Durchwachsene Leistungen der EM
Von Bettinas Trabert
Die EM ist vorüber, mit vielen
überraschenden Ergebnissen und zwei ungewohnten Siegern – Zeit, ein paar
Eindrücke festzuhalten.
Nach dem guten Start der deutschen
Mannschaft ging es erst mal bergab.

Dautov: Von da ab ging’s bergab

Aber dann haben wir doch noch mal zugeschlagen!
Verantwortlich dafür vor allem Alexander
Graf mit einem Riesenergebnis an Brett 3. (Und einer der besten Elo-Performances
des gesamten Turniers).

Beim Abschlussessen
Bei ansonsten soliden, aber nicht
überragenden Leistungen der anderen Deutschen reichte es insgesamt immerhin zu
einem beachtlichen achten Platz, was etwas besser als der Startrang ist.
Die deutschen Frauen schlossen das Turnier
mit 50% ab, was zum 14. Platz reichte. Mit ihrem persönlichen Ergebnis kann nur
Jessica Nill wirklich zufrieden sein kann, das ihr nach Elo-Performance eine
WGM-Norm einbrachte.

Direkt nach der Erfüllung der Norm zeigt man doch gerne
die Partien!

Per Internet kann man sich die Partien auch anschauen: Raj Tischbierek, Uwe
Bönsch und Philipp Schlosser (letzterer lieber mit geschlossenen Augen...)
Insgesamt hätte die Meisterschaft kaum
spannender verlaufen können. Bis zu den letzten Runden war das Rennen recht
offen, und vor allem waren es nicht nur die gewohnten Gesichter, die man an den
ersten Brettern antraf. Nachdem die Russen nach mehreren Niederlagen ins
Mittelfeld abgerutscht waren und sich auch die Ukraine nicht überzeugend zeigte,
konnte sich schließlich Holland vor Israel und Frankreich nach durchsetzen – bei
allen drei Mannschaften sehr verdient, da sie sich fast die ganze Zeit in der
Spitze aufhielten.

Tiviakov und Timman, zwei Stützen der siegreichen
holländischen Mannschaft (Timman u.a. mit wichtigen Siegen gegen Russland und
die Ukraine)

Bacrot, Lautier und Fressinet für Frankreich
Und da waren dann zum Beispiel auch noch die
nominell schwächeren Griechen, die in den letzten Runden ganz vorne mitspielten
und trotz Schlussrundensieg gegen Georgien nur haarscharf die Bronzemedaille
verfehlten.

Kotronias: Warten auf Van Wely (zum Nachspielen empfohlen!)
Bei den Frauen entwickelte sich die
Meisterschaft ebenfalls spannend. Die favorisierten Russinnen strauchelten schon
früh gegen Rumänien. Auch Georgien zeigte sich nicht immer überzeugend, so dass
sich Polen an die Spitze setzen konnte. Günstig für die vom ersten bis letzten
Brett recht ausgeglichene polnische Mannschaft war sicherlich, dass bei dieser
EM erstmals an vier Brettern gespielt, statt wie bisher zwei Brettern bei den
Frauen. (Eine Änderung, die schon sehr lange fällig war und 2008 endlich auch
bei der Olympiade in Kraft tritt.)

Russland, Kosteniuk: Huch, ich habe ja Weiß..!

Monika Socko, eine der erfolgreichen polnischen
Spielerinnen

Griechenland spielte auch bei den Frauen weit vorne mit
(hier gegen Georgien)
Viele bekannte Gesichter natürlich nicht nur
an den vordersten Brettern. Anders als bei der Olympiade gibt es bei der
Europameisterschaft fast keine schwachen Mannschaften.

Ulf Andersson an Brett 1 für Schweden 2

Beljawski-Kortschnoj – sicherlich nicht ihr erstes Duell…

Pia Cramling am ersten Brett der schwedischen
Frauenmannschaft
Aber hier gibt es Nachwuchs…

Pias Tochter mit Vater Juan Bellon bei ersten
Schachzügen…
Bei einem anstrengenden Turnier ohne Ruhetag
gibt es wenig Raum für außerschachliche Aktivitäten. Die meisten der jüngeren
Teilnehmer schafften es immerhin, den direkt gegenüber gelegenen Vergnügungspark
samt mehrerer Achterbahnen zu besuchen (ich verzichtete darauf – daher gibt es
hier keine Fotos). Da die Bermudas leider nicht in Europa liegen, fiel auch die
bei der Olympiade übliche Bermuda-Party aus. Eine improvisierte Party der
Veranstalter fand aber dennoch regen Zuspruch:


Karjakin und McShane auf derTanzfläche

McShane: Aber wie bekomme ich jetzt meine verknoteten Arme wieder auseinander?

Doch, es hat geklappt!
Nach einem spannenden Turnier heißen die
neuen Europameister: Holland…

Gemeinsam Europameister: Timman und Van Wely, die alte
und die neue Nummer 1 Hollands
…Und erstmals Polen!

Bild 21 Die polnische Mannschaft beim Abschlussbankett