Forschungsförderung vom DSB für wissenschaftliche Arbeiten

von ChessBase
22.09.2026 – Schach ist längst Gegenstand wissenschaftlicher Forschung – in der Pädagogik und Psychologie ebenso wie in Sportwissenschaft, Informatik, Geschichte oder Mathematik. Der Deutsche Schachbund will diesen Bereich nun gezielt stärken und fördert erstmals wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Schachspiel und seiner Bedeutung auseinandersetzen. Ausgezeichnet werden Arbeiten in drei Kategorien. Zusätzlich soll ein Netzwerk zwischen Forschenden und der Schachorganisation entstehen. Die Förderung kann noch bis zum 30. September 2026 beantragt werden. | Titelfoto: AnBuKu/Wikimedia Commons

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Wie wirkt sich Schach auf Konzentration und Problemlösefähigkeit aus? Welche Rolle spielen Emotionen und Zeitdruck bei Entscheidungen am Brett? Wie verändern künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge das Training, und welche Erkenntnisse lassen sich aus der Geschichte und Kultur des Schachs gewinnen? Die Bandbreite möglicher Forschungsthemen ist groß – und genau diese Vielfalt möchte der Deutsche Schachbund künftig stärker sichtbar machen.

Mit einer neuen Förderung von Forschungsvorhaben will der DSB die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schachspiel intensivieren. Nach Angaben des Verbandes gibt es zwar in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen Berührungspunkte mit Schach, bislang aber nur wenige systematische Fördermöglichkeiten. Das neue Programm soll deshalb sowohl wissenschaftlichen Nachwuchs unterstützen als auch eine belastbare Wissensbasis schaffen, die langfristig für die Entwicklung des Schachs in Deutschland genutzt werden kann.

Für die erste Ausschreibungsrunde können bis zum 30. September 2026 wissenschaftliche Arbeiten eingereicht werden, die in den Jahren 2025 oder 2026 entstanden sind. Vorgesehen sind drei Kategorien: Bachelorarbeiten, Masterarbeiten sowie sonstige wissenschaftliche Arbeiten, zu denen beispielsweise Dissertationen, Habilitationen, Forschungs- und Evaluationsstudien oder praxisorientierte Forschungsprojekte zählen. In jeder Kategorie werden drei Arbeiten ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt 500 Euro für den ersten, 300 Euro für den zweiten und 200 Euro für den dritten Platz.

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Dabei legt sich der DSB bewusst nicht auf eine bestimmte wissenschaftliche Disziplin fest. Die Ausschreibung nennt unter anderem pädagogische Untersuchungen zu Schachunterricht und kognitiven Fähigkeiten, psychologische Studien zu Entscheidungsfindung und Stress, soziologische Arbeiten zu Vereinsstrukturen und Teilhabe, sportwissenschaftliche Untersuchungen zu Training und Leistungsdiagnostik sowie Forschung zu künstlicher Intelligenz und Mensch-KI-Interaktion. Auch historische und kulturwissenschaftliche Themen sowie mathematische Fragestellungen, etwa zu statistischen Methoden bei der Erkennung von Cheating, sind ausdrücklich vorgesehen.

Über die finanzielle Förderung hinaus möchte der DSB Forschenden den Zugang zu seinem Netzwerk erleichtern. Dazu gehören Kontakte zu Spielern und Funktionären für Interviews und Feldforschung, Unterstützung bei Online-Umfragen sowie die Möglichkeit, Forschungsergebnisse über die Verbandsmedien oder bei Veranstaltungen vorzustellen. Auf Wunsch sollen auch Kontakte zu Landesverbänden, Vereinen und Schulen vermittelt werden.

Kategorien und Preise

Eine Jury vergibt in drei Kategorien jeweils drei Preise.

Kategorien:

  • Bachelorarbeit
  • Masterarbeit
  • Sonstige wissenschaftliche Arbeit (z. B. Dissertationen, Habilitationen, Forschungs- und Evaluationsstudien, Drittmittelprojekte, praxisorientierte Forschungsarbeiten)

Preise je Kategorie:

  • 1. Platz: 500 €
  • 2. Platz: 300 €
  • 3. Platz: 200 €

Bewerbungsverfahren

Bewerbungszeiträume:

2026: 01.09. - 30.09.2026 (für wissenschaftliche Arbeiten aus den Jahren 2025 und 2026)
2027: 01.03. - 31.03.2027 (für wissenschaftliche Arbeiten aus den Jahren 2026 und 2027)

Erforderliche Unterlagen:

  • Wissenschaftliche Arbeit
  • Beschreibung des Mehrwerts der wissenschaftlichen Arbeit für den Schachsport in Deutschland
  • Kurzbiografie mit Studiengang/Forschungsbereich

Bewerbungen an: forschung@schachbund.com

Alle erforderlichen Unterlagen sind in deutscher oder englischer Sprache einzureichen. Teilnahmeberechtigt sind wissenschaftliche Arbeiten, die an deutschen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen entstanden sind. Im Falle einer Auszeichnung besteht die Möglichkeit, die Arbeit oder deren zentrale Ergebnisse in geeigneter Form über die DSB-Homepage zu veröffentlichen.

Jury

Die Jury besteht aus Jannik Kiesel (Leitung), Prof. Dr. Jürgen Klüners und Dr. Lilli Hahn.

Mögliche Forschungsthemen

Die möglichen Forschungsthemen sind bewusst offen gestaltet und decken ein breites Spektrum ab. Die nachfolgend aufgeführten Bereiche stellen lediglich eine beispielhafte Auswahl dar; weitergehende Themenvorschläge sind ausdrücklich erwünscht.

Pädagogik

  • Wirkung von Schach auf Konzentration, Gedächtnis oder Problemlösefähigkeit
  • Schach in der Schule
  • Gender-Aspekte im Schach
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen durch Schach

Psychologie

  • Entscheidungsfindung unter Zeitdruck
  • Einfluss von Emotionen auf Schachleistung
  • Stressbewältigung und mentale Belastung im Wettkampf
  • Einfluss von Schach auf die Entwicklung von Kindern

Soziologie

  • Vereinsstrukturen und Ehrenamt im Schach
  • Diversität, Inklusion und Teilhabe
  • Soziale Wirkungen von Schachangeboten in verschiedenen Milieus
  • Mitgliederentwicklung, -gewinnung und demografischer Wandel im Schach

Sportwissenschaft

  • Vergleich von Trainingsmethoden
  • Leistungsdiagnostik im Schach
  • Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und Schachleistung
  • Regeneration und Prävention von Ermüdung

Informatik

  • Forschung zur Verbesserung von Engines
  • KI-gestützte Trainings- und Analysewerkzeuge
  • Mensch-KI-Interaktion im Trainingsprozess
  • Digitale Transformation im Schachverein

Geschichte und Kulturwissenschaften

  • Entwicklung der Schachkultur in Deutschland
  • Biografische Forschung zu Schachpersönlichkeiten
  • Schach während der NS-Zeit
  • Schach in Literatur, Film und Popkultur

Mathematik

  • Statistische Methoden zum Erkennen von Cheating
  • Statistische Methoden zur Entwicklung der Spielstärke von Jungen und Mädchen

Unterstützung durch den DSB

Unabhängig von diesem konkreten Projekt bietet der Deutsche Schachbund forschenden Personen umfassende Unterstützung durch den Zugang zum schachbezogenen Netzwerk des DSB:

  • Zugang zu Schachspieler:innen und -funktionär:innen für Interviews und Feldforschung
  • Unterstützung bei der Verbreitung von Online-Umfragen
  • Möglichkeit zur Vorstellung der Ergebnisse beim DSB (Website, Newsletter, Veranstaltungen)
  • Auf Wunsch Vermittlung zu Landesverbänden, Vereinen oder Schulen

Nutzen für den DSB

  • Aufbau einer systematischen Wissensbasis
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Erkenntnisse für Strategie- und Verbandsentwicklung des DSB
  • Vernetzung mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • Imagegewinn als forschungsfreundlicher Sportverband

Zum Beitrag auf der DSB-Seite

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