"Probably the best town of the world"

06.06.2011 – Am Wochenende fand in Brasov die rumänische Schnellschach-Mannschaftsmeisterschaft statt. Wahrscheinlich werden nur wenige Schachfreunde den Namen Brasov kennen, obwohl es eine der größten Städte Rumäniens ist. Geläufiger dürfte noch die alte deutsche Bezeichnung Kronstadt sein, eine der sieben Städte der Siebenbürger "Sachsen". Neben Peter Maffay, von dem wir nicht wissen, ob er Schach spielt, wurde hier auch Livie-Dieter Nisipeanu geboren, von dem wir wissen, dass er sehr gut Schach spielt. Der beste rumänische Schachspieler nahm an der Schnellschachmeisterschaft nicht teil, dafür aber viele andere Bekannte und mit Erwin L'Ami auch ein eingeheirateter Niederländer. Aber schon im 12. Jahrhundert stammten viele eingewanderte "Sachsen" eigentlich aus den Niederlanden.Rumänischer Schachverband... Turnierseite...Bericht, Bilder, Tabellen....

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Ein bisschen Geschichte
Text André Schulz, Alina L'Ami
Bilder: Alina L'Ami




Hallo!

Im Zuge der "Globalisierung" wird hier in englischer Sprache für die Vorzüge der Stadt geworben, die in der Landessprache Brasov heißt, und in Deutschland doch vielen noch als Kronstadt bekannt ist. Kronstadt, zwischen 1951 und 1961 auch einmal in Orașul Stalin (Stalinstadt) umbenannt, liegt "jenseits der Wälder", also in Transsilvanien, und ist eine der "sieben Burgen" (?) des von den Sachsen einst besiedelten "Siebenbürgen", die anderen sind: Schäßburg, Mediasch, Hermannstadt, Mühlbach, Bistritz und Klausenburg. Mediasch wird den Schachfreunden demnächst ebenfalls in einem Schachturnier erneut begegnen, als Nachbarstadt von Bazna (= Baaßen). Dort gibt es in Kürze erneut ein top besetztes GM-Turnier.

Nachdem die Ungarn ab 895 das Karpatenbecken besiedelt hatten, begannen sie unter König Unter König Géza II. (1141–1162) die Grenze nach Osten zu verschieben. Aus dem Tross des Zweiten Kreuzzuges (ab 1147), der Ungarn auf dem Weg nach Palästina durchquert hatte, warben sie zur Sicherung der Grenzen Siedler an, die ursprünglich am Mittelrhein, dem Moselgebiet und den Niederlanden ihre Heimat hatten. Im Verlauf des 12. und 13.Jh wurden auch zur Binnenkolonisation Siedler aus dem Mass-Mosel-Raum, Flandern und den damaligen Erzbistümer Köln, Trier und Lüttich angeworben. Diese nannten man pauschal "Sachsen", haben also mit historischen Sachsen nur bedingt etwas und mit den heutigen Sachsen gar nichts gemein. Die deutschen Siedler - Bauern und Handwerker - erhielten vom ungarischen Königs Andreas II. 1224 erstmals Sonderrechte, die später immer wieder erneuert wurden. Zu jener Zeit wurden die oben genannten sieben großen Städte Siebenbürgens gegründet.

Zwischen 1211 und 1225 spielte der Deutsche Ritterorden  in Siebenbürgen, besonders im Burzenland, einem Teil Siebenbürgens mit Kronstadt als Zentrum, eine gewisse Rolle, da er zum Schutz vor den Kumanen (auch: Kyptchaken, chin. Gaogüy, Turkvolk, das vom Irtysch stammte) gerufen worden war. Als der Orden versuchte, einen eigenen Staat zu gründen, wurde er wieder vertrieben.


Ein bisschen Hollywood










Piata Sfatului, der Marktplatz




Hinten der Berg Tâmpa















Eine zweite große Besiedlungswelle aus Deutschland, vor allem Protestanten, erfolgte im Zuge der Gegenreformation nach 1545, da in Siebenbürgen Glaubensfreiheit herrschte.

Im 16. Jh. zerbrach Ungarn infolge der Niederlage gegen die Türken in der Schlacht von Mohács (29. August 1526) nach und nach in drei Teile. Siebenbürgen wurde ein Vasallenstaat der "Hohen Pforte", bewahrte sich aber wenigstens seine Identität als christlicher Staat - in Siebenbürgen wurde nie eine Moschee gebaut. Plünderungszüge der Türken und auch der Ungarn sorgte jedoch für einen wirtschaftlichen Niedergang des Landes. Nach der zweiten Wiener Türkenbelagerung (1683) wurden die Türken zurück gedrängt, das Land geriet unter den Einfluss der Habsburger und gehörte ab 1699 auch formell zu Österreich.

Neben dem ungarischen Adel, den Szeklern (ungarisch sprechender Volksstamm im Osten Rumäniens mit unklarer Herkunft) und den Siebenbürger Sachsen bildeten die oftmals leibeigenen Walachen (Rumänen) den größten Anteil an der Bevölkerung. Im Kampf um Rechte kam es 1784 in einem großen Aufstand unter Horea, der aber nieder geschlagen wurde. Mitte des 19.Jh. strebte der von den Ungarn dominierte Landtag Siebenbürgens nach einer Union des Landes mit Ungarn. Dies wurde 1867 zusammen mit der Etablierung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn vollzogen und damit die formale 700-jährige Unabhängigkeit Siebbürgens aufgehoben. Die dem folgende rigide Magyarisierungspolitik führte jedoch zu andauernden Konflikten mit den anderen Bevölkerungsteilen.
 


Nach dem 1. Weltkrieg wurde Siebenbürgen nach Forderungen der Siebenbürger Rumänen dem mit der Entente verbündete Rumänien zugeschlagen, 1920 wurde diese im Vertrag von Trianon festgeschrieben. Die Siebenbürger Sachsen begrüßten die Entwicklung und erhofften sich umfangreiche Minderheitenrechte, wurden aber enttäuscht. Repressalien der Rumänen gegen die bis dahin dominierenden Ungarn führte zu einer großen Auswanderungswelle. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil Siebenbürgerns an Ungarn übertragen. Nach 1945 wurde dies revidiert, Ungarn und Deutsche sahen sich andauernden Repressalien durch die Rumänen ausgesetzt. Im Laufe der Jahre schrumpfte besonders der Anteil der deutschstämmigen Bürger. Waren es 1869 noch über 11%, so ging die Zahl besonders nach 1945 immer mehr zurück: 1948 - 5,8%, 2002 - 0,7%.

Einer der aus Kronstadt ausgewanderten Deutschstämmigen dürfte selbst vielen Schachspielern ein Begriff sein: Peter Maffay. Und 1976 wurd hier als Sohn eines rumänischen Vaters und einer deutschen Mutter der beste rumänische Schachspieler, Liviu-Dieter Nisipeanu, geboren.


Die Schwarze Kirche

Der rumänische Schnellschachmannschafts-Pokal wurde mit einer Bedenkzeit von 15 Minuten plus zehn Sekunden gespielt. Bei den Herren nahmen 25 Mannschaften teil, die in neun Runden Schweizer System spielten. Bei den Frauen meldeten nur sechs Mannschaften und der Pokal wurde als Rundenturnier gespielt. Die bekanntesten Teilnehmer waren Erwin l'Ami, Mihail Marin, Vlad Jianu, Anna Zatonskih, Corina Peptan, Cristina Foisor und ihre Tochter Sabine, die eigens aus den USA anreiste. Der Vater/Ehemann spielte im Männerturnier ebenfalls mit.


Blick aus dem Fenster: unten: Volkstanz

"Brasov, die schönste Stadt der Welt", ist vielleicht etwas übertrieben, aber zumindest ist Kronstadt eine überaus liebenswerte Stadt in zauberhafter Umgebung.



Technisches Meeting: li: Anna Zatonskich


Vor der Runde Irina Bulmaga, Smaranda Padurariu und Erwin L'Ami


V.l.n.r.: Erwin, Mateuta Gabriel, Vladimir Danilov and Chifor Emanuel; Vereisnpräsidente Vasile Manole


Erwin L'Ami und Mihail Marin


Li: Ovidiu Foisor, Ehemann von Cristina Foisor


Marin gegen L'Ami

Endstand nach 9 Runden

Rk. SNo Team Games + = - TB1 TB2 TB3
1 2 ACS de Sah Apanova Bucuresti 9 8 1 0 17 0 28.5
2 1 CS Politehnica Iasi 9 7 0 2 14 2 26.0
3 5 CS Sinandrei 9 6 2 1 14 0 24.0
4 3 CSM Lugoj 9 6 1 2 13 0 20.5
5 6 CS Conpet Ploiesti 9 6 0 3 12 0 22.5
6 11 CS Logic 64 Brasov 1 9 4 2 3 10 0 23.5
7 4 CSU Ploiesti 9 4 2 3 10 0 21.5
8 12 CS Spartac Bucuresti 9 4 2 3 10 0 21.0
9 13 CS de Sah Ioios Brasov 1 9 4 2 3 10 0 19.5
10 8 ACS Sah Chindia Targoviste 9 5 0 4 10 0 18.5
11 10 CS Sissa Constanta 1 9 4 2 3 10 0 18.5
12 7 CS de Sah Alex Brasov 9 4 1 4 9 0 22.5
13 9 CS Otopeni 9 4 1 4 9 0 20.0
14 20 CS Universitatea Arad 9 4 1 4 9 0 18.0
15 17 CS Snagov 9 4 1 4 9 0 16.0
16 14 CSU Targoviste 9 4 1 4 9 0 16.0
17 16 CS Energy Cameron Campina 9 3 2 4 8 0 19.5
18 15 CS Tinerii Maestri Bucuresti 9 3 2 4 8 0 15.0
19 21 CS Sissa Constanta 2 9 3 2 4 8 0 13.5
20 19 CS de Sah Ioios Brasov 2 9 4 0 5 8 0 13.0
21 18 CS Logic 64 Brasov 2 9 3 1 5 7 0 13.0
22 23 CS Logic 64 Brasov 3 9 3 0 6 6 2 9.0
23 24 CS de Sah Unirea Prejmer 9 2 2 5 6 0 10.0
24 22 ACS al Col. Nat. Aprily Lajos Brasov 9 2 1 6 5 0 13.0
25 25 CS de Sah Lia Brasov 9 1 1 7 3 0 7.5


Erster: Acs de sah Apanova Bucuresti


Silber für Politehnica Iasi, mit Erwin L#Ami am ersten Brett und 8 aus 9 bei zwei Remis


Bronze für CS Sinandrei


li.: CS AEM Luxten Timisoara, Anna Zatonskih, Cristina Foisor und Uta Adeline


Corinna Peptan, li.


Politehnica Iasi mit Alina L'Ami , Irina Bulmaga und Smaranda Padurariu

Endstand Frauen

Rk. Team 1 2 3 4 5 6 TB1 TB2 TB3
1 CS AEM Luxten Timisoara * 3 2 3 3 9 1 12.5
2 CS Politehnica Iasi * 2 2 3 9 1 11.0
3 CS Spartac Bucuresti 0 1 * 3 5 0 8.0
4 CSM Bucuresti 1 1 * 3 4 0 8.0
5 Clubul Central de Sah Bucuresti 0 ½ ½ * 3 0 5.0
6 CS Conpet Ploiesti 0 0 0 0 ½ * 0 0 0.5

Annotation:
Tie Break1: Matchpoints (2 for wins, 1 for Draws, 0 for Losses)
Tie Break2: The results of the teams in then same point group according to Matchpoints
Tie Break3: points (game-points)



Anna Zatonskih und Cristina Foisor vom Siegerteam CS Aem Luxten Timisoara


Silber für Politehnica Iasi


Wein aus Iasi


Grüße aus Brasov: Alina L'Ami


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