Die Moskauer Blitzmeisterschaft
Von Anna Dergatchova

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige
Mensch, der seinen Geburtsort allen anderen Plätzen dieser Erde vorzieht. Aber
ich hatte Glück gehabt in Moskau geboren zu sein. Und diese Stadt hat eine ganz
besondere Ausstrahlung. Bei jedem Urlaub dort, fühle ich mich wie neu geboren.
Und natürlich, außer tausend Besuchen von Freunden und Verwandten, Buchläden und
Musikgeschäften, versuche ich nachzuschauen, was es dort neues in der Schachwelt
gibt.

Neuerdings erlernen in der Russischen
Sozialen Universität junge Menschen den Beruf des Schachstrainers und Managers.
Alle Studenten spielen selbst ziemlich stark, es gibt zwischen denen sogar
Internationale Meister (und Meisterinnen), doch sie wollen keine Schachprofis
werden, im Gegensatz zu dem schon lange existierenden Sportinstitut.

Die Studenten hier möchten später das
königliche Spiel den Kindern beibringen.
Die Idee ein solches Fach zu öffnen, gehörte
meinem ersten Schachtrainer Alexander Kostjev, der zurzeit dort Dekan ist und
neben seinem Beruf sich auch in internationalen Organisationen für das
Schulschach sehr engagiert. Auch meine Freundin und ehemalige Schülerin meines
Vaters Tamara Minogina ist dort als Lehrerin tätig. Ich wurde vorgestellt als
WIM und Schachjournalistin und habe sogar eine kleine Rede gehalten, wie toll
ich deren zukünftigen Beruf finde. Und über die 5 verlorenen Jahre, die ich
versehentlicher Weise in der Pädagogischen Hochschule verbracht habe, obwohl mir
eigentlich ziemlich schnell klar wurde, dass ich nicht mehr als eine
mittelprächtige Lehrerin für Russische Sprache und Literatur abgeben würde. Und
wie sinnlos es ist, sich vom Schach zu verstecken. Ein leidenschaftlicher
Spieler bleibt ein Spieler sein Leben lang.
Selbstverständlich musste ich das
Blitzturnier besuchen. Leider wurde dieses Jahr wegen der vielen terroristischen
Anschlägen das beliebteste Moskauer Turnier ins Präsident-Hotel verlegt. Dies
geschah sehr kurzfristig. Furchtbar schade um das Turnier. Die ganze Atmosphäre
ging verloren. Unter den Zuschauern befanden sich nur die Organisatoren,
Journalisten und wenige eingeladene Schachspieler.

Sergey Smagin im im Präsident Hotel

Badminov und die 14-jährige IM Vera Nebolsina

Die jüngste Zuschauerin

Der älteste Zuschauer: David Bronstein (80) mit Ljudmila
Belavenez

Zweimal Irina: Irina Vasilevich und Irina Zagurdjaeva

Maria Manakov sorgte kürzlich als Covergirl für Aufsehen
Ganz anders als letztes Jahr und die ganzen
Jahre davor: eine Menge der Schachliebhaber, die sonst fast über das Brett
hängen und sogar versuchen Ratschläge zu geben, frische Luft, Sonne, das Museon
mit den Blumen und Skulpturen – nichts davon war da. Ein großer Saal mit
Plakaten und Luftballons geschmückt, konnte die Schönheit der Natur nicht
wirklich ersetzen.

Das Turnier selbst war wie immer stark
besetzt.

Alexandrov, Grischuk, Motylev

Zvjaginzev - Motylev

Faruch Amontatov
Außer wenigen gesetzten Spielern mussten
sich die Anderen im harten Kampf durch die drei Halbfinale beweisen. Doch die
Tabelle und Ergebnisse habt ihr wahrscheinlich schon gesehen. Das Turnier hat
Alexander Morosevich gewonnen, dem ich auch vom ganzen Herzen Glück gewünscht
habe.

Sieger Alexander Morozevich nimmt die Glückwünsche von
Schachlegende David Bronstein entgegen.

Grischuk (li.), hier gegen Rjasanzev

Vorjahressieger Dreev (li.), hier ebenfalls gegen Rijantsev
Alexander Grischuk wurde Zweiter. Alexey
Dreev, der Gewinner des Samovares (traditionelle russische Teekanne) im letzten
Jahr, hat dieses Mal keine Chance auf die vorderen Plätze.

Der einzige Konflikt bei dem Turnier war
auch mit seinem Namen verbunden. Es ist schwer nachzuvollziehen, was beim Zocken
abgeht, jedoch irgendwie blieben ihm in der Partie gegen GM Valerij Popov nur 2
Sekunden auf der Uhr. Alexey meinte, dass beide Uhren gleichzeitig liefen und
bat um die Zeitzugabe. Nachdem er noch 30 Sekunden bekommen hat, gelang es ihm
den Gegner Matt zu setzen.

Streitfall Dreev-Popov
Eine andere Überraschung war der Besuch vom
Ex-Weltmeister Boris Spassky. Und wie erst später bekannt wurde, bleibt Boris
Spassky dieses Mal etwas länger in Moskau.

Ex-Weltmeister Boris Spassky (re.)
Seine neue Aufgabe ist die des Redakteurs der Schachzeitung „Schachmatnaja
Nedelja“ (für diese Zeitung habe ich früher sehr gern geschrieben, aber damals
war diese gerade Dank der unermüdlichen Hilfe von Vladimir Barsky, Ilja Odesskij
und Maxim Notkin geboren und bekannt geworden. Jedoch haben sich die Zeiten
geändert, aber das ist eine andere Geschichte).
Nach dem Turnier bin ich mit dem
Alexander-Morosevich-Fan-Club anstatt zum Bankett in den Gorky-Park gegangen.
Anschließend gab es einen Spaziergang durch Moskau und das Abendessen bei einem
Japaner.

Morozevich und Co....

Der Gorky-Park

Anna und Tiger

Alles halb so wild: Der Tiger wird mit einem Strick gehalten

Notfalls hätte Alexander auch einschreiten können

Lecker
In Moskau ist vieles 24 Stunden lang
geöffnet: Kaffees, Kasinos, Cinema, Geschäfte und sogar Friseursalons. Darüber
im November mehr. Dieses Jahr wird nämlich das vermutlich stärkste Finale der
russischen Meisterschaft in der Hauptstadt ausgetragen. Mit allen großen K´s.
Mein persönlicher Favorit ist natürlich Garry Kasparov.

Eure Anna (rechts)
Endstand:
|
1
|
Morozevich |
15
|
|
2.
|
Grischuk |
14
|
|
3–5
|
Deviatkin, Riazantsev, Zvjaginsev |
13
|
|
6
|
Malakhov |
12
|
|
7
|
Popov |
11
|
|
8–11
|
Aleksandrov, Amonatov, Dreev, Najer |
10
|
|
12–13
|
Dvalishvili, Sakaev |
9
|
|
14–15
|
Vorobiov, Saulin |
8
|
|
16
|
Rytchagov |
7
|
|
17
|
Motylev |
6
|
|
18
|
Shorokhov |
4
|
|
19
|
Nachev |
3
|
|
20
|
Glotov |
1
|