William Lombardy (1937-2017)

von Macauley Peterson
16.10.2017 – William Lombardy war eins der größten Schachtalente seiner Generation. 1957 wurde er mit 11 Punkten aus 11 Partien Juniorenweltmeister - das hat vorher und nachher niemand geschafft. Doch Lombardy verzichtete auf eine Schachkarriere und wurde stattdessen katholischer Priester. 1972 half er Bobby Fischer als Sekundant beim Weltmeisterschaftskampf 1972 in Reykjavik. Lombardys letzte Jahre waren von finanziellen Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen geprägt. Er starb am Freitag, den 13. Oktober 2017, in Kalifornien. Ein Nachruf. (Foto: Dagobert Kohlmeyer)

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William 'Father Bill' Lombardy - Ein Nachruf

William Lombardy starb am Freitag, den 13. Oktober 2017, im Haus eines Freundes in Martinez, Kalifornien. Als Todesursache vermutet man einen Herzinfarkt. Wie Joseph Shipman, auch er ein Freund Lombardys, berichtet, hatte er Lombardy noch eine Woche zuvor, am 6. Oktober, getroffen. Die beiden hatten ein Café im nahe gelegenen Berkeley besucht: "Bill war guter Dinge und machte einen guten Eindruck. Wir haben uns die Partie Caruana-Carlsen aus dem Isle of Man Turnier angeschaut und er übte pointierte Kritik an Caruana's Spiel."

Anfang des Jahres war Lombardy etliche Monate in krankenhausärztlicher Behandlung gewesen, aber in den letzten Monaten war er wieder aktiv und auf Reisen, und war die Nachricht von seinem Tod ein Schock.

1954 gewann Lombardy die New York State Championship mit 9 Punkten aus 11 Partien (+7−0=4), einen jüngeren Sieger des Turniers hatte es noch nicht gegeben. Im gleichen Jahr lernte er den damals 11-jährigen Bobby Fischer kennen, dem er später als Freund und Vertrauter auf dessen Weg zur Weltmeisterschaft half.

JWC Lombardy Fischer

Lombardy (links) mit Jack Collins und Bobby Fischer (Ende der 1950er) | Foto: Chess Life, Januar 1968

Lombardy ist der einzige Spieler, der Juniorenweltmeister wurde ohne ein einziges Remis abzugeben. 1957, im Alter von 19 Jahren, holte er den Titel im kanadischen Toronto mit dem Rekordergebnis von 11 aus 11. Damit wurde er auch Internationaler Meister. Drei Jahre später, 1960, folgte der Großmeistertitel.

Beim Interzonenturnier 1958 in Portorož, im damaligen Jugoslawien, arbeitete Lombardy als Sekundant von Fischer, den er auch bei Fischers Weltmeisterschaftskampf gegen Spassky 1972 in Reykjavik als Trainer und Sekundant unterstützte.

Frank Brady, ehemaliger Präsident des Marshall Chess Clubs in New York und Autor der Fischer-Biographie Endspiel: Genie und Wahnsinn im Leben der Schachlegende schrieb über das Verhältnis der beiden: "Es ist ein bisschen wie Mozart und Salieri...Wenn Bobby nicht aufgetaucht wäre, dann hätte Lombardy der Größte seiner Generation sein können."

Bei der US-Meisterschaft 1960–61 landete Lombardy hinter Fischer auf dem zweiten Platz und qualifizierte sich für das Interzonenturnier 1962 in Stockholm, aber verzichtete dann auf die Teilnahme, weil er sich für eine Karriere als Priester entschieden hatte.

Beim U.S. Open 1963 teilte er den ersten Platz mit GM Robert Byrne und 1965 wurde er zusammen mit GM Pal Benko geteilter Erster. 1967 wurde Lombardy zum katholischen Priester geweiht, aber auch danach nahm er weiter gelegentlich an Turnieren teil und 1975 landete er beim U.S. Open zusammen mit Benko auf dem geteilten ersten Platz.

Doch Lombardy entfremdete sich von der katholischen Kirche, vor allem wegen der Praxis des Zölibats. 1984 heiratete Lombardy eine Holländerin. Das Paar hatte einen Sohn, Raymond, aber entfremdete sich und 1992 kehrte Lombardys Frau mit ihrem Sohn nach Holland zurück.

Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde seine New Yorker Wohnung 2016 zwangsgeräumt und er selbst eine Weile obdachlos. In dieser Zeit fiel Lombardy einem Überfall zum Opfer und musste im Krankenhaus behandelt werden. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt im Cardinal Cooke Rehabilitationszentrum in Manhattan wurde der 79-jährige entlassen.

Im August 2017 besuchte Lombardy das U.S. Open in Norfolk, Virginia:

Lombardy wurde seit 2017 vom "Veteranen-Programm" der Association of Chess Professionals unterstützt und nach Lombardys Tod erinnerte ACP-Präsident Emil Sutosky in den sozialen Medien an den amerikanischen Großmeister:

 

Lombardy ist Autor von sechs Büchern, zuletzt erschienen ist Understanding Chess: My System, My Games, My Life (Russell Enterprises, 2011).

Die MegaBase enthält 49 Partien von Lombardy, die letzte stammt aus dem Jahre 2006:

 

Eine der berühmtesten Partien von Lombardy ist sein Sieg gegen den späteren Weltmeister Boris Spassky bei der Studentenmannschaftsweltmeister 1960 in Leningrad:

 

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Macauley ist Editor in Chief der ChessBase News in Hamburg, Germany, und Producer des The Full English Breakfast chess podcast. Er war Co-Producer eines Dokumentarfilms über Magnus Carlsen.
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