Yannick Pelletier: Der Igel - ein universelles System gegen 1.Sf3 und 1.c4: Rezension

von Davide Nastasio
30.11.2017 – Der "Igel" ist eine Eröffnung, aber vor allem eine Bauernstruktur. Eine sehr flexible Bauernstruktur, mit der Schwarz eine ganze Reihe von weißen Eröffnungen kontern kann. Die Igel-Struktur ist fest und sehr sicher, aber bietet auch viele Möglichkeiten zum Gegenangriff. Auf seiner ChessBase-DVD erläutert der Schweizer Großmeister und beliebte Kommentator Yannick Pelletier die Feinheiten und Ideen dieses universellen Systems. Davide Nastasio war angetan.

Der Igel - ein universelles System gegen 1.c4 und 1.Sf3 Der Igel - ein universelles  System gegen 1.c4 und 1.Sf3

Lassen Sie sich von Yannick Pelletier zeigen, wie gefährlich die Stacheln des Igels sind! Der Schweizer Großmeister präsentiert Ihnen auf seiner ersten Fritz Trainer DVD ein Repertoire, mit dem er vor zwei Jahren sogar den Weltmeister besiegte!

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Gut genug, um gegen Magnus zu gewinnen...

Rezension

Ich wusste nicht, dass er fünf Mal Schweizer Meister war! Es ist schön, dass uns Yannick Pelletier zum Auftakt seiner DVD-Serie über den Hedgehog - das Igel-System - etwas über seine Erfolge und seine Karriere verrät — das ist fast so schön wie sein französischer Akzent, der in mir Sehnsucht nach Paris weckt!

Pelletier hat so viele Erfolge gefeiert, dass man darüber einen eigenständigen - und langen - Artikel schreiben könnte. Und auch Magnus Carlsen hat er geschlagen,2015,  mit Schwarz, mit dem... Igel-System!

Wer noch nicht weiß, was mit "Igel" gemeint ist, der sollte einen Blick auf das oben stehende Diagramm werfen. Die Stellung stammt aus der Partie Carlsen-Pelletier und zeigt eine typische Igel-Struktur.

Und wer es genau wissen will — hier ist die ganze Partie:

 

Pelletier strukturiert seine DVD anhand ausgewählter Partien von Spitzengroßmeistern. Er erläutert die Pläne für beide Seiten, aber nimmt sich auch Zeit, um mögliche Zugumstellungen zu erläutern. Zugumstellungen sind wichtig und ich habe festgestellt, dass die meisten der Spitzengroßmeister sehr genau darauf achten.

Ein Vorteil dieser DVD (und vieler anderer ChessBase-DVDs) besteht denn auch darin, dass Pelletier solche Dinge ausführlich erläutert - in Büchern sucht man danach oft vergebens. Aber wenn Spitzengroßmeister darüber sprechen und uns auf bestimmte Züge hinweisen, dann behält man das leichter im Gedächtnis.

Mit meisten dieser Videos erläutern, wie Schwarz die weißen Pläne neutralisieren und kontern kann, und das ist genau das, was wir brauchen, um diese Eröffnung zuversichtlich zu spielen.

Die DVD enthält ein Einleitungsvideo, zwei Videos, die mit "Appetizer" betitelt sind, und in denen wir ein paar wirklich erstaunliche Partien gezeigt bekommen, zwei Videos, die sich nur mit den Feinheiten möglicher Zugumstellungen beschäftigen sowie fünfzehn Videos mit Musterpartien, die erläutern, wie man den "Igel" spielt. Die DVD endet mit elf Videos, in denen Pelletier uns Stellungen zeigt und uns auffordert, die richtige Fortsetzung zu finden. Wählen wir einen falschen Zug, folgt Feedback. So zeigt Pelletier im ersten Videoquiz die Stellung im Diagramm unten und fragt: "Wenn Weiß Lg2 spielt, wie würden Sie dann mit Schwarz fortsetzen?"

Glauben Sie, Sie haben die Antwort?

Die DVD enthält auch eine Datenbank mit 218 Partien, die Pelletier ausgewählt hat, weil sie so lehrreich sind. 16 dieser Partien hat Pelletier selbst mit Schwarz gespielt. Aber natürlich gibt es noch viele andere namhafte Spieler, die den Igel gespielt, zum Beispiel Garry Kasparov, Anatoly Karpov und Sergei Shipov, der sogar zwei Bücher über den Igel geschrieben hat.

Ich finde Pelletiers Einleitungsvideo interessant, weil er deutlich macht, dass wir eine bestimmte Bauernstruktur — a system — meinen, wenn wir vom Igel  sprechen. Nun könnte man denken, dass diese Bauernstruktur immer von Schwarz angestrebt wird, aber eine der schönsten Partien, die ich kenne (und die natürlich vom stärksten Spieler aller Zeiten gespielt wurde), zeigt, dass auch Weiß den Igel spielen kann. Die Eröffnung wird zwar als "Nimzowitsch-Larsen Angriff" bezeichnet, aber in manchen Varianten kommt es zu folgender Struktur:

Kommt Ihnen das bekannt vor?

 

Master Class Band 1: Bobby Fischer

Kein anderer Weltmeister erreichte auch über die Schachwelt hinaus eine derartige Bekanntheit wie Bobby Fischer. Auf dieser DVD führt Ihnen ein Expertenteam die Facetten der Schachlegende vor und zeigt Ihnen u.a die Gewinntechniken des 11.Weltmeisters

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Pelletier erwähnt, dass auch Eröffnungen wie Sizilianisch oder Nimzo-Indisch zu Igel-Strukturen führen können. Tatsächlich stand in einer der ersten Partien, die mit dem Igel gespielt wurden, nach 13 Zügen (1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.c4 Dc7 6.Sc3 Sf6 7.Le2 b6 8.Le3 Lb7 9.f3 d6 10.Dd2 Sbd7 11.O-O Le7 12.Tfd1 O-O 13.Tac1 Tac8) die folgende Stellung auf dem Brett:

Hier ist die gesamte Partie:

 

Aber kann man die Igel-Struktur auch in anderen Eröffnungen erreichen? Ja, und hier ist ein Beispiel aus dem Königsinder: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f3 O-O 6.Le3 Sbd7 7.Sge2 c5 8.Dd2 a6 9.Td1 Da5 10.Sc1 cxd4 11.Lxd4 Se5 12.Sb3 Dc7 13.Tc1 e6 14.Le2 b6 15.O-O Lb7:

Für welche Art von Spieler ist der Igel eine gute Eröffnung? Wie Pelletier erläutert, spielt mancher gegen 1d4 gerne Grünfeld, Benoni oder Nimzo-Indisch, aber wenn Weiß mit 1.Sf3 oder 1.c4 beginnt, dann kommen unsere Lieblingseröffnungen, in die wir so viel Zeit gesteckt haben, nicht aufs Brett. Deshalb schlägt Pelletier vor, hier den Igel zu spielen — als universelles System gegen 1.c4 oder 1.Sf3.

Pelletier verrät auch, warum man dieser Bauernstruktur den Namen "Igel" gegeben hat.

Und der Igel hat Stacheln: die schwarze Aufstellung ist nicht rein defensiv, sondern führt oft zu einem starken Gegenangriff.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Pelletier Varianten der Englischen Eröffnung, in denen Weiß g3 und Lg2 spielt, zum Beispiel: 1.c4 c5 2.Sf3 Sf6 3.Sc3 e6 4.g3 b6 5.d4 cxd4 6.Dxd4 Lb7 7.Lg2 d6 8.0-0 Le7 9.e4 0-0 10.Dd3 a6 11.Sd4 Dc7 12.b3 Sbd7 13.Lb2:

Immer wieder zeigt Pelletier auch, auf welchen Feldern die schwarzen Figuren am besten stehen. Zum Beispiel der Springer b8, der in der Regel nach d7 gehen sollte.

Denn steht der Springer auf c6, dann ist der Druck, den Schwarz mit Lb7 und Sf6 auf e4 ausüben kann, geringer. Zudem gibt ein Springer auf c6 dem Weißen manchmal taktische Möglichkeiten. Natürlich weist Pelletier auch auf die Ausnahmen hin, die die Regel bestätigen, und auch das hilft, die Gründe für unsere Züge besser zu behalten.

Aber Pelletier erläutert auch die Ideen der Züge von Weiß. So spielt Weiß im Diagramm unten b2-b3, um den Bauern c4 zu stützen und den Läufer auf die Diagonale a1-h8 zu stellen.

Pelletier gelingt es hervorragend, die verschiedenen Bauernvorstöße des Schwarzen aufzuzeigen und zu erläutern. Und so bekommt man mit dieser DVD nicht nur ein universelles System gegen 1.c4 und 1.Sf3 an die Hand, sondern lernt zugleich eine ganze Menge über das Mittelspiel.

King Power Play 12

Bevor ich es vergesse — es gibt natürlich schon eine ChessBase DVD über den Igel: Daniel Kings Powerplay 12. Ich glaube, es ist gut, wenn man nicht nur einem Lehrer vertraut, sondern unterschiedliche Perspektiven studiert, und auch King erläutert die Ideen im Igel hervorragend.

Schlussgedanken

Pelletier hat den Igel mehr als 20 Jahre erfolgreich gespielt, auch gegen die Besten der Welt. Er kennt die Strukturen der Stellung sehr genau und weiß, wie er den Gegner vor Probleme stellen kann. Mit Weiß spielt Pelletier Englisch und auch das hilft ihm, uns zu zeigen, wie wir dagegen vorgehen können.




Davide Nastasio ist ein Schachfan, der Schach als Möglichkeit zum inneren Wachstum sieht. Eines seiner Lieblingszitate stammt von Paul Keres: "Niemand wird als Meister geboren. Der Weg zur Meisterschaft führt erst nach langen Jahren des Lernens, des Kampfes, der Freuden und der Enttäuschungen zum Ziel..."
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