"Heute kommt der Nikolaus..."

12.12.2006 – Der Sinn einer Nikolausfeier besteht bekanntlich darin, dass Erwachsene zu ihrem eigenen Vergnügen Kindern vorgaukeln, ein Mann in einem schlecht sitzenden roten Filzmantel würde mit einem Rentier-Schlitten durch die Luft fliegen und Kindern Geschenke bringen - aber nur, wenn sie das ganze Jahr über, mindestens aber die letzten zwei Tage, brav gewesen wären. Eltern, die "The Night of the Living Deads" mögen, bringen auch noch den Kinderschreck "Knecht Rupprecht" ins Spiel. Der heutigen Kinder-Generation, deren Kuscheltiere den Orks aus "Herr der Ringe" nachempfunden sind und die eine fratzenhafte Schildkröte namens E.T. niedlich finden, kann man damit aber kaum noch zur Räson bringen. Und so stellt sich für jedes halbwegs aufgeweckte Kind eigentlich nur noch die Frage: "Wer hat sich den denn diesmal als Nikolaus verkleidet?" In diesem Jahr ergab sich für das Organisationskomitee der ChessBase-Nikolausfeier allerdings eine neue Option in der Darsteller-Frage. Im ewigen Kampf Erwachsene vs. Kinder waren erstere diesmal zwar wieder nicht Favorit, aber auch nicht völlig chancenlos. Abschlussbericht...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Nikolaus 2006

Frühere Versuche, Kindern im Alter ab fünf Jahren die Existenz des Nikolaus vorzugaukeln, sind, wie aufmerksame Leser dieser Seiten wissen, bereits grandios gescheitert. Die Schadensberichte landeten inzwischen auf der Müllhalde der verbrauchten Worte. Wer will kann dort wühlen und den Verlauf der Niederlagen in unserem Archiv jahresweise nachlesen.

Nikolaus 2005...

Nikolaus 2004...

Nikolaus 2003...

Nikolaus 2002...

Nikolaus 2001...
 

Im Laufe der Zeit ist die Zielgruppe auch nicht nicht eben dümmer geworden. Dankenswerterweise gibt es jedoch etwas Nachwuchs und bei der Nachbetrachtung äußerten einige Erwachsene der Ansicht, sie seien zu der Auffassung gekommen, dass Jan Oke (1+ Jahre) möglicherweise - ganz sicher kann man da natürlich nicht sein - die Darstellung der Vorgänge für bare Münze genommen hat. Zumindest hat er keinerlei Zweifel geäußert - OK, er kann ja auch noch nicht sprechen.


Jan Oke glaubt an den Nikolaus, vielleicht

In diesem Jahr ergab sich eigentlich eine sehr gute Ausgangsposition für eine harmonische Nikolausfeier. Mit Holger Winterstein wurde im Laufe des Jahres ein neuer Mitarbeiter ins Team geholt, der noch völlig unverbraucht war. In den Jahren zuvor waren nämlich zahlreiche Nikolausdarsteller - eigentlich so gut wie alle - von der Zielgruppe enttarnt und demontiert worden. Sie waren für diese Aufgabe "verbrannt".

Eine entsprechende Anfrage des Organisationskomitees bei Holger wurde von diesem umgehend positiv beantwortet. In der Folge erarbeitete er sich anhand früherer Nikolaus-Berichte selbstständig einen kompletten Auftrittsplan, der sämtliche in den Jahren zuvor gemachte Fehler aufs peinlichste vermied. In akribische Arbeit verpasste er sich eine Legende, die geeignet gewesen wäre, jeden Geheimdienst der Welt hinters Licht zu führen. Aber was sind schon Geheimdienste...

In den Jahren zuvor hatten wir mit Matthias Deutschmann z.B. einen Nikolaus, der bei seinem Auftritt den obligatorischen Bart vergessen hatte. Wen wollte er damit beeindrucken? Vielleicht seine Kabarettgäste - aber doch nicht eine Schar aufgeweckter Kinder. Im Jahr danach widerfuhr dem Nikolaus Uli Leupelt eine zwar kleine - jedoch entscheidenden Nachlässigkeit. Anhand seines prägnanten Eherings, den er zuerst als Nikolaus  und den er dann als er selbst immer noch am Finger hatte, wurde er im Nu enttarnt.

Um den Überraschungsmoment zu erhöhen, hatte man diesmal den Auftritt des Mannes in Rot zeitlich nach hinten verlegt. Das erhöhte die nervöse Spannung bei der Zielgruppe, die sich zudem vorher noch mit eilig zusammen gerührten "Chili con Carne" herumärgern musste.


"Was gibt es?"


"Buaähh - OK, wir nehmen Würstchen!"

Dann, als schon keiner damit rechnete, war es soweit: Der Nikolaus erschien;


"Was guckt ihr alle so?"

Die Einen reagierten tatsächlich wie erwünscht, nämlich mit Respekt (s.o), die Erwachsenen zeigten z.T. unverhohlene Freude,

... einige Kinder konnten jedoch ihr offenkundiges Desinteresse...



...an dieser peinlichen Einlage nicht unterdrücken und schnitten Grimassen (Kai, re.)

Immerhin: Die Erwachsenen waren mehr als zufrieden mit dem Auftritt und schlugen sich begeistert auf die Schenkel.:


Frederic ist gespannt


Matthias weiß: Diesmal kann nichts schief gehen!

Mancher bekamen glänzende Augen und fühlten sich an eigene Kinderzeiten erinnert.



Allerdings scheint auch schon Leo (5), links, nicht so ganz überzeugt.
 


Wer könnte diesem Kind einen Nikolaus aufbinden?

Der Nikolaus war erneut bis zur absoluten Unkenntlichkeit getarnt, mit bekannten und auch neuen Elementen:

Mütze
Schnurrbart:
Langer Bart
 

Außerdem, um den Fehler mit dem Ring aus dem Vorjahr nicht zu wiederholen:

Handschuhe! Hähä...!
 

Zudem wurde zur Ablenkung noch...

... das silberne Buch eingeführt.
 

Somit verblieb als einziges ungetarntes Feld

dieser Ausschnitt hier.

Leider war die an sich gute Idee mit dem Silbernen Buch mir einer immanenten Schwäche verbunden, die letztlich auch dieses Jahr die Enttarnung des Darstellers zur Folge hatte - wie sich noch zeigen wird. Unser Mann sah im Ganzen jedenfalls so aus.

Trotz der prächtigen Maskerade wurde der Auftritt vom Zielpublikum im Ganzen jedoch mit einer gewissen mokanten Arroganz goutiert.


Juliane und Johannes


"Hallo,.. hihi... Nikolaus!"


Juliane kann sich vor Lachen kaum halten



Johannes sammelt Daten. Dazu sagt er in jedem Jahr ein mehrstrophiges Gedicht in unmittelbarere Nähe des Nikolaus auf und sucht nach Schwachpunkten in der Kostümierung. In diesem Jahr wurde Theodor Storm die Ehre gegeben

Theodor Storm: Knecht Ruprecht

Von drauss` vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht" durch den finstern Tann,
Da rief"s mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt" und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach:
"O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"

Ich sprach:
"Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern."
"Hast denn die Rute auch bei dir?"

Ich sprach:
"Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

Nun sprecht,
wie ich's hier innen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?


Nach der dritten Strophe hat Johannes genug gesehen.

Vor der eigentlichen Enttarnung muss natürlich erst noch die Geschenkübergabe abgewartet werden. Nur dafür lässt man ja den ganzen Zirkus über sich ergehen.


Nun erst mal die Geschenke...



Die Mitbringsel werden einer eingehenden Prüfung unterzogen. Je nachdem, wie umfangreich die Gaben sind, kann die spätere Sabotage der Zeremonie auch mal härter oder doch milder ausfallen

Jeder wird vom Nikolaus aufgerufen, erst die Kinder, dann die Erwachsenen. Und zu jedem weiß der Nikolaus eine Episode aus dem Silbernen Buch zu berichten.


Ben - in seinem neuen Pullover, aus zwei Topflappen selbst gehäkelt - kann vor Freude nicht an sich halten.


Oliver wartet gespannt, bis er dran ist.


Auch die Kinder schauen sich, nachdem sie ihre eigenen Geschenke bekommen haben, noch die ganze folgende Zeremonie aufmerksam an.

Doch nachdem der Nikolaus alle beschenkt hat, geht es ans Eingemachte.


Juliane und Johannes diskutieren die Aufführung.



Erster Ansatzpunkt: Schon während der Vorstellung wurde als mögliche Schwachstelle das Schuhwerk des Nikolaus anvisiert. Doch Holger/Nikolaus hatte diesen Versuch antizipiert und die Schuhe gewechselt. Als er später in normaler Kluft zur Feier hinzu stieß, trug er ganz andere Schuhe. (Hähä, so einfach geht es nicht - wir sind ja auch nicht blöde!)

Während der Aufführung hatte der Nikolaus zudem auf eine goldene Taschenuhr geschaut. Aber auch die scheinheilige Kinderfrage nach der Uhzeit wurde von Holger souverän abgewiesen. Heute habe er gar keine Uhr dabei.

Entscheidend für die Enttarnung war dann ein anderer Umstand, der aufmerksam registriert wurde. Beim Ablesen der Texte aus dem Silbernen Buch offenbarte der Nikolaus nämlich eine ziemliche Weitsichtigkeit, die von den Kindern (mit 100 Sendungen "Wissen macht Ah!" im Hintergrund) als Sehschwäche von etwa + 2,5 (mit 1,0 Zylinder) analysiert wurde. Tatsächlich trug Holger dann eine Brille, die ziemlich genau diesem Anforderungsprofil entsprach. Bingo!

Vor seinem Abgang hatte der Nikolaus sich noch auf die Kleinsten gestürzt, um wenigstens diese mit seiner Verkleidung zu beeindrucken. Dies gelang...


..mehr, oder...


..weniger...


... oder vielleicht auch gar nicht.

Wen oder was würde wohl Jan Oke zur Verbesserung der Nikolaus-Performance im nächsten Jahr empfehlen, um die verfahrene Situation vielleicht doch noch zu retten?



Oh, Helmut Pfleger! ... Interessant...

 

André Schulz
Foto: Benjamin Bartels, André Schulz

 

 


 

 

 

 

 

 

 


Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren