Loek van Wely verteidigt Titel in
Kuppenheim
1,5:0,5-Sieg im Play-off-Finale gegen Franzosen Christian
Bauer
Von Hartmut Metz
Alle Partien von Loek Van Wely vom 12-Stunden-Blitz...
Der
Niederländer Loek van Wely hat sich beim Kuppenheimer Zwölf-Stunden-Blitzturnier
erneut durchgesetzt. Wie im Vorjahr lag der 22. der Schach-Weltrangliste nach 50
Runden unangefochten an der Spitze – doch diesmal musste der 32-Jährige auch ein
Play-off-Halbfinale ungeschoren überstehen. Letztlich entledigte sich van Wely,
der online von New York aus in der Wörtelhalle mitspielte, aber auch dieser
Aufgabe. Dabei wiederholten sich die Ereignisse in der Runde der letzten vier
und im Finale: Gegen Großmeister Normunds Miezis gewann der Tilburger auf dem
Server
www.schach.de
die erste Begegnung. In der zweiten Partie mit fünf Minuten Bedenkzeit entkam
van Welys König aber nur mit größter Mühe dem Angriff des Letten. Miezis gab
widerwillig am PC ein Dauerschach, das seine 0,5:1,5-Niederlage besiegelte. Im
Endspiel zog Christian Bauer, der im zweiten Großmeister-Duell Slavko Cicak in
der Halbfinal-Verlängerung mit 2:1 ausgeschaltet hatte, den Kürzeren. Der
Franzose geriet in Rückstand, holte aber eine zweite Dame – und musste danach
das von van Wely gerne gegebene Dauerschach zum Unentschieden und 0,5:1,5
zulassen. Ansonsten wäre Bauers König sogar matt gesetzt worden.

Loek van Wely
Der erfolgreiche Titelverteidiger erhielt als ersten Preis 1.000 Euro (inklusive
eines Schach-Softwarepakets von ChessBase). Der Weltranglisten-57. Bauer musste
sich mit 350 Euro bescheiden. Der Preisfonds beim Sparkassen-Cup betrug rund
3.700 Euro. Mit 86 Teilnehmern verzeichnete die Rochade Kuppenheim eine leichte
Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Mit fünf Großmeistern am Start war das
Turnier so gut wie selten besetzt – obwohl mit dem Russen Wladimir Epischin, der
in den USA feststeckte, und dem sechsfachen Rekordsieger Klaus Bischoff zwei
Dauergäste kurzfristig abgesagt hatten.

Normundis Miezis, Slavko Cicak,
Christian Bauer
Im
Vorjahr hatten die Asse geklagt, dass der Vorteil des Online-Spielers zu groß
sei, sitze er doch im Gegensatz zu seinen Kontrahenten gemütlich daheim am PC.
Um diesem Argument den Wind aus den Segeln zu nehmen, genügte es den
Organisatoren um Rochade-Präsident Alexander Hatz nicht, dass van Wely heuer von
einem Internet-Café in New York aus seine Züge sandte. Der derzeit auf einem
US-Gastspiel befindliche Niederländer hatte als Lösung selbst für Play-offs
plädiert, damit die Großmeister-Kollegen morgens um 7.30 Uhr ihr Schicksal
selbst in die Hände nehmen konnten. Ein gelungenes Experiment. Nach elfeinhalb
Stunden in der Wörtelhalle umlagerten die Fans den PC und das zweite
Halbfinal-Match. Auch das Endspiel blieb bis zum letzten Zug von van Wely und
Bauer spannend.
Die
Vorrunde beendete van Wely, dessen Partien alle live von ChessBase im Internet
übertragen wurden, als einziger Akteur mit 25:0 Zählern. Auch bis zur 40. der 50
Runden blieb der niederländische Serienmeister ohne Verlustpunkt, ehe der
Baden-Badener Zweitligaspieler Ilya Mutschnik ein Remis ertrotzte. Obwohl van
Wely danach seine einzige Niederlage gegen den mit Applaus gefeierten Verfolger
Bauer kassierte, blieb der favorisierte Weltranglisten-22. mit 47 Punkten
souverän vor Bauer (44,5), Cicak (43,5) und Miezis (41,5). Weil Letzterer nur
als Vierter knapp vor dem Slowaken Mikulas Manik (41) in die Play-offs
eingezogen war und kein Spiel um Platz drei ausgetragen wurde, belegte Cicak im
Endklassement Rang drei vor Miezis. Der fünfte Großmeister im Feld, Wladimir
Gurewitsch (Ukraine), musste sich mit 37,5 Zählern und Platz neun begnügen. Vor
ihn schoben sich Josef Gheng (Ditzingen/40) und die französischen Brüder
Sebastian und Jean-Noel Riff (beide 38).
Die
Mannschaftswertung ging an Cicaks Team Schöneck. 148,5 Zähler verbuchten die
Hessen in der Besetzung IM Sven Telljohann, IM Mikulas Manik und Michael
Stockmann. Viereinhalb Punkte weniger auf die Waage brachten die ebenfalls
ausnahmslos für die Endrunde A qualifizierten Franzosen aus Mulhouse. Patrice
Lerch und die Gebrüder Sebastian, Jean-Noel und Vincent Riff eroberten 144
Punkte. Dritter wurde Oberligist Waldshut-Tiengen (Andreas Schilling, Mark
Zichanowicz, Georg Vogelbacher und Patrick Saring/alle B-Gruppe) mit 115
Zählern.
Der
17-jährige Kuppenheimer Florian von der Ahé qualifizierte sich mit 17:8 Punkten
erstmals für die Meistergruppe. Doch der badische U16-Blitzmeister tat sich
diese Strapaze nicht an und zog als einziger Teilnehmer nach der Vorrunde
zurück. Lutz Schäfer verbuchte in der Vorrunde, in der er unter anderem Bauer
und van Wely unterlag, zehn Zähler. Das genügte noch hauchdünn für die B-Gruppe
(für die A-Gruppe benötigten die Spieler 16,5 Zähler). In der kam der
Kuppenheimer Landesligaspieler aber nicht über Platz 20 hinaus mit 25,5 Punkten
nach insgesamt 54 Runden. Drei Punkte mehr holte zwar sein Vereinskamerad
Patrick Karcher – allerdings musste er sich in die C-Gruppe begeben nach
lediglich acht Zählern in der Vorrunde. Dort reichte es Karcher immerhin zu
Platz vier.
In der
B-Gruppe räumte Milan Kandic (Minden/39,5) das neue Shredder-9-Programm samt
weiterer CD ab vor dem Gernsbacher Eric Lutz (37), Tibor Trapp (Mommenheim/35),
Olivier Wimmer (Lahr) und Philipp Germer (Freiburg West/beide 34,5) sowie als
sechstem Preisträger Saring (30). In der C-Gruppe sicherte sich der Franzose
Emmanuel Poidevin (Gambsheim) mit 32,5 Punkten aus 54 Duellen die Shredder-9-CD.
Die Plätze belegten der Marbacher Armin Fingerhut (32), Schilling
(Waldshut-Tiengen/31), der Kuppenheimer Karcher zusammen mit Michael Pfau
(Brombach/beide 28,5) und Horst Würfel (Karlsruher SF/28).
Der Endstand in der Meistergruppe nach 50 Runden:
1. Loek van Wely (Niederlande) 47 Punkte, 2. Christian Bauer (Frankreich) 44,5,
3. Slavko Cicak (Schöneck) 43,5, 4. Normunds Miezis (Lettland) 41,5, 5. Mikulas
Manik (Schöneck) 41, 6. Josef Gheng (Ditzingen) 40, 7. Sebastien und Jean-Noel
Riff (Frankreich) 38, 9. Wladimir Gurewitsch (Ukraine) 37,5, 10. Sven Telljohann
(Schöneck) 37, 11. Ilya Mutschnik (Baden-Baden) 36,5, 12. Richard Polaczek
(Belgien) 35,5, 13. Patrice Lerch (Frankreich) 35, 14. Ilya Manakov (Tamm) 34,5,
15. Vincent Riff (Mulhouse/Frankreich) 33, 16. Nuredin Peci (Erfurt) 31, 17.
Thilo Kabisch (Böblingen) 28,5, 18. Mahmut Xheladini (Lörrach) 28, 19. Wladimir
Paleologu (Schweiz), Bernd Schneider (Eppingen), Michael Stockmann (Schöneck) je
27.
Mannschaftswertung (Wertung der vier
besten Spieler eines jeden Vereins): 1. Schöneck 148,5 Punkte, 2. Mulhouse
(Frankreich) 144, 3. Waldshut-Tiengen 115, 4. Freiburg West 107, 5. Landau 95,
6. Blankenloch 89,5.