Hallo aus Göteborg!
Von Bettina Trabert
Gerade läuft die vierte Runde. Da ich heute
spielfrei bin, komme ich dazu, ein paar Eindrücke von der EM zu schicken…
Bei den deutschen Männern läuft es bisher
ziemlich optimal – 3 Mannschaftssiege (gewertet wird nicht wie bei der
Olympiade nach Brettpunkten, sondern nach Mannschaftspunkten). Wie Teamchef Uwe
Bönsch feststellte, ist es auch ein sicher noch nie da gewesenes Ereignis, dass
die deutsche Mannschaft doppelt so viele Punkte hat, wie die Russen! Heute geht
es gegen Frankreich, die gestern gegen Russland gewonnen haben. Noch einmal
ohne den einen Tag später aus Biel angereisten Leonid Kritz – die übrige
Mannschaft hat bisher einfach zu gut gespielt.

Brett 1: Bacrot – Lutz

Topscorer Alexander Graf mit 3/3!

Captain Bönsch kann zufrieden sein…
Bei den deutschen Frauen läuft es dagegen
bisher nur mäßig. Dabei fing es mit einem 4:0 gegen die Schweiz sehr gut an.
Das Unentschieden gegen eine gute französische Mannschaft war sicherlich auch
OK. Aber nach der gestrigen Niederlage gegen Polen sind wir wieder auf 50%
zurückgefallen. Heute geht es gegen Serbien und Montenegro.

Pähtz, Kachiani, Nill, Mietzner

Elisabeth ist jedenfalls guter Dinge (hier mit
Teamcaptain Philipp Schlosser)

Und artig will sie auch sein...
Bei den Männern zeigte sich schon in den
ersten Runden, dass wohl keine der Mannschaften einfach durchziehen wird. Die
trotz fehlender Stars an 1 gesetzten Russen liegen derzeit nur bei 50%, und
auch der letztjährige Olympiasieger Ukraine musste schon eine Niederlage gegen
Holland hinnehmen.

Die russische Mannschaft konnte bisher nicht überzeugen
Hinter den Deutschland und Frankreich
liegen mit jeweils einem Unentschieden Armenien, Aserbaidschan, Schweiz (mit
dem unermüdlichen Viktor Kortschnoj an Brett 1), Rumänien, Israel und Holland,
die sicherlich alle am Kampf um die Medaillen mitreden können.

Bild 8: Rumänien (mit dem amtierenden Europameister
Nisipeanu) gegen Aserbaidschan
Bei den Frauen sieht es schon eher danach
aus, dass sich eine oder wenige Mannschaften nach oben absetzen können.
Russland hat bisher alle Kämpfe sehr souverän gewonnen, heute geht es gegen
Rumänien, ebenfalls mit reiner Weste.

Rumänien gegen Russland (Brett 1: Peptan- Kosteniuk)
Aber sicherlich werden Georgien und Polen,
die bisher nur gegeneinander ein Unentschieden abgegeben haben, im Kampf um die
ersten Plätze auch noch mitreden wollen…

Georgiens Spitzenbrett Maja Tschiburdanidse
Äußerst positiv sind aus meiner Sicht die
Spielbedingungen zu bewerten. Die Spieler haben genügend Platz, aber auch die
Zuschauer kommen auf ihre Kosten. Zumindest wenn man genügend Ausdauer hat,
kann man durch das Umlaufen der Barrieren alle Bretter gut in den Blick
bekommen. Der einzige Abstrich bezüglich der Rahmenbedingungen ist beim Essen
zu machen, das tatsächlich etwas mehr Auswahl bieten könnte.
Alles – wohnen, essen, spielen – findet im
gleichen Hotelkomplex statt, was natürlich angenehm ist. Und auch die
anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten einiger Spieler in den langen und
nicht immer übersichtlichen Gängen des Gebäudekomplexes sind inzwischen wohl
überwunden…

Eine kleine Orientierungshilfe…
Somit gibt es eigentlich auch keine
zwingende Notwendigkeit, das Hotel zu verlassen. Nach einem Spaziergang durch
die Stadt war mein Eindruck: nett bis nichts sagend. Vielleicht lag es aber
auch am trüben Wetter. Jedenfalls gibt es viel Wasser, viel Grün und viel Luft
– also optimal, um vor der Partie noch einmal kurz Luft zu schnappen.



Aber nun wieder zum Schach. Mal sehen, ob „Captain
Bönsch“ auf Erfolgskurs bleibt, und ob die Erläuterungen von „Captain
Schlosser“ Erfolg zeigen…

Bald mehr aus Göteborg! Bettina Trabert