"Higher Leage" der Russischen Meisterschaften

03.06.2004 – In diesem Jahr wird die Russische Meisterschaft so gut besetzt sein, wie vor Jahren die UdSSR-Meisterschaften. Zu sechs geladenene Spielern, darunter Kramnik, Kasparov, Karpov, gesellen sich sechs Qualifikanten, die in zwei gerade in St.Petersburg und Tomsk abgeschlossenen Quailifikationsturnieren, "Higher League" genannt, ermittelt wurden. Misha Savinov war in St. Peterburg dabei und schwärmt von Partien und den "Weißen Nächten". Turnierseite St. Petersburg... Turnierseite Tomsk... Bericht, Bilder, Alle Partien...

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"Higher League" der Russischen Meisterschaften
Bericht aus St. Petersburg
Von Misha Savinov


Der Turniersaal

Runde 6

Diese Runde brachte den letzten Prüfstein für den Tabellenführer Alexej Dreev. Er musste mit dens chwarzen Steinen gegen den früheren FIDE-Weltmeister Alexander Khalifman spielen. Beide Spieler sind als große Theortiker bekannt und so war das Ergebnis der Eröffnung im Hinblick auf das Partieregbenis sehr wichtig. Während Khalifman ein sehr viel größeres Repertoire hat  kennt Dreev seine System sehr genau. Die Experten erwarteten Caro-Kann oder die Moskau-Variante im Halbslawen und waren der Meinung, dass die scharfen Varianten im Caro-Kann eher Khalifman liegen würden. Alexanders 1.d4 war schon eine kleine Überraschung, aber als Alexej seine Dame im 6.Zug nach a5 zog und damit Cambridge-Springs auf dem Brett stand, war dies eine Bombe. Noch nie hatte er diese Variante zuvor gespielt.


Alexey Dreev

Obwohl Khalifman meistens 6.Lg5 spielt, hatte er es zuvor auch erst einmal mit der Cambridge-Springs-Variante zu tun gehabt: ein 23-zügiges Remis gegen Artur Jussupov. Wie sich bald heraus stellte, war Dreev sehr viel besser vorbereitet und hatte keinerlei Schwierigkeiten das Remis zu erreichen. Damit bleib er an der Spitze der Tabelle.

Vitaly Tseshkovsky hatte sich gegen Epishins Sizilianer strategisch sehr gesund aufgebaut und belagerte einen schwachen Bauern auf a6. Doch wie so oft wurde es dann doch sehr taktisch und die Partie endete nach der Zeitkontrolle und einer lebendigen Schlacht mit Remis.


Epishin, Tseshkovsky

Der frühere russische Meister Sergey Volkov traf in einer sehr zweischneidigen Partie, die auch das Interesse der Zuschauer und anderen Teilnehmer weckte,  auf den jungen FM Evgeny Romanov.


Khalifman als Kiebitz

Die komplizierte Partie zweier gleichwertiger Gegner endete im 47. Zug remis.

Ian Nepomniashchy schlug GM Igor Kurnosov in einem scharfen Franzosen. Auf dem Foto sieht man Alexander Bakh als Zuschauer. Schwarz steht bereits auf Gewinn.


Kurnosov -N
epomniaschij, Kiebitz Alexander Bakh

Vadim Zvjaginsev überspielte Evgeny Shaposhnikov in der Eröffnung und leitete in ein Turmendspiel mit Mehrbauer über.


Vadim Z
viaginsev

Dieses war dann weniger einfach zu spielen als gedacht, aber Zvjaginsev zeigte sich einmal mehr als Endspiel-König und gewann souverän. Nach der Partie schaute sich Evgeny Shaposhnikov das Endspiel noch einmal zusammen mit Valery Loginov an. Obwohl Schwarz sich hätte besser verteidigen können, war es nicht zu halten.


Shaposhnikov und L
oginov

Runde 7

Der Kampf an Tisch 1 zwischen Dreev und Zvjaginsev war nicht geeignet, die Zuschauer zu beeindrucken. Erneut begnügte sich Dreev mit einem kurzen Remis. Dafür zeigten die übrigen Spieler viel Kampfgeist, besonders Vitaly Tseshkovsky und Alexander Khalifman.

Für "El Kahlif", zum zweiten Mal hintereinander mit Weiß, war es die letzte Chance zur Spitze aufzuschließen. Und es sah gut aus, denn Alexander hatte bald einen Benoni mit Extra-Tempo auf dem Brett. Allerdings zeigte sich Tseshkovsky nicht unzufrieden mit seine Position und machte sich keine Sorgen um das verlorene Tempo. Schwarz errang bald die Initiative in einer Stellung mit Rochaden an entgegen gesetzte Flügel.


K
halifman

Nachher glaubte Tseshkovsky, dass er den Gewinn verpasst hat. Er opferte einen Bauern und Khalifman musste sich äußerst konzentriert verteidigen, um die Stellung zu halten. Alexander gab Material zurück und spielte auf Gewinn, doch die schwarzen Figuren waren zu aktiv, so dass das Remis unausweichlich wurde.


Tseshkovk
ys König im ewigen Schach

Eine witzige Geschichte passierte an den Brettern von GM Denis Yevseev und IM Sergey Solovjov. Die beiden St. Petersburger Freunde hatten gegen GMs Alekseev und Riazantsev die gleiche, etwas unsolide, Variante in der Slawischen Verteidigung vorbereitet. Im 14. Zug wichen die Partien voneinander ab. Solovjov verlor, während Yevseev im 30. Zug remis durch Zugwiederholung forcierte.


Alekseev-Y
evseev (li.).

Sergey Ivanov landete seinen zweiten Sieg in Folge, diesmal gegen Sergey Volkov.


Ivanov (re.), Volkov.jpg.

Evgeny Najer gewann gegen Konstantin Landa, nachdem dieser einen furchtbaren Fingerfehler in Zeitnot gemacht hatte.

Der 14-jährige Dmitry Andreikin hielt ohne Mühe remis gegen den früheren Europameister Pavel Tregubov. Der Youngster hat nun 1 Sieg und 8 Remis gegen einen FM und acht GM gemacht gegen einen Gegnerschnitt von Elo 2576!


(r7-andreikin.jpg)

Runde 8

Das Turnier verlief bisher völlig störungsfrei, ein Verdienst der Organisatoren und Schiedsrichter.


Die Schiedsrichter. Drei St. Petersburger und als VIP-Gast aus Moskau Vladimir Dvorkovich

Die Nachricht des Tages war die Einladung des 18-jährigen St. Petersburger Großmeister Evgeny Alekseev zur FIDE-Weltmeisterschaft. "Viel Glück und pass' auf, dass sie dich nicht gleich am Flughafen einsperren," lautete der Gruß von Sergey Ivanov an den jungen Mann. Trotz seiner Jugend hat Alekseev nämlich schon das Land im Nahen Osten bereist, dass von Libyen nicht als sein bester Freund angesehen wird.


Khalifman und Shoposhnikov diskutieren über die FIDE-Weltmeisterschaft.


Die Partie zwischen Najer und Dreev endete remis. Najer konnte gegen Dreevs Caro-Kann keinerlei Vorteil nachweisen. Dies sicherte Dreev praktisch schon den ersten Platz und die Qualifikation für das Superfinale.


Dreev und Najer in der Analyse

Vladimir Epishin bearbeitet wie eine Dampframme die Verteidigung von Pavel Tregubov. Schließlich musste Tregubov Material aufgeben und war im Endspiel verloren. Epishin konnte dadurch Tseshkovsky noch einholen.


Kraftvoll: Epishin

Ian Nepomniashchy gewann eine weitere Partie mit Schwarz und kam so zurück in die 50%-Gruppe. Der junge IM pflegt einen sehr unternehmenden Stil, überschätz aber oft seine Möglichkeiten. Doch wenn man erst 13 Jahre alt, hat man noch genügend Zeit zur Entwicklung.


Nepomniaschij

Vielleicht hat die Einladung zur WM Alekseevs Konzentration gestört. Für seine gute Technik bekannt, misshandelte er diesmal ein besseres Endspiel gegen Popov und verlor.

Nachdem alle Partien des Tages beendet waren, bleiben nur noch Tseshkovsky und Ivanov auf der Bühne. Tseshkovsky hatte das Remis sicher, spielte aber auf Gewinn. Schließlich erreichten die beiden ein Endspiel, das es in sich hatte.


Das Endspiel

Auf den ersten Blick schien es leicht gewonnen für Weiß, doch Schwarz hatte eine Reihe von Ideen, das Remis zu erreichen, basierend auf Pattmotiven und der Möglichkeit eine Festung zu bauen. Nach einigen mysteriösen Zügen nach der Zeitkontrolle endete die Partie im 72.Zug mit Remis. Nach der Partien und selbst am nächsten Tag wurde das Endspiel von mehreren Teilnehmern analysiert, die zu unterschiedlichen Urteilen kamen. Sergey Ivanov meinte, er hätte in jeder Variante ein Remis gefunden, Valery Popov war in Bezug auf die weißen Gewinnchancen optimistischer. Seine Analyse wurde sogar noch auf der Schlussfeier geprüft.

Runde 9

Es dauerte nur 15 Minuten, dann war das Remis zwischen Alexey Dreev und Sergey Ivanov unter Dach und Fach und Dreev damit Turniersieger. Ivanov wurde dadurch Vierter bis Zehnter.

 
Dreev-Ivanov. Handschlag zum Turniersieg

Valery Popov konnte mit einem Sieg über Vitaly Tseshkovsky unter die ersten Drei kommen. Beide Spieler überraschten sich gegenseitig in de Eröffnung und am Ende wurde die Partie remis. Sofort begannen Sie mit der Analyse, wurden aber nach Protest der übrigen Spieler von den Schiedsrichtern in den Analyseraum gebeten,


Epishin beklagt sich über die Analyse am Nebenbrett

Nachdem Alexander Khalifman sich mit seinem Remis gegen Najer aus dem Rennen um die Qualifikation verabschiedet hatte, hatte Epishin die Chance sich durch einen Sieg über Zvjaginsev zu qualifizieren, doch er kam trotz aller Bemühungen nicht über Remis hinaus.

Insgesamt 20 Preisgelder waren zu vergeben und so wurde auch an den mittleren und hinteren Brettern bis zum Schluss eifrig gekämpft. Zu den Siegern gehörte der Moskowiter Riazantsev, der gegen Volkov gewann.


Riazantsev

Vor der Siegerehrung gingen die meisten Spieler noch auf ihre Hotelzimmer, doch die St. Petersburger Großmeister Loginov, Shaposhnikov und Alekseev verließen den Turnierraum nicht und unterhielten sich mit Fischer-Random-Schach.  


Fischer-Random

Am Ende standen Alexey Dreev, Vitaly Tseshkovsky und Vladimir Epishin als Qualifikanten für das Superfinale fest, das wohl im November stattfinden soll. Dreev hielt eine Rede in der er sich dafür aussprach, dass dorthin auch Khalifman (4. nach Buchhoiz) eingeladen werden solle.


Dreevs-Rede

 
Vitaly Tseshkovsky
auf der Schlussfeier


"Ich kenne das Geheimnis!"
Valery Popov (mit Sonnenbrille) machte 4/5 in der zweiten Hälfte des Turniers. Links: Ivanov, rechts: Ionov

Hier folgen noch drei Bilder von den "Weißen Nächten von St. Petersburg". Die Bilder (außer dem mit der Uhr) wurden um 23 Uhr nachts aufgenommen. Richtig dunkel wird es erst um Mitternacht.




 

Endstand in St.Petersburg

Dreev - 6,5,
Tseshkovsky and Epishin - 6,

Ivanov, Khalifman, Najer, Popov, Riazantsev, Sakaev and Zvjaginsev - 5,5,
Andreikin, Landa, Romanov, Tregubov and Yakovich - 5,
Alekseev, Belov, Ionov, Nikolenko, Shaposhnikov, Volkov and Yevseev - 4,5,
Burmakin, Danin, Dolmatov, Kurnosov, Kuzmin, Loginov and Nepomniashchy - 4,
Dobrov and Solovjov - 3,5,
Gleizerov - 2,5,
Silivanov and Shapovalenko - 1.

Die Partien aus St. Petersburg zum Nachspielen...

Endstand in Tomsk:

1. Motylev, Alexander g RUS 2649 6.5;
2. Timofeev, Artyom g RUS 2591 6.0; 3. Inarkiev, Ernesto g RUS 2595 6.0; 4. Korotylev, Alexey g RUS 2565 6.0; 5. Jakovenko, Dmitry g RUS 2582 6.0; 6. Smirnov, Pavel g RUS 2601 6.0;
7. Rustemov, Alexander g RUS 2593 5.5; 8. Bocharov, Dmitry g RUS 2567 5.5; 9. Khismatullin, Denis RUS 2537 5.0;
10. Filippov, Valerij g RUS 2639 5.0; 11. Kosyrev, Vladimir g RUS 2529 5.0; 12. Sorokin, Maxim g RUS 2583 5.0; 13. Rublevsky, Sergei g RUS 2671 5.0; 14. Kharlov, Andrei g RUS 2593 5.0; 15. Belozerov, Andrei g RUS 2552 5.0; 16. Dvoirys, Semen I g RUS 2612 5.0; 17. Kobalia, Mikhail g RUS 2630 5.0;
18. Galkin, Alexander g RUS 2602 4.5; 19. Gajsin, Evgenij RUS 2404 4.5; 20. Shariyazdanov, Andrey g RUS 2575 4.5; 21. Lastin, Alexander g RUS 2622 4.5; 22. Maletin, Pavel f RUS 2423 4.5;
23. Ulibin, Mikhail g RUS 2579 4.0; 24. Kornev, Alexei RUS 2582 4.0; 25. Kiriakov, Petr g RUS 2568 4.0; 26. Sherbakov, Ruslan g RUS 2564 4.0; 27. Khairullin, Ildar f RUS 2481 4.0; 28. Yagupov, Igor g RUS 2441 4.0; 29. Yudin, Sergei f RUS 2425 4.0;
30. Vorobiov, Evgeny E g RUS 2552 3.5; 31. Yandemirov, Valeri g RUS 2494 3.5; 32. Iskusnyh, Sergei g RUS 2507 3.5;
33. Novikov, Maxim m RUS 2426 3.0;
34. Frolov, Denis m RUS 2401 2.5; 35. Loskutov, Oleg m RUS 2433 2.5;
36. Nazarov, Nikolay RUS 2256 0.5;


Die Partien aus Tomsk zum Nachspielen...



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