Wie gut es ist, mit großem Vorsprung in die letzte Runde zu gehen, stellte die Ex-Weltmeisterin Tan Zhongyi beim Cairns Cup fest. Sie verlor in Runde 9 zum ersten Mal, hatte aber dank ihrer fünf Siege und drei Remis ein ausreichendes Polster, um nach dem Remis ihrer Verfolgerin Alice Lee als alleinige erste den Siegerpokal überreicht zu bekommen.
Runde 9 Ergebnisse:

Hätte das Turnier sicher gerne unbesiegt beendet, doch die Niederlage gegen Stavroula Tsolakidou schmälert Tan Zhongyis Leistung nicht. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Dabei sah es so aus, dass Tan in der letzten Runde auf eine Gegnerin trifft, der die Kraft etwas auszugehen drohte: Stavroula Tsolakidou war bis zur sechsten Runde ungeschlagen. Die griechische IM hatte sogar theoretische Chancen auf den Turniersieg und/oder eine GM-Norm. Doch dann verlor sie in Runde 7 gegen Bibisara Assaubayeva und in Runde 8 gegen Carissa Yip. Das Rampenlicht in der Schlussrunde schien die 26-Jährige aber zu beflügeln. Sie spielte eine großartige, positionelle Partie, die sie souverän und verdient gewann:
Tsolakidou landet nach diesem Sieg in dem starken Feld auf Rang 5 und gewinnt 8 Elo-Punkte hinzu. Sie ist die Spielerin, die sowohl Tan als auch Lee die jeweils einzigen Niederlagen im Turnier zugefügt hat – ein ganz besonderer Erfolg. Die Turniersiegerin Tan kann neben dem Pokal und den 65.000 Dollar Preisgeld auch noch ein Eloplus von 16 Punkten verbuchen.

Hat nach dem Sieg gegen die Turniersiegerin und Ex-Weltmeisterin allen Grund zum Strahlen: Stavroula Tsolakidou. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Die zweite Siegerin: Alice Lee
Zwar konnte Alice Lee nicht mehr mit der Führenden gleichziehen. Doch sie war im Interview im Anschluss an die Partie dennoch überglücklich. Rang 2 in diesem starken Turnier wäre an sich schon ein Riesenerfolg. Doch mit ihrer Punktzahl erzielte die 16-Jährige sogar ihre erste GM-Norm. Pikant dabei: In der letzten Runde musste sie ausgerechnet gegen ihre Freundin und Vorjahressiegerin Carissa Yip antreten, um den fehlenden halben Punkt für die Norm noch einzusammeln.

Die beiden Freundinnen Alice Lee und Carissa Yip haben sich schon viele wilde Partien geliefert. Diese Partie war nicht ganz so aufregend, endete aber mit einem tollen Erfolg für das 16-jährige US-Talent. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Lee gab zu: „Ich war nervös vor der Partie und unzufrieden mit der Eröffnung, weil ich in der Defensive war.“ Doch Yips Vorteil währte nur vom 13. bis zum 22. Zug, laut Engine betrug er bis zu eineinhalb Bauerneinheiten. Doch Lee zeigte erneut Umsicht, glich die Partie wieder aus und gelangte in ein ausgeglichenes Endspiel. Sicher war sie sich dennoch nicht, denn in dieser Stellung
hatte sie 40...Lf2 befürchtet und sich vor einer langen Verteidigung mit inaktiven Figuren gesehen. Schließlich ist der Läufer von f2 nicht zu vertreiben und Schwarz könnte versuchen, auf dem Königsflügel durchzubrechen. Die Engine zeigt aber eine 0 an.
Schließlich kam es zu dieser Stellung und als alle mit Zugwiederholung durch Yip rechneten, täuschte diese mit einem lächelnden Blick in Richtung Lee einen neuen Zug an – gab dann aber mit 46...Ke8 doch die Vorlage zur Zugwiederholung per 47.Sg1:
„Ich bin erleichtert und freue mich“, sagte Lee im Anschluss wenig überraschend nach Abschluss ihres wohl besten Turniers bislang, in dem sie vier GM besiegte.
Was geht wohl in einer Ex-Weltmeisterin vor, wenn sie mit vier Nullen in ein großes Turnier startet? Alexandra Kosteniuk zeigte Größe und fing sich. Sie remisierte viermal und gewann ihre letzte Partie souverän gegen Vaishali Rameshbabu. Dadurch tauschten die beiden die Plätze: Kosteniuk beendet das Turnier als Vorletzte und übergab ihrer Gegnerin die rote Laterne. Ob es bei der wohl daran lag, dass sie sich vor dem WM-Match nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen wollte, weiß man nicht. Klar ist: Dieses Turnier werden beide schnell aus ihrer Erinnerung tilgen wollen ...

Versöhnlicher Abschluss für Alexandra Kosteniuk (l.): Nach vier Niederlagen zum Auftakt, folgten vier Remis und in der Schlussrunde der erste Sieg gegen die WM-Herausforderin Vaishali Rameshbabu. | Foto: Lennart Ootes
Dieser zweibändige Kurs präsentiert ein komplettes Repertoire für Schwarz nach 1.e4 c5 2.Sf3 g6 – dem Hyperbeschleunigten Drachen. In den letzten Jahren hat diese dynamische Variante deutlich an Popularität gewonnen, und mehrere der weltbesten Spieler haben sie in ihr Repertoire aufgenommen. Diese Variante bietet Schwarz zwei wesentliche Vorteile: Er muss sich weder mit der Rossolimo- noch mit der Moskauer Variante nach 3.Lb5 auseinandersetzen, und in vielen Abspielen kann er d5 in einem Zug spielen und so ein Tempo sparen. Im ersten Band geht es um die scharfen Varianten im Offenen Sizilianer, die exzellente Angriffschancen auf die lange Rochade bieten und der positionelle Maroczy Aufbau.
kostneloses Beispielvideo: Introduction
kostenloses Beispielvideo: Maroczy Aufbau 6...Qb6
In Runde 9 gab es neben Lees Remis zwei weitere Punkteteilungen. Bibisara Assaubayeva und Humpy Koneru einigten sich leistungsgerechnet auf ein Remis. Assaubayeva ist damit im Endklassement Vierte, während die sieglose Koneru Achte wurde. Ebenfalls sieglos, gleichzeitig aber auch ungeschlagen ist Anna Muzychuk. Sie spielte gestern in der 9. Runde zum neunten Mal remis. Mit Schwarz hatte sie keine großen Probleme, die Partie gegen Divya Deshmukh ausgeglichen zu gestalten.