"Building Better Brains!"

10.01.2004 – Nicht nur in Deutschland ist Schach an den Schulen ein Thema. Viswanathan Anand, in Indien eines der ganz großen Sportidole und Sportler des Jahres 2003, eröffnete während der Weihnachtszeit in Bangalore das Schulschach-Programm "Mind Champion" seines Sponsors NIIT. Den Kindern gab er den Rat: "Arbeitet hart. Im Schach muss man über die Geschichte des Spiels Bescheid wissen und up to date sein. Habt Spaß an dem Spiel und strengt euch in der Schule an." Schon lange wird die Schachausbildung auch an den Schulen und Hochschulen der USA gefördert, z.B. an der Universität von Maryland (UMBC: The University of Maryland, Baltimore County), wo die GM Alexander Onischuk und Pawel Blehm wegen ein Stipendium erhalten. Gerald Schendel berichtet. Building Better Brains...

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"Building Better  Brains!"
 
Für die Lehrer in Campbell County (Nord-Kentucky/USA) gilt Schach als "brain-building activity". An Schulen, Krankenhäusern und Kindergärten sollen frühzeitig Gesundheit, Wohlbefinden und Denkfähigkeit der Kinder gefördert werden, berichtete die Cincinatti Post am 18. Dezember 2003. Das Motto in Campbell County lautet: "building better brains!"
 
Der Präsident der University of Maryland (Baltimore County/USA; kurz: UMBC) , Freeman Hrabowski, will mit der Förderung des Schachteams seiner Universität (u.a. mit den GM Alexander Onischuk und Pawel Blehm) bewusst einen Akzent setzen und sich von anderen US-Universitäten abheben, die ihre Athleten feiern. Ein aufrüttelndes Erlebnis hatte der Akademiker, als er vor Studenten eine Rede hielt und dabei sagte, die Universitäten sollten den Studenten, der eine Menge über englische Literatur gelernt hat, genauso feiern wie den Studenten, der ein großartiger Basketball-Spieler ist. Die Reaktion seiner Studenten auf diese Aussage hat Freeman Hrabowski erschüttert - er wurde ausgelacht! ""Well, when I said that, they just laughed. They laughed! That's the problem we face." In diesem Lachen sieht Freeman Hrabowski eine Äußerung des "Anti-Intellektualismus".
 
Auffällig ist jedenfalls, dass in amerikanischen Medien relativ oft und ausführlich über Schulschach-Veranstaltungen berichtet wird. Für die "Times Record News" begleitete neulich die Reporterin Ann Work die Schüler von Sam Houston zu einem Turnier in Fort Worth (Texas/USA). 85% der Schüler von Sam Houston sind in der Rubrik "low income" registriert. Der Schulleiter begann mit einem Schachprogramm 1998, um die Fähigkeit der Kinder zu kritischem Denken zu entwickeln. Die Reporterin zitierte einen Vater, der bei seinen beiden Kindern Fortschritte bemerkte: "Es ist ihnen klar geworden, dass man Dinge auf verschiedene Weise tun kann. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, und sie müssen heraus bekommen, wie sie ihr Ziel am besten erreichen." Überschrift des Beitrags von Ann Work: "School using chess to develop critical thinking skills". Kritisches Denken - eben diese Fähigkeit ist dann später am College und an der Universität (aber nicht nur hier) gefragt.
 
Die Spitzenteams des US-Hochschulschachs sind UMBC und University of Texas (Dallas/USA; kurz: UTD). Diese Universitäten vergeben Stipendien an herausragende Schachspieler. In der alljährlichen "Pan American Intercollegiate Team Chess Championship" treffen die Mannschaften aufeinander.
 
Im Jahr 2003 fand die PanAm vom 26.-30. Dezember in Miami (Florida/USA) statt. Insgesamt 36 Vierermannschaften nahmen teil. Sechs Runden wurden gespielt. Titelverteidiger UMBC wollte nach sechs Turniersiegen in den letzten Jahren den Rekord der University of Toronto brechen, die mit Siegen in 1965, 1973, 1974, 1980, 1981 und 1982 ebenfalls 6 Titelgewinne erreicht hat. Nach Siegen über Toronto, Princeton, Miami Dade Community College und der 2. Mannschaft von UTD unterlag UMBC (Onischuk, Blehm, Eugene Perelshteyn und Pascal Charbonneau) in der fünften Runde gegen UTD A) mit 1,5:2,5. An den oberen drei Brettern wurde remis gespielt, am vierten Brett gewann UTD. Nach einem Sieg in der letzten Runde über die Katholische Universität von Peru belegte die erste Mannschaft von UMBC mit 5 Punkten den zweiten Rang. Der Turniersieg ging an UTD A (Marcin Kaminski, 26, Polen; Magesh Panchathan, 21, Indien; Dmitry Schneider, 18, New York; Amon Simutowe, 21, Zambia; Andrew Whatley, 22, Alabama). Die Rangfolge der ersten 10 Mannschaften: UTD A, UMBC A, UTD B, Miami Dade Community College, Brooklyn College A, UMBC B, University of Toronto A, Catholic University of Peru, MIT und Princeton.
 
Alan Sherman, Leiter des UMBC-Schachprogramms und Professor für Computerwissenschaft, war zufrieden, obwohl sein Spitzenteam "nur" Zweiter wurde: "Immer mehr Hochschulen im Land fangen an, sich ernsthaft mit Schach zu befassen."
 
Mannschaftsführer der Teams aus Dallas war Tim Redman - Leiter des seit 7 Jahren bestehenden Schachprogramms der Universität und Professor der Literaturwissenschaft. Dem Fort Worth Star Telegram (31.12.2003) sagte Prof. Redman: ""We really are committed to the idea that chess is good for people's brains. Chess makes you smart." Seine Universität gibt jedes Jahr
mehrere zehntausend Dollar ("many tens of thousands of dollars") für Schach-Stipendien aus.
 
US-Medien feierten "UT-Dallas" als "top university team in the Western Hemisphere"!
 
Gerald Schendel / 10.01.2004

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