Im 18. und 19. Jahrhundert, als die Schachfreunde begannen, sich zu organisieren, waren die Kaffeehäuser in den Metropolen die Treffpunkte für die frühen Könner dieses Spiels. Das Café de la Régence in Paris und das Café Central in Wien sind die berühmtesten Häuser – beide gibt es noch, wenn auch nicht mehr zum Schachspielen.
Spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde London zur Hauptstadt des internationalen Schachs. Die großen Londoner Turniere von 1851 und 1862 waren Ergebnisse des vitalen Schachlebens, das sich in den Londoner Clubs und Cafés abspielte. Von diesen Häusern gab es eine ganze Reihe. Berühmte Namen der Londoner Kaffeehausgeschichte sind das Slaughter’s Coffee House, 1692 eröffnet, wo die besten Spieler jener Zeit wie Cunningham, Stamma oder der Mathematiker De Moivre regelmäßig zu finden waren, der Garrick Chess Divan, ein kleines Haus ausschließlich für Schachspieler, das Parsloe’s, in dem Philidor regelmäßig Vorträge hielt, Gliddon’s Divan, von Howard Staunton gerne besucht, und schließlich das berühmte Simpson’s-in-the-Strand, 1828 noch als „Grand Cigar Divan“, als Raucherzimmer und Kaffeelounge eröffnet. „Strand“ ist der Name einer Straße, der sich auf das Themseufer bezieht.
Von etwa 1840 bis Mitte der 1860er Jahre war das Simpson’s beziehungsweise Grand Divan in the Strand nicht nur der Mittelpunkt der Londoner Schachszene, sondern auch Treffpunkt der politischen und intellektuellen High Society. Ende des 19. Jahrhunderts war zum Beispiel auch Arthur Conan Doyle (1859–1930) gerne im „Divan in the Strand“ zu Gast, das nicht immer Simpson’s hieß, sondern zeitweise auch andere Namen trug. Virtuell saßen seine berühmten Figuren Sherlock Holmes und Dr. Watson neben ihm. Das Haus, zu manchen Zeiten Kaffeehaus, zu anderen Restaurant, wird in den Romanen gelegentlich erwähnt.

Die Qualität der Speisen war legendär, insbesondere das über dem Feuer gegrillte Fleisch. Die Gerichte wurden in einem silbernen Servierwagen zu den Tischen gefahren.

Das Bild zeigt die berühmte Karikatur „The Gentleman Who Asked the Carver Whether the Meat Was English or Foreign“ (Der Herr, der den Fleischschneider fragte, ob das Fleisch englisch oder ausländisch sei) von H. M. Bateman aus dem Jahr 1928. Die Szene spielt im Restaurant Simpson’s-in-the-Strand. Die Frage löste beim Koch Empörung aus.
Mancher gute Spieler verdiente im Simpson’s-in-the-Strand im Spiel um Geld gegen schwächere Gegner einen bescheidenen Lebensunterhalt. Auch die Zuschauer verdienten, wenn sie beim Wetten auf den richtigen Spieler setzten. Schachverstand zahlte sich sofort aus.
Unter den Schachspielern war vielleicht Henry Edward Bird (1829–1908) der regelmäßigste Besucher. Bird war als 16-Jähriger quasi ins Simpson’s eingezogen und verließ das Haus gemäß Zeitzeugen mehr oder weniger nur zum Schlafen anderswo oder wenn er auswärts Turniere spielte.

Henry Bird, re. | Quelle: British Chess News
Ab 1862 gehörte auch Wilhelm Steinitz zu den regelmäßigen Gästen. Der streitfreudige Steinitz geriet auch hier gelegentlich mit anderen Gästen aneinander und erhielt für einige Wochen Hausverbot – für einen Schachspieler eine harte Strafe.

Steinitz’ Kontrahent im Anspruch, der weltbeste Schachspieler zu sein, Johannes Hermann Zukertort, gehörte ebenfalls zum Inventar im Simpson’s-in-the-Strand. 1886 trugen Steinitz und Zukertort den ersten Wettkampf um die Weltmeisterschaft im Schach aus, allerdings in den USA.
Zukertort kehrte als Verlierer zurück, krank und geschlagen. Zwei Jahre später, am 19. Juni 1888, brach er während einer freien Partie gegen Sylvain Meyer im Simpson’s Divan zusammen und starb am nächsten Morgen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

"Durch den plötzlichen Tod von Herrn Zukertort verliert das königliche Spiel Schach einen seiner interessantesten und brillantesten Vertreter," bedauerte Henry Bird den Verlust.
Nachdem man die Schachspieler jedoch in einen engen Raum im oberen Stockwerk verdrängt hatte, verlor das Simpson’s-in-the-Strand um 1870 allmählich an Bedeutung als Treffpunkt. Die Spieler wanderten stattdessen in den neu gegründeten Westminster Chess Club ab. Das Haus blieb jedoch als Restaurant mit traditioneller englischer Küche bestehen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude umgebaut und erlebte nach dem Ersten Weltkrieg als Restaurant eine neue Blütezeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Simpson’s das erste und einzige Restaurant in Großbritannien, das 1974 vom neuen Michelin Guide einen Stern erhielt. Bis 1984 durften Frauen übrigens zur Mittagszeit nur den Speisesaal im oberen Stockwerk benutzen. Im selben Jahr wurde dieses Verbot aufgehoben.
Gelegentlich versuchten Schachfreunde, die alte Schachtradition wieder aufleben zu lassen. 1980 wurde hier das Finale der Klubmeisterschaft ausgetragen. 2003 wurde anlässlich des 175-jährigen Bestehens ein Turnier zu Ehren von Howard Staunton organisiert. Bis 2009 gab es noch einige Nachfolgeturniere.
1846 hatte Lionel Kieseritzky in der Deutsche Schachzeitung über einen Besuch im Simpson’s berichtet: „Jeder Besucher muss beim Betreten des Ladens, durch den die Treppe zum Saal führt, einen Schilling bezahlen, für den er eine Zigarre und eine Karte erhält, mit der er oben eine Tasse Kaffee oder Tee oder eine Limonade bekommt.“

Adolf Anderssen
1851 spielten Adolf Anderssen und Lionel Kieseritzky am Rande des ersten großen internationalen Schachturniers in London einige freie Partien, von denen eine als „Die Unsterbliche“ in die Schachgeschichte einging. Anderssen opfert darin zwei Türme und setzt matt.

Es war Kieseritzky, der diese Partie den Zeitgenossen und der Nachwelt überlieferte.

Laut Kling und Horwitz wurde die Partie abweichend von den modernen Spielregeln mit den schwarzen Figuren eröffnet. Anderssen und Kieseritzky zogen demnach 1. e7–e5 e2–e4 2. f7–f5 usw. In dem parallel stattfindenden Londoner Turnier wurde die Hälfte der Partien mit Schwarz eröffnet (Wikipedia)
Zum Nachspielen:
Wilhelm Steinitz kommentierte die Partie so: „Dieses und das weitere Vorgehen von Anderssen bei seinem Angriff markieren die Grenze der Genialität und Brillanz, die in den tatsächlichen Wettkämpfen bis zu unserer Zeit gezeigt wurden.“
Das Haus hatte in den letzten Jahrzehnten verschiedene Inhaber, wurde 2017 noch einmal renoviert, musste aber 2020 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schließen. Der größte Teil des Inventars, darunter die berühmten silbernen Servierwagen, wurde dabei leider verkauft. Es drohte die endgültige Schließung dieser Institution.

Jüngst wurde das Simpson’s-in-the-Strand unter der Leitung der Hotelkette Savoy Hotel Group und des bekannten Gastronomen Jeremy King wiedereröffnet. Das Haus umfasst im ursprünglichen Dekor zwei sehr formelle Speisesäle, zwei Bars und einen Ballsaal, der auch für private Veranstaltungen gemietet werden kann. Man könnte hier also im Prinzip auch wieder Schachveranstaltungen und -turniere durchführen.
Ein häufiger Gast im ehrwürdigen Simpson’s war auch der englische Musiker und Schachfreund Jason Kouchak.
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| Jason Kouchak & Burberry’s Equestrian Knight | Jason mit Dame |
Über die Wiedereröffnung freut er sich ganz besonders und betrachtet dies als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: „Das Simpson’s ist die spirituelle Heimat des britischen Schachs. Alles, was im 19. Jahrhundert Rang und Namen im Schach hatte, war hier zu Besuch. Aber auch für die englische Küche war das Restaurant die beste Adresse“, sagt Jason Kouchak. „Ich liebe ein altes Video, das die Menschen beim Essen und Schachspielen zeigt!“
Jeremy King weiß ebenfalls um die Bedeutung des Hauses und seine neue Aufgabe: „Simpson’s ist das letzte der ‚Grande-Dame‘-Restaurants, das noch immer sein ursprüngliches Dekor und seine Schachfunktionen bewahrt hat, und die Aussicht, es wieder zu seinem früheren Glanz zu restaurieren, ist der Höhepunkt meiner Karriere.“

Jeremy King und Jason Kouchak mit einem alten Staunton-Schachspiel
Gemeinsam wollen sie auch die Schachtradition im Simpson’s wiederbeleben. Jason Kouchak möchte zum Essen und Schachspielen auch noch Musik hinzufügen. Ab Anfang März 2026 soll es unter dem Titel „King’s Gambit“ Schach-Themenabende mit Jason Kouchak und Jeremy King geben. Auf dem Programm stehen unter anderem „Jazz Chess“, eine Variante des Blitzschachs, Blindschach sowie Vorträge von Schachgroßmeistern über ihre Schachhelden des 19. Jahrhunderts.

"Abgemacht!"
„Es ist eine wunderbare Gelegenheit, mit englischer Küche, Schach und Musik eine künstlerische Atmosphäre im Simpson’s wiederherzustellen. Wir schätzen die Geschichte dieser großartigen Institution und führen sie gleichzeitig vollständig ins 21. Jahrhundert.“
Großmeister und Grand Maîtres werden zusammenkommen:

Grandmasters and Grandmaestros: Barry Martin, Stuart Conquest, Jason Kouchak, Richard Farleigh und Michael Adams
Weihnachten zu Hause: Gibt es eine bessere Art, die Weihnachtsstimmung zu feiern, als mit einem Glas Château Latour Grand Vin Pauillac?
Christmas Wine Song
Wein oder Whiskey? Sie haben die Wahl.
Weihnachten ohne dich, gefilmt mit Rosie (St. Bernard) Weihnachten 2015:
Ein Weihnachtsfest im Freien – Rosie rettet den Tag

Frohe Weihnachten wünschen Jeremy Kouchak und Jason King und freuen sich auf Ihren Besuch im Simpson's.
Mit bestem Dank an Jason Kouchak für Inspiration und Material.