nachdem er gegen Anish Giri in der Runde zuvor in Remisstellung aufgab.

 

T. Radjabov ½-½ A. Giri

Anish Giri kam zu seinem zweiten glücklichen Resultat hintereinander. Gegen Teimour Radjabov wählte er eine interessante Variante des Damengambits mit Zurückstellen der Entwicklung des Königsspringers, ging aber mit einem gierigen Damenausflug zu viel Risiko. Radjabov spielte im Prinzip eine tolle Partie, machte aber nicht den Sack zu und bot zur Überraschung von Giri und den Zuschauern in klar besserer Stellung remis an. Giri zeigte sich anschließend von seiner typisch humorig-ironischen Seite.

 

Ergebnisse

Carlsen, Magnus - Duda, Jan-Krzysztof  1-0
Ding, Liren - Anand, Viswanathan  ½-½
Vidit, Santosh Gujrathi - Rapport, Richard  ½-½
Van Foreest, Jorden - Mamedyarov, Shakhriyar  ½-½
Fedoseev, Vladimir - Kramnik, Vladimir  0-1
Shankland, Samuel - Nepomniachtchi, Ian  1-0
Radjabov, Teimour - Giri, Anish  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Challengers

Im Challengers übernahm Vladislav Kovalev nach dem Sieg gegen Elisabeth Pähtz die alleinige Führung. Der weißrussische Großmeister hat beste Chancen, sich für das Masters im nächsten Jahr zu qualifizieren, denn er trifft in der letzten Runde mit Weiß auf Stefan Kuipers, der zusammen mit Dinara Saduakassova das Ende der Tabelle ziert. Kovalev auf den Fersen sind die jungen Russen Andrey Esipenko und Maksim Chigaev, die nur einen halben Punkt hinter ihm liegen. Vincent Keymer musste wie Pähtz eine Niederlage einstecken. Die deutsche Nachwuchshoffnung verlor gegen Anton Korobov.

Ergebnisse

Korobov, Anton - Keymer, Vincent  1-0
Maghsoodloo, Parham - L'Ami, Erwin  ½-½
Paehtz, Elisabeth - Kovalev, Vladislav  0-1
Kuipers, Stefan - Bareev, Evgeny  0-1
Esipenko, Andrey - Saduakassova, Dinara  1-0
Praggnanandhaa R - Gledura, Benjamin  0-1
Chigaev, Maksim - Van Foreest, Lucas  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Links




Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.
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Anton46 Anton46 27.01.2019 09:04
Ich hätte das Endspiel von MC gegen Duda nicht spielen mögen, das war sauschwer.
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